DEGAM 2019
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EbM im hausärztlichen Alltag

Moderatoren: van der Keylen , Piet , PhD/MD
 
Shortcut: P02
Datum: Freitag, 13. September 2019, 8:30
Raum: INZ Magistrale
Sessiontyp: Poster

Abstract

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8:30 P02-01

Development and feasibility of a multi-disciplinary care pathway in primary care to improve mobility and participation of older patients with vertigo, dizziness and balance disorders [MobilE-PHY] (#29)

E. Seckler1, 3, V. Kronast1, 3, P. Bauer1, 2, 3, M. Müller1, 2, 3

1 Rosenheim Technical University of Applied Sciences, Department of Research and Development, Rosenheim, Bavaria, Germany
2 Rosenheim Technical University of Applied Sciences, Faculty of Applied Health and Social Sciences, Rosenheim, Bavaria, Germany
3 Münchner Netzwerk für Versorgungsforschung, MobilE-NET, München, Bavaria, Germany

Hintergrund

Many older people suffer from vertigo, dizziness and balance disorders (VDB), which may lead to mobility limitations and participation restrictions. Those patients may benefit from physical therapy, however the integration into routine primary care is scarce. A promising approach to optimize treatment, to reduce treatment errors and to optimize patient outcomes by translating evidence into local practice are care pathways (CPWs).

Fragestellung

The objective of the project was to develop a CPW to improve participation and mobility in older patients in primary care and to assess acceptability and feasibility in a pilot study.

Methoden

To develop the specific CPW, we combined input from two systematic reviews (effectiveness of physical therapy interventions; conditions of CPW implementation in primary care); individual qualitative interviews to explore the professionals and consumers’ perspective; focus group interviews among professionals addressing multi-professional communication; and a multi-disciplinary expert conference.

In a prospective cohort study, feasibility of the CPW will be assessed, accompanied by a comprehensive process evaluation; the intervention will be implemented in 3-4 primary care practices with each 5-10 patients. The main CPW-components are a diagnostic guideline and an educational training for general practitioners, a guideline and an educational training for local physical therapists and a paper-based algorithm. Data will be collected using questionnaires (DHI, EQ-5D-5L), performance test (miniBEST) and actigraphy.

Ergebnisse

We expect the project to result in an acceptable and feasible intervention. The feasibility study starts in spring 2019; preliminary results will be available at the conference.

Diskussion

The results will be used to plan the main trial assessing the CPWs effectiveness and safety. The intervention might be a blueprint for CPWs for other health conditions.

Take Home Message für die Praxis

CPW-development and -implementation has to address a multitude of barriers by including different perspectives; most of them might be modified by careful intervention and implementation design.

Stichwörter: care pathway, complex intervention, primary care, aged 65 years and over, physical therapy, vertigo, dizziness, balance disorders, VDB
8:40 P02-02

Reduktion von Antibiotikaresistenzen durch leitliniengerechte Behandlung von Patienten mit unkompliziertem Harnwegsinfekt in der ambulanten Versorgung - REDARES (#32)

F. Jede1, J. Bleidorn2, T. Eckmanns3, C. Heintze4, P. Heuschmann5, A. Klingeberg3, A. Maun6, V. Rücker5, G. Schmiemann7, A. Schuster4, I. Gágyor1

1 Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Thüringen, Deutschland
3 Robert-Koch-Institut, FG 37: Noso­komiale Infek­tionen, Surveillance von Antibiotika­resistenz und -verbrauch, Berlin, Deutschland
4 Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
5 Universität Würzburg, Institut für klinische Epidemiologie und Biometrie, Würzburg, Bayern, Deutschland
6 Universitätsklikum Freiburg, Lehrbereich Allgemeinmedizin, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
7 Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung, Bremen, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland werden ambulant zur Behandlung des unkomplizierten Harnwegsinfekts (HWI) in über 40% der Fälle Antibiotika der zweiten Wahl eingesetzt. Um eine Veränderung des Verordnungsverhaltens zu erreichen, sollen in REDARES Leitlinienempfehlungen zur Behandlung des unkomplizierten HWI mit praxisgerecht aufbereiteten Informationen in die Versorgung implementiert werden.

