DEGAM 2019
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Zukunftsfähige Versorgungskonzepte

Moderatoren: Sturm , Heidrun , PhD/MD (UK-Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland); Flamm , Maria , Professor (Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Salzburg; Institut für Allgemein-, Familien-, und Präventivmedizin, Salzburg, Österreich)
 
Shortcut: V32
Datum: Freitag, 13. September 2019, 11:30
Raum: TRC
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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11:30 V32-01

Versorgung multimorbider Patienten in der Hausarztpraxis – eine Befragung Berliner Hausärzte (#28)

S. Döpfmer1, B. Trusch1, J. Stumm1, T. Sturz1, L. Kümpel1, N. Rieckmann2, C. Heintze1

1 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
2 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Public Health, Berlin, Deutschland

Hintergrund

Im Rahmen des Verbundprojekts NAVICARE beschäftigt sich das Projekt COMPASS mit den Anforderungen an die hausärztliche Versorgung multimorbider Patient*innen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung werden zukünftig Versorgungsmodelle relevant, die Hausärztinnen und Hausärzte (HÄ) entlasten. Von Bedeutung ist unter anderem, welche Bedarfe bei multimorbiden Patient*innen nicht gedeckt sind und welche Aufgaben durch Medizinische Fachangestellte (MFA), z.B. im Rahmen der Delegationsvereinbarung, oder andere Berufsgruppen übernommen werden können.

Fragestellung

Worin bestehen aus der Perspektive von HÄ spezielle Anforderungen in der Versorgung multimorbider Patient*innen und wer könnte oder sollte dabei unterstützen?

Methoden

Alle KV-registrierten niedergelassenen HÄ Berlins (n=2354) wurden postalisch angeschrieben und gebeten, einen selbstentwickelten Fragebogen zu beantworten. Die Befragung wurde deskriptiv ausgewertet. Sie war eingebettet in ein mixed-methods Vorgehen, in dem zunächst Interviews mit HÄ durchgeführt wurden, darauf aufbauend der Fragebogen entwickelt wurde und abschließend in Fokusgruppen die Ergebnisse und daraus folgende Konsequenzen mit HÄ diskutiert wurden.

Ergebnisse

23.7% (n= 557) der Befragten schickten einen ausgefüllten Fragebogen zurück. Nur 9% gaben an, die Delegationsvereinbarung gut oder sehr gut zu kennen. 22 % delegieren überhaupt nicht; dagegen befürworten 77% die Substitution ärztlicher Leistungen. In der Versorgung multimorbider Patient*innen halten HÄ funktionierende soziale Sicherung sowie eine kooperative Behandlung für besonders wichtig. 82% wünschen sich Beratungsstellen für soziale/rechtliche Aspekte. Unterstützung könnte aus ihrer Sicht am ehesten geleistet werden durch eine Sozialstation, einen Pflegestützpunkt, Sozialarbeiter*innen, Gemeindeschwestern/-pfleger oder Versorgungslotsen oder auch durch dafür ausgebildete Mitarbeiter*innen der eigenen Praxis.

Diskussion

In der Versorgung multimorbider Patient*innen sind viele hausärztliche Ressourcen an Aufgaben der Koordination sowie an die Adressierung sozialer Fragestellungen gebunden. Diese nicht-medizinischen Aufgaben könnten teilweise durch andere Berufsgruppen übernommen werden. Obwohl Unterstützungsbedarf unter den Befragten besteht, werden bereits bestehende Möglichkeiten der Delegation oder Einbindung von Pflegestützpunkten noch nicht umfänglich genutzt. Die Gründe dafür müssen weiter untersucht werden.

Take Home Message für die Praxis

Es bestehen bereits Unterstützungsmöglichkeiten für HÄ, die teilweise nicht bekannt sind oder nicht genutzt werden.

