DEGAM 2019
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Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Moderatoren: Tomandl , Johanna ,; Lippert , Nikoletta ,
 
Shortcut: P03
Datum: Freitag, 13. September 2019, 11:30
Raum: INZ Magistrale
Sessiontyp: Poster

Abstract

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11:30 P03-01

Die Seminarvorlesung als ein bewährtes, interaktives Lehrkonzept in der Allgemeinmedizin an der TU München (#75)

A. Schneider1, M. Torge1, O. Atmann1

1 Technische Universität München, Fakultät für Medizin , Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Munich, Bayern, Deutschland

Hintergrund

In der Allgemeinmedizin an der TU München werden seit 2011 Inhalte einer Frontalvorlesung in studentischen Kleingruppen durch niedergelassene Hausärzte in einem interaktiven Lehrformat „Seminarvorlesung“ vermittelt. Durch dieses Lehrkonzept soll neben der Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten auch „ärztliche Haltung“ gelehrt werden. Dabei rotieren alle Studierenden des 8. Semesters durch insgesamt 9 verschiedene Themen der Primärversorgung an 3 Tagen im jeweiligen Semester für jeweils 3,5h. Das Lehrkonzept entstand in zwei Phasen, einer Implementierungsphase (2011/12 bis 2017) und einer Optimierungsphase (2017/18 bis 2018/19). Anfangs war das Konzept bestimmt durch einen hohen organisatorischen und personellen Aufwand.

Fragestellung

Hat sich das Lehrkonzept mit vertretbarem Aufwand für Studierende und Hausärzte als Lehrende bewährt?

Methoden

Betrachtet werden die Erfahrungen für einen Zeitraum von 8 Jahren hinsichtlich organisatorischer und personeller Aufwendung für die Seminarvorlesung. Weiterhin wurde für die Optimierungsphase der Notendurchschnitt gebildet und Freitextantworten der Studierenden kategorisiert und deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

Organisatorischer und personeller Aufwand konnten deutlich reduziert werden. Von 20 Themen über zwei Semestern wurde auf 9 Themen über ein Semester gekürzt. Statt initial 15 Hilfskräften pro Veranstaltung werden jetzt nur noch 3 benötigt. Hausärztliche Neu-Rekrutierung, didaktisch-inhaltliche Schulung der Hausärzte und die ehrenamtliche Mitgestaltung der Lehrärzte gestalteten sich mit ca. 25 Lehrärzten pro Lehrveranstaltung als gleichbleibend. Insgesamt nahmen 495 Studierende an der Optimierungsphase von 2017/18 bis 2018/19 teil. Die Analyse ergab einen Notendurchschnitt von 1,99. In den Freitextantworten wurden besonders positiv die Dozierenden, das Format und die Praxisnähe betont. Kritisch wurden die inhaltliche Wissensvermittlung, die didaktische Kompetenz der Dozierenden und das räumliche Setting erwähnt.

Diskussion

Trotz Reduktion konnte langfristig ein Notendurchschnitt von 1,99 erreicht werden. Das bestärkt das Lehrkonzept und seine „Mischung aus Diskussion, wissenschaftlichem Hintergrund und Rollenspiel, verbunden mit (…) eigener Erfahrung und spannenden Einzelfällen aus dem [allgemeinmedizinischen] Alltag“.

Take Home Message für die Praxis

Die Seminarvorlesung hat sich als verpflichtendes Lehrformat in der Allgemeinmedizin an der TU München bewährt.

Stichwörter: Hausärzte als Dozierende, interaktives Lehrkonzept
11:40 P03-02

Train the Trainer Seminare in der allgemeinärztlichen Weiterbildung – eine aktuelle Übersicht der Kompetenzzentren Weiterbildung (#208)

U. Sonntag2, L. Pauscher3, L. Roßkamp4, T. Ledig1, S. - A. Rösel5, K. Dippel3, G. Feldmaier6, B. Huenges5, J. Steinhäuser7, S. Schwill1

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin u Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin , Berlin , Berlin, Deutschland
3 Johann Wolfgang Goethe-Universität , Institut für Allgemeinmedizin , Frankfurt, Hessen, Deutschland
4 Vernetzungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin , Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
5 Ruhr-Universität Bochum , Abteilung Allgemeinmedizin, Bochum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
6 Universität Rostock, Institut für Allgemeinmedizin , Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
7 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin , Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin (KW) sind für die Planung und Durchführung von Train-the-Trainer(TTT)-Seminaren als Angebot für die Optimierung der didaktischen Qualifikation von Weiterbilder*innen/Weiterbildungsbefugten (WB) verpflichtet. Vorabfragen haben ergeben, dass die KW in der Umsetzung von TTT-Seminaren unterschiedlich fortgeschritten sind.