Fragestellung

Kann durch die multimodale REDARES-Intervention eine Verbesserung der Leitlinienadhärenz von Hausärzten bei der Verordnung von Antibiotika bei unkomplizierten HWI erreicht werden?

Methoden

In REDARES soll zunächst anhand von deutschlandweit 3500 Urinproben die lokale Erreger- und Resistenzsituation bei Patienten mit V.a. unkomplizierte HWI ermittelt werden. Daraus resultiert ein Mapping, darüber hinaus ist die Erstellung einer zukünftigen Hochrechnung der lokalen Resistenzsituation geplant.

In einer randomisierten kontrollierten Studie erfolgt eine multimodale Intervention in 69 Hausarztpraxen. Diese Praxen erhalten Informationen über die lokale Erreger- und Resistenzsituation zusammen mit aufbereiteten Inhalten der Leitlinien zum Management unkomplizierter Harnwegsinfekte. Die Kontrollgruppe (n= 69) erhält alle Interventionsinhalte nach Abschluss der Studie.

Die begleitende Prozessevaluation gibt Rückschluss auf Anwendbarkeit und Akzeptanz der Schulung und der Feedbackmechanismen. Eine Handreichung für eine nachfolgende breite Umsetzung der Intervention in der Regelversorgung wird erarbeitet.

Ergebnisse

Wir erwarten durch die Intervention eine Reduktion von Antibiotikaverordnungen der Zweiten Wahl um 10 % innerhalb von 12 Monaten und eine Reduktion der Gesamtantibiotikaverordnungen. Eine praxistaugliche, regional aufgeschlüsselte Antibiotikaresistenzdatensammlung wird der Ärzteschaft zur Verfügung gestellt.

Diskussion

Die REDARES-Intervention soll Grundlage für die zukünftige Entwicklung und Implementierung von Maßnahmen zur leitlinienadhärenten Antibiotikaverordnung in der Praxis sein.

Take Home Message für die Praxis

Medikamente der ersten Wahl bei unkomplizierten Harnwegsinfekten sind Nitrofurantoin, Fosfomycin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim.

Stichwörter: Antibiotikaresistenz, unkomplizierter Harnwegsinfekt, Leitlininienadhärenz, multimodale Intervention
8:50 P02-03

Multi-Indikations-Review und Metaanalyse zur Quantifizierung anticholinerger Effekte von Amitriptylin: ein Studienprotokoll. (#36)

M. - S. Brueckle1, E. T. Thomas2, T. S. Nguyen1, A. I. Gonzalez-Gonzalez1, S. Seide3, M. Pilz3, S. Harder4, P. P. Glasziou2, F. M. Gerlach1, C. Muth1

1 Goethe Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Bond University Faculty of Health Sciences, Faculty of Health Sciences & Medicine, Robina QLD, Australien
3 Universität Heidelberg, Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
4 Goethe Universität, Institut für klinische Pharmakologie, Frankfurt am Main, Deutschland

Hintergrund

Amitriptylin ist eines der am häufigsten verschriebenen Antidepressiva und wird bei zahlreichen weiteren Konditionen (z.B. Harninkontinenz, Kardiovaskuläre Erkrankungen, Parkinson, Allergien, Übelkeit, Hyperacidität, COPD) eingesetzt. Durch eine veränderte Pharmakokinetik und –dynamik steigt besonders bei älteren Menschen das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW), v.a. durch anticholinerge Effekte. Bisher gibt es Evidenz zur Wirksamkeit von Amitriptylin (z.B. bei Depression, Fibromyalgie, Neuropathischem Schmerz), allerdings ist zur Häufigkeit von UAWs unter Amitriptylin-Therapie bisher nur wenig bekannt. Eingebettet in das EVITA-Projekt (Evidenzbasiertes Multimedikationsprogramm mit Implementierung in die Versorgungspraxis, Fördernummer: 01VSF16034), führen wir ein systematisches Review mit Metaanalyse zu UAWs bei Erwachsenen mit jeder Indikation unter Amitriptylin-Therapie durch.

