DEGAM 2019
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Methoden der allgemeinmedizinischen Forschung

Moderatoren: Burggraf , Larissa ,
 
Shortcut: P06
Datum: Samstag, 14. September 2019, 8:30
Raum: INZ Magistrale
Sessiontyp: Poster

Abstract

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8:30 P06-01

Effekte der Incentive-Art und einer vorherigen Kontaktaufnahme auf den Rücklauf in einer Arztumfrage - ein Fragebogen-Experiment (#37)

M. Pentzek1, S. Löscher1, V. Leucht1

1 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Schriftliche Umfragen unter Hausärztinnen und Hausärzten leiden oft unter einer geringen Rücklaufquote. Deshalb sind Techniken der Rücklauferhöhung gefragt. Forschende stehen u.a. vor der Entscheidung, vermehrt zeitliche Ressourcen (z.B. persönliche Kontaktaufnahme) und/oder finanzielle Mittel (z.B. Incentives) einzusetzen.

Fragestellung

Welche Effekte haben ein telefonischer Vorab-Kontakt sowie die Art des unkonditionalen Incentives auf den Rücklauf bei einer postalischen Hausarztbefragung?

Methoden

Von 1.000 Hausärzten/innen, die im Rahmen einer schriftlichen Befragungsstudie (Thema: Gedächtnissorgen älterer Patienten/innen) bundesweit zufällig ausgewählt wurden, wurden N=368 in 4 Gruppen à n=92 randomisiert: (1) symbolisches kostengünstiges Incentive ohne Vorab-Kontakt, (2) monetäres Incentive (10€-Gutschein) ohne Vorab-Kontakt, (3) symbolisch mit Vorab-Kontakt, (4) monetär mit Vorab-Kontakt. H0: Rücklaufquote in allen Gruppen =10% vs. H1: Rücklaufquote (1)=10%, (2)=(3)=(4)=20%. Stichprobenumfangsplanung für logistische Regression mit mittleren Haupteffekten ‚Incentive‘ und ‚Vorab-Kontakt‘ (OR=2,25; d=0,45), Power 80%, α=5%, Gleichverteilung der Gruppen.

Ergebnisse

Vor der 2. Reminder-Aktion (Stand 14. März 2019) beträgt die Rücklaufquote insgesamt 62,2%, was weit über die erwartete Quote hinausgeht. Es besteht ein signifikanter Haupteffekt ‚Vorab-Kontakt‘ (OR 1,73; 95% CI 1,11-2,69; p=0,015; d=0,30): Vorher angerufene Probanden/innen antworteten zu 68,6%, nicht-angerufene zu 55,8%. Die Art des Incentives hat keinen Effekt (OR 1,02; 95% CI 0,66-1,58; p=0,933); auch eine Interaktion aus ‚Incentive‘ und ‚Vorab-Kontakt‘ ist nicht signifikant (OR 1,56; 95% CI 0,95-2,69; p=0,080).

Diskussion

Die telefonische Kontaktaufnahme vor der Versendung des Fragebogens erbrachte einen um 13% höheren Rücklauf bei bereits sehr hohem Basisrücklauf. Teurere Incentives brachten keinen Erfolg. Effekte auf Vollständigkeit und Antwortinhalt werden noch analysiert. Weitere Varianten von Incentives und der vorherigen Kontaktaufnahme sind denkbar und sollten in zukünftigen Studien erprobt werden.

Take Home Message für die Praxis

Zur Rücklauferhöhung in Hausarztumfragen sind personelle Ressourcen für eine Kontaktaufnahme vor der Umfrage sinnvoll; als Incentive reicht eine kostengünstige Lösung aus.

