DEGAM 2019
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Qualität in der hausärztlichen Versorgung

Moderatoren: Sanftenberg , Linda , PhD/MD; Voigt , Karen ,
 
Shortcut: V13
Datum: Donnerstag, 12. September 2019, 16:45
Raum: TRC
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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16:45 V13-01

Impfspezifisches Qualitätsmanagement für niedergelassene Ärzte in Deutschland   (#58)

L. Sanftenberg1, I. Thorvaldsson1, M. Frühwein2, J. Schelling1

1 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Praxis Dr. Frühwein & Partner, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

85-90% aller Impfungen in Deutschland werden von niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Um das Präventionsbewusstsein des Praxispersonals und der Patienten zu fördern, sind validierte Impfmanagementsysteme in Arztpraxen hilfreich. Durch die Koordination von Arbeitsabläufen und Zuständigkeiten kann das Impfen sowohl qualitativ als auch quantitativ verbessert werden.

Fragestellung

Sind impfspezifische Qualitätskriterien messbar und in gängige Qualitätsmanagement (QM)-Systeme niedergelassener Praxen übertragbar?

Methoden

Impfspezifische QM-Kriterien wurden mittels Literaturrecherche identifiziert und ihre Relevanz von fünf unabhängigen Impfexperten überprüft. Zur Überprüfung der internen und externen Validität, sowie Priorisierung der QM-Kriterien wurde eine anonyme online-Befragung bei niedergelassenen Ärzten diverser Fachrichtungen durchgeführt.

Ergebnisse

Insgesamt konnten 504 vollständig ausgefüllte Fragebogen ausgewertet werden. Eine Impfmanagementsoftware wurde von 34% der Befragten bereits verwendet. 93% der Teilnehmer beurteilten Impfungen persönlich als „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Die relevantesten QM-Kriterien der Stichprobe waren die Kompetenz der ärztlichen Mitarbeiter, die Impfpassdokumentation und das Einhalten eines stabilen Temperaturniveaus. Als „eher unwichtig“ wurden auf die Patientenberatung bezogene QM-Kriterien, wie Recallmaßnahmen eingeschätzt. Für die Integration des QM-Kriterien-Sets in ein QM-System stimmten 81% der befragten Ärzte. Eine Zertifizierung hielten knapp 42% der Teilnehmer für notwendig, wobei diese von über 60% genutzt werden würde.

Diskussion

Die wichtigsten QM-Kriterien scheinen aus den Bereichen Impfdokumentation und Impfstofflagerung zu stammen. Obwohl von den befragten Ärzten ein qualitativ hochwertiger Impfprozess angestrebt wird, wurde die Bedeutung patientenspezifischer Qualitätskriterien als insgesamt gering eingeschätzt. Besonderer Aufklärungsbedarf wird im Bereich der Recallmaßnahmen und Impferinnerungssysteme für Patienten gesehen, deren impfratensteigernder Effekt bereits vielfach nachgewiesen wurde.

Take Home Message für die Praxis

Da die Effektivität von Impferinnerungssystemen bereits vielfach nachgewiesen werden konnte, ist es wichtig in einem weiteren Schritt die Vorbehalte der niedergelassenen Ärzte gegen diese Maßnahmen kennen zu lernen. Impfungen werden größtenteils in der Primärversorgung erbracht, so dass QM in diesem Bereich von sehr großer Bedeutung ist.

 

Stichwörter: Qualitätsmanagement, digitaler Impfpass, Recallsysteme
17:00 V13-02

Der unkomplizierte Harnwegsinfekt: Management in der Praxis und zu Hause (#72)

S. Strube-Plaschke1, W. Himmel1, K. Rentzsch2, I. Gágyor3

1 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Deutschland
2 Universität Bamberg, Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik, Bamberg, Deutschland
3 Universitätsklinikum Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Deutschland

Hintergrund

Für die Versorgung von Patientinnen mit unkompliziertem Harnwegsinfekt (HWI) stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Es ist nicht bekannt, inwieweit diese Optionen in der ärztlichen Praxis ausgeschöpft werden. Auch ist unklar, ob zwischen Management und Symptomverlauf ein Zusammenhang besteht.