Fragestellung

Mit welcher Häufigkeit und Intensität treten anticholinerge UAWs unter Amitriptylin-Therapie jedweder Indikation bei Erwachsenen auf?

Methoden

Zu einer systematischen Recherche in sechs elektronischen Datenbanken werden Vorwärts-/Rückwärtssuchen, Handsuchen und Suchen nach Zulassungsstudien der FDA und EMA durchgeführt. Eingeschlossen werden randomisierte, placebo-kontrollierte Studien (RCT) mit Amitriptylin in jedweder Dosierung, bei jeglicher Indikation/gesunden Erwachsenen ohne Restriktionen hinsichtlich Publikationszeitpunkt und -sprache. Ausgeschlossen werden Studien mit topischem Amitriptylin und Kombinationstherapien. Zwei unabhängige Untersucher selektieren die Studien, bewerten deren methodische Qualität nach Cochrane-Standards und extrahieren Daten zu Design, Population, Intervention und Outcomes (anticholinerge und andere UAWs) in Datenextraktionstabellen eines standardisierten Formats nach vorausgegangener Pilotierung an einer Teilstichprobe (20 Studien). Für das primäre Outcome (anticholinerge UAWs) wurden UAWs aus Faktendatenbanken (z.B. Martindale™) extrahiert und von einem erfahrenen klinischen Pharmakologen nach Relevanz und Schwere bewertet, um diese in einem Outcome zusammenzufassen. Die Informationen werden in Form von Metanalysen und narrativ synthetisiert.

Ergebnisse

n.zutreff.

Diskussion

Die Beschränkung auf RCTs mit Vergleichen zwischen Amitriptylin und Placebo wirkt Konfundierung durch Nocebo-Effekte entgegen, eine ggf. vorliegende UAW-Untererfassung in Studien ist eine Limitation.

Take Home Message für die Praxis

Die Ergebnisse unterstützen Risiko-Nutzen-Abwägungen bei der Amitriptylin-Verordnung – patientenindividuell und in Leitlinienempfehlungen.

Stichwörter: Amitriptylin, anticholinerg, muscarinic, adverse drug reaction, harms, Nebenwirkungen, unerwünschte Arzneimittelwirkungen
9:00 P02-04

EVI – Pilotprojekt: Zusammenstellung von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen für die allgemeinmedizinische Praxis (#135)

N. Posch1, C. Loder1, K. Wratschko1, R. Glehr1, A. Siebenhofer1, 2

1 Medizinische Universität Graz, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz, Steiermark, Österreich
2 Goethe-Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland

Hintergrund

Laut European Health Literacy Survey verfügen Österreicher/innen im europäischen Vergleich über eine niedrige Gesundheitskompetenz. Aus dem Projekt "Medizinische Informationsbroschüren in der Hausarztpraxis" (MEDIB) [1] ist bekannt, dass sämtliche in steirischen allgemeinmedizinischen Praxen aufliegenden Gesundheitsinformationen (GI) eine unzureichende Qualität aufweisen. Dieselbe Studie zeigt, dass ein Großteil der Allgemeinmediziner/innen GI im Rahmen ihres Beratungsgespräches verwendet.

Fragestellung

Ziel des EVI-Projektes ist es, evidenzbasierte GI zu häufigen Behandlungsanlässen in der allgemeinmedizinischen Praxis zu identifizieren und sie hinsichtlich ihrer Qualität zu bewerten. Die GI mit der höchsten Qualitätsbewertung werden gesammelt und in Form eines Broschürenständers (sog. EVI-Box) den allgemeinmedizinischen Praxen zur Unterstützung von gesundheitskompetenten Entscheidungen bereit gestellt.

Methoden

Mittels einer fokussierten Recherche wurden deutschsprachige, evidenzbasierte GI zu häufigen Behandlungsanlässen identifiziert. Ausgangspunkt für die Suche war eine im Projekt EVI erstellte Linkliste mit 75 Websites, die um eine Google-Suche ergänzt wurde. Nach einer Qualitätsbewertung mit dem Ensuring Quality Information for Patients Instrument (EQIP) durch zwei Projektmitarbeiterinnen, wurden die GI nach erzieltem EQIP-Score gereiht. Pro Behandlungsanlass wurde jene GI mit dem höchsten EQIP-Score in die EVI-Box integriert.