Stichwörter: response rate, survey, incentive, pre-contact, experiment
8:40 P06-02

Gründe für die (Nicht-)Teilnahme an einem Forschungsprojekt zur Interaktion am Lebensende in Dyaden erwachsener Kinder und ihrer Eltern (#48)

F. A. Herbst1, L. Gawinski1, N. Schneider1, S. Stiel1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Patienten und ihre Angehörigen berichten in der Literatur vornehmlich positive Aspekte der Partizipation an palliativmedizinischen Forschungsprojekten, obwohl die Teilnahme teils als emotional schwierig erlebt wird (Aoun et al. 2017, Butler et al. 2018, Gysels et al. 2008). Im Forschungsprojekt „Dy@EoL – Interaktion am Lebensende in Dyaden von Eltern und erwachsenen Kindern“ (2017-20, BMBF-Förderkennzeichen: 01GY1711) besteht die besondere Herausforderung darin, schwerstkranke Eltern und ihre erwachsenen Kinder zu Aspekten ihrer Beziehung und Kommunikation zu interviewen.

Fragestellung

Ziel des vorliegenden Beitrags ist, die Teilnahmebereitschaft am Forschungsprojekt zu erfassen und Schlussfolgerungen für die Forschung am Lebensende abzuleiten.

Methoden

Seit Februar 2018 werden über Dienste der allgemeinen und spezialisierten Palliativversorgung Patienten und ihre Angehörigen für persönliche Interviews im Rahmen des Projekts Dy@EoL rekrutiert. Rekrutierungsrate sowie Gründe der (Nicht-)Teilnahme wurden systematisch in IBM SPSS Statistics 25 dokumentiert und deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

Bis einschließlich Februar 2019 wurde 70 Patienten und 30 Angehörigen die Projektteilnahme angeboten. Von den Patienten stimmten 38,6% und von den Angehörigen 33,3% der Teilnahme zu. Hauptteilnahmegrund für Patienten war der generelle Wunsch, zu helfen (20,5%) und für Angehörige, die psychosoziale Unterstützung anderer Betroffener zu verbessern (25%). Zentralster Grund für die Ablehnung eines Interviews war bei Patienten, dass in der aktuellen Situation bereits viele Gespräche stattfinden (15,1%). Bei Angehörigen war eine indirekte Ablehnung durch ausbleibende Rückmeldung bzw. nicht gegebene Erreichbarkeit (30,4%) vorherrschend.

Diskussion

Die Analyse der Rekrutierungsdaten ergab für Patienten und Angehörige unterschiedliche Gründe für Zustimmung und Ablehnung. Die vorliegenden Rekrutierungsdaten zeigen, dass Patienten den expliziten Wunsch haben, sich mitzuteilen und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung beizutragen. Sie sind nach unseren Erfahrungen ebenso wie ihre Angehörigen in der Lage, selbstbestimmt über ihre (Nicht-)Teilnahme zu entscheiden.

Take Home Message für die Praxis

Studiennutzen und -umfang müssen für Patienten und Angehörige klar ersichtlich sein. Wenn möglich, sollte die Teilnahmebereitschaft von Angehörigen im persönlichen Gespräch erfragt werden.

Stichwörter: erwachsene Kinder, Eltern, Kommunikation, Versorgung am Lebensende, Eltern-Kind Beziehungen, Rekrutierung, Methodik, Studienteilnahme
8:50 P06-03

Qualitätssicherung dezentraler Lehrformate: Eine nationale Querschnittsbefragung im Rahmen einer gemischtmethodischen Studie (#88)

M. - T. Steffen1, S. Joos1, R. Koch1

1 Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Obwohl Qualitätsmanagement in der medizinischen Lehre zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, gibt es in Deutschland bisher nur wenige koordinierte und standardisierte Initiativen. Die allgemeinmedizinischen Institute stehen dabei vor der besonderen Herausforderung, die Qualität der Lehre auch über die Universität hinaus in externen Lehrpraxen (dezentrale Lehre) zu sichern.

In Tübingen wurde als eine Qualitätssicherungsmaßnahme 2018 ein „Interprofessioneller Qualitätszirkel allgemeinmedizinische Lehre“ gegründet, welcher als Steuerungs- und Evaluationsinstrument bei den Lehrprozessen fungiert. Am Qualitätszirkel nehmen Lehrärzte, Pflegewissenschaftler, Medizinstudierende, Medizindidaktiker, Lehrkoordinatoren und Institutsmitarbeitende teil.

