DEGAM 2019
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Entwicklung von Konsultationskompetenz

Moderatoren: Deinzer , Anja , PhD/MD; Rutz , Maria , Dr. (Deutschland)
 
Shortcut: P01
Datum: Donnerstag, 12. September 2019, 16:45
Raum: INZ Magistrale
Sessiontyp: Poster

Abstract

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16:45 P01-01

Arriba-PPI: Praxistest einer patientenorientierten Absetzstrategie zur Reduktion der Überversorgung mit Protonenpumpenhemmern (#164)

J. Heisig1, S. Quint1, S. Friedrich1, J. Nikel1, A. - L. Teichmann2, B. Bücker3, A. Becker1, A. Viniol1

1 Philips-Universität Marburg, Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland
2 Private Universität Witten/Herdecke gGmbH, Lehrstuhl für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Die Verordnungen von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) haben sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdreifacht [1]. Mit zunehmender Verordnungsprävalenz mehren sich bei Langzeiteinnahme die Hinweise auf Nebenwirkungen. Eine neu entwickelte computerbasierte Entscheidungshilfe „arriba®-PPI“ soll Ärzte und Patienten bei der gemeinsamen Entscheidung über das Weiterführen oder Absetzen der Therapie unterstützen.

Fragestellung

Wie beurteilen Ärzte die Beratung mit der computerbasierten Entscheidungshilfe arriba®-PPI?

Methoden

Für einen Praxistest haben 6 Hausärzte jeweils 3 Patienten mithilfe von arriba®-PPI beraten. Danach beurteilten die teilnehmenden Ärzte die Anwendung (Informationsfluss, Beratungszufriedenheit und -erleichterung). Der Praxistest diente u.a. der Identifizierung von optimierungsbedürftigen Aspekten der Software. Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

18 Patienten wurden beraten. Die Beratungsdauer lag durchschnittlich bei 8 Minuten. Die Mehrheit der Ärzte empfand durch arriba®-PPI eine Beratungserleichterung. 55% der Ärzte beurteilten die gemeinsame Wissensebene von Arzt und Patient nach der Beratung mit „gut“ bis „sehr gut“.  Bei 61,1% der Patienten wurde eine Dosisreduktion vereinbart; in 16,7% der Fälle ein Absetzversuch.

Diskussion

Die Ergebnisse des Praxistests versprechen, dass arriba®-PPI ein anwendbares und hilfreiches Produkt darstellt. Inwiefern die Anwendung dessen tatsächlich zu einer relevanten Reduzierung der PPI-Verordnung führt, wird in einer folgenden Wirksamkeitsstudie untersucht.

Take Home Message für die Praxis

arriba®-PPI kann Ärzte und Patienten bei einer gemeinsamen Entscheidung über das Absetzen oder die Weiterführung der Therapie unterstützen.

Stichwörter: Protonenpumpenhemmer, arriba, Überversorgung, absetzen, Praxistest
16:55 P01-02

Gründe für Geschlechterunterschiede bei der Diagnose und Therapie der Herzinsuffizienz (#185)

G. Marx1, S. Koens2, C. Gras1, O. von dem Knesebeck2, M. Scherer1

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut und Poliklinik für Allgemeinmedizin, Hamburg, Deutschland
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Medizinische Soziologie , Hamburg, Deutschland

Hintergrund

Obwohl die Herzinsuffizienz (HI) bei Frauen häufiger diagnostiziert wird, ist die Sterberate höher als bei Männern. Es ist bekannt, dass Männer eher leitliniengerecht behandelt werden.

Fragestellung

Inwiefern unterscheiden sich hausärztliche Diagnose, Diagnosesicherheit und Medikation nach Geschlecht der Patient*innen in der Hausarztpraxis und welche Gründe liegen vor?

Methoden

Faktorielles Design; standardisierte und qualitative Interviews mit 128 Hausärzt*innen nach Vorlage von acht hinsichtlich Alter (55/75), Geschlecht (m/w) und türkischem Migrationshintergrund (mit/ohne) verschiedenen, jedoch ansonsten exakt gleichen Fallvignetten. Statistische und qualitativ-thematische Analyse.

