DEGAM 2019
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Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Moderatoren: Maisel , Peter , Professor (Deutschland); Ehrhardt , Maren , Dr. (Deutschland)
 
Shortcut: V42
Datum: Freitag, 13. September 2019, 15:30
Raum: TRC
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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15:30 V42-01

Kompetenzbasierte Ausbildung im Blockpraktikum Allgemeinmedizin: Ein multizentrischer Vergleich (#64)

K. Afshar1, S. Joos2, R. Koch2, W. Niebling3, K. Böhme3, J. Bleidorn1, 4, N. Schneider1, S. Steffens5

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
2 Universitätsklinikum Tübingen, Institut für Allgemeinmedizin & Interprofessionelle Versorgung, Tübingen, Deutschland
3 Universitätsklinikum Freiburg, Lehrbereich Allgemeinmedizin, Freiburg, Deutschland
4 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
5 Medizinische Hochschule Hannover, Studiendekanat Medizin – Bereich Curriculumentwicklung, Hannover, Deutschland

Hintergrund

Seit 2015 liegen mit dem Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin (NKLM) Empfehlungen für die kompetenzorientierte Gestaltung des Medizinstudiums vor. Für eine vergleichende Darstellung der Curricula ist eine Kartierung (sog. Curriculum-Mapping) Methode der Wahl.

Fragestellung

Wie stellt sich die kompetenzbasierte Ausbildung im Blockpraktikum Allgemeinmedizin mittels Curriculum-Mapping entlang des NKLM an drei Medizinischen Fakultäten (Regel- und Modellstudiengang) dar? Wie unterscheiden sich die Mapping-Ergebnisse zwischen den Fakultäten in der Schwerpunktsetzung der vermittelten Lernziele und Kompetenzrollen?

Methoden

Es handelte sich um eine explorative Querschnittserhebung. Das Curriculum-Mapping erfolgte an den Medizinischen Fakultäten Hannover, Tübingen und Freiburg durch die Lehrverantwortlichen anhand der webbasierten Datenbank „MERLIN“. Die Rohdaten wurden an das Studiendekanat der Medizinischen Hochschule Hannover weitergeleitet und dort pseudonymisiert in Excel übergeführt. Die Auswertung der Teilkompetenzen, Lernziele und Kompetenzebenen/-rollen erfolgte deskriptiv. Die curricularen Lehrinhalte im Blockpraktikum Allgemeinmedizin mit Angaben zum Mapping-Prozess wurden durch einen teilstandardisierten schriftlichen Fragebogen erfasst und zusammen mit den Mapping-Daten zwischen den Fakultäten verglichen.

Ergebnisse

Die insgesamt 281 Teilkompetenzen und 1958 Lernziele des NKLM werden im Blockpraktikum Allgemeinmedizin an den drei teilnehmenden Fakultäten (MF1-3) in unterschiedlicher Zahl explizit abgedeckt und geprüft: MF1 deckt 319 Teilkompetenzen und 428 Lernziele ab, wovon 11 Items geprüft werden. Bei MF2 sind es 215 Teilkompetenzen und 271 Lernziele mit 36 geprüften Items. MF3 deckt 198 Teilkompetenzen und 287 Lernziele ab mit Prüfung von 175 Items. Zwischen 45% (MF1) und 99% (MF3) der Lernziele werden auf Kompetenzlevel 3a „Handlungskompetenz“ vermittelt. Die vornehmlich vermittelten Kompetenzrollen sind die Rollen „Medizinische/r Experte/Expertin“ (MF1/MF3) und „Gesundheitsberater/in und -fürsprecher/in“ (MF2).

Diskussion

Die Umsetzung kompetenzbasierter Lernziele im Blockpraktikum Allgemeinmedizin an den Medizinischen Fakultäten unterliegt einer großen Variabilität. Die Ergebnisse erlauben eine standortübergreifende Diskussion eines möglichen gemeinsamen Lernzielkatalogs für das Blockpraktikum Allgemeinmedizin. Dies kann die Vernetzung der Standorte fördern und so zur Qualitätssteigerung in der allgemeinmedizinischen Lehre auf nationaler Ebene führen.

Take Home Message für die Praxis

Das Curriculum-Mapping ermöglichte erstmalig eine vergleichende Darstellung kompetenzbasierter Lernziele im Blockpraktikum Allgemeinmedizin entlang eines standardisierten Referenzwerks.