Fragestellung

Ziel war die Erhebung des aktuellen Angebots von TTT-Seminaren aller KW sowie eine Abfrage bezüglich des Austauschbedarfs zwischen den KW-Standorten.

Methoden

Ansprechpartner*innen der KW werden in einem Telefoninterview zum Stand der TTT Seminare befragt. Dazu wurde in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe ein strukturierter Interviewleitfaden entwickelt, in zwei Probeinterviews getestet und geringfügig überarbeitet. Insgesamt sollen n=16 KW befragt werden. Die Ergebnisse werden deskriptiv zusammengefasst.

Ergebnisse

Die Befragung erfolgt von März bis Mai 2019. Bis Mitte April nahmen 9 von 16 KW teil. In 8 KW werden seit 1 bis 8 Jahren TTT-Auftaktseminare angeboten. 5 KW haben bisher 3 oder mehr TTT-Auftaktseminare durchgeführt bei denen Ärztekammern und/oder Kassenärztliche Vereinigung integriert sind. Bisher bieten 5 KW ein zweitägiges Auftaktseminar mit 14 Unterrichtseinheiten an, davon 3 mit Übernachtung. Die Teilnehmerzahl beträgt durchschnittlich 24 TN (20-40). 6 Angebote richten sich auch an ambulante WB aus anderen Fächern, 4 zudem an stationäre WB. Inhaltlich bieten 8 eine Vorstellung des KW, eine Vorstellung des Kompetenzbasierten Curriculums Allgemeinmedizin, die Organisation der Weiterbildung im Kammerbezirk und Feedbacktraining an. Darüber hinaus beinhalten die TTT-Seminare Themen wie die Weiterbildungsordnung, die CanMeds-Kompetenzen, Methoden zur Strukturierung der Weiterbildung, den Weiterbildungsvertrag, die rechtlichen Rahmenbedingungen, videoassistiertes Feedback (u.w.). 2 KW bieten TTT-Folgeseminare an und 4 planen dies.

Diskussion

Die vollständigen Ergebnisse werden bis Juni 2019 vorliegen und auf der DEGAM Jahrestagung präsentiert und diskutiert.

Take Home Message für die Praxis

Die KW bieten TTT-Seminare für Weiterbilder*innen/Weiterbildungsbefugte in der allgemeinärztlichen Weiterbildung an und wollen damit die weitere Qualifikation unterstützen und einen Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Stichwörter: Weiterbildung Allgemeinmedizin, Train-the-Trainer-Seminare
11:50 P03-03

Soziale Eingebundenheit bei Ärzt*innen in Weiterbildung zum Allgemeinarzt (#234)

E. M. Loesch1, N. Lippert1, M. Roos1

1 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Mit der Umsetzung des §75a des SGB V zur Einrichtung von Kompetenzzentren Weiterbildung wurde erstmalig der gesetzliche Auftrag gegeben die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in Qualität und Effizienz zu verbessern. Zu den obligaten Aufgaben gehört unter anderem ein weiterbildungsbegleitendes Seminarprogramm. Das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern (KWAB) bietet Ärzt*innen in Weiterbildung vier „Seminartage Weiterbildung Allgemeinmedizin“ (SemiWAM) pro Jahr an. Neben der inhaltlichen Qualifizierung sollen die SemiWAM die Identifikation als Allgemeinmediziner*in und somit die Motivation für die Facharztweiterbildung, stärken. Für die Motivation sind laut der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan (1971) drei psychologische Grundbedürfnisse essentiell. Diese Grundbedürfnisse sind Kompetenz- und Autonomieerleben sowie soziale Eingebundenheit.