Fragestellung

Ziel des Gesamtprojektes ist es, ein Konzept für die Qualitätssicherung der dezentralen Lehre in der Allgemeinmedizin zu entwickeln.

Methoden

Die hier präsentierte Querschnittsbefragung ist das erste Teilprojekt einer gemischtmethodischen Studie zur Qualitätssicherung in der allgemeinmedizinischen Lehre. Es werden Lehrstuhlinhaber, Lehrbeauftragte und Lehrkoordinatoren allgemeinmedizinischer universitärer Einrichtungen in Deutschland (n=37 Universitäten) zu Problemen in der dezentralen Lehre und lokalen Lösungsansätzen befragt. Die Befragung enthält auch Fallbeispiele, anhand derer das Vorgehen am jeweiligen Standort ermittelt wird.

Die Ergebnisse aus der Befragung dienen als Grundlage für das folgende Teilprojekt. Sie sollen den Teilnehmern des Qualitätszirkels präsentiert und dort aus mehreren Perspektiven diskutiert werden. Diese Diskussion und weitere Einzelinterviews beteiligter Akteure werden mit qualitativen Methoden ausgewertet.

Ergebnisse

Derzeit findet die Entwicklung und Pilotierung des Fragebogens statt. Beim Kongress wird das Konzept des gemischtmethodischen Gesamtprojektes, sowie erste Ergebnisse der Querschnittserhebung präsentiert.

Diskussion

Diese Ergebnisse können zu einer breiteren nationalen Debatte über Prozesse der Qualitätssicherung in der allgemeinmedizinischen Lehre führen. Unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung im Zuge des Masterplans 2020 und der Betonung sowohl allgemeinmedizinischer als auch interprofessioneller Lehrinhalte sind nationale Standards in der Qualitätssicherung der Lehre eine wichtige Entwicklung.

Take Home Message für die Praxis

  • Mit der Zunahme dezentraler Lehre im Rahmen der Entwicklungen des Masterplans 2020 steigt der Bedarf an Qualitätssicherung
  • Mittels gemischtmethodischen Ansätzen können Werkzeuge wie der Qualitätszirkel Lehre empirisch beforscht werden und eine fundierte Grundlage für Qualitätsmanagement in der dezentralen Lehre liefern.
Stichwörter: dezentrale Lehrformate, Qualitätsmanagement, Qualitätszirkel, Querschnittsbefragung, mixed-methods, Lehrforschung
9:00 P06-04

Psychosoziale Unterstützung von Eltern und erwachsenen Kindern am Lebensende – Ergebnisse eines Scoping Reviews (#105)

L. Gawinski1, N. Schneider1, S. Stiel1, F. A. Herbst1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Die psychosoziale Unterstützung von Patienten mit unheilbaren Erkrankungen und ihren Angehörigen hat einen hohen Stellenwert. Innerhalb des Forschungsprojekts „Dy@EoL – Interaktionen am Lebensende in Dyaden von Eltern und erwachsenen Kindern“ (2017-20; BMBF-Förderkennzeichen: 01GY1711) wurde ein Scoping Review zu Interaktionen in Beziehungen von erwachsenen Kindern und ihren Eltern am Lebensende und darauf bezogene psychosoziale Unterstützungsangebote durchgeführt.

Fragestellung

Was ist aus dem aktuellen wissenschaftlichen Literaturstand über Interaktionen und psychosoziale Unterstützung(sbedarfe) von erwachsenen Kindern und Eltern am Lebensende bekannt?