Stichwörter: Multimorbidität, Delegation, soziale Bedarfe, Pflegestützpunkte, Unterstützungsbedarf
11:45 V32-02

Anlassbezogene Bereitschaft zur fachübergreifenden Versorgung von Frauen 50+ bei Hausärztinnen/Hausärzten und Frauenärztinnen/Frauenärzten im Nordosten Deutschlands (#49)

A. Schuster1, B. Trusch1, F. Reuß1, U. Grittner2, 3, P. Gebert2, 3, L. Dini1

1 Charité-Universitätsmedizin Berlin, Institut für Allgemeinmedizin, Berlin, Deutschland
2 Charité-Universitätsmedizin Berlin, Institut für Biometrie und klinische Epidemiologie, Berlin, Deutschland
3 Berlin Institute of Health (Charité & Max Delbrück Center), Berlin, Deutschland

Hintergrund

Aufgrund des demografischen Wandels und steigender Lebenserwartung bei Frauen 50+ ist eine medizinische Versorgungslücke zu erwarten. Die Gesundheitsversorgung dieser Bevölkerungsgruppe wird primär, teils in überschneidender Verantwortlichkeit, von Hausärztinnen/Hausärzten (HÄ) und Gynäkologinnen/Gynäkologen (Gyn) gedeckt. Die anlassbezogene Bereitschaft zur fachübergreifenden Versorgung zwischen den Fachgruppen wurde, unter Berücksichtigung internationaler Literatur, im Rahmen des Projekts „Frauen 5.0“ untersucht.

Fragestellung

Wie ist die anlassbezogene Bereitschaft zur fachübergreifenden Versorgung von Frauen 50+ bei HÄ und Gyn?

Methoden

In einer quantitativen postalischen Befragung (März-Mai 2018) wurde eine Zufallsstichprobe von 66% aller HÄ (n=3.514) und alle Gyn (n=1.031) in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern befragt. Die Responserate betrug 25,5% bei HÄ und 51,2% bei Gyn. Die Zustimmung zur fachübergreifenden Versorgung bei Frauen 50+ wurde anhand von 21 medizinischen Versorgungsanlässen der Frauengesundheit und Allgemeingesundheit mit insgesamt 83 Subitems (ja/nein) erfasst. Für jedes Subitem wurde die Zustimmungsrate unter HÄ und Gyn berechnet.

Ergebnisse

Bei Aspekten der Frauengesundheit zeigten HÄ die größte Zustimmung bei den Beratungsanlässen Unterleibsschmerzen (77,5%), sexuell übertragbare Infektionen (60,7%) und klimakterischen Beschwerden (58,5%) während bei Gyn die Beratungsanlässe Unterleibsschmerzen (54,8%), sexuelle Gewalt (48.9%) und Kolonkarzinomscreening (44,7%) mit der höchsten Zustimmung einhergingen. Bei Aspekten der Allgemeingesundheit wiesen HÄ die höchste Zustimmungsrate bei der Beratung zu Harninkontinenz (85,5%), vaginalen Beschwerden (84,5%) und rezidivierenden Harnwegsinfekten (82,4%) auf, während Gyn die Beratung, Diagnostik und Therapie der Harninkontinenz (92,5%, 90,6% und 90,9%) nannten. Unterschiede zwischen den Fachgruppen variierten stark je nach Item. Während Gyn sich allgemein vorstellen konnten, Aspekte der Allgemeingesundheit mitzuversorgen, waren HÄ, je nach Themengebiet, unterschiedlich bereit Aspekte der Frauengesundheit mitzuversorgen.

Diskussion

Konkrete medizinische Anlässe, die mit einer hohen Bereitschaft zur fachübergreifenden Versorgung einhergehen, wurden identifiziert. Gründe für unterschiedliche Bereitschaft der anlassbezogenen Zusammenarbeit zwischen HÄ und Gyn müssen in weiteren Studien beleuchtet werden.

Take Home Message für die Praxis

In der Region Nordost besteht Offenheit gegenüber fachübergreifender Zusammenarbeit zwischen HÄ und Gyn.

