DEGAM 2019
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Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Moderatoren: Huenges , Bert , Dr.; Chenot , Jean-François , Professor
 
Shortcut: V14
Datum: Donnerstag, 12. September 2019, 16:45
Raum: Palmeria 3
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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16:45 V14-01

PJ-Unterricht in der Allgemeinmedizin: Mentoring und Peer-Learning (#47)

J. Schnurr1, I. Wolf1, C. Preiser2, M. Auer-Rebmann1, S. Joos1, R. Koch1

1 Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Baden-Württemberg, Deutschland
2 Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung, Tübingen, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Das Praktische Jahr (PJ) als Übergang zwischen Aus- und Weiterbildung stellt eine wichtige Schnittstelle dar, um Entwicklungspotenziale ärztlicher Kompetenzen bei Studierenden gezielt zu erkennen und zu fördern.

Um diese Potenziale zu verwirklichen, wurde der PJ-Unterricht in der Allgemeinmedizin an der Universität Tübingen ab November 2017 neu gestaltet. Es wurde von einem festen Curriculum mit vorgegebenen Inhalten abgesehen und die Studierenden in die Themenwahl stärker eingebunden.

Die didaktischen und methodischen Änderungen wurden begleitend evaluiert.

Fragestellung

Es sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie die studentische Partizipation den Unterricht im PJ Allgemeinmedizin beeinflusst. Ziel ist es, ein Modell für studentengesteuerten PJ-Unterricht im Tertial Allgemeinmedizin zu entwickeln und Handlungsleitfäden für ärztliche Lehrpersonen abzuleiten, die auch standortübergreifend Anwendung finden können.

Methoden

Im Rahmen einer teilnehmenden Beobachtung beim PJ-Unterricht in der Allgemeinmedizin an der Universität Tübingen wurden in einem Beobachtungszeitraum von sieben Monaten (Juni bis Dezember 2018) Beobachtungsprotokolle angefertigt.

Die Auswertung der Protokolle erfolgt mit Hilfe der Grounded Theory, einem etablierten Ansatz aus der Sozialforschung zur systematischen Generierung und Kodierung qualitativer Daten.

Ergebnisse

Studentische Partizipation bietet die Chance, in der Schnittstelle zwischen Aus- und Weiterbildung relevante Themen in den Unterricht einzubringen. Gleichzeitig erfordert dies eine neue Art von Unterricht und eine veränderte Herangehensweise der Lehrperson abseits der „Sicherheit“ eines festen Curriculums. Die Analyse läuft derzeit noch, konkrete Ergebnisse werden auf dem Kongress präsentiert.

Diskussion

Basierend auf den Ergebnissen wird im nächsten Schritt ein didaktisches Modell erarbeitet. Dieses soll zum Verständnis von Peer-Learning, Mentoring und den Erfordernissen im Übergang zwischen Aus- und Weiterbildungsabschnitten beitragen.

Take Home Message für die Praxis

Der studentengesteuerte PJ-Unterricht stellt neue Herausforderungen an die ärztlichen Lehrpersonen. Aus dem erarbeiteten Modell sollen konkrete Handlungsleitfäden abgeleitet werden.

Stichwörter: Lehrforschung, PJ-Unterricht, Grounded Theory, Mentoring, Peer-Learning
17:00 V14-02

Dezentrale Lehre: Relevanz der Akademischen Lehrpraxen in der Ausbildung an der Medizinischen Fakultät Heidelberg (#114)

T. Ledig1, S. Kurczyk1, S. Loukanova1, J. Szecsenyi1

1 Universiätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

Der überwiegende Bestandteil der Lehre in der Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät Heidelberg erfolgt dezentral.

Durch ca. 180 Lehrärzte wird eine Eins-zu-Eins-Betreuung der Studierenden während aller allgemeinmedizinischen Praktika gewährleistet. Diese werden ausschließlich in akkreditierten Akademischen Lehrpraxen abgehalten. Die Betreuung der Akademischen Lehrpraxen erfolgt im engen und persönlichen Kontakt zwischen dem Team der Lehrkoordination und den Lehrärzten. Gemäß dem Konzept „Lernen und Lehren“ bietet sich für Lehrärzte die Möglichkeit, klinische Fähigkeiten, theoretisches Wissen und insbesondere didaktische Fähigkeiten durch den Austausch und die eigene Lehrtätigkeit zu vertiefen.

Fragestellung

Welche Bereiche der studentischen Ausbildung erfahren  in der dezentralen Lehre besondere Förderung?

Methoden

Die Studierenden evaluierten ihren Lernerfolg/ihre Lernerfahrungen nach Abschluss des strukturierten zweiwöchigen Blockpraktikums mittels online-basiertem Fragebogens. Die Evaluation umfasste unter anderem Fragen zur Selbsteinschätzung in Ausübung von klinischen Fertigkeiten, Festlegung der Lernziele, wie auch zur Feedbackvergabe. Ergänzend konnten die Studiereden ihre Lehrpraxis bewerten und anhand einer 5-Punkte-Likert-Skala (1= ja, absolut, 5= nein, überhaupt nicht) den Einfluss der Lehrpraxis auf das Interesse am Fach Allgemeinmedizin beurteilen.

Ergebnisse

Besonders gut wurde von den Studierenden die Vermittlung praktischer Fertigkeiten bewertet (Skalenwert 1,2). Die Studierenden fühlten sich nach dem Blockpraktikum sicher in Anamneseerhebung und ärztliche Gesprächsführung (1,5 bzw. 1,2). Die Bewertungen zeigen, dass die Lehrärzte als Rollenvorbild und durch qualifiziertes Feedback dazu beitragen konnten, Studierende im professionellen Umgang mit Patienten anzuleiten und das Interesse für das Fachgebiet Allgemeinmedizin maßgeblich zu steigern.

Diskussion

Die Rückmeldungen der Studierenden weisen darauf hin, dass persönliche Wertschätzung, intensives Feedback und Übertragung von Verantwortung den Lernerfolg in der dezentralen Lehre positiv beeinflussen. Drei Viertel der Studierenden geben an, dass die Lehrpraxis Ihre Einstellung zum Berufsfeld Allgemeinmedizin während des Blockpraktikums positiv verändert hat. 

Take Home Message für die Praxis

Dezentrale Lehre in qualifizierten Akademischen Lehrpraxen stellt eine hervorragende Gelegenheit dar, klinische Fertigkeiten Studierender zu fördern und ihre Einstellung zur hausärztlichen Tätigkeit positiv zu beeinflussen.

 

 

Stichwörter: Allgemeinmedizin Blockpraktikum Lehrpraxen
17:15 V14-03

Praktisches Jahr in einer Hausarztpraxis in Südniedersachsen –das Projekt medPJ+ (#129)

I. Demmer1, S. Borgmann1, E. Kleinert1, A. Lohne1, E. Hummers1, F. Schlegelmilch1

1 Universitätsmedizin Göttingen, Institut für Allgemeinmedizin, Göttingen, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Mit dem Masterplan Medizinstudium 2020 soll ambulante ärztliche Tätigkeit in einem Pflichtquartal des Praktischen Jahres (PJ) für alle Studierenden attraktiv und erlebbar werden. Zur Stärkung des Faches Allgemeinmedizin werden dafür mehr hausärztliche PJ-Lehrpraxen benötigt.

Fragestellung

Wie kann das PJ in der Hausarztpraxis für Studierende in Vorbereitung auf den Masterplan 2020 attraktiver und qualitätsgesichert gestaltet werden?

Methoden

Mit dem Projekt medPJ+ wurden für vier Landkreise Südniedersachsens folgende Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung und Qualitätssicherung des PJ initiiert: (1) Ansprache von Hausärztinnen und Fortbildung zur PJ-Lehrärztinnen, (2) Workshops mit regionalen Akteuren zur Unterstützung der PJ-Studierenden vor Ort, (3) Aufbau einer digitalen Vernetzungsplattform, (4) Einbindung der PJ-Lehrarztpraxen in das bundesweite PJ-Portal, (5) Get-Together-Veranstaltungen und (6) Beforschung der Einstellungen von Hausärztinnen und regionalen Akteuren.

Ergebnisse

Innerhalb von drei Monaten konnten mittels Informationsveranstaltungen für regionale Akteure und Hausärztinnen 27 Hausarztpraxen gefunden werden, die sich zur PJ-Lehrpraxis fortbilden werden. Das Fortbildungsprogramm beinhaltet einen Einsteigerkurs zur Vermittlung rechtlicher und organisatorischer Aspekte und zwei Aufbaukurse zu medizindidaktischen Themen. Die Einstellungen von Hausärztinnen und regionalen Akteuren zum PJ in einer ländlichen Praxis Südniedersachsens werden in Telefoninterviews erhoben. Bereits jetzt ist eine hohe Bereitschaft von Hausärztinnen erkennbar, sich zur PJ-Lehrpraxis zu qualifizieren. Bedenken bestehen hinsichtlich des zu leistenden personellen und zeitlichen Aufwandes in der Lehr-Lern-Situation mit PJ-Studierenden in der Praxis. Als Schwierigkeit werden die Erreichbarkeit ländlicher Praxen und die Verfügbarkeit praxisstandortnaher Wohnmöglichkeiten für PJ-Studierende wahrgenommen.

Diskussion

In Workshops und Get-Together-Veranstaltungen mit regionalen Akteuren, Hausärztinnen und Studierenden soll erarbeitet werden, welche Maßnahmen durch regionale Akteure geleistet werden können, um PJ-Studierenden ein Tertial in einer ländlichen Hausarztpraxis Südniedersachsen zu ermöglichen und wie eine digitale Plattform die Studierenden bei der Entscheidungsfindung für ein PJ in dieser Region unterstützen kann.

Take Home Message für die Praxis

Zur Rekrutierung allgemeinmedizinischer PJ-Lehrpraxen ist die Koordination und Vernetzung dreier Potenziale notwendig: hausärztliche Motivation zur Ausbildung von PJ-Studierenden, universitäre Fortbildung für hausärztliche Lehrtätigkeit und unterstützende Maßnahmen regionaler Akteure.

Stichwörter: Praktisches Jahr, Masterplan 2020, PJ-Lehrpraxis
17:30 V14-04

„Implementierung und Evaluation von Simulationspatientenunterricht kombiniert mit inverted classroom im Querschnittsbereich Prävention und Gesundheitsförderung (#212)

C. Raus1, C. Meyer2, J. - F. Chenot1

1 Universitätsmedizin Greifswald, Institut für Community Medicine Abteilung Allgemeinmedizin, Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
2 Universitätsmedizin Greifswald, Institutes für Sozialmedizin und Prävention, Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hintergrund

Im Querschnittsbereich Prävention und Gesundheitsförderung wurde eine Vorlesung durch eine praktische Übung mit Simulationspatienten (SP's) ersetzt. Die notwendige Wissensvermittlung für die Durchführung der Übung erfolgte über Videos im Sinne eines inverted classroom

Fragestellung

Ziel war es, die Akzeptanz und Zufriedenheit der Studierenden mit dem inverted classroom in Kombination mit einer SP-Übung zu evaluieren.

Methoden

Es wurden zwei Videos zu den Themen Darmkrebsprävention und Kardiovaskuläre Risikoberatung mit Schwerpunkt Raucherberatung von ca. 15 Minuten erstellt und Szenarios mit SP's dazu entwickelt. In den praktischen Seminaren konnten pro Seminareinheit (8-10 Studierende) 3-4 Studierende die Rolle des Arztes einnehmen. Es wurde mit dem Standardfragebogen der Fakultät und zusätzlichen Freitextfeldern evaluiert.

Ergebnisse

Es wurden Daten von zwei Jahrgängen (2017/18 N=143 und 2018/19 N=128) mit einer Responserate von 94% bzw. 97% ausgewertet. Die Vorbereitungsvideos nutzten bis zu 88% der Studierenden. Diese wurden mit bis zu 68% als gut beurteilt. Die Studierenden lobten mit 73% (2017/18) bzw. 83% (2018/19) die Authentizität der Übungsfälle und mit 80% (2017/18) bzw. 84% (2018/19) den hohen Nutzen für ihre praktische Tätigkeit. Sie waren mit dem Feedback bis zu 99% zufrieden. Insgesamt bewerteten die Studierende das Seminar mit 90% als gut. Mit über 90% befürworteten sie die Weiterführung des Unterrichtsangebotes.

Diskussion

Insgesamt ist das Seminar als sehr praxisrelevant und wertvoll eingestuft worden. Optimierungspotenzial liegt in der Aufklärung der Studierenden über die Umsetzung des inverted classroom sowie in der Aufbereitung des Videomaterials. Besonders zufrieden sind die Studierenden mit dem Feedback und der praktischen Relevanz.

Take Home Message für die Praxis

In der Lehre werden praktische Übung mit Feedback von den Studierenden bevorzugt. Die Vermittlung von Faktenwissen kann über Videos individualisiert werden, umso die Präsenszeit für praktische Übungen zu nutzen.

Stichwörter: Lehre, inverted classroom, Simulationspatientenunterricht, Evaluation, peer teaching
17:45 V14-05

Implementierung einer 90-minütigen Veranstaltung zur Nikotinentwöhnung als Seminar oder Online-Kurs: Welchen Einfluss hat die Lehrform auf die Aneignung von Wissen und praktischen Fertigkeiten? (#220)

E. Lauerer1, E. Tiedemann1, A. Simmenroth1

1 Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Institut für Allgemeinmedizin, Würzburg, Bayern, Deutschland

Hintergrund

An der Universität Würzburg wurde eine 90-minütige Lehrveranstaltung zur Nikotinentwöhnung neu eingeführt und als Seminar und Online-Kurs abgehalten.

Fragestellung

Welchen Rolle spielt die Lehrform hinsichtlich der Aneignung von Wissen, Veränderung der Einstellung und praktischen Fertigkeiten im Beratungsgespräch?

Methoden

Alle Studierenden des 6. Semesters wurden in zwei Gruppen, Seminar (n=69) und Online-Kurs (n=68) randomisiert. Im inhaltlich identischen Theorieteil wurden Epidemiologie, Suchtentstehung, Therapieoptionen und das Prinzip des Motivational Interviewing gelehrt, ehe eine Kurzintervention auf Basis der "5As" ausführlich vorgestellt wurde. Im Übungsteil wurde der Online-Gruppe ein Video zur Verfügung gestellt, während die Seminargruppe aktiv Rollenspiele mit Kommilitonen durchführte.

Vor und unmittelbar nach der Veranstaltung wurden Selbsteinschätzung des Wissens und der Fertigkeiten sowie die persönliche Einstellung zum Rauchen erfragt. Innerhalb der Präventions-Klausur zu Semesterende wurden 3 Fragen zur Nikotinentwöhnung gestellt. Ein freiwilliger OSCE (1 Station, n=19 Studierende je Gruppe) wurde von zwei Prüfern und den Simulationspatienten (SP) unabhängig bewertet.


Ergebnisse

Durch die Intervention verbesserte sich das theoretische Wissen (p<.001) und die selbsteingeschätzte Beratungsfertigkeit (p<.001) signifikant. In der Seminargruppe fiel der Lernzuwachs bei der Selbsteinschätzung der Fertigkeit, ein Beratungsgespräch zu führen (p=.019) und beim 5A-Modell (p=.047) höher aus. Die Einstellung zum Rauchen änderte sich durch die Intervention nicht (p=.749).

Bei den Klausurleistungen gab es keine signifikanten Gruppenunterschiede (p=.498), auch nicht im Gesamtergebnis des OSCE (p=.087). Die Seminargruppe erzielte bei jedem Bewertungsabschnitt der „5As“ rein deskriptiv bessere Resultate, der Gruppenunterschied war jedoch nur beim Item „Assist“ signifikant (62.5% vs. 53.2%; p=.049). Die SP gaben an, von der Seminargruppe besser motiviert worden zu sein (p=.034).

Beide Lehrformen wurden als „gut“ bewertet (p=.76).


Diskussion

Unabhängig vom Lehrformat ist ein deutlicher Wissenszuwachs messbar, während sich die Einstellung der Studierenden kaum ändert. Die kommunikativen Fertigkeiten scheinen im Seminar mit Rollenspiel besser vermittelt werden zu können.

Take Home Message für die Praxis

Eigenständige Lehrveranstaltungen zur Nikotinentwöhnung im klinischen Studienabschnitt sind sinnvoll. Diese sollten als Präsenzveranstaltung in Kleingruppen abgehalten werden.

Stichwörter: Lerhforschung; Praktische Fertigkeiten; Nikotinentwöhnung; Digitalisierung in der Lehre