DEGAM 2019
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One-Slide-Five-Minutes

Moderatoren: Hueber , Susann , Dr.
 
Shortcut: OS
Datum: Freitag, 13. September 2019, 17:30
Raum: Zahnklinik Hörsaal 1
Sessiontyp: One-Slide-Five-Minutes

Abstract

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17:30 OS-01

Neue Impulse für die interprofessionelle Lehre - Ergebnisse einer Evaluation des interprofessionellen Wahlfachs Palliativmedizin an der Medizinischen Fakultät Dresden (#116)

M. Bortz1, P. Borchers1, G. Hübsch1, J. Schübel1, A. Bergmann1

1 Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland

Hintergrund

Die Patientenversorgung wird durch eine komplexe Zusammenarbeit und Koordination verschiedenster Berufsgruppen gesichert. Vor diesem Hintergrund erscheint die Etablierung interprofessioneller Lehrformate bereits während der Ausbildungs- und Studienphase sinnvoll.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Im Rahmen des Vortrags werden wir die Ergebnisse einer Lehrevaluation im Rahmen des interprofessionellen Wahlfachs Palliativmedizin an der Medizinischen Fakultät Dresden vorstellen und diskutieren. Vordergründig werden wir der Frage nachgehen, inwiefern eine interprofessionelle Lehre zu einem berufsgruppenübergreifenden Verständnis beitragen und die Teamarbeit fördern kann.

Inhalt

Im Sommersemester 2019 nahmen jeweils 12 Studierende der Medizin und Pflegeauszubildende an dem Wahlfach Palliativmedizin teil. Dieses bestand aus multiplen, praxis-orientierten Lehrmodulen (u.a. Kleingruppen-Seminaren, Hospitationen, Schauspiel- und Stationstraining). Zur Evaluation erfolgten quantitative prä-/post-Befragung in Form eines standardisierten Fragebogens. Des Weiteren wurden Fokus-Gruppen-Diskussionen und teilstrukturierte Interviews durchgeführt, um Lernfortschritte in den Bereichen a) Patientenversorgung, b) Arbeiten in einem interprofessionellen Team und c) Kommunikations- und Einfühlungsvermögen zu erfassen sowie Herausforderungen im Prozess der interprofessionellen Lehre zu identifizieren.

Take Home Message für die Praxis

Die Ergebnisse der Evaluation und deren Diskussion sollen Lehrverantwortlichen kritsche Ansatzpunkte zur Gesaltung einer interprofessionellen Lehre liefern.

Stichwörter: Interprofessionelle Lehre, Evaluation, Palliative Care
17:36 OS-02

Neues Organisationsmodell für die Integrative Gesundheitsversorgung in der ambulanten Primärversorgung (#130)

N. Altmann1, L. Werdecker1, T. Esch1

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung (IGVF), Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Die Universitätsambulanz für Integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde (UnIG) am Standort Witten/Herdecke ist ein Pilotprojekt, in dem seit November 2018 ein bundesweit neues Organisationsmodell für die Integrative Gesundheitsversorgung in ambulanten Strukturen erprobt wird.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Welchen Mehrwert bietet das Versorgungskonzept? Wie kann die hausärztliche Versorgung Erkenntnisse nutzen?