Stichwörter: Blockpraktikum Allgemeinmedizin, Curriculum-Mapping, Kompetenzorientierung, Medizinische Ausbildung, NKLM
15:45 V42-02

Wo stehen sie, wo wollen sie hin? – Skills Assessment in einem Programm zur Förderung der Allgemeinmedizin (#247)

F. Werner1, S. Kalms1, R. Kunisch1, S. Ott1, M. Roos1

1 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Die zunehmenden Schwierigkeiten in der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen werden immer offensichtlicher. 2018 wurde vor diesem Hintergrund vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege das Projekt „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) ins Leben gerufen. Einen Kernbestandteil des Programms bildet ein studienbegleitendes Vertiefungscurriculum ab dem 5. Semester mit Fokus auf die Tätigkeit als Allgemeinmediziner.

Fragestellung

Das Vertiefungscurriculum dient dem Erwerb zusätzlicher Kompetenzen der Studierenden für die Tätigkeit als Allgemeinarzt. Vom Allgemeinmedizinischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen werden bereits curriculäre und extracurriculäre Veranstaltungen angeboten. Im Rahmen des BeLA-Programms soll das bestehende allgemeinmedizinische Curriculum analysiert und zusätzlicher Bedarf identifiziert werden. In einer ersten Bedarfsanalyse sollen zunächst wahrgenommene Defizite und Bedürfnisse von Seiten der Studierenden sowie der lehrenden Ärzte eruiert werden.

Methoden

Zur Evaluierung des Inhalts der aktuell durchgeführten allgemeinmedizinischen Lehre wird ein Curriculum Mapping durchgeführt. Die Erhebung der wahrgenommenen und gewünschten Fertigkeiten wird jeweils auf Likert-Skalen abgefragt und anschließend mit in Fokusgruppen gewonnenen qualitativen Daten über curriculare Bedürfnisse der Studierenden trianguliert (Lockyer 1998). Unter Berücksichtigung des Curriculum Mappings werden konkrete Defizite identifiziert.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen des Kongresses vorgestellt.

Diskussion

Selbsteinschätzungen bezüglich der Fertigkeiten von Studierenden zeigten bereits eingeschränkte prozedurale Sicherheit (Dehmer et al. 2013), Studierenden fehlt es an praxisorientierten und anwendungsbezogenen Kenntnissen. Die Analyse ergänzt diese Selbsteinschätzungen um die Perspektive der ausbildenden Ärzte und identifiziert Diskrepanzen in den wahrgenommenen und gewünschten Fertigkeitsstufen beider Parteien.

Take Home Message für die Praxis

Der Diskurs über Diskrepanzen in der studentischen Selbsteinschätzung von Kompetenzen einerseits und den durch Ärzte geäußerten Kompetenzerfordernissen andererseits soll angestoßen werden. Ziel ist es, Ansatzpunkte zur Verbesserung der bedarfs- und praxisorientierten Lehre im Rahmen des BeLA-Programms zu identifizieren, um die Entwicklung der Fertigkeiten des Allgemeinarztes frühzeitig fördern zu können.

Stichwörter: Needs Assessment, Rural Track Clerkship Program
16:00 V42-03

Stresserleben und Gesundheitsverhalten im Medizinstudium – Ergebnisse einer Online-Befragung von Medizinstudierenden (#355)

K. Afshar1, J. Bleidorn1, 2, K. Jendretzky3, N. Schneider1, B. Engel1, 4

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Deutschland
2 Universitätsklinikum Jena, Institut für Allgemeinmedizin, Jena, Deutschland
3 Medizinische Hochschule Hannover, Studiendekanat Medizin – Bereich Curriculumentwicklung, Hannover, Deutschland
4 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Department für Versorgungsforschung, Abteilung Allgemeinmedizin, Oldenburg, Deutschland

Hintergrund

Das Genfer Gelöbnis hebt seit 2017 die eigene Gesundheit von Ärzt*innen hervor: „Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.“ Auch deshalb ist es geboten, bereits im Medizinstudium den Blick auf die eigene Gesundheitsfürsorge zu lenken. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) baut das Institut für Allgemeinmedizin einen Schwerpunkt „Studierendengesundheit“ auf.

Fragestellung

Wie stellen sich Stresserleben und Gesundheitsverhalten von Medizinstudierenden dar?

Methoden

Durchführung einer Querschnittsbefragung der Medizinstudierenden an der MHH (Studienjahre 1-6) im Herbst- und Wintertertial