Ergebnisse

Die Selektion der Rechercheergebnisse an Hand vorab definierter Ausschlusskriterien ergab 69 GI, die zur Qualitätsbewertung herangezogen wurden. In die EVI-Box konnten schließlich 14 GI zu folgenden Behandlungsanlässen aufgenommen werden: Schwindel (1), Kreuzschmerz (2), Gelenkschmerz (5), Diabetes Mellitus (1), Schlafstörungen (1), Depression/Burnout (1), Kopfschmerz (1), chronische Wunden (1), Gedächtnisstörungen (1). Die in der EVI-Box inkludierten GI erzielten dabei einen mittleren EQIP-Score von 0,79 (Range: 0,75 – 0,86).

Diskussion

Die EVI-Box enthält qualitätsgeprüfte, evidenzbasierte GI. Wie sich ihr Einsatz in der Praxis gestaltet, gilt es im Rahmen der EVI-Projektevaluation zu überprüfen.

Take Home Message für die Praxis

In allgemeinmedizinischen Praxen aufliegende GI weisen großteils eine unzureichende Qualität auf. Mit der EVI-Box liegt nun eine Sammlung von 14 qualitätsgeprüften, evidenzbasierten GI vor, die als Unterstützung für die Arzt-Patienten-Kommunikation in allgemeinmedizinischen Praxen in der Steiermark herangezogen werden können.

[1] http://allgemeinmedizin.medunigraz.at/forschung/

Stichwörter: Evidenzbasierte Gesundheitsinformationen, Hausarztpraxis, Gesundheitskompetenz
9:10 P02-05

Allopurinolverordnung in sächsischen Hausarztpraxen (#232)

M. Buske1, M. Gottschall1, K. Voigt1, J. Schübel1, G. Hübsch1, A. Bergmann1

1 Carl Gustav Carus Universität Dresden, Institut für Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Seit 2013 existieren S1-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) zur Behandlung von chronischer und akuter Gicht im hausärztlichen Setting. Allopurinol senkt den Harnsäurespiegel und kann das Auftreten von schmerzhaften Gichtanfällen reduzieren. Laut Leitlinie der DEGAM wird es zur Therapie der chronischen Gicht empfohlen, nicht aber bei akuter Gicht oder asymptomatischer Hyperurikämie. Zahlreiche Studien liefern Hinweise für eine Überversorgung mit Allopurinol bei asymptomatischer Hyperurikämie.

Fragestellung

Wie häufig wurde Allopurinol bei den kodierten Diagnosen Gicht (ICD-10-Code M10) und Hyperurikämie (E79) bei sächsischen Hausarztpatienten verordnet?

Methoden

Analyse basiert auf Daten einer Querschnittstudie, in der ca. 1800 Patienten von sieben akademischen Lehrpraxen des Bereiches Allgemeinmedizin mittels Sekundäranalysen von Krankenakten bezüglich Multimedikation und Multimorbidität untersucht wurden. Es wurden unter anderem Verordnungsprävalenzen von Allopurinol bei Patienten mit den o.g. Diagnosen beschrieben und analysiert.

Ergebnisse

Von 120 Patienten mit kodierter Gicht (M10) erhielten 55% (n=66) Allopurinol. Die Verordnung war signifikant mit dem männlichen Geschlecht (p=0,045) und hohem Alter (p=0,008) assoziiert. Vier weitere Gichtpatienten erhielten andere Harnsäuresenker: Benzbromaron oder Febuxostat. 42% der Patienten mit kodierter Gicht wurden keine harnsäuresenkenden Medikamente verordnet. Von 214 Patienten mit asymptomatischer Hyperurikämie (E79) erhielten 70% (n=148) Allopurinol.