Methoden

Es wurden 5 Datenbanken für ein Scoping Review systematisch durchsucht. Zusätzlich erfolgte eine Handsuche der Literaturverzeichnisse relevanter Artikel. Aus den final eingeschlossenen wissenschaftlichen Beiträgen (n=16) wurden Hauptthematiken deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

Das Bedürfnis nach psychosozialer und praktischer Unterstützung sowie wechselseitiger Patient-Angehörigen-Unterstützung waren Kernthemen. Die Beziehung kann sich durch Fürsorgeerfahrungen verbessern, jedoch können unterschiedliche Erwartungshaltungen an die Pflege durch den  Angehörigen auch zu Konflikten am Lebensende führen. Die Kommunikation gestaltet sich aufgrund spezifischer familiärer Kommunikationsmuster divers; die Studien beschreiben die explizite Vermeidung von emotionalen und krankheitsbezogenen Themen als dysfunktional. Das Bedürfnis Angehöriger, durch medizinisches Personal auf emotional schwierige Pflegesituationen vorbereitet zu werden und praktische Pflegeanleitung zu erhalten, stand zudem im Vordergrund.

Diskussion

Die Beziehung von Eltern und erwachsenen Kindern am Lebensende ist stark von sozionormativen Vorstellungen geprägt, die in der individuellen Situation und Beziehung ausgehandelt werden. Kommunikative und emotionale Unterstützungsangebote müssen auf die jeweilige Dyade angepasst erfolgen. Hausärztinnen und -ärzte sollten für Ambivalenzen in der durch die Pflegesituation möglicherweise geänderten Beziehung zum Dyadenpartner sensibilisiert sein.

Take Home Message für die Praxis

Hausärztinnen und -ärzte haben eine Schlüsselrolle in der psychosozialen Begleitung von Patienten in der letzten Lebensphase und ihrer Angehörigen. Dafür ist zentral, dass Hausärztinnen und -ärzte auch die Familiendynamik des Patienten als Bestandteil der psychosomatischen Grundversorgung betrachten.

Stichwörter: Psychosoziale Unterstützung, Scoping Review, Lebensende, Kommunikation, Eltern-Kind-Beziehung
9:10 P06-05

„Vier gewinnt“ – die Herausforderung eines mehrstufigen Rekrutierungsverfahrens in der cluster-randomisierten Studie „HIOPP-3 iTBX“ (#111)

C. Kirsch1, U. Junius-Walker1, I. - M. Doyle1, L. C. Sparenberg2, A. Wollny2, A. Fuchs4, S. Wilm4, H. Haumann3, R. Stolz3, O. Krause1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
2 Universitätsmedizin Rostock, Institut für Allgemeinmedizin, Rostock, Deutschland
3 Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
4 Heinrich-Heine-Universität, Institut für Allgemeinmedizin (ifam), Düsseldorf, Deutschland

Hintergrund

In der cluster-randomisierten Interventionsstudie „HIOPP-3 iTBX - Angemessene und sichere Medikation für Heimbewohner/innen mit Hilfe einer interprofessionellen Toolbox“ wurden Heime, Apotheker, Hausärzte und Heimbewohner in einem mehrstufigen Vorgehen rekrutiert. Hier lag die Herausforderung darin, dass in jedem teilnahmewilligen Heim mindestens eine heimversorgende Apotheke sowie ein Hausarzt an der Studie teilnehmen mussten, um für die Intervention interprofessionelle Teams zu bilden sowie die Heimbewohner zu rekrutieren.

Fragestellung

Wie ist das mehrstufige Rekrutierungsverfahren von interprofessionellen Teams sowie Studienteilnehmern hinsichtlich der Teilnahmerate zu bewerten?

Methoden

Die einzelnen Schritte der Rekrutierung werden beschrieben:

1. Postalische und/oder telefonische Rekrutierung der Heime an den Studienstandorten Hannover, Rostock, Düsseldorf und Tübingen.

2. Zeitgleiche schriftliche, telefonische und/oder persönliche Rekrutierung der Apotheken und Hausärzte der teilnahmebereiten Heimen.

3. Prüfung, dass kein teilnahmebereiter Hausarzt oder Apotheker zwei Heime gleichzeitig betreut und ob ein interprofessionelles Team aus Hausarzt, Apotheker, Pflegekraft pro Heim gebildet werden konnte.