Stichwörter: Frauengesundheit, fachübergreifende Versorgung, ambulante Versorgung, Zusammenarbeit, Prämärversorgung
12:00 V32-03

Unterstützt Mitgliedschaft in einem Arztnetz den rationalen Einsatz von Antibiotika in der Primärversorgung? (#51)

R. Poß-Doering1, M. Kamradt1, K. Glassen1, P. Kaufmann-Kolle2, E. Andres2, M. Wensing1

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland
2 aQua Institut, Patientensicherheit und Arzneimittel , Göttingen, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Noch zu häufig werden in der Primärversorgung Antibiotika ohne ausreichende Indikation eingesetzt. Um der progredienten Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, zielt das Projekt „Antibiotika- Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden (ARena)“ auf die Förderung des rationalen, indikationsgerechten Antibiotika-Einsatzes bei akuten unkomplizierten Infekten und damit auf eine nachhaltige Verbesserung der Versorgung. Dazu werden qualitätsfördernde Maßnahmen wie etwa Qualitätszirkel eingesetzt. Die teilnehmenden Praxen sind Mitglieder in Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfalen. ARena wird mit Mitteln des Innovationsausschusses beim G-BA gefördert (01NVF16008).

Fragestellung

Welche Rolle spielt die Mitgliedschaft in einem Arztnetz für den rationalen indikationsgerechten Einsatz von Antibiotika bei der Versorgung von Patienten mit akuten unkomplizierten Infekten aus Sicht der teilnehmenden Ärzte, Medizinischen Fachangestellten sowie Interessensvertretern?

Methoden

ARena ist eine 3-armige, randomisierte kontrollierte Studie die in 14 Praxisnetzen mit 193 Praxen und 303 Ärzten in Bayern und Nordrhein-Westfalen durchgeführt wird. In einer Prozessevaluation wurden teilnehmende Ärzte, Medizinische Fachangestellte sowie Interessensvertreter in semi-strukturierten Interviews zu Eindrücken aus der Studienteilnahme befragt. Diese Daten wurden auf Basis des Tailored Implementation for Chronic Disease Framework analysiert. Mittels eines Fragebogens werden persönliche Perspektiven auf die Versorgung von Patienten mit akuten, unkomplizierten Infekten, Effekte der Studienteilnahme auf den Versorgungsalltag sowie auf maßgebliche Kontextfaktoren erhoben. Daten dieser Querschnittserhebung wurden mittels deskriptiver Statistik analysiert. Die Analyse von zwei Folgemessungen ist noch nicht abgeschlossen.

Ergebnisse

Es wurden 27 Ärzte, 11 Medizinische Fachangestellte und 7 Interessensvertreter interviewt. An der ersten schriftlichen Befragung nahmen 229 Ärzte und 80 MFA teil. Vorgestellt werden Ergebnisse der Analyse aus beiden Datenquellen zur Einschätzung des Einflusses der Arztnetz-Mitgliedschaft auf den indikationsgerechten, rationalen Einsatz von Antibiotika bei akuten unkomplizierten Infekten.

Diskussion

Der Beitrag von Arztnetzen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Versorgung durch rationalen Antibiotika-Einsatz soll diskutiert werden.

Take Home Message für die Praxis

Arztnetze können Primärversorger beim rationalen Einsatz von Antibiotika unterstützen.

Stichwörter: rationaler Antibiotika-Einsatz, unkomplizierte Infekte, Arztnetze
12:15 V32-04

Rettungseinsätze in Baden-Württemberg: Unterschiede zwischen Versicherten in der hausarztentrierten- und der Regelversorgung im Hinblick auf die Inanspruchnahme? (#61)

R. Leutgeb1, S. Berger1, J. Szecsenyi1, G. Laux1

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund

In Deutschland können wir seit Jahren einen rasanten Anstieg von Rettungseinsätzen/fahrten verzeichnen. Parallel dazu sehen wir einen ebensolchen Anstieg der Patient*innenzahlen in Notambulanzen von Krankenhäusern, und zwar innerhalb und außerhalb der Regelversorgung.

Fragestellung

Können wir durch die intensivere Arzt/Patientenbindung im Rahmen der Hausarztzentrierten Versorgung Baden Württemberg (HZV) einen signifikanten Rückgang von Rettungseinsätzen von Versicherten in der HZV gegenüber Versicherten in der Regelversorgung erwarten?

Methoden

Retrospektive Querschnittstudie unter Einschluss von 1.728.646 AOK-Versicherten aus dem Jahr 2016. Vergleich der Anzahl von Rettungsfahrten von in der HZV eingeschriebenen und nicht eingeschriebenen Versicherten unter Einbeziehung des Alters, Geschlechtes, Pflegegrades und sämtlicher Co-Morbiditäten. Berechnung der Inanspruchnahme mit multivariablen Regressionsmodellen.