Inhalt

Wichtige Versorgungsziele der UnIG sind die Steigerung der Patientenaktivierung, die Stärkung der Gesundheitskompetenz und der Partizipation der Patienten. Um dies zu erreichen, basiert der Behandlungsansatz der UnIG auf einer ganz­heit­li­chen und res­sour­cen­ori­en­tier­ten Medi­zin entsprechend Her­bert Bensons ​„drei­bei­ni­gem Stuhl“. Dieser Stuhl stützt sich auf die drei Stuhlbeine a) Medi­ka­mente (was der Arzt oder The­ra­peut verschreibt), b) medi­zi­ni­sche Pro­ze­du­ren (was der Arzt oder The­ra­peut mit dem Patienten macht) und c) Selbst­hei­lung des Patienten. Letztere nimmt in der konventionellen Medizin bisher einen geringen Stellenwert ein. Die integrative Behandlung in der UnIG erfolgt durch den Einsatz moderner Diagnostik, leitlinienbasierter Therapie, Naturheilverfahren sowie Mind-Body-Medizin unter Einbindung einer elektronischen Patientenakte (ePA) inkl. Zugang zur ärztlichen Dokumentation für Patienten (Gesundheitsportal), entsprechend dem OpenNotes-Konzept aus den USA. Daneben werden in der UnIG über die Regelversorgung hinausgehende Berufsgruppen (Case-Manager, Therapeuten für Gesundheitsförderung, Sozialkoordination durch Medizinische Fachangestellte) etabliert. Die Integration eines gesundheitsfördernden Lebensstils in den Alltag des Patienten wird durch Gruppenangebote in den Bereichen Stress, kognitives Verhaltenstraining, Bewegung, Entspannung und Ernährung (BERN-Konzept) unterstützt. Innerhalb des multiprofessionellen Versorgungsteams finden täglich individuell-patientenbezogene Fallbesprechungen statt. Die UnIG wird ein ambulanter Lernort für Medizin-Studierende des neuen Modellstudiengangs MSG18+ der Universität Witten/Herdecke sein. Diese lernen während ihrer Ausbildung ein innovatives Versorgungsmodell kennen. Die Tätigkeit der UnIG wird durch eine wissenschaftliche Evaluation begleitet und folgt dem Triple-Aim- bzw. Quadruple-Aim-Ansatz.

Take Home Message für die Praxis

Das Organisationsmodell der UnIG liefert einen innovativen Behandlungsansatz zur integrativen Gesundheitsversorgung, der beispielhaft aufzeigt, auf welchen Ebenen die individuelle Gesundheitsförderung/Selbstaktivierung insbesondere bei Menschen mit chronischen Erkrankungen in den Praxisalltag integriert werden kann.

Stichwörter: Versorgungskonzept, Organisationsmodell, Primärversorgung
17:42 OS-03

Implementierung eines Patientenportals mit Anbindung an eine elektronische Patientenakte in der Primärversorgung (#132)

N. Altmann1, L. Werdecker1, T. Esch1

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung (IGVF), Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Elektronische Patientenportale ermöglichen Patienten bereits in vielen Ländern den Zugang zu radiologischen Befunden, Medikationsplänen sowie den Einblick in die ärztliche Dokumentation. Studien u. a. aus den USA zeigen, dass der Zugang zu den eigenen Gesundheitsdaten sowohl das Interesse an der eigenen Gesundheit als auch die Eigeninitiative zur Stärkung der Gesundheit fördert. In Deutschland werden derzeit mit dem Ausbau der Telematikinfrastruktur die technischen Voraussetzungen für elektronische Patientenakten und daran angebundene Patientenportale geschaffen. Die erfolgreiche Implementierung eines Patientenportals erfordert ein fundiertes Verständnis für die Akzeptanz und das Nutzungsverhalten innerhalb der Patienten- und Ärzteschaft.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Welche (finanziellen, technologischen und personellen) Ressourcen sind für die erfolgreiche Implementierung eines Patientenportals erforderlich?

Inhalt

Mit der Eröffnung der Universitätsambulanz für Integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde (UnIG) an der Universität Witten/Herdecke im November 2018 wurde ein datenschutzkonformes Patientenportal mit Zugang zu der vom Arzt geführten Patientenakte erstmals in Deutschland als Pilotprojekt eingeführt. Dies soll künftig evaluiert und zu einer von Arzt und Patient gemeinsam geführten Akte weiterentwickelt werden. Ziel ist die Verbesserung der Versorgungsqualität. Die Nutzung des Patientenportals soll die Patientenaktivierung erhöhen, die Partizipation der Patienten steigern sowie das Arzt-Patienten-Verhältnis durch Transparenz verbessern.