4. Rekrutierung der Heimbewohner, deren Hausärzte an der Studie teilnahmen.

 

Zur Bewertung des Rekrutierungsverfahrens werden die Teilnahmeraten berichtet.

Ergebnisse

Von insgesamt 519 kontaktierten Heimen sagten 64 (12%) zu. Von diesen mussten 23 Heime (33%) ausgeschlossen werden, weil kein interprofessionelles Team zustande kam.

Die Teilnahmerate der Apotheker lag bei 70%. Die Teilnahmerate der Hausärzte konnte durch persönliche Kontakte von ursprünglich 7% auf 40% gesteigert werden. Von 1983 Heimbewohnern gaben 857 Heimbewohner/Betreuer ihre Einwilligung zur Studie (65%).

Diskussion

Ein mehrstufiges Rekrutierungsverfahren ist umsetzbar, bringt allerdings große organisatorische Herausforderungen mit sich, die bereits bei der Studienplanung berücksichtigt werden müssen. So musste aufgrund der fehlenden Teilnahme einer der drei Professionen eine Vielzahl an Heimen ausgeschlossen werden und eine große Anzahl von Heimbewohnern konnte nicht zur Studie eingeladen werden. Dies konnte durch einen erhöhten Rekrutierungsaufwand ausgeglichen werden.

Take Home Message für die Praxis

Der Rekrutierungserfolg hängt „vom schwächsten Glied“ in der Kette ab; dieses sollte möglichst im Vorfeld identifiziert werden, um passgenaue Rekrutierungsstrategien zu entwickeln.

Stichwörter: Rekrutierung, cluster-randomisierte Studie, Pflegeheim, AMTS, interprofessionelle Teams, Teilnahmeraten
9:20 P06-06

Vergleich der Hochtontherapie und der TENS Therapie bei chemotherapieinduzierter Polyneuropathie- Projekt HIT-CIPN – Studienprotokoll eines RCT (#166)

T. Johansson1, D. Schaffler-Schaden1, J. Herfert2, R. Sassmann2, S. Gampenrieder3, G. Rinnerthaler3, K. Lampl2, F. Rieder2, M. Flamm1, R. Greil3, J. Niebauer2

1 Paracelsus Medizinische Universität, Institut für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin, Salzburg, Salzburg, Österreich
2 Uniklinikum Salzburg, Landeskrankenhaus, Universitätsklinik für Physikalische Medizin und Rehabilitation der PMU, Salzburg, Salzburg, Österreich
3 Uniklinikum Salzburg, Landeskrankenhaus, Universitätsklinik für Innere Medizin III, mit Hämatologie, internistischer Onkologie, Hämostaseologie, Infektiologie, Rheumatologie und Onkologisches Zentrum, Salzburg, Salzburg, Österreich

Hintergrund

Eine häufige Nebenwirkung vor allem Oxaliplatin- und Taxanbasierter Therapien ist die Neurotoxizität, was zu Dosisreduktion oder gar Abbruch der Therapie führen kann und damit die Prognose dieser PatientInnen beeinflusst.

Fragestellung

Klinische Besserung der chemotherapieinduzierten Nervenbeschwerden durch Anwendung der Hochtontherapie im Vergleich zu TENS.

Methoden

Design: Pilotstudie, randomisiert- kontrollierte Interventionsstudie (2 Gruppen).

Setting: Universitätsklinikum Physikalische Medizin in Zusammenarbeit mit dem Universitätsinstitut für Allgemeinmedizin der PMU und der Universitätsklinik für Onkologie.

Stichprobe: Patienten mit histologisch gesichertem Mamma- oder Kolonkarzinom nach abgeschlossener, adjuvanter Oxaliplatin- oder Taxanbasierter Chemotherapie und klinisch relevanter CIPN.

Intervention: Acht Wochen Hochtontherapie für zu Hause.

Kontrolle: Acht Wochen TENS für zu Hause.