Ergebnisse

Unter Einbeziehung o. g. Kovariablen war für die in die HZV eingeschriebenen Versicherten eine signifikante Minderinanspruchnahme von Rettungseinsätzen um 6,8% in der Regelversorgung zu beobachten. Diese Minderinanspruchnahme betrug für Rettungseinsätze mit anschließender Hospitalisierung sogar 9,3% .

Diskussion

Obwohl bestimmte Faktoren sehr stark mit einer Inanspruchnahme des Rettungsdienstes assoziiert sind, z.B. Alter, Morbidität und bestimmte Risikofaktoren (Herzinsuffizienz etc.) oder die Unterbringung in einem Pflegeheim, werden Rettungsfahrten von HZV-Versicherten weniger in Anspruch genommen. In der Folge sinkt auch die Rate an Hospitalisierungen.

Take Home Message für die Praxis

Eine intensive Hausarzt/ärztin-Patient*innenbindung verbessert die primärärztliche Versorgung und reduziert die nicht vorherzusehende Inanspruchnahme von Rettungsmitteln.

Stichwörter: Rettungsfahrten, Hausarztzentrierte Versorgung(HZV), Hospitalisierung
12:30 V32-05

Delegation von Hausbesuchen und Qualifikation nicht-ärztlicher Mitarbeiter in sächsischen Hausarztpraxen – Ergebnisse der Querschnittstudie SESAM-5 (#106)

M. Bortz1, J. Schübel1, M. Pochert1, K. Voigt1, A. Bergmann1

1 Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Deutschland

Hintergrund

Um dem soziodemographischen Wandel und dem bestehenden Hausärztemangel zu begegnen, werden wir die Delegierbarkeit von Hausbesuchen an nicht-ärztliche Praxismitarbeiter diskutieren. Bisher gibt es wenig Evidenz, in welchem Ausmaß eine Delegation von Hausbesuchen innerhalb der primärärztlichen Regelversorgung in Deutschland erfolgt und welche Aufgaben dabei übernommen werden.

Fragestellung

Ziel des Vortrags ist es, ein soziodemographisches Profil delegierender Hausärzte zu präsentieren, den Qualifikationsstand der nicht-ärztlichen Mitarbeiter zu beschreiben und Inhalte der Delegation von Hausbesuchen in diesem Kontext zu erörtern.

Methoden

Alle in Sachsen niedergelassenen Hausärzte wurden 2014 angeschrieben (n=2677), wovon 11,2% ihre Teilnahme erklärten. In einem Erhebungszeitrum von 12 Monaten sollten Hausarztpraxen alle Hausbesuche und deren Inhalte dokumentieren, welche innerhalb einer randomisiert zugeordneten Woche durchgeführt wurden. Des Weiteren wurden soziodemographische Merkmale der Hausärzte und Hausarztpraxen, sowie der Qualifikationsstand der nicht-ärztlichen Mitarbeiter abgefragt.

Ergebnisse

Insgesamt nahmen 274 Hausarztpraxen an der Studie teil. 52,9% der Hausärzte erklärten ihre Bereitschaft zur Delegation von Hausbesuchen, jedoch wurden lediglich 8,5% der Hausbesuche durch nicht-ärztliche Mitarbeiter erbracht. Die Gruppe der 224 nicht-ärztlichen Praxismitarbeiter, welche an der Studie teilnahmen, war mehrheitlich ausgebildet in der Kranken- und Gesundheitspflege (39,7 %), als Arzthelferin (32,1%) sowie Medizinische Fachangestellte (18,7%). Die überwiegende Mehrheit der Praxismitarbeiter (82,5%) wies keine Weiterbildung oder Zusatzqualifikation auf. 12,6% bzw. 7% absolvierten eine Weiterbildung zur Versorgungsassistentin (VERAH) oder nicht-ärztlichen Praxisassistentin (NäPa). Geplante und weniger dringende Hausbesuche wurde am ehesten an nicht-ärztliche Mitarbeiter delegiert (p<0,01), welche überwiegend (85%) Beratungsanliegen der Klasse A, K und T nach IPCP übernahmen. Bzgl. des Delegationsverhalten fanden sich keine Unterschiede hinsichtlich der Gemeindegrößen (p>0.54).