Fragestellung

Wie wird ein Harnwegsinfekt ambulant behandelt? Inwieweit stimmen ärztliche Empfehlung und Behandlung zu Hause überein? Wie wirken sich die Behandlungsstrategien auf Symptomlast und Lebensqualität aus?

Methoden

Im Rahmen einer prospektiven Beobachtungsstudie wurden 120 Patientinnen mit unkompliziertem Harnwegsinfekt aus 18 Hausarzt- und gynäkologischen Praxen über 7 Tage befragt. Die Stärke der Beschwerden (Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen, Unterbauchschmerzen) und die Beeinträchtigung durch diese Beschwerden konnten in einem Fragebogen, bestehend aus 8 Items eingeschätzt werden. Die mittlere Summe der 8 Items verwendeten wir als Gesamtbelastungs-Score. Urinbefunde sowie Behandlungsstrategien wurden erhoben. Zum Follow up erfolgte nach 28 Tagen ein Telefoninterview.

Ergebnisse

Ärztlicherseits wurde eine antibiotische Therapie bei 102 Patientinnen (87,2 %, N=117) eingeleitet. Nur 60% der Patientinnen nahmen laut eigener Aussage Antibiotika ein. Obwohl selten ärztlicherseits empfohlen, entschieden sich 43% der Befragten zur Einnahme eines Schmerzmittels. Frauen, die ein Antibiotikum einnahmen, hatten einen Gesamtscore von 2,96; Frauen ohne Antibiotika von 2,71 (p = 0,12). Frauen, die Schmerzmittel nahmen, hatten im Schnitt 3,11 und Frauen ohne Schmerzmittel 2,68 Punkte (p = 0,0062). Im Symptomverlauf zeigten sich zwischen den Frauen mit und ohne Antibiotika-Einnahme keine Unterschiede. Ein Rezidiv im Beobachtungszeitraum hatten 13%, eine Patientin hatte eine Pyelonephritis.

Diskussion

Für die Behandlung des unkomplizierten Harnwegsinfekts wurden in der Praxis überwiegend Antibiotika verordnet, aber nicht von allen Patientinnen eingenommen. Symptomatische Therapieoptionen zur Schmerzreduktion wurden nur selten empfohlen. Die Einnahme von Antibiotika stand nicht in Zusammenhang mit der subjektiv empfundenen Belastung durch die Beschwerden, sehr wohl aber die Einnahme von Schmerzmitteln. Die gewählten Behandlungsstrategien wirkten sich nahezu unterschiedslos auf den Symptomverlauf aus.

Take Home Message für die Praxis

Nicht-antibiotische Behandlungsoptionen wurden in der ärztlichen Praxis nur selten ausgeschöpft.

Stichwörter: Harnwegsinfekt, Beobachtungsstudie, Symptomverlauf, Behandlungsstrategien
17:15 V13-03

Wie zuverlässig sind selbstberichtete Impfdaten von Medizinstudierenden? (#113)

K. Voigt1, R. Zenker1, H. Riemenschneider1, A. - S. Hajduk1, J. Schübel1, A. Bergmann1

1 TU Dresden, Bereich Allgemeinmedizin/MK3, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Studien zum Impfstatus bei medizinischem Fachpersonal basieren oft auf selbstberichteten Angaben. Diese sind im Vergleich zu Serumbestimmungen oder Impfpassanalysen einfach zu erheben, jedoch sind methodische Limitierungen (z.B. Recallbias, soziale Erwünschtheit) anzunehmen.

Fragestellung

Wie zuverlässig sind selbstberichtete Angaben von Medizinstudierenden zum Impfstatus?

Methoden

In der allgemeinmedizinischen Seminarreihe wurde ein zweiseitiger pseudonymisierter Fragebogen zum Impfstatus ohne und 1 Woche später mit Impfpass von den Teilnehmern freiwillig ausgefüllt. Es erfolgte der statistische Vergleich beider Untersuchungszeitpunkte hinsichtlich Übereinstimmungen der Angaben. Die Nichtübereinstimmungen wurden auf Unter- und Überschätzungen analysiert.

Ergebnisse

Von 299 eingeschriebenen Medizinstudierenden wurden 153 (51,2%) in die Analyse einbezogen. Durchimpfungsraten (gemäß Impfpass) waren für Mumps, Masern, Röteln (MMR: ≥ 95%) am höchsten, für Hepatitis A und B (HA, HB: 78-79%) und Influenza (24%) am niedrigsten. Die höchsten Übereinstimmungen der Angaben ohne und mit Impfpass ergaben sich für MMR (92-94%), die niedrigsten für Poliomyelitis, Pertussis und HB (73-77%). HA und Influenza ausgenommen, waren die Angaben eher von Unterschätzungen des eigenen Impfstatus geprägt: 6-14% der Studierenden unterschätzten ihren Impfstatus für Tetanus, Poliomyelitis, Pertussis und Diphtherie (TPDD). Einige Medizinstudierende konnten trotz vorliegendem Impfpass ihren Impfstatus nicht angeben: 5% für HA und 4% für Röteln.

Diskussion

Die Zuverlässigkeit des selbstberichteten Impfstatus variierte je nach Impfindikation. Die zuverlässigste Angabe ergab sich für die Impfindikation Masern. Öffentliche Thematisierung in den letzten Jahren könnten das Bewusstsein für Masern und den eigenen Impfstatus erhöht haben. Bezüglich der Impfangaben zu TPDD neigen einige Medizinstudierende zu einer Unterschätzung, d.h. ein etwas besserer Impfstatus als bei selbstberichteten Impfangaben kann für die Gesamtgruppe angenommen werden. Der trotz Nutzung des Impfpasses bestehen bleibende „weiß nicht“-Anteil verweist auf möglicherweise unregelmäßig geführte Impfpässe oder Probleme in der Lesbarkeit.

Take Home Message für die Praxis

Selbstberichtete Angaben sind indikationsbezogen mehr (MMR) oder weniger (HA, HB, Influenza) zuverlässig. Durchimpfungsraten sind auch bei der Gruppe der Medizinstudierenden nicht optimal. Die Interpretation von Impfpassangaben sollte obligater Ausbildungsinhalt im Studium sein.

Stichwörter: Impfstatus, Medizinstudierende, Reliabilität
17:30 V13-04

Optimierungsbedürftige Impfstoffkühlkette in Hausarztpraxen: Eine Querschnittsstudie in 75 Kühlschränken (die Keep Cool-Studie) (#142)

A. Thielmann1, 2, M. T. Puth1, 3, C. Kersting2, J. Porz1, B. Weltermann1, 2

1 Universitätsklinikum Bonn, Universität Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
3 Universitätsklinikum Bonn, Universität Bonn, Institut für Medizinische Biometrie, Informatik und Epidemiologie, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Impfstoffe vor Gefrieren zu schützen ist eine wichtige und zugleich wenig adressierte Aufgabe im Impfmanagement. Gefrieren kann insbesondere die Wirksamkeit von Adsorbat-Impfstoffen verschlechtern. Die Keep Cool-Studie hat die Sicherstellung optimaler Lagerbedingen in Hausarztpraxen zum Ziel.

Fragestellung

Baseline-Erfassung der Impfstoffkühlkette mittels standardisierter Temperaturaufzeichnungen in Hausarztpraxen.

Methoden

Diese Querschnittstudie in Hausarztpraxen analysiert 7-tägige Temperaturaufzeichnungen von Kühlschränken, die für die Impfstofflagerung verwendet werden. Temperaturen wurden kontinuierlich mit einem standardisierten Datenlogger aufgezeichnet (Genauigkeit ±0.4°C). Berechnet wurde die Prävalenz von Kühlschränken innerhalb des Zielbereichs (2-8°C) und derer mit kritisch niedrigen Temperaturen (≤0°C). Zusätzlich wurde die kumulative Zeit sowie die Dauer einzelner Episoden außerhalb des Zielbereichs berechnet. Um strukturelle Defizite zu ermitteln wurde die Prävalenz von Temperaturzyklen >5°C erfasst. Generalisierte Lineare Gemischte Modelle wurden verwendet um korrelierende Faktoren zwischen den abhängigen Variablen „Temperatur im Zielbereichs“ und „kritisch niedrige Temperaturen“ mit Praxischarakteristika zu berechnen.

Ergebnisse

Die Studie inkludierte 64 von 168 Praxen (Teilnehmerrate 38,1%) mit 75 Kühlschränken. Die Prävalenz von Kühlschränken mit Temperaturen innerhalb des Zielbereichs lag bei 32.0% (n=24) und 14.7% (n=11) erreichten kritisch niedrige Temperaturen <0°C. 44.0% der Kühlschränke (n=33) zeigten Temperaturen >8°C und 28.0% (n=21) <2°C. Von den 168 aufgezeichneten Stunden pro Kühlschrank betrug die durchschnittliche kumulierte Zeit >8° 49 Stunden, <2°C 75 Stunden und ≤0°C 74 Stunden. Die längste konsekutive Episode <0°C umfasste 168 Stunden (MW 39±53). Temperaturzyklen >5° hatten 29.3% der Kühlschränke.

Diskussion

Angesichts der Impfrelevanz zeigen unsere Studienergebnisse Handlungsbedarf, da zwei Drittel der Kühlschränke Kühlkettenbrüche und 15% kritisch niedrige Temperaturen erreichten, die eine Gefahr für die Impfstoffwirksamkeit darstellen.

Take Home Message für die Praxis

Bitte überprüfen Sie die Impfstofflagerungsbedingungen in Ihrer Praxis.

17:45 V13-05

Diagnostische Genauigkeit der Kapnovolumetrie in der Erkennung einer Atemwegsobstruktion unter den Bedingungen der klinischen Praxis (#160)

C. Kellerer1, N. Jankrift1, R. A. Jörres2, K. Klütsch2, S. Wagenpfeil3, K. Linde1, A. Schneider1

1 Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Bayern, Deutschland
2 Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, München, Bayern, Deutschland
3 Universität des Saarlandes, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Medizinische Informatik, Homburg (Saar), Saarland, Deutschland

Hintergrund

Insbesondere in der Allgemeinmedizin sind Messverfahren der Lungenfunktion, die wenig Kooperation seitens des Patienten erfordern, von großem Interesse. Die Ultraschall-Kapnovolumetrie stellt hierfür eine vielversprechende neue Methode dar, da die Messung der ausgeatmeten CO2-Konzentration während Ruheatmung erfolgt.

Fragestellung

Wir untersuchten an einem großen Kollektiv nicht selektierter Patienten, inwieweit das Verfahren der Ultraschall-Kapnovolumetrie erlaubt, eine Atemwegsobstruktion im Vergleich zu konventionellen Lungenfunktionsmessungen zu detektieren.

Methoden

Die Untersuchung erfolgte in einer großen pneumologischen Praxis in Augsburg. Die Kapnovolumetrie erfolgte über mindestens 10 Atemzüge während Ruheatmung ohne weitere Anleitung. Als Referenz dienten Spirometrie und Ganzkörperplethysmographie. Eine Obstruktion wurde angenommen, wenn der z-Score von FEV1/FVC < -1,645 war und/oder die Grenzwerte (Empfehlungen der Atemwegsliga) von Raw und/oder sRaw überschritten wurden.

Ergebnisse

Insgesamt 1287 Patienten wurden in die Studie eingeschlossen, die gemäß Anamnese in vier diagnostische Gruppen aufgeteilt wurden: Asthma (n=433), COPD (n=260), andere respiratorische Erkrankungen (n=230), Patienten ohne respiratorische Erkrankungen (n=364). Insgesamt 25, 86, 10 bzw. 4 % dieser Gruppen (gesamt 29 %) wiesen eine Atemwegsobstruktion auf. Mit Hilfe des Quotienten der Steigungen der Phasen 3 und 2 der CO2-Ausatemkurve ließ sich eine Atemwegsobstruktion mit einer Sensitivität von 48 % und einer Spezifität von 79 % erkennen (p<0,05). Wurde die Analyse der Kapnovolumetrie auf einen aus vier Parametern errechneten Score erweitert, stieg die Sensitivität auf 70 %, bei einer Spezifität von 72 %.

Diskussion

Die Erkennungssicherheit einer Obstruktion unter den Bedingungen der klinischen Routine war begrenzt und niedriger als in einigen Studien berichtet. Gleichwohl könnten der geringe Aufwand und die Anwendbarkeit auch bei wenig kooperationsfähigen Patienten für einen Einsatz der Ultraschall-Kapnovolumetrie in der Praxis sprechen.

Take Home Message für die Praxis

Das Verfahren der Ultraschall-Kapnovolumetrie ist für die Bestimmung einer Atemwegsobstruktion vielversprechend, da nur eine minimale Kooperation des Patienten erforderlich ist. Die diagnostische Studie zeigte ein moderates Potenzial für die Erkennung von Atemwegsobstruktionen unter den Bedingungen der klinischen Praxis.

 

Stichwörter: Diagnostische Studie, Kapnovolumetrie, Atemwegsobstruktion, Asthma, COPD, ROC-Analyse
18:00 V13-06

Von MFA für MFA: Präsenzfortbildung zur Optimierung der Impfstofflagerung in Hausarztpraxen (#371)

K. Klidis1, A. Thielmann1, 2, B. Weltermann1, 2

1 Universitätsklinikum Bonn; Universität Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Universitätsklinikum Essen, Universität Duisburg-Essen, Institut für Allgemeinmedizin, Essen, Deutschland

Hintergrund

Etwa 68% der Kühlschränke in deutschen Hausarztpraxen erreichen Temperaturen jenseits des für die Lagerung von Impfstoffen empfohlenen Temperaturzielbereichs (2-8°C). Damit wird eine zentrale Voraussetzung für effektive und sichere Impfungen nicht erfüllt. Durch die Teilnahme an der online-Fortbildung Keep Cool wurde der Kenntnisstand zu einer qualitätsgesicherten Impfstofflagerung maßgeblich verbessert. Teilnehmende Ärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) bewerteten Thema und Inhalte der Fortbildung durchweg positiv. Das online-basierte Fortbildungsangebot erreichte eine Teilnahmerate auf Praxisebene von 39%. Für ein vollständiges Erreichen der Zielgruppe sind weitere Fortbildungskanäle notwendig.

Fragestellung

Aufbau einer Präsenzveranstaltung von MFA für MFA in Hausarztpraxen zur Optimierung der Impfstofflagerung.

Methoden

Die evidenzbasierten Fortbildung Keep Cool wird als Präsenzveranstaltung weiterentwickelt. Im Gegensatz zu den meisten Fortbildungsangeboten, die vorwiegend auf Hausärzte fokussieren, wird diese Fortbildung durch Peers (MFA) durchgeführt und richtet sich an alle Praxisbeschäftigten inkl. MFA und MFA-Azubis. Aufgrund großer Variabilität bei Praxisräumlichkeiten und Teilnehmerzahlen werden verschiedene Vermittlungswege für die Fortbildung entwickelt.

Ergebnisse

Abhängig von der Teilnehmeranzahl und den Praxisräumlichkeiten wird die Fortbildung mit einer DIN-A 3 Tisch-Flipchart (stehend, sitzend), einem DIN-A 3 Aufsteller (stehend) oder einer digitalen Flipchart durch eine geschulte MFA durchgeführt. Eingangs werden Teilnehmer 10 zentrale Fragen zum Thema Impfstofflagerung gestellt. Anschließend werden Teilnehmer durch fünf Themenmodule geführt: 1) Temperatur, 2) Kühlschrank, 3) Lagerung, 4) Zuständigkeiten und 5) Monitoring. Dabei werden Lerninhalte in folgender Abfolge vermittelt: Basiswissen, konkrete Praxistipps sowie Tools zur Praxisimplementierung und, optional, Expertenwissen. Am Ende der Fortbildung nehmen Teilnehmer an einer persönlichen Lernzielkontrolle (11 Fragen) mit anschließender gemeinsamer Feedbackrunde teil. Bei Bestehen erhalten Teilnehmer eine Teilnehmerbescheinigung (Anerkennung für CME Punkte beantragt). Praxen erhalten einen USB-Stick mit allen Fortbildungsmaterialien inklusive eines Fortbildungshandbuchs.

Diskussion

Derzeit erfolgt eine Pilotierung dieser Fortbildung in unserem Forschungspraxennetz.

Take Home Message für die Praxis

Keep Cool vermittelt Wissen zu einer qualitätsgesicherten Impfstofflagerung.

Stichwörter: Impfungen, MFA, Fortbildung, Qualität