Fragestellung

Wie hoch ist die soziale Eingebundenheit bei den am SemiWAM teilnehmenden Ärzt*innen in Weiterbildung? Lässt sich ein Zusammenhang in Bezug auf Teilnahmehäufigkeit an den SemiWAM aufzeigen?

Methoden

Mittels der Need Satisfaction and Frustration Scale (NSFS) wird die soziale Eingebundenheit der Teilnehmer der SemiWAM erfasst. Zusätzlich wird das Commitment erfragt sowie weitere potentielle Einflussfaktoren. Es findet an vier Terminen eine Erhebung vor Beginn und nach Ende eines Seminartages statt.

Ergebnisse

Es wird erwartet, dass die Ärzt*innen in Weiterbildung eine hohe Ausprägung an sozialer Eingebundenheit aufweisen, welche mit einem hohen Commitment einhergeht, die Facharztausbildung erfolgreich absolvieren zu wollen. Ferner wird angenommen, dass soziale Eingebundenheit positiv mit der Anzahl an teilgenommenen SemiWAM korreliert.

Diskussion

Zahlreiche Faktoren bedingen die Motivation für ein bestimmtes Verhalten. Mit dieser Studie wird ein Beitrag zur Diskussion der Notwendigkeit von Strukturen wie Kompetenzzentren Weiterbildung Allgemeinmedizin geleistet. Neben der medizinisch inhaltlichen Weiterbildung scheinen wichtige psychologische Grundbedürfnisse wie soziale Eingebundenheit, Autonomie und Kompetenzerleben ein ebenso starkes Gewicht zu haben und sollten bestmöglich gestärkt werden.

Take Home Message für die Praxis

Die SemiWAM sollten nicht nur auf den bilateralen Informationsaustausch zwischen Lehrenden und Teilnehmenden reduziert werden, sondern deren Gestaltung auf motivationale Hintergrundvariablen ausgerichtet sein.

Stichwörter: Ärzte in Weiterbildung, Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Bayern, KWAB, Seminartage Weiterbildung Allgemeinmedizin, SemiWAM
12:00 P03-04

Kollegiales Fachgespräch als Lehrmittel im Rahmen des Blockpraktikum Allgemeinmedizin an der LMU München (#243)

L. M. Lauffer1, P. Delker1, R. P. Kosilek1, S. Schlüssel1, J. Gensichen1

1 Klinikum der Universität München LMU, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

An der LMU München absolvieren jährlich 600 Studierende das Blockpraktikum Allgemeinmedizin in den assoziierten Lehrpraxen und profitieren von individueller Betreuung durch die Lehrärztinnen und Lehrärzte. Ein Teil der Prüfungsleistung und Lehre im Blockpraktikum ist das Verfassen eines Arztberichtes. Konstruktives Feedback ist ein wichtiger Teil, um einen Lernerfolg zu erzielen.

Fragestellung

Wie können individuell kollegiale Fachgespräche über einen selbstverfassten Arztbericht für alle Studierenden einer Großuniversität dauerhaft personell im sinnvollen Rahmen angeboten werden?

Methoden

Ein studentischer Mitarbeiter vergibt nach Eingang der Arztberichte 10-minütige Telefontermine mit den Ärzten des Instituts für Allgemeinmedizin. Am Termin wird der Arztbericht von Arzt zu werdendem Arzt auf Augenhöhe kommentiert und Verbesserungsvorschläge werden besprochen. Außerdem wird nach „der besten“ sowie „der schlechtesten“ Erfahrung im Blockpraktikum gefragt, was engagierte Lehrärzte hervorhebt aber auch strukturelle Probleme aufdeckt.

Ergebnisse

Von 632 Teilnehmern des Blockpraktikums (11/2017 -12/2018) kamen bei 412 (65,2%) das Telefonat zustande. Die Bewertung der Arztberichte war zu 79,7% „bestanden“, zu 14,3% „gut“ und zu 6% „nicht bestanden/Überarbeitung notwendig“. Das Spektrum der Diagnosen war erwartungsgemäß sehr breit. Positive Erfahrungen waren vor allem „Hausbesuche“ (5 %), „der Lehrarzt nahm sich Zeit für mich“ (25%) und „selbst Patienten betreuen“ (80%). Negativ fielen z. T. alternative Heilmethoden (1%) auf sowie in einzelnen Praxen der Einsatz der Studierenden bei Infusionen. Der Zeitaufwand für die Telefonate ist saisonal unterschiedlich, im Durchschnitt liegt er bei 2 (1-3) Wochenstunden.