Diskussion

Die vorliegende Studie verweist auf eine Überversorgung mit Allopurinol bei Hyperurikämie bei sächsischen Patienten in der Hausarztpraxis. Unter der ICD-10-Kodierung Gicht (M10) sind Patienten mit chronischer und akuter Gicht subsummiert, was z.T. die Anteile einerseits der Patienten mit und andererseits ohne harnsäuresenkende Therapien erklärt. Die teilweise ungenaue Kodierung durch die Hausärzte erschwert die eindeutige Interpretierbarkeit der Allopurinolverordnung bei M10.

Take Home Message für die Praxis

Es gibt Hinweise auf eine Überversorgung mit Allopurinol bei asymptomatischer Hyperurikämie. Die Indikation des Medikamentes sollte im Einzelfall kritisch geprüft werden, ebenso wie die hausärztliche Kodierung zur Differenzierung zwischen chronischer Gicht und akuter Gicht sowie asymptomatischer Hyperurikämie.

Stichwörter: Allopurinol, Gicht, Hyperurikämie, S1-Leitlinie
9:20 P02-06

DMP COPD: profitieren Patienten mit einer schwerergradigen Erkrankung von einer Teilnahme am DMP? (#295)

F. Kanniess1, C. Ruckes2, N. Regenfuss2, T. Schmidt3

1 Gemeinschaftspraxis Reinfeld, Reinfeld, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Johannes Gutenberg-Universität Mainz, IZKS, Mainz, Deutschland
3 Mundipharma GmbH, Frankfurt, Deutschland

Hintergrund

Die bisher vorliegenden Daten zur Effektivität entstammen aus der DMP-Dokumentation; Kontrollgruppenuntersuchungen fehlen bisher, mit denen die Auswirkungen der Teilnahme an einem DMP und / oder der Schulung belegt werden kann.

Fragestellung

In der Gesamtstudie an Patienten mit Asthma oder COPD konnten keine relevanten Vorteile einer DMP-Teilnahme für die Patienten gezeigt werden (weder bei Asthma noch COPD) (Kanniess et al, Dtsch Med Wochenschr. 2019 Jan;144(2):e1. doi: 10.1055/a-0837-2602).

In dieser Subgruppe wurde untersucht ob eventuelle Effekte des DMP COPD ggf. abhängig sind von dem Schweregrad der Erkrankung (GOLD A/B vs C/D).

Methoden

Wir führten eine cross-sectionale Untersuchung von Patienten mit Asthma und COPD durch. Die Patienten nahmen entweder seit mindestens einem Jahr am DMP teil (DMP+) oder auch nicht (DMP-). 

Untersucht wurden u.a. die für die Patienten wichtigen Fragestellungen Krankheitskontrolle (gemessen mittels CAT), Lebensqualität (CRQ), Angst- /Depression (HADS) sowie Angstvermeidung (FEAV) und soziale Unterstützung (SSUK).

Ergebnisse

Es konnten in der COPD-Kohorte keine klinisch relevanten oder auch statistisch signifikanten Unterschiede in Bezug auf CAT, CRQ und HADS und deren Einzeldomänen dargestellt werden.

 

FEV1 < 50%pred (GOLD A / B)

FEV1 > 50%pred (GOLD C / D)

 

DMP -

(n=68)

DMP +

(n=172)

DMP-

(n=83)

DMP+

(n=223

HADS total

11.5 (7.7)

11.3 (7.3)

9.5 (7.3)

9.5 (7.2)

CAT

25.24 (6.8)

25.74 (8.6)

22.94 (8.45)

21.87 (7.39)

CRQ

18.31 (4.74)

18.36 (4.98)

20.36 (4.80)

20.57 (4.57)

Diskussion

Die Teilnahme am DMP COPD bedingt für die Patienten keine relevanten Vorteile in Bezug auf Lebensqualität, Depression/Angst oder Krankheitskontrolle. Auch bei den Patienten mit einem höheren Schweregrad der Erkrankung ließen sich keine positiven Effekte beobachten. Longitudinale Studien und ggf. randomisierte Untersuchungen sind notwendig, und die derzeitige Durchführung der DMP ist zu überdenken.