Erste Schritte der Implementierung zeigen, welche unterschiedlichen Ressourcen zur Einführung eines Patientenportals mit Anbindung an eine elektronische Patientenakte erforderlich sind.

Finanziell: Festlegung, ob das Patientenportal über das Praxisinformationssystem oder über einen externen Software-Anbieter bereitgestellt wird. Dies erfordert unter Umständen den Zukauf von IT-Leistungen.

Technologische Ressourcen: Integrieren des Patientenportals in das Praxisverwaltungssystem, Sicherstellung eines kontinuierlichen technischen Supports einschließlich Mitarbeiterschulung.

Personell: Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten im Bereich Datenschutz, Schweigepflicht, Informieren und Anleiten der Patienten, Ansprechpartner sowie Pflege des Patientenportals.

Kulturwandel bei Gesundheitspersonal und Patienten.

Take Home Message für die Praxis

Die Bereitstellung eines elektronischen Patientenportals bedarf einer sorgfältigen Planung und einer Integration in den Praxisalltag. Dabei ist das Einbeziehen der Praxismitarbeiter sowie der Patienten in den gemeinsamen Entwicklungsprozess entscheidend. Ein Kulturwandel hin zu einer transparenten Arzt/Therapeuten-Patienten-Beziehung kann so initiiert werden.

Stichwörter: Elektronische Patientenakte, Patientenportal, Implementierung, Primärversorgung, Arzt-Patienten-Kommunikation
17:48 OS-04

Monitoring der Versorgungslage junger Erwachsener mit Asthma bronchiale in Deutschland – welchen Beitrag können bundesweite Gesundheitssurveys leisten? (#149)

H. Steppuhn1, Y. Du1, C. Scheidt-Nave1

1 Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund

Qualitätsindikatoren zur systematischen Abbildung der Versorgungslage von Patientinnen und Patienten mit Asthma bronchiale sind international etabliert. Als Grundlage werden neben Routinedaten vor allem Daten epidemiologischer Studien genutzt. Auf Basis einer aktuellen Erhebung aus Großbritannien ergeben sich Hinweise auf eine hohe Variabilität der Versorgungssituation insbesondere im Hinblick auf junge Erwachsene mit Asthma. In Deutschland liegen bislang keine vergleichbaren Untersuchungen für diese Bevölkerungsgruppe vor.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Anhand etablierter Qualitätsindikatoren wurde untersucht, wie sich die Versorgungslage junger Erwachsener mit Asthma bronchiale in Deutschland auf Basis von Daten bevölkerungsbasierter Gesundheitssurveys des bundesweiten Gesundheitsmonitorings darstellt.

Inhalt

Für junge Erwachsene im Altersbereich 18-34 Jahre mit selbstberichtetem ärztlich diagnostizierten Asthma bronchiale, das in den letzten 12 Monaten bestand, waren Informationen aus drei bundesweiten Gesundheitssurveys verfügbar. In der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) 2008-2011 wurden dabei Daten zur Arzneimittelanwendung (n=89) erfasst und im telefonischen Befragungssurvey „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) 2010 Daten zu nicht-medikamentösen Aspekten des Asthmamanagements (n=249) erhoben. Im Follow-up Arm der aktuellen Welle 2 der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS) 2014-2017 standen bei erwachsenen Wiederteilnehmenden (18-31 Jahre) darüber hinaus vor allem Daten zur Teilnahme an Asthma-Schulungen (n=274) zur Verfügung. Bevölkerungsgewichtete Ergebnisse für junge Erwachsene im Altersbereich 18-34 Jahre mit Asthma zeigten, dass insgesamt 18,5% der Teilnehmenden inhalative Corticosteroide (ICS) anwenden. Unter denjenigen mit Dauermedikation betrug dieser Anteil 57,4%. Hinsichtlich nicht-medikamentöser Aspekte des Asthmamanagements wurden niedrige Raten für die Bereitstellung eines Asthma-Selbstmanagementplans (26,5%) und die jährliche Überprüfung der Inhalationstechnik (31,0%) beobachtet. Darüber hinaus nahmen nur 12,8% der erwachsenen Wiederteilnehmenden (18-31 Jahre) mit Asthma in KiGGS an einer Asthma-Schulung teil.

