DEGAM 2019
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Professionalität in der Hausarztpraxis

Moderatoren: Beyer , Martin ,; Schulz , Sven , Dr.
 
Shortcut: V34
Datum: Freitag, 13. September 2019, 11:30
Raum: Rudolf Wöhrl - HS
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

11:30 V34-01

Unterschiede in wesentlichen Aspekten der hausärztlichen Versorgung zwischen Fachärzten für Allgemeinmedizin und hausärztlich tätigen Internisten - eine Sekundärdatenanalyse (#306)

C. Strumann1, T. Emcke2, J. Steinhäuser1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübek, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein, Bad Segeberg, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Unterschiede bezüglich der Durchführungsrate von hausärztlichen Prozeduren zwischen Fachärzten für Allgemeinmedizin (AM) und hausärztlich tätigen Internisten (I) sind bekannt. In wie weit sich diese Gruppen in anderen, wesentlichen Bestandteilen der hausärztlichen Versorgung unterscheiden, ist indes weniger gut beschrieben.

Fragestellung

Ziel der Analyse war daher zu testen, welche Unterschiede zwischen AM und I bezüglich Hausbesuchen und unvorhergesehenen Inanspruchnahmen existieren.

Methoden

Auf Basis von Routinedaten der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holsteins aus dem dritten Quartal von 2018 wurden Unterschiede zwischen AM und I in der Abrechnung von verschiedenen Gebührenziffern untersucht.

Ergebnisse

Im Studienzeitraum nahmen 1313 AM und 560 I an der hausärztlichen Versorgung in Schleswig-Holstein teil. Während 28% der AM im ländlichen Raum tätig waren, betrug der Anteil bei den Internisten nur 15%. Bei der Durchführungsrate von Hausbesuchen gab es zwischen AM und I keine nennenswerten Unterschiede (beide ca. 65%), die Anzahl der Besuche war bei den AM vor allem im ländlichen Raum mit 49,9 jedoch signifikant höher als bei den Internisten, die im Schnitt 37,3 Hausbesuche machten. Ähnliche Unterschiede konnten bei der unvorhergesehenen Inanspruchnahme gefunden werden.

Diskussion

In der vorliegenden Analyse konnten Unterschiede bezüglich der Häufigkeit von Hausbesuchen, der unvorhergesehenen Inanspruchnahme und Region, in der praktiziert wird in Gebührenziffern zwischen AM und I gefunden werden. Diese Ergebnisse könnten eine Diskussion anstoßen, ob die Weiterbildung für I ausreicht, um auf die hausärztliche Tätigkeit in ländlichen Regionen vorzubereiten.

Take Home Message für die Praxis

Unterschiede in der hausärztlichen Versorgung durch AM und I sollten stärker in der Weiterbildung und Bedarfsplanung berücksichtigt werden.

Stichwörter: Hausärztliche Versorgung, Allgemeinmediziner; hausärztlich tätige Internisten, Hausbesuche, unvorhergesehene Inanspruchnahme, Regionale Unterschiede
11:45 V34-02

Die ärztliche Behandlung eigener Angehöriger - Eine Fragebogenstudie unter Hausärzten und Kinderärzten in Nordrhein (#380)

N. Mücke1, M. Pentzek1, V. Kalitzkus1, S. Wilm1, A. Mortsiefer1

1 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Medizinische Fakultät, Institut für Allgemeinmedizin, Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund

Zur ärztlichen Behandlung eigener Angehöriger gibt es in Deutschland weder Handlungsempfehlungen der Ärztekammern noch eine öffentliche Diskussion. Empirische Untersuchungen dazu stammen überwiegend aus den USA.

Fragestellung

Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, erstmalig in Deutschland epidemiologische Daten bei Primärärzten zur Behandlung eigener Angehöriger zu erheben.

Methoden

Fragebogenstudie unter niedergelassenen Hausärzten und Kinderärzten in Nordrhein. Die Fragebogenentwicklung erfolgte in folgenden Schritten: interprofessionelle Gruppendiskussion, vier Experteninterviews, Formulierung der Fragebogen-Items, 10 kognitive Pretests, Pilotierung mit 40 -Fragebögen. Der Fragebogen bezieht sich auf (Ehe)-Partner, Kinder, eigene Eltern, Eltern des Partners und umfasst 5 Teile (91 Items, 7 Freitextfelder). Hier präsentiert werden die Ergebnisse der deskriptiven Auswertung.