Ergebnisse

Dreiviertel der Studienteilnehmer*innen (77,3%) nannten die Verdachtsdiagnose HI. Häufigste Gründe waren die für die HI typischen geschilderten Symptome. Zusätzlich beriefen sich die Befragten auf die eigene ärztliche Erfahrung.
Die Diagnosehäufigkeit unterschied sich nach Geschlecht in der Vignette (w 85,9%, m 68,8%; p 0,02), wobei Geschlecht in der Begründung nicht explizit genannt wurde.
Die Diagnosesicherheit unterschied sich leicht zwischen den Geschlechtern (Mittelwert: m 45,2%, w 56,5%, p 0,06). Die Priorisierung gründete außer auf Symptomen vor allem auf dem Leitsatz „häufig ist häufig und selten ist selten“; Bauchgefühl und eigene Erfahrung waren wichtige Richtungsgeber. Auftreten und Leidensdruck der Patient*innen waren zusätzlich relevant für die ärztliche Entscheidung.
Die am häufigsten genannten Medikamente bei bestätigter HI waren Diuretikum (91,7%), ACE-Hemmer (76,9%) und Beta Blocker (62,0%) ohne signifikanten geschlechterbezogenen Unterschied. Leitlinien sehen Ärzt*innen eher als Orientierung denn als Vorgabe.
Übergreifend zeigten sich bei der Entscheidungsfindung geschlechterspezifische Vorurteile, z.B. ‚Dissimulierung wegen des Geschlechts‘, ‚Frauen schildern Symptome nicht lehrbuchhaft‘.

Diskussion

Analog zur Literatur wird HI auch in dieser Studie bei Frauen häufiger diagnostiziert, beide Geschlechter jedoch leitliniengerecht behandelt. Da die Befragung zu Gründen keinen expliziten Hinweis auf geschlechterspezifisches Vorgehen zeigte, ist zu vermuten, dass unbewusste Mechanismen, z.B. Vorurteile bei der Therapie, handlungsleitend sind.

Take Home Message für die Praxis

Ärzt*innen sollten ihre Begründung der therapeutischen Entscheidung im Einzelfall kritisch hinterfragen und mögliche geschlechterbezogene Vorurteile (Sexismen) berücksichtigen.

Stichwörter: Herzinsuffizienz, Geschlechterunterschiede, Diagnostik und Therapie, Faktorielles Design, quantitative und qualitative Befragung
17:05 P01-03

Interprofessionelles Lernen für Studierende der Medizin und Pharmazie: Aufbau und Pilotierung des Wahlfachs ‚Umgang mit Multimorbidität und Multimedikation‘ (#325)

M. van den Akker1, M. Sennekamp1, A. Schmidtko2, F. M. Gerlach1, C. Muth1

1 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

In etwa 80% aller hausärztlichen Konsultationen werden Patienten mit Multimorbidität betreut. Zumeist ist damit auch Multimedikation verbunden. Dem trägt der Masterplan Medizinstudium 2020 Rechnung und fordert, den Umgang mit Multimorbidität und Multimedikation (MM&MM) curricular im Medizinstudium zu verankern. Auch fordern die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände seit Jahren eine bessere Zusammenarbeit beider Professionen. Ziel ist es daher, bei Studierenden beider Fächer ein Problembewusstsein für potentiell vermeidbare Komplikationen von MM&MM zu entwickeln, rationale Behandlungsprinzipien und Strategien im Umgang mit MM&MM kennenzulernen und ein patientenzentriertes Vorgehen in Fallbeispielen anzuwenden. Zudem soll gemeinsames Lernen das Bewusstsein für den Mehrwert der interprofessionellen Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern insbesondere bei Patienten mit komplexen Therapieregimen fördern.

Fragestellung

Wie kann ein interprofessionelles Wahlfach ‚Umgang mit MM&MM‘ für Studierende der Medizin und Pharmazie aufgebaut werden? Welche Chancen und Herausforderungen bietet dabei die interprofessionelle Lehre?