Take Home Message für die Praxis

Ergänzend zur hausärztlichen Versorgungsforschung können bevölkerungsbasierte Gesundheitssurveys des bundesweiten Gesundheitsmonitorings wichtige Erkenntnisse zum Krankheits- und Versorgungsgeschehen bei jungen Erwachsenen mit Asthma bronchiale liefern. Für diese Altersgruppe ergeben sich dabei Hinweise auf spezifische Barrieren in der Implementierung medikamentöser sowie nicht-medikamentöser Versorgungsmaßnahmen.

Stichwörter: Asthma bronchiale, junge Erwachsene, Gesundheitssurveys, Qualitätsindikatoren, Versorgungsforschung
17:54 OS-05

Evaluation der bayerischen Wirkstoffvereinbarung aus Sicht der niedergelassenen ÄrztInnen – Die WirtMed-Studie zur Wirtschaftlichkeit und Qualität von Medikamenten-Verordnungen (#152)

N. Lippert1, J. Gollnick2, J. Muth2, J. Fischaleck3, N. Donner-Banzhoff2, P. van der Keylen1, T. Kühlein1

1 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland
2 Philipps Universität Marburg, Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland
3 Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Um die wirtschaftliche Verordnung von Arzneimitteln zu gewährleisten und zugleich den PatientInnen die bestmögliche Behandlung zu Teil werden zu lassen, wurde im Jahr 2014 die bayerische Wirkstoffvereinbarung eingeführt. Hierbei erhalten ambulant praktizierende ÄrztInnen in Form eines Ampelsystems quartalsweise Rückmeldung zur Wirtschaftlichkeit ihres Verschreibungsverhaltens, orientiert an Leitsubstanz- und Generikaquoten. Es gilt, dieses neu eingeführte Prüf- und Steuerungssystem kontinuierlich zu optimieren und weiterzuentwickeln, indem die Erfahrungen niedergelassener ÄrztInnen erfasst und analysiert werden.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Welche Auswirkungen hat die bayerische Wirkstoffvereinbarung (einschließlich Rückmeldung und Reaktionen) auf das Verordnungs- und Überweisungsverhalten? Wie schaffen es die niedergelassenen ÄrztInnen, die vorgegebenen Ziele («grüner Punkt» für das Gesamtziel) zu erreichen und wie ist die persönliche Wahrnehmung und Erfahrung des Prüf- und Steuerungsverfahrens? Es geht um eine detaillierte Ermittlung der Konsequenzen der 2014 eingeführten bayerischen Wirkstoffvereinbarung auf Mikroebene.

Die Stichprobe besteht aus n = 65 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten. Davon werden n = 20 Ärzte im Einzelinterview, mit Schwerpunkt auf deren individuelle Wahrnehmung und Einstellung gegenüber der Rückmeldung und n = 45 ÄrztInnen in Fokusgruppen befragt.

Inhalt

Die Ergebnisse sollen einerseits Erfolge und Gewinne sowie Schwierigkeiten und Barrieren der bayerischen Wirkstoffvereinbarung, auch im Vergleich zu vorherigen Prüfverfahren, aufzeigen. Es wird berichtet, wie die ÄrztInnen auf die Rückmeldungen im Rahmen der Wirkstoffvereinbarung reagieren. Durch die Interviews sollen schließlich Ideen und Anregungen zur Weiterentwicklung der Steuerungs- und Prüfmethoden generiert werden Die Fokusgruppen ermöglichen darüber hinaus, ein offenes und dynamisches Gespräch unter Fachkollegen anzuregen, um so zusätzliche Informationen und Vorschläge zur Modifikation der bayerischen Wirkstoffvereinbarung einzuholen, die durch standardisierte Einzelbefragungen nicht erfasst werden könnten.