Ergebnisse

Von 987 zugestellten Fragebögen wurden 393 zurückgesendet (39,8% response). Das Durchschnittsalter war 54 Jahre, der Frauenanteil betrug 51%. 12% der Teilnehmer waren Kinderärzte. 97% der Ärzte hatten in den letzten 12 Monaten mindestens einmal einen Angehörigen behandelt. 84% der Ärzte bezeichneten sich als primärer Hausarzt von mindestens einem ihrer Angehörigen. Häufige Behandlungsarten (≥3x in letzten 12 Monaten) waren Verschreibung oder Aushändigung von Medikamenten (Partner 45%, Kinder 37%, Eltern 43%, Schwiegereltern 26%), körperliche Untersuchung (Partner 18%, Kinder 24%, Eltern 25%, Eltern des Partners 15%) sowie Anordnung/Erbringung von Laboruntersuchungen (Partner 14%, Kinder 7%, Eltern 19%, Eltern des Partners 9%). Bei weniger als 1/3 fanden die Behandlungen stets in den Räumen der Arztpraxis statt. Mehr als 40% der Ärzte gaben an, die Befunde nicht oder nur teilweise zu dokumentieren.

Diskussion

Die Studie belegt, dass fast alle Primärärzte in die Behandlung eigener Angehöriger involviert sind. Häufige Behandlungen im privaten Umfeld und niedrige Dokumentationsraten könnten als Indizien für Abweichungen von der professionellen Routine bei der Behandlung eigener Angehöriger gewertet werden.

Take Home Message für die Praxis

Die Behandlung eigener Angehöriger stellt eine Herausforderung mit hoher Relevanz dar und sollte in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung stärker thematisiert werden.

12:00 V34-03

Ein fehlendes stationäres Entlassungsgespräch und der selbstberichteter Behandlungserfolg und Wohlbefinden von Patienten (#402)

R. Zenker1, K. Voigt1, A. Jonietz1, A. Bergmann1, H. Riemenschneider1

1 Medizinische Klinik und Poliklinik III, Bereich Allgemeinmedizin, Dresden, Sachsen, Deutschland

Hintergrund

Viele Patienten werden mit unklaren Informationen zum Krankenhausaufenthalt und weiteren Behandlung entlassen. Ein mangelndes Entlassmanagement (z.B. unzureichende Qualität des Arztbriefes und der Entlassungsgespräche) wird mit medikamentenbezogenen Problemen und weiteren Auswirkungen auf Patienten assoziiert.

Fragestellung

Wie wirkt ein fehlendes stationäres Entlassungsgespräch auf den selbstberichteten Behandlungserfolg und das Wohlbefinden der Patienten?

Methoden

In einer randomisiert kontrollierten Studie (2016–2018) wurden stationäre Patienten aus einer deutschen Klinik auf ihr Verständnis zu Untersuchungen, Medikamenteneinnahme und Komplikationen, sowie ihr Wohlbefinden und Behandlungszufriedenheit nach Entlassung befragt. Es erfolgte ein univariater und multivariater statistischer Vergleich der Items nach Nichtvorliegen und Vorliegen eines Entlassungsgespräches.

Ergebnisse

417 (23,5%) der 1.772 postalisch versendeten Fragebögen wurden analysiert. 77,6% der Patienten berichteten von einem vorhandenen und 22,4% fehlenden Entlassungsgespräch (beide Patientengruppen unterschieden sich nicht signifikant im selbstberichteten Gesundheitszustand, Alter und Geschlecht). Patienten ohne Entlassungsgespräch gaben signifikant seltener an, dass Untersuchungsergebnisse verständlich erklärt (72,4% vs. 94,1%) und weitere Untersuchungen besprochen (30,7% vs. 81,5%) wurden. Sie berichteten von signifikant mehr Komplikationen nach Entlassung (31,8% vs. 20,5%), weniger Erklärungen zu Medikamenten (54,9% vs. 89,9%), Verbesserung von Beschwerden (57,6% vs. 73,2%), Geborgenheit (46,3% vs. 76,9%), Mitbestimmung (38,2% vs. 66,2%) und Respekt (66,2% vs. 89,8%) und Gefühl in Entscheidungsprozesse einbezogen zu sein (64,7% vs. 92,7%). Sie beurteilten ihre gesamte Behandlung, Betreuung (40,2% vs. 81,1%) und den Behandlungserfolg (56,5% vs. 85,6%) schlechter.

Diskussion

In unserer Pilotstudie war ein fehlendes Entlassungsgespräch mit mehr Komplikationen und Beschwerden, geringeren Behandlungserfolg, verminderten Wohlbefinden und schlechtere Bewertung vom gesamten Krankenhausaufenthalt assoziiert. Gemäß dem gesetzlich geforderten Entlassmanagement sollten Patienten ausreichend informiert und beraten sein. Zusätzliche patientenorientierte Informationen, z.B. ein leichtverständlicher Entlassungsbrief (Patientenbrief), könnten unterstützen die bestehenden Informationsdefizite nach stationärem Aufenthalt zu vermindern.

Take Home Message für die Praxis

Ein Entlassungsgespräch ist für die Informiertheit und für das Wohlbefinden der Patienten wichtig und wird mit selbstberichteten Behandlungserfolg assoziiert. Ausreichende Information bei Entlassung sollte für alle Patienten sichergestellt werden.

Stichwörter: Entlassungsgespräch, selbstberichteter Behandlungserfolg, Wohlbefinden von Patienten