Methoden

Das Wahlfach-Konzept wurde für 1 SWS (4 Seminare: Konzepte und Epidemiologie, Schlüsselprinzipien zur Versorgung von Multimorbidität unter Berücksichtigung von Patientenpräferenzen, Kommunikation mit Patienten mit komplexen Versorgungsproblemen, interprofessioneller Multimedikationsreview) entwickelt. Kleingruppen-Lehrformate (Fallvignetten, Rollenspiele mit Schauspielpatienten usw.) im Wechsel mit kurzen Impulsreferaten werden im Sommersemester 2019 erstmals angeboten und evaluiert.

Ergebnisse

Auf dem Kongress werden Konzept, didaktische Umsetzung sowie Evaluationsergebnisse vorgestellt.

Diskussion

Kerneffekte interprofessionellen Lernens -– sich zu öffnen für eine andere Disziplin und dieser gegenüber eine positive Grundhaltung zu entwickeln – sollen bei Studierenden beider Professionen nicht nur Inhalte vermitteln, sondern auch Einstellungen, die für die zukünftige Berufsausübung wichtig sind. Die Konzeption ist nicht nur didaktisch geprägt, die Organisation eines interprofessionellen Wahlfachs ist auch eine logistische Herausforderung.

Take Home Message für die Praxis

Themen wie ‚Umgang mit MM&MM‘ sind für eine interprofessionelle Lehre gemeinsam mit Medizin- und Pharmaziestudierenden besonders geeignet, die Planung und konkrete Umsetzung ist anspruchsvoll und aufwändig.

Stichwörter: Multimorbidität, Multimedikation, interprofessionelles Lernen, Medizin, Pharmazie
17:15 P01-04

Suche und Bewertung internationaler PatientInneninformationen und Entscheidungshilfen zu Empfehlungen der Initiative „Gemeinsam Gut Entscheiden“ zur Versorgung geriatrischer PatientInnen in Österreich (#131)

U. Spary-Kainz1, D. Hofner1, K. Horvath1, A. Siebenhofer1, 2

1 Medizinische Universität Graz, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz, Steiermark, Österreich
2 Goethe Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Die österreichische Initiative „Gemeinsam Gut Entscheiden“ 1 entwickelte nach dem Vorbild der US-amerikanischen Choosing Wisely Initiative in Kooperation mit der österreichischen Fachgesellschaft für Geriatrie und Gerontologie eine Liste mit fünf  Empfehlungen, welche Über-/Fehl-/ und Unterversorgung in diesem Fachbereich reduzieren sollen.

1https://www.gemeinsam-gut-entscheiden.at

Fragestellung

Welche Informationsmaterialien für Patienten existieren zu den Empfehlungen der GGE-Initiative im Bereich der Geriatrie und Gerontologie (Krebsfrüherkennung, Harnkatheter, Antibiotika bei Harnwegsinfekten, künstliche Ernährung, Psychopharmaka bei Verwirrtheit) und wie wird die Qualität dieser Gesundheitsinformationen (GI) und Entscheidungshilfen (EH) eingeschätzt.

Methoden

Es wurde eine fokussierte Internetrecherche nach GI und EH in frei zugänglichen und kostenlosen Internetportalen durchgeführt. Als relevant wurden dabei deutsche oder englische Informationsmaterialien mit Bezug zu den Empfehlungen erachtet. Die Bewertung erfolgte für GIs mit dem Ensuring Quality Information for Patients -36 Instrument (EQIP-36). Die EHs wurden mit Hilfe der International Patient Decision Aid Standards (IPDAS)-Checkliste deskriptiv ausgewertet, wobei für alle Informationsmaterialien 2 Personen die Bewertung unabhängig voneinander vornahmen.