Take Home Message für die Praxis

Es soll gezeigt werden, wie die bayerische Wirkstoffvereinbarung effektiv in den Praxisalltag integriert werden kann.

Stichwörter: WirtMed-Studie, Bayerische Wirkstoffvereinbarung, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Verordnungsverhalten, Verordnung, Feedback, Innovationsfond
18:00 OS-06

Prävention und Gesundheitsförderung in der Primärversorgung – Zwei Paradigmen hinter einer Tür? (#153)

L. Werdecker1, T. Esch1

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung, Witten, Deutschland

Hintergrund

Demografische und epidemiologische Veränderungen erfordern eine stärkere Integration von Prävention sowie Gesundheitsförderung in die bestehenden Versorgungssegmente Kuration, Palliation, Rehabilitation und Pflege. Unterstützt wird das Vorhaben seit dem Jahr 2015 mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (PrävG). Prävention und Gesundheitsförderung folgen originär zwei zunächst konträren Paradigmen: Pathogenese (Krankheitsentstehung) und Salutogenese (Gesundheitsentstehung). So liegt in der Prävention der Fokus auf der Krankheitsverhütung und Vermeidung von Risikofaktoren. Gesundheitsförderung zielt hingegen auf die Stärkung von gesundheitsbezogenen Ressourcen ab.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Wie kann eine Integration von sowohl Prävention als auch Gesundheitsförderung im Versorgungsverlauf gelingen? Welche Berufsgruppen übernehmen welche Rolle und benötigen welche Kompetenzen? Wie gehen Patientinnen und Patienten mit diesem Kulturwandel um?

Inhalt

Hausärztinnen und Hausärzte übernehmen gemeinsam mit ihren Teams bereits heute eine bedeutende Rolle in der Prävention (Gesundheitsaufklärung, Impfungen, Check-ups, etc.). Gesundheitsförderung wird hingegen oftmals aufgrund des paradigmatischen Konflikts, hoher Arbeitslast und fehlender Zeit, geringerem Wissen oder auch fehlender Vergütungsstrukturen vernachlässigt. Zu diskutieren gilt es die Vor- und Nachteile sowie Barrieren eines a) Eintüren- und b) Zweitüren-Modells. Das Eintüren-Modell beschreibt die Vereinigung der pathogenetischen und salutogenetischen Perspektive in einer Person/Berufsgruppe. Wohingegen das Zweitüren-Modell eine enge Zusammenarbeit zweier Personen/Berufsgruppen vorsieht – eine Person/Berufsgruppe mit einer eher pathogenetischen Orientierung und eine weitere Person/Berufsgruppe, die gesundheitsförderliche Aspekte in die Versorgung einbringt. Als Beispiel für das Zweitüren-Modell dient die Universitätsambulanz für Integrative Gesundheitsversorgung und Naturheilkunde an der Universität Witten/Herdecke. Dort arbeiten Allgemeinmediziner und Therapeuten für Gesundheitsförderung gemeinsam mit Patienten.

Take Home Message für die Praxis

Eine integrative Umsetzung von Prävention und Gesundheitsförderung im Versorgungsverlauf erfordert eine Auseinandersetzung mit zwei unterschiedlichen Paradigmen. Eine Veränderung der Patientenrolle bei einem zukünftig stärker salutogenetisch ausgerichteten Gesundheitssystem muss ebenfalls mitgedacht werden.