Diskussion

In der Diskussion werden folgende Punkte erörtet: a) hohe Delegationsbereitschaft vs. geringer Umsetzung, b) Delegation mit vs. ohne zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen der nicht-ärztlichen Mitarbeiter, c) Ausbau der Delegation vs. ärztliche Kernkompetenzen, d) Chancen und Risiken der Delegation im ländlichen Raum.

Take Home Message für die Praxis

Die vorläufigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine vermehrte Aufklärungsarbeit über Chancen und Möglichkeiten der qualifizierten Delegation innerhalb der Primärversorgung nötig erscheint.

Stichwörter: Delegation, Hausbesuch, Medizinische Fachangstellte/r, Hausarzt
12:45 V32-06

Chancen und Risiken durch den Physician Assistant (P.A.) in der Gesundheitsversorgung von Patienten – rechtliche Aspekte und Aufgabenverteilung (#127)

I. Gerlach1, U. Popert2

1 Bildungswerk für Gesundheitsberufe. e.V., Kassel, Hessen, Deutschland
2 Coordinator Primary Medical Care, Kassel School of Medicine -University of Southampton, Kassel, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Die Versorgung der Bevölkerung angesichts eines Mangels an niedergelassenen Hausärzten insbesondere im ländlichen Bereich, wird zunehmend schwieriger. Bereits heute können viele Arztsitze nicht mehr besetzt werden. 

 Die Idee eines Physician Assistant für die ambulante Versorgung hat sich scheinbar angeboten.

Fragestellung

  1. Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Arzt/Ärztin und nichtärztlichen Mitarbeitern in Deutschland - ambulant
  2. Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Arzt/Ärztin und nichtärztlichen Mitarbeitern in Deutschland - stationär
  3. Wie ist die o.g. Aufgabenverteilung in ausgesuchten Ländern
  4. Welche rechtlichen Aspekte sind mit einzubeziehen?
  5. Welche versorgungs-/berufspolitischen Positionen gibt es dazu?

Methoden

Literaturrecherche in öffentlich zugänglichen Quellen, Ausschnitte aus Präsentationen im Rahmen eines Evidence briefing on medical assistant der European Observatory on Health Systems and Policies, Querschnittsanalyse und -vergleich zwischen ausgesuchten Ländern zum Zeitpunkt April 2019, Darstellung der Ergebnisse in tabellarischer Form.

Ergebnisse

Hausärzte und Patienten könnten in der ambulanten medizinischen Versorgung profitieren. Die Finanzierung der durch einen P.A. erbrachten Leistungen muss gesichert sein, haftungsrechtlich untersteht ein P.A. der/dem Ärztin/Arzt, die Durchführungsverantwortung verbleibt beim Durchführenden. Berufspolitisch haben sich größere Verbände/Vereinigungen für einen P.A. ausgesprochen, es gibt aber noch Widerstand.

Diskussion

Stärken: Der Einsatz von P.A. in der niedergelassenen Praxis kann eine Verbesserung der Arbeitsbelastung von Ärztinnen und Ärzten sein. Sog. „Bagatellerkrankungen“ oder auch chronisch Kranke könnten durch einen P.A. selbstständig in Delegation behandelt werden.

Schwächen: Der Delegationsrahmen wird momentan noch nicht bis an die Grenzen gelebt, dies steht nicht zuletzt mit der bestehenden rechtlichen Unsicherheit bzgl. Haftung, Finanzierung und der noch nicht ausreichenden Anzahl an P.A. in Verbindung.

Vergleich: In den untersuchten Ländern (Deutschland, Großbritannien und den USA) ist der P.A. in den USA am etabliertesten. Großbritannien hat die zweithöchste Studentenzahl. In allen untersuchten Ländern arbeiten P.A.s in Delegation und unter Aufsicht eines/r approbierten Ärztin/Arztes.

Take Home Message für die Praxis

Eine Entlastung in der ärztlichen Tätigkeit erfordert Mut, Vertrauen und auch Zeit, beides muss angegangen werden.

Stichwörter: Entlastung, Delegation, Physician Assistant, Hausärztemangel