Diskussion

Es konnte gezeigt werden, dass ein individuelles Feedback mit vertretbarem Zeitaufwand gewährleistet werden kann. Positiv erscheint zudem die direkte Rückmeldung aus dem Blockpraktikum, die mehr Informationen zu einem früheren Zeitpunkt bietet als der klassische Evaluationsbogen und so eine stetige Qualitätsverbesserung ermöglicht.

Take Home Message für die Praxis

Feedbacktelefonate lassen sich als Lehrmittel mit begrenzten Aufwand in das Blockpraktikum Allgemeinmedizin integrieren.

Stichwörter: Lehre, Kollegiales Fachgespräch, Blockpraktikum Allgemeinmedizin
12:10 P03-05

Attraktivität der unterschiedlichen Seminarmodule im Weiterbildungskolleg des Kompetenzzentrums Weiterbildung Hessen. Visualisierung anhand der Nachfrage und Evaluationsergebnisse (#259)

E. Baum1, 2, S. Bösner1, 2, J. Groth1, 2, K. Hierasimowicz1, 2

1 Philipps-Universität Marburg, Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland
2 Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Die im Jahr 2018 angebotenen 23 Seminartage des Weiterbildungskollegs am Kompetenzzentrum Weiterbildung Hessen wurden von mehr als 200 ÄiW besucht. Die nahezu 70 angebotenen Themen erfreuten sich unterschiedlicher Nachfrage und anschließender Evaluation.

Fragestellung

Wie kann angesichts des Anspruchs, möglichst viele Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) an das Seminarprogramm zu binden, die Planung zukünftiger Seminarangebote und deren Qualität optimiert werden?

Methoden

Der mittlere Belegungsgrad von Seminaren wurde separat für jedes Thema mit ihrer jeweiligen mittleren Benotung in Beziehung gesetzt und in einem Streudiagramm mit einer Vier-Felder-Matrix visualisiert. Als erste Datenquelle (Belegungsgrad) wurde die Verwaltungsdatenbank des Kompetenzzentrums Weiterbildung herangezogen. Als zweite Datenquelle dienten die Evaluationen der Seminare durch die teilnehmenden ÄiW. Seminare, die von unterschiedlichen Dozenten angeboten wurden, wurden voneinander getrennt ausgewiesen.

Ergebnisse

Es erfolgte eine Visualisierung mit einer Vier-Felder-Matrix. Die stark gebuchten (>50 % Auslastung) und gut benoteten (2.0 und besser) Seminarthemen bilden mit 62 % die klare Mehrheit unter den angebotenen Veranstaltungen. Nichtmedizinische Seminarthemen werden wesentlich weniger gebucht als medizinische (58 % vs. 81 %), wohingegen sie etwas besser benotet werden (1,74 vs. 1,81). Themen, die von verschiedenen Dozenten angeboten werden, weisen mit 0,73 Notenpunkten eine relativ hohe Notendifferenz auf, bei geringer Differenz des Belegungsgrades (11 %).

Diskussion

Die Vier-Felder-Matrix eignet sich für die Darstellung von Nachfrage und Bewertung von Seminaren eines gewählten Zeitabschnitts. Daraus können Rückschlüsse für die Angebotsauswahl und Förderung der Attraktivität der Seminare gezogen werden. Für die Abbildung langzeitlicher Tendenzen könnten mehrere Matrizen zu unterschiedlichen Zeiträumen fungieren. Im gegenseitigen Austausch wollen wir verschiedene Möglichkeiten der Angebotsoptimierung diskutieren.

Take Home Message für die Praxis

Die Darstellung von Auslastung in Beziehung zur Evaluation der einzelnen angebotenen Seminarthemen bietet vielfältige Möglichkeiten des Vergleiches und Anregungen für die weitere Planung und Optimierung des Seminarangebotes.