18:06 OS-07

Vorstellung der WirtMed-Studie – Die Verordnung von Arzneimitteln: Prüfung und Steuerung von Wirtschaftlichkeit und Qualität (#338)

J. Muth1, J. Gollnick1, M. Schulz2, D. Franiel2, J. Fischaleck3, W. LangHeinrich4, L. Sundmacher5, R. Flemming5, T. Kühlein6, N. Lippert6, O. A'Walelu7, B. Kollar7, C. Watzenberger8, W. Adolf8, A. Mohr9, A. M. Paganoni10, F. Ieva10, O. Hirsch11, N. Donner-Banzhoff1

1 Philipps-Universität Marburg , Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg , Hessen, Deutschland
2 Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin , Berlin, Deutschland
3 Kassenärztliche Vereinigung Bayerns , München, Bayern, Deutschland
4 Kassenärztliche Vereinigung Hessen, Frankfurt, Hessen, Deutschland
5 Ludwig-Maximilians-Universität München, Fachbereich Health Services Management , München, Bayern, Deutschland
6 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland
7 AOK- Die Gesundheitskasse in Hessen, Eschborn , Hessen, Deutschland
8 AOK Bayern - Die Gesundheitskasse, München, Bayern, Deutschland
9 AOK Plus – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen, Dresden, Sachsen, Deutschland
10 MOX - Modeling and Scientific Computing, Dipartimento di Matematica , Mailand , Italien
11 FOM Hochschule Hochschulzentrum Siegen, Siegen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Bei der Verordnung von Arzneimitteln ist das Wirtschaftlichkeitsgebot des SGB V zu beachten: Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Um dies zu kontrollieren, werden vom Gesetzgeber Steuerungsmechanismen und Prüfungen zur Wirtschaftlichkeit ärztlicher Verordnungen verlangt. Frühere Verfahren zur Prüfung sind jedoch in Kritik geraten, da gerade Praxen mit breitem Versorgungsspektrum benachteiligt werden. Aus Angst vor einem Regress oder Prüfung werden hochpreisige (aber medizinisch unter Umständen vorteilhafte) Medikamente oftmals nicht verordnet oder Patienten werden für diese Medikamentenverordnungen an einen Facharzt überwiesen. Ziel der WirtMed-Studie ist die Entwicklung und Erprobung von Verfahren zur Steuerung und Prüfung der Verordnung in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Versorgungsqualität.

Fragestellung / Diskussionspunkt

In fünf Teilprojekten werden folgende Fragen untersucht: Welchem Ausbreitungsmuster folgen Arzneimittelverordnungen, ausgehend von der Erstverordnung, die einerseits kostenintensiv sind und eine umstrittene Wirksamkeit und Qualität aufweisen? Wo werden diese Verordnungen initiiert (Krankenhaus versus Facharzt/Schwerpunktpraxis versus Hausarzt)? Inwieweit führen sie zu Folgeverordnungen? Welche Ergebnisse erzielen verschiedene Steuerungsinstrumente bzw. Prüfvereinbarungen im Vergleich? Wie wird die bayerische Wirkstoffvereinbarung subjektiv bewertet, welche Konsequenzen hat sie? Ziel ist, eine Tool-Box zur verbesserten Steuerung und Prüfung von Arzneimittelverordnungen zu entwickeln und die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Qualität im ambulanten Sektor zu erhöhen.

Inhalt

Neben einer Analyse von Routinedaten der AOKs Bayern, Hessen und PLUS (Sachsen und Thüringen), der Kassenärztlichen Vereinigungen (insbesondere der KV Bayerns und Hessen) finden qualitative Befragungen von niedergelassenen Ärzten statt. Erstmalig wird der Einfluss der Krankenhaus-Entlassmedikation auf die ambulante Versorgung untersucht. Bisher wurde eine Wirkstoffliste mit beobachtungswürdigen Substanzen entwickelt, anhand derer derzeit die Ausbreitung von Arzneimittel im niedergelassenen Sektor untersucht wird. Ebenso liegt der Analyseplan vor, anhand dessen mittels definierter Variablen ein Vergleich derzeit praktizierter Prüfvereinbarungen durchgeführt wird (Bayern versus Hessen, Bayern früher und aktuell). Die Kooperation von Krankenkassen, KVen und wissenschaftlichen Einrichtungen lässt erwarten, dass innerhalb des Projekts verbesserte Methoden der Steuerung von Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit entwickelt werden können.