Take Home Message für die Praxis

Die Effektivität der Teilnahme an einem DMP Asthma oder COPD bedingt in dieser querschnittsuntersuchung keine Vorteile für die Patienten. Eine Weiterentwicklung der Programme ist notwendig

Stichwörter: Disease management program, COPD, DMP COPD, DMP asthma
9:30 P02-07

Patienten nach einem Suizidversuch - Soziodemographische Einblicke in die Baseline-Daten des Frankfurter Projektes zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen (FRAPPE) (#299)

D. Lemke1, J. Plath1, J. J. Petersen1, A. Siebenhofer1, 9, F. M. Gerlach1, A. Dippel3, I. Beig3, M. Verhoff4, C. M. Freitag5, M. Grube6, M. Steffens7, C. Fehr8, C. Schlang2, A. Reif2

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
3 Stadt Frankfurt am Main, Gesundheitsamt, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
4 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Rechtsmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
5 Universitätsklinikum Frankfurt am Main, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
6 Klinikum Frankfurt Höchst, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie - Psychosomatik, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
7 Deutscher Gemeinschafts-Diakonieverband GmbH, Klinik Hohe Mark, Oberursel (Taunus), Hessen, Deutschland
8 Agaplesion Markus Krankenhaus, Klinik für Psychiatrie,Psychotherapie und Psychosomatik, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
9 Medizinische Universität Graz, 2 Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz, Österreich

Hintergrund

Die Zahl der Suizidversuche in Deutschland wird auf ca. 250 000 pro Jahr geschätzt und ist damit ein Vielfaches höher als die Zahl der vollendeten Suzide (ca. 10 000/Jahr). Trotz dieser alarmierenden Zahlen ist nur wenig über die soziodemographische Charakterisierung von Patienten nach Suizidversuch bekannt.

Fragestellung

Das Projekt FraPPE hat Maßnahmen zur Suizidprä/-postvention im Stadtgebiet Frankfurt implementiert, die mittels Prä-Post-Design evaluiert werden. Nachfolgend werden die Ergebnisse bzgl. der Suizidversuche aus dem Prä-Zeitraum (=Baseline) vorgestellt und in Beziehung mit Daten der Frankfurter Allgemeinbevölkerung gesetzt.

Methoden

Im Zeitraum von 01.04.2018 bis zum 30.11.2020 werden alle Patienten nach einem Suizidversuch in einer der fünf pflichtversorgenden, psychiatrischen Kliniken im Stadtgebiet Frankfurt konsiliarisch gesehen und mittels anonymisierten Case-Report-Form dokumentiert. Die Baseline-Erhebung der Patienten nach Suizidversuch fand in den ersten fünf Monaten des Studienzeitraums statt.

Ergebnisse

Mehr Männer (59%) als Frauen werden nach einem Suizidversuch stationär aufgenommen. Beim Vergleich der Altersgruppen mit der Frankfurter Allgemeinbevölkerung zeigt sich in FraPPE, dass Patienten zwischen 18 und 29 Jahre (30% vs. 15%) oder älter als 85 Jahre (5% vs. 2%) häufiger vertreten sind. Die prozentuale Verteilung des Familienstandes weist im Vergleich zur Frankfurter Allgemeinbevölkerung mehr ledige Patienten (51% vs. 40%)und weniger verheiratete Patienten (18% vs. 46%) auf. Ebenso ist die Arbeitslosigkeit in FraPPE deutlich höher als in der Frankfurter Allgemeinbevölkerung (23% vs. 6%). Auch die (12-Monats-) Prävalenz an Depression ist in der Stichprobe deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung (30% vs. 6%).

Diskussion

Die Patientenpopulation in FraPPE zeigt im Vergleich zur Frankfurter Allgemeinbevölkerung zum Teil deutlich veränderte soziodemographische Merkmale. Das deckt sich mit Bevölkerungsstudien, die insbesondere negative Veränderungen von soziodemographischen Variablen als Prädiktoren für Suizidversuche beschreiben.

Take Home Message für die Praxis

(Risiko-)Faktoren, wie Alter und Geschlecht, Familienstand, Arbeitssituation und Depression sollten bei der Einschätzung von Suizidalität in der hausärztlichen Praxis beachtet werden.