Ergebnisse

Insgesamt wurden auf 17 Internetseiten  35 relevante Gesundheitsinformationen und eine Entscheidungshilfe identifiziert. Der durchschnittliche Gesamtscore aller GIs lag bei 66,1%. 23% der Informationsmaterialien erreichten  einen Score von unter 60%. Die meisten GIs (n=13) wurden zur Empfehlung „Krebsscreening“ gefunden, welche mit einem durchschnittlichen Gesamtscore von 71,9% auch am höchsten bewertet wurden. Die niedrigsten Bewertungen wurden für die GIs zu „Harnkatheter“ mit einem durchschnittlichen Wert von 55,2% erzielt. Hier konnten 3 GI gefunden werden. Bei der Entscheidungshilfe wurden 32 der 60 Fragen aus der IPDAS-Checkliste mit „ja“ beantwortet, 20 Fragen mit „nein“ und 8 Fragen waren „nicht anwendbar“.

Diskussion

Zu einigen Empfehlungen konnte nur eine geringe Anzahl an Informationsmaterialien mit niedriger Qualität gefunden werden. Es besteht   Bedarf an mehr und qualitativ hochwertigeren Informationsmaterialien für Laien zu allen Empfehlungen aus dem geriatrischen Bereich

Take Home Message für die Praxis

Es ist wichtig, Informationsmaterialien zu entwickeln, die eine verlässliche und ausgewogene Information bieten, damit eine partizipative Entscheidungsfindung möglich wird.

Stichwörter: Geimeinsam Gut Entscheiden Initiative, Choosing Wisely, Gesundheitsinformationen, Entscheidungshilfen
17:25 P01-05

Hausärztlicher Umgang mit Patientinnen und Patienten mit sexuellen Problemen (#398)

E. Dobberkau1, A. Stirn2, H. Kaduszkiewicz1

1 Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Allgemeinmedizin, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Zentrum für Integrative Psychiatrie ZIP, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Studien zu sexueller Gesundheit fokussierten bisher auf die Epidemiologie sexueller Probleme sowie generelle Fragen des Ansprechens: Wer spricht die Thematik an und wer sollte sie ansprechen? Untersuchungen zum hausärztlichen Umgang mit sexuellen Problemen lagen nicht vor.

Fragestellung

Welche sexuellen Probleme werden in der hausärztlichen Versorgung von wem thematisiert und wie ist das weitere Vorgehen?

Methoden

Leitfadengestützte, offene Interviews mit 8 Hausärztinnen und 8 Hausärzten aus Kiel und der Altmark; 16-64 Minuten Interviewdauer, wörtliche Transkription und Auswertung nach Mayring.

Ergebnisse

Sexuelle Probleme sind ein wichtiges, aber kein alltägliches Thema in der Hausarztpraxis. Männer sprechen häufiger als Frauen sexuelle Probleme an, am häufigsten die erektile Dysfunktion, nachrangig die Ejaculatio praecox. Themen von Frauen sind Appetenzmangel, Partnerschaftskonflikte, Scheidentrockenheit und Dyspareunien. Ein Ansprechen von ärztlicher Seite erfolgt nur bei passenden (Vor)erkrankungen und Medikamenten. Ansprechbarrieren sind Schamgefühl und Zeitmangel. Hausärzte nehmen häufig an, dass Patientinnen sich im Falle sexueller Probleme an Gynäkologen wenden. Bezüglich des diagnostischen Vorgehens herrschen diverse Meinungen, insbesondere bezüglich Hormonbestimmungen. Überweisungen erfolgen zumeist an die Gynäkologie, Urologie und ggf. Psychotherapie (mit langer Wartezeit). Die Therapie mit PDE-5-Hemmern erfolgt häufig, zunehmend auch mit Dapoxetin. Ihr Wissen hatten sich die Befragten im Selbststudium und in Fortbildungen angeeignet.

Diskussion

Der hausärztliche Umgang mit sexuellen Problemen der Patientinnen und Patienten ist stark individuell geprägt und lässt Standards vermissen. Es erscheint notwendig, Situationen, in denen Sexualität zum Thema gemacht werden sollte sowie die diagnostischen und therapeutischen Schritte zu definieren. Unklar ist auch, wann an sexualtherapeutische Angebote überwiesen werden sollte. Fortbildungen zu komplexeren Problemen wie Appetenzverlust oder Dyspareunie werden gewünscht. Eine Vermittlung sexualmedizinischer Inhalte sollte bereits in Studium und Weiterbildung erfolgen.