Take Home Message für die Praxis

Nicht zutreffend

Stichwörter: Arzneimittelverordnung, Wirtschaftlichkeit und Qualität, Steuerungsmechanismen, Wirtschaftlichkeitsgebot, Wirtschaftlichkeitsprüfung, Bayerische Wirkstoffvereinbarung
18:12 OS-08

Blended Learning im PJ-Tertial Allgemeinmedizin (PJenAmbulant2020) - Projektvorschau (#55)

M. Sommer1, I. Petruschke1, A. Meier1, S. Schulz1, J. Bleidorn1

1 Friedrich-Schiller-Universität, Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums, Jena, Thüringen, Deutschland

Hintergrund

Vor dem Hintergrund des Masterplan2020 mit geplantem ambulanten Pflichtquartal im Praktischen Jahr (PJ) wird davon ausgegangen, dass die Mehrzahl aller Studierenden eines Jahrgangs das Fach Allgemeinmedizin wählen werden. Als Folge werden deutlich mehr PJ-Studierende zeitgleich in mitunter weit entfernten Lehrpraxen ausgebildet. Um die Ausbildung im PJ weiterzuentwickeln, erscheint das Blended Learning - ein Lehrkonzept, das Präsenz- und Onlineveranstaltungen verbindet - geeignet.

Fragestellung

Ziel des Projekts ist, ein Blended-Learning-Seminarprogramm für PJ-Studierende in der Allgemeinmedizin zu konzipieren, implementieren und zu evaluieren.

Methoden

Konzeption

Es werden abwechselnd zwei Online- und Präsenzveranstaltungen á 90 min geplant. Zur Reduktion der Präsenzveranstaltungen wird es eine abgegrenzte Online-Veranstaltung geben. Inhaltlich werden hausärztlich relevante Themen aus dem PJ-Logbuch gewählt. Die Planungsschritte berücksichtigten sowohl Online- als auch Präsenzveranstaltungen sowie Arbeitsaufwand, Inhalte, Methoden, Betreuung, technische Voraussetzungen bis hin zur Evaluation und Lernkontrolle. Anregungen zur Onlinemoderation wurden dem 5-Stufen-Modell von Salmon, G. (2004) entnommen. Als Lernplattform steht Moodle™ zur Verfügung.

Implementierung

Es ist eine Pilotierung durch drei ärztliche Kollegen geplant. Nach Anpassung wird die Evaluation an einer Kohorte von Studierenden im zweiten Studienabschnitt erfolgen. Zur weiteren Verbesserung werden aktuelle PJ-Studierende zum Gesamtkonzept befragt und, wenn möglich, die Anmerkungen eingearbeitet. Darüber hinaus erfolgen mehrfache hochschuldidaktische Beratungen mit konsekutiver Anpassung. Die erste Kohorte wird perspektivisch Ende 2019 das Seminarprogramm durchlaufen.

Evaluation

Die Evaluation bezieht sich auf Lernziele, Inhalt, Methoden und Lernfortschritte der Studierenden und findet zu Beginn, im Verlauf und am Ende des Seminarprogramms statt. Das Onlineformat wird nach den Parametern des „Universitätsprojekts Lehrevaluation“ der Friedrich-Schiller-Universität Jena evaluiert.

Ergebnisse

Es werden das Konzept und die bis dahin erfolgte Umsetzung präsentiert.

Diskussion

Das Konzept eines Blended Learning-Seminarprogramms im PJ-Wahltertial (-quartal) Allgemeinmedizin erscheint geeignet, die Anforderungen des Masterplan2020 umzusetzen. Vorteile und Begrenzungen dieses Konzepts werden erörtert.

Take Home Message für die Praxis

Das Konzept eines Blended Learning-Seminarprogramms im PJ-Wahltertial (-quartal) Allgemeinmedizin erscheint geeignet, die Anforderungen des Masterplan2020 umzusetzen.