Stichwörter: Weiterbildung, Evaluation
12:20 P03-06

Blockpraktikum Allgemeinmedizin: Was hat Einfluss darauf, ob Studierende das im Studium Erlernte anwenden können? (#274)

C. Kersting1, G. Fobbe1, M. Heßbrügge1, H. C. Römer1, S. Gesenhues1

1 Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinemedizin, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Seit 2002 ist ein verpflichtendes allgemeinmedizinisches Blockpraktikum Bestandteil der Ärztlichen Approbationsordnung. Das Institut für Allgemeinmedizin Essen bietet bereits seit 1993 ein zweiwöchiges Blockpraktikum an, das seit 2004 von den Studierenden evaluiert wird.

Fragestellung

Welche Eigenschaften der Studierenden, der durchgeführten Tätigkeiten und des Lehrarztes haben Einfluss darauf, ob Studierende das an im Studium Erlernte im Blockpraktikum Allgemeinmedizin anwenden können?

Methoden

In einer Querschnittsanalyse wurden alle 4928 Evaluationsbögen aus den Jahren 2004 bis 2018 ausgewertet. Variablen, die in bivariaten Analysen mit der Zielvariable „Erlerntes konnte (sehr) gut angewendet werden“ (ja/nein) assoziiert waren, gingen als unabhängige Variablen in eine multiple logistische Regression ein. Die Auswertungen erfolgten in SPSS.

Ergebnisse

Evaluationsbögen von 3510 (71,2%) Studierenden ließen eine Aussage über die Zielvariable zu. 2540 dieser Studierenden (72,4%) gaben an, dass sie das Erlernte während des Blockpraktikums (sehr) gut anwenden konnten. Alter, medizinische Vorkenntnisse und Betreuung durch einen festen Lehrarzt waren nicht mit der Zielvariable assoziiert. Das Geschlecht und die Motivation für das Studium zeigten in den bivariaten Analysen, nicht aber im Regressionsmodell einen signifikanten Zusammenhang. Das Modell identifizierte folgende signifikante Einflussfaktoren auf die Anwendung von Erlerntem: häufiges selbstständiges Arbeiten (Odds Ratio: 3,70, 95%-Konfidenzintervall: 3,03-4,53), präzise Anleitungen durch den Lehrarzt (2,59; 1,99-3,38), gute Erörterung von Patientenfällen mit dem Lehrarzt (2,18; 1,71-2,79), durchführen von ≥6 verschiedenen Tätigkeiten (2,11; 1,73-2,56), präzise Beantwortung von Fragen durch den Lehrarzt (1,85; 1,31-2,63) und gute Integration in Praxisabläufe (1,73; 1,33-2,25).

Diskussion

Das Engagement und die Lehrqualität des Lehrarztes haben maßgeblichen Einfluss darauf, ob Studierende das im Studium Erlernte während des Blockpraktikums praktisch anwenden und somit vertiefen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Lehrärzte, die Blockpraktikanten betreuen, angemessen zu qualifizieren

Take Home Message für die Praxis

Didaktische Qualifizierung der Lehrärzte fördert den studentischen Kompetenzerwerb.

12:30 P03-07

Masterplan Medizinstudium 2020 – für welches ambulante Wahlquartal entscheiden sich Studierende? (#309)

I. Petruschke1, S. Schulz1, M. Kaufmann1, J. Bleidorn1

1 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Thüringen, Deutschland

Hintergrund

Der MasterplanMedizinstudium2020 (MM2020) sieht vor, dass zukünftig alle Medizinstudierenden im Praktischen Jahr (PJ) drei Monate in einem ambulanten Fach ihrer Wahl ausgebildet und anschließend verpflichtend im Fach Allgemeinmedizin geprüft werden (3. Staatsexamen). Zum Anteil der Studierenden eines Jahrgangs, der sich für das Fach Allgemeinmedizin im Wahlquartal entscheiden wird, gibt es momentan nur Schätzungen. Für die Planung des ambulanten Quartals hinsichtlich Rekrutierung und Qualifikation von Lehrpraxen wäre eine solche Angabe relevant.

Fragestellung

Welche Fachrichtungen sind für Studierende attraktiv für das geplante ambulante Wahlquartal? Welcher Anteil von Studierenden eines Jahrgangs würde sich für das Fach Allgemeinmedizin entscheiden?

Methoden

Im Sommersemester 2019 werden Medizinstudierende des achten (ca. 250) und zehnten Fachsemesters (ca. 100) schriftlich befragt, für welches ambulante Fach im Wahlquartal sie sich unter den Bedingungen des MM2020 entscheiden würden. Darüber hinaus werden soziodemographische Angaben erhoben und als Einflussfaktoren geprüft.

Ergebnisse

Es wird mit einer hohen Beteiligung an der Befragung gerechnet. Folgende Angaben werden berichtet:

  • Anteil der Studierenden eines Jahrgangs, der sich für das Fach Allgemeinmedizin im Wahlquartal entscheiden würde

  • Häufigkeit, mit der sich Studierende für andere ambulante Fächer entscheiden würden

  • Korrelationen mit soziodemographischen Angaben (Alter, Geschlecht, Herkunft, angestrebte Fachrichtung)

Diskussion

Die Ergebnisse der Befragung sind für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen im MM2020 für alle ambulanten Fachrichtungen relevant.

Take Home Message für die Praxis

Die Ergebnisse der Befragung sind für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen im MM2020 für alle ambulanten Fachrichtungen relevant.

Stichwörter: Masterplan Medizinstudium 2020, Praktisches Jahr, Wahlquartal, Lehre
12:40 P03-08

Einstellungen und Erfahrungenvon Medizinstudierenden mit wechselseitigen Untersuchungen (Peer physical exam) im Grundkurs klinische Untersuchung (#372)

J. M. Porz1, E. Münster1, B. Weltermann1

1 Universität Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Die körperliche Untersuchung zählt zu den Kernkompetenzen der hausärztlichen und allgemeinmedizinischen Versorgung. Zur Vermittlung dieser Fertigkeiten wird am Anfang der klinischen Ausbildung das wechselseitige Untersuchen der Medizinstudierenden (im Englischen: peer physical examination) als didaktische Strategie eingesetzt. Dabei erlernen Studierende unter Anleitung durch Tutoren bzw. Dozenten die Grundtechniken der klinischen Untersuchung. Ein optimaler Lernerfolg setzt u.a. voraus, dass Studierende sich bei dem wechselseitigen Körperkontakt wohl fühlen und nicht durch emotionale Aspekte wie Nähe-Distanz oder Schamgefühle beeinträchtigt sind. Da in Einzelkommentaren in Evaluationen und unsere Erfahrungen als Dozenten darauf hindeuten, dass hier mögliche Barrieren für einen optimalen Lernerfolg bestehen, wird diese Studie entwickelt.

Fragestellung

Gibt es seitens der beteiligten Medizinstudierenden subjektive Hemmnisse und/oder fördernde Faktoren bei den wechselseitigen körperlichen Untersuchungen? Sind aufgrund dieser Erkenntnisse Veränderungen des Lehrformats und/oder der Lehrmethoden erforderlich?

Methoden

Diese Querschnittsstudie mittels standardisiertem, schriftlich und anonym auszufüllenden Fragebogen wird im Wintersemester 2019/20 im Anschluss an die Unterrichtseinheit Grundkurs Klinische Untersuchung unter den beteiligten Medizinstudierenden der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn durchgeführt werden (n=ca. 200).

Ergebnisse

Die Ergebnisse werden die subjektive Erfahrung der Studierenden beschreiben, so dass Möglichkeiten zur Verbesserung dieses Unterrichtsformates entwickelt werden können, um die Güte der klinischen Ausbildung zu sichern. Insbesondere werden individuelle Hindernisse beim Erlernen der Untersuchungsfähigkeiten detektiert werden.

Diskussion

Auf dem Hintergrund der internationalen Forschung zielt diese Studie darauf, die subjektive Sicht von Studierenden auf Peer-Untersuchungen erstmalig in Deutschland zu erheben.

Take Home Message für die Praxis

Eine optimale Gestaltung des Grundkurs Klinische Untersuchung, die auch das subjektive Empfinden der Körperlichkeit von Studierenden einbezieht, ist notwendig, damit beste Voraussetzungen für Einsatz im Praxisalltag - von Famulaturen über Blockpraktika bis in das Praktische Jahr - geschaffen werden. Im Sinn der CANMED-basierten Ausbildung können dann in jeder Ausbildungsstufe immer mehr praktische Kenntnisse erworben und verfeinert werden.

Stichwörter: Grundkurs-klinische-Untersuchung, GKU, Peer-physical-exam