Randomisierung: Blockrandomisierung (Blockgröße 4, zentrale elektronische Sequenzerstellung)

Verblindung: Outcome assessors

Primärer Endpunkt:

EORTC QLQ-CIPN 20 (The European Organization for Research and Treatment of Cancer quality of life questionnaire)

Sekundäre Endpunkte:

EORTC QLQ C30

Objektivierbare Verbesserung der CIPN durch Überprüfung mittels Monofilamenttest und Vibrationstest

Ergebnisse

Noch keine Ergebnisse (Studienprotokoll).

Diskussion

Zahlreiche medikamentöse und auch nichtmedikamentöse Therapieversuche der chemotherapieinduzierten Polyneuropathie (CIPN) wurden bis dato unternommen, bis jetzt konnte jedoch noch keine überzeugende Evidenz erreicht werden. Ein vielversprechender Ansatz ist jedoch der Einsatz der Elektrotherapie.

Förderung: PMU Research Fund, project number: T-18/03/144-SAS

Ethikantrag: Ethikkommission für das Bundesland Salzburg, 26 September 2018, ref. 19.12.2018 (415-E/2376/7-2018)

Take Home Message für die Praxis

Da es sich um sehr häufiges und belastendes Krankheitsbild handelt und bisher keine wirksame Therapie vorliegt, kommt der Erforschung einer effektiven Therapie der chemotherapieinduzierten Polyneuropathie höchste Bedeutung zu.

Stichwörter: chemotherapieinduzierter Polyneuropathie, Hochtontherapie, Home-based Intervention
9:30 P06-07

Screening auf Bewegungsmangel in Hausarztpraxen: Entwicklung eines klinischen Bewegungs-Assessment-Instruments für Deutschland. (#269)

L. Frank1, J. Tomandl1, P. van der Keylen1, M. Roos1, S. Hueber1

1 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Bewegungsmangel ist laut der WHO einer der fünf führenden Risikofaktoren der Gesamtmortalität weltweit. In Deutschland erfüllen etwa 46% der Erwachsenen die Kriterien eines Bewegungsmangels – bei steigender Tendenz. Eine Vielzahl an Leitlinien sowie die GBA-Richtlinie zur Gesundheitsuntersuchung (GU) empfehlen, Bewegungsmangel als Risikofaktor routinemäßig bei Patienten zu erheben, um daraus weitere präventive Schritte ableiten zu können.

Fragestellung

Wie dies objektiv und effektiv im klinischen Alltag umgesetzt werden kann, bleibt allerdings stets offen. Ein validiertes Instrument für das Screening auf Bewegungsmangel im Praxisalltag fehlt in Deutschland bislang.

Methoden

Zur Entwicklung des Bewegungs-Assessment-Instruments (BAI) ist ein mehrteiliges Projekt, bestehend aus den folgenden Studien, geplant.

  1. Auf Basis einer Literaturübersicht zu BAIs mit maximal drei Items entwickelt eine multidisziplinäre Expertengruppe ein erstes Itemset. Für die Entwicklung findet das Delphi-Verfahren Anwendung.

  2. Anschließend erfolgt die Pilotierung des Itemsets im Rahmen von GU- und DMP-Terminen in einer Hausarztpraxis. Anhand begleitender Interviews mit ÄrztInnen und PatientInnen werden vor allem Vollständigkeit und Verständlichkeit der Items betrachte. Das Itemset wird noch einmal angepasst.

  3. Im Rahmen einer größeren Studie wird dann das Itemset mit ausführlicheren BAIs und einer akzelerometrischen Bewegungsmessung verglichen. Diese dienen als etablierte Referenzmessmethoden, um anhand der Korrelationen der Items ein möglichst kurzes, finales Itemset mit guter Erkennungsrate zu identifizieren.

Ergebnisse

Es können noch keine Ergebnisse vorgestellt werden.

Diskussion

Es können noch keine Ergebnisse diskutiert werden.

Take Home Message für die Praxis

Es fehlen aktuell Strategien um den Risikofaktor Bewegungsmangel objektiv und effektiv im klinischen Alltag zu erheben.

Stichwörter: Bewegungsmangel, Prävention, Entscheidungshilfe