Stichwörter: Blended Learning, Praktisches Jahr, Digitale Lehrformate
18:18 OS-09

Wir wollen die Weiterbildung verbessern - aber was wollen die ÄiW eigentlich? – ein Werkstattbericht aus Nordwest-Deutschland (#321)

H. Diederichs-Egidi1, J. Biesewig1, S. Heim3, G. Egidi1, B. Engel5

1 keine, Hausarztpraxis, Bremen, Bremen, Deutschland
2 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland
3 Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, Institut für Allgemeinmedizin, Oldenburg, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Seit 2018 gibt es in fast allen Bundesländern Kompetenzzentren Allgemeinmedizin. Neben Wissen und Fertigkeiten sollen auch die kommunikativen Kompetenzen sowohl der Weiterbildenden als auch der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) verbessert werden. Engagierte Weiterbildende stricken eifrig an Weiterbildungs-Curricula und didaktischen Techniken - die Perspektive der ÄiW bleibt dabei aber außen vor.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Welche Bedürfnisse äußern die ÄiW hinsichtlich ihrer Weiterbildung? Welche Eigenschaften wünschen sie sich von ihren Weiterbildungspraxen und den dort tätigen Ärztinnen und Ärzten?

Inhalt

280 niedersächsische ÄiW wurden per Mail über das KW angeschrieben. antworteten. Sie wurden darum gebeten, online einen Fragebogen mit 16 Items auszufüllen. Zusätzlich wurden soziodemografische Daten erhoben und Freitext-Angaben gesammelt. Von 117 ins niedersächsische Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin (KANN) eingeschriebene ÄiW (2018 bzw. 2019) antworteten 36. Die teilweise sehr überraschenden Ergebnisse werden beim DEGAM-Kongress vorgestellt werden.

Take Home Message für die Praxis

Geäußerte Bedürfnisse der ÄiW und von den Weiterbildenden beobachteter faktischer Lern-Bedarf insbesondere auf dem Feld kommunikativer Fähigkeiten scheinen nicht durchgängig kongruent zu sein. Diese Diskrepanz stellt eine besondere Herausforderung für Alle dar, die in den Kompentenzzentren die Weiterbildung organisieren.

Stichwörter: Weiterbildung -, Weiterbildungs-Bedürfnis, Weiterbildungs-Bedarf, Kommunikative Kompetenzen, ÄrztInnen in Weiterbildung
18:24 OS-10

Klinische Qualitätssteuerung - ein Schlüssel für eine strukturierte Weiterbildung (#344)

M. Roos1, 2, T. Kühlein1

1 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland
2 Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB), Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Klinische Qualitätssteuerung bedeutet, wo dies sinnvoll ist, die Prinzipien des Qualitätsmanagements auf die klinische Versorgung von Patienten in der Hausarztpraxis zu übertragen. Es soll also eine Kontrolle der Behandlungsqualität stattfinden. Fehler bei der Behandlung von Patienten sollen systematisch aufgedeckt werden. Dies funktioniert nur über eine optimierte Dokumentationsweise. Das vorrangige Ziel ist nicht etwa eine standardisierte Behandlung, sondern das Vergessen wichtiger klinischer Entscheidungen zu reduzieren. Ein wesentliches Element sind dabei Checklisten, die gleichzeitig als Erinnerung, Dokumentation und Datenerfassungsinstrument dienen können.

Fragestellung / Diskussionspunkt

Lässt sich das Konzept der klinischen Qualitätssteuerung als unterstützendes Element für ÄrztInnen in Weiterbildung nutzen?

Inhalt

Basierend auf den Erfahrungen aus dem Projekt "Modellpraxis MVZ Eckental" wird die Umsetzung der klinischen Qualitätssteuerung in einer Hausarztpraxis am Besipiel häufig wiederkehrender Beratungsanlässen dargestellt und die Verknüpfung zur Unterstützung von ÄrztInnen in Weiterbildung aufgezeigt.

Take Home Message für die Praxis

Klinische Qualitätssteuerung scheint nicht nur die Behandlungsqualität von Patienten, sondern auch die inhaltliche Qualität der Weiterbildung zu verbessern.