Take Home Message für die Praxis

Die Interviews führten bei den Befragten vielfach zum Vorsatz, Patientinnen und Patienten in Zukunft häufiger auf mögliche sexuelle Probleme anzusprechen. Bei Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund wird Sexualität selten(er) thematisiert, bei Männern scheinen seelische Ursachen aus dem Blick zu geraten.

Stichwörter: Hausärztliche Versorgung, Sexuelle Probleme, Qualitative Forschung
17:35 P01-06

Gibt es gute Gesundheitsinformationen für Kinder und Jugendliche? – Recherche und Bewertung im Rahmen des HeLi-D Projekts (#201)

E. S. Rauer1, S. Burgmann1, T. Semlitsch1, N. Posch1, B. Gasteiger-Klicpera2, A. Siebenhofer1, 3

1 Medizinische Universität Graz, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz, Steiermark, Österreich
2 Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Pädagogische Professionalisierung, Graz, Steiermark, Österreich
3 Goethe-Universität Frankfurt am Main , Institut für Allgemeinmedizin , Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Rezente Studien zur Gesundheitskompetenz zeigen eine Notwendigkeit einer Verbesserung dieser bei Kindern/Jugendlichen in Österreich. Im aktuell laufenden Projekt „Health-Literacy und Diversity für SchülerInnen der Sekundarstufe 1 - HeLi-D“ soll daher durch die Entwicklung und den Einsatz differenzierter, adaptiver und evaluierter Trainingsmaterialien die umfassende Gesundheitskompetenz nachhaltig gefördert werden.

Fragestellung

Im Rahmen  des HeLi-D-Projekts, stellte sich die Frage, welche Gesundheitsinformationen (GI), die sich explizit an Kinder/Jugendliche richten, im deutsch- und englischsprachigen Raum vorhanden sind und welche Qualität diese aufweisen.

Methoden

Es erfolgte eine umfassende Google-Recherche sowie Kontaktaufnahme mit einschlägigen FachexpertInnen, Health professionals und Institutionen nach GI für Kinder/Jugendliche. Die nach Anwendung der Ein-/Ausschlusskriterien identifizierten GI wurden anhand aller für die Zielgruppe relevanten Fragen des Qualitätsbewertungsinstruments „Ensuring Quality Information for Patients (EQIP) 36“ bewertet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden 38 GI eingeschlossen. Diese verteilten sich etwa in gleichen Teilen auf die Sprachen Deutsch und Englisch. Rund 75% der GI richten sich an Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren. Thematisch behandeln etwa 40% primär somatische (z.B. Krebserkrankungen) und rund 60% primär psychische (z.B. Depression) Erkrankungen. Die Ergebnisse der Evaluation mittels modifiziertem EQIP 36 Instrument weisen mit 51 bis 82% der maximalen möglichen Punktezahl eine große Spannweite hinsichtlich der Qualität auf, wobei Defizite im inhaltlichen bzw. Stärken im strukturellen Aufbau vorliegen.

Diskussion

Es konnten wesentlich mehr GI für Kinder/Jugendliche als erwartet identifiziert werden, wobei die EQIP 36 Bewertung jedoch auf ein Verbesserungspotential hinsichtlich der Qualität hinweist. Die Kombination aus umfassender Internetrecherche und persönlicher Kontaktaufnahme stellt eine deutliche Stärke der Studie dar. Limitationen liegen in der Einschränkung auf die Sprachen Deutsch und Englisch sowie auf die Verfügbarkeit der GI als PDF-Dokument, da viele GI nur online auf Webseiten verfügbar sind.

Take Home Message für die Praxis

Die derzeitig verfügbaren GI für Kinder/Jugendliche bieten vor allem FachärztInnen für Allgemein- und Familienmedizin ein breites Spektrum an kindgerecht aufbereiteten Materialien zur Steigerung der Gesundheitskompetenz.

Stichwörter: Gesundheitsinformation, Kinder, Jugendliche, Gesundheitskompetenz, EQIP, Qualität