DEGAM 2019
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Psychsiche Erkrankungen in der Hausarztpraxis

Moderatoren: Schmidt , Konrad , Dr.; Kohlbeck , Julia , (Deutschland)
 
Shortcut: V24
Datum: Freitag, 13. September 2019, 8:30
Raum: Rudolf Wöhrl - HS
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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8:30 V24-01

Ein systematischer Review über kurze Instrumente zum Screenen von Suizidalität in der Hausarztpraxis (#263)

M. Frank1, K. Lukaschek1, J. Gensichen1

1 LMU, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland sterben jedes Jahr mehr als 10.000 Personen durch Suizid. Ein Großteil der Suizidenten besuchte im Jahr vor dem Suizid einen Hausarzt, welcher oft die einzige Bezugsperson für die Betroffenen darstellt. Aktives Screenen durch den Hausarzt könnte dazu beitragen, Patienten, die von Suizidalität betroffen sind, frühzeitig zu erkennen.  

Fragestellung

Welche Studien untersuchen diagnostische Testgütekriterien von kurzen Suizidalitäts-Screenern in Patienten der Primärversorgung und der Allgemeinbevölkerung?

Methoden

Durchführung einer systematischen Literaturrecherche in den Datenbanken MEDLINE, EMBASE, The Cochrane Library, PSYNDEX und PsychINFO, sowie einer Handrecherche. Bewertung des Biasrisikos mittels Cochrane RoB Tool und QUADAS-2. Beurteilung der „Zuverlässigkeit der Evidenz“ mit GRADE. Verwendung der PRISMA-DTA Checkliste. Der systematische Review wurde im internationalen Studienregister von PROSPERO (ID CRD42019122173) registriert.

Ergebnisse

Identifikation von 9.969 Studien in der Literaturrecherche. Nach Entfernung von Duplikaten ergaben sich 5.324 Treffer. Durch das Titel- und Abstractscreening wurden 5.269 Ergebnisse eliminiert. Weitere Ergebnisse werden auf der DEGAM vorgestellt.

Diskussion

Bisher wurde nur eine geringe Anzahl der vorhandenen, kurzen Screener für Suizidalität in der Hausarztpraxis wissenschaftlich fundiert untersucht. Es besteht weiterer Forschungsbedarf.

Take Home Message für die Praxis

Hausärzte können durch aktives Screenen eine wichtige Rolle in der Erkennung von Suizidalität einnehmen.

Stichwörter: Suizidprävention; Systematischer Review; Screening-Instrumente
8:45 V24-02

Symptomverläufe der Panikstörung bei Patienten in der Primärversorgung. Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Studie. (#281)

K. Lukaschek1, T. S. Hiller3, U. Schumacher4, T. Teismann5, J. Breitbart3, C. Brettschneider2, H. - H. König2, J. Margraf6, J. Gensichen, für die 'PARADIES'-Studiengruppe1, 3

1 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung, Hamburg, Deutschland
3 Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
4 Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität, Zentrum für klinische Studien, Jena, Deutschland
5 Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Psychotherapie, Bochum, Deutschland
6 Ruhr-Universität Bochum, Forschungs- und Behandlungszentrum für psychische Gesundheit, Bochum, Deutschland

Dieser Beitrag wird stellvertretend für die gesamte "Jena-PARADIES-Studiengruppe" eingereicht.

Hintergrund

Das Wissen um Symptomverläufe von Panikstörung in einzelnen Patientensubgruppen kann den Allgemeinmediziner dabei unterstützen, den jeweiligen Therapieverlauf zu antizipieren und die beste Therapieoption für den jeweiligen Patienten anzubieten.

Fragestellung

Welche Patientenuntergruppen lassen sich definieren? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gruppenzugehörigkeit und Eigenschaften des Patienten zur Basiserhebung?

Methoden

Die vorliegende Analyse wurde mit Daten von Patienten des Interventionsarms der PARADIES-Studie durchgeführt. Zielvariable war der Verlauf des Schweregrads der Angst, gemessen mit dem OASIS. Insgesamt wurden 176 Patienten (mittleres Alter: 45.3 ± 13.8 Jahre, Frauen: 71.6%) in die Analyse eingeschlossen. Mittels Growth mixture modelling (GMM) wurden Patientenuntergruppen nach Symptomverlauf identifiziert.

Ergebnisse

Es konnten drei Klassen mit ähnlichen Verläufen identifiziert werden: Klasse 1 (n=58, mittleres Alter:  46.2 ± 13.4 Jahre, 81% Frauen) bestand aus Patienten mit den höchsten OASIS-Werten am Anfang; die sich über den gesamten Interventionsverlauf hinweg kontinuierlich verbesserten. Klasse 2 (n=89, mittleres Alter: 44.2 ± 14.5 Jahre, 67.4% Frauen) startete mit den niedrigsten OASIS-Werten, welche sich rasch verbesserten und dann auf einem niedrigen Niveau verblieben. Die dritte Klasse (n= 29, mittleres Alter: 47.0  ± 12.4 Jahre, 65.5% Frauen) wies zu Beginn hohe OASIS-Werte auf, die während der Intervention stark fluktuierten und sich insgesamt nicht wesentlich verbesserten.

Diskussion

Das Wissen um Symptomverläufe ermöglicht es Allgemeinmedizinern, Therapieoptionen individuell auf den Patienten abzustimmen bzw. rasch zu entscheiden, welchen Patienten durch eine niederschwellige Behandlung beim Hausarzt gut geholfen werden kann.

Take Home Message für die Praxis

  1. Ein Großteil der Patienten profitiert durch eine niederschwellige Intervention beim Hausarzt.
  2. Patienten, die nicht auf die hausärztliche Therapie ansprechen sollten frühzeitig zum Spezialisten überwiesen werden.
Stichwörter: Panikstörung; Symptomverlauf; Trajektorie;
9:00 V24-03

Psychologische Interventionen für erwachsene Patienten mit ADHS – ein systematischer Review – (#342)

L. E. Scholz1, J. Werle1, A. Philipsen2, M. Schulze2, J. Gensichen1

1 Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Bonn, Klinik für Psychatrie und Psychotherapie, Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Bis zu 3-5% der erwachsenen Bevölkerung leiden an der als Kinder- und Jugendkrankheit bekannten Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Obwohl die pharmazeutische Behandlung bei Erwachsenen oftmals die Therapie der ersten Wahl darstellt, sollten Alternativen nicht unbeachtet bleiben.

Fragestellung

Welche psychologische Intervention zeigt einen positiven Effekt auf den Unaufmerksamkeitsaspekt bei erwachsenen Patienten mit ADHS?

Methoden

Es wurde eine systematische Literaturrecherche der Cochrane Library, PubMed, PsycInfo, PSYNDEX und Eric durchgeführt. Nach vordefinierten Kriterien wurden Studien eingeschlossen, die den Effekt psychologischer Interventionen, dazu gehören Neurofeedback, Kognitives Training, Psychoedukation, ADHS Coaching, sowie Verhaltenstherapie, auf das Symptom der Unaufmerksamkeit bei erwachsenen ADHS Patienten untersuchten. Das Studienprotokoll wurde im Vorfeld in PROSPERO veröffentlicht (CRD42018115927).

Ergebnisse

Von 3261 identifizierten Referenzen konnten 20 Studien in die Auswertung eingeschlossen werden. 14 Studien fanden innerhalb Europas statt. Keine Studie zu ADHS Coaching konnte in die Analyse aufgenommen werden. Von den anderen psychologischen Interventionen, zeigte einzig der Vergleich verhaltenstherapeutischer Interventionen (CBT, DBT, MBCT, MCT) mit inaktiven Kontrollgruppen (Wartelisten und Usual care) einen signifikant größeren Effekt auf das Symptom der Unaufmerksamkeit. Insgesamt kürzere psychotherapeutische Interventionen sowie ein Gruppensetting waren längeren Interventionen und einem Einzelsetting nicht unterlegen.

Diskussion

Obwohl Psychoedukation keinen überlegenen Effekt aufwies, sollte sie auf Grund der einfacheren Umsetzbarkeit als Alternative in Betracht gezogen werden. Da verschiedene Verhaltenstherapieformen infolge schwieriger Abgrenzbarkeit zusammengefasst wurden, ist eine Aussage über den Effekt der einzelnen Typen nicht möglich. Mangels einer spezifischen Definition von Usual care muss mit großer Heterogenität innerhalb der inaktiven Kontrollgruppen gerechnet werden, weswegen die Ergebnisse mit Vorsicht zu betrachten sind.

Take Home Message für die Praxis

Selbst kurze verhaltenstherapeutische Interventionen, sowie psychoedukative Maßnahmen stellen möglicherweise eine vielversprechende Option in der Behandlung von Erwachsenen mit ADHS dar. Weitere Studien zur besseren Einschätzung des Effektes sind notwendig.

Stichwörter: Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, Unaufmerksamkeit, ADHS
9:15 V24-04

Bedeutung der aktuellen Reform der psychiatrischen Versorgung in der Tschechischen Republik für die Allgemeinmedizin: Rolle des Hausarztes in der Versorgung von Patienten mit einer psychischen Erkrankung (#30)

M. Seifert1, 2, A. Šíchová2

1 1. medizinische Fakultät Karluniversität in Prag, Institut der Allgemeinmedizin, Prag, Tschechien
2 NUDZ, Klecany, Tschechien

Hintergrund

Die psychiatrische Versorgung in Tschechien lehnt sich historisch grundsätzlich an die stationäre Medizin und teilweise an die niedergelassenen Psychiater, die überfordert sind. Die Ziele der psychiatrischen Reform sind: Verringerung der Stigmatisierung von psychisch Kranken und der Psychiatrie im Allgemeinen, Erhöhung der Wirksamkeit der psychiatrischen Versorgung durch frühzeitige Diagnose und Identifizierung verborgener psychiatrischer Morbidität, Steigerung der Integration der psychisch Kranken in die Gesellschaft, Verbesserung der Einbindung und Mitarbeit der Gesundheits-, Sozial- und anderen damit verbundenen Gesundheitsberufen. Psychiatrische Versorgung soll humaner gestaltet werden. Die Betonung wird auf die ambulante Versorgung in den Gemeinden gelegt. In der Koordination soll der Hausarzt eine wesentliche Rolle spielen.

Fragestellung

Wie kann die Rolle des Hausarztes in der Versorgung der psychisch Kranken aussehen? Was braucht und wünscht der Arzt, was der Patient und was die Familie des Patienten?

Methoden

Der Autor nimmt selbst an einem Teil der psychiatrischen Reform aktiv teil und zwar an einem Projekt mit dem Ziel: Verringerung der Stigmatisierung der Psychisch Kranken durch ärztliches Personal. Der Hauptteil des Projekts besteht aus einer Serie von Workshops für Hausärzte und deren Praxispersonal mit Beteiligung von: Experten für Stigmatisierung, ein ambulant tätiger Psychiater und vor allem ein Patient mit großer Erfahrung mit seiner Krankheit und seinem Erleben der ärztlichen Versorgung.

Ergebnisse

Der Pilotworkshop findet im April 2019 statt.

Diskussion

Der Hausarzt sollte den Patienten sowie auch seine Familie und die soziale Umgebung gut kennen. So kann er frühzeitig erkennen, wenn etwas mit dem Patienten nicht stimmt, und frühzeitig die diagnostische oder gleich therapeutische Maßnahmen ergreifen. Ebenso kann er einen chronisch Geisteskranken verfolgen. Enge Mitarbeit mit dem Komunnitätspflegepersonal mit Fachwissen in der Psychiatrie ist grundlegend. 

Take Home Message für die Praxis

Hausarzt kann eine grundlegende Rolle im Leben eines psychisch Kranken spielen. Diese Rolle ist aber nicht einfach zu übernehmen und der Arzt sollte dabei mit Fachärzten, Praxismitarbeitern, Pflegepersonal und mit dem Patienten und seiner Familie engmaschig kooperieren.

Stichwörter: Psychiatrie, Stigmatisierung, psychiatrische Versorgung, Hausarzt, Mitarbeit, Komunnitätspflegepersonal, psychiatrische Reform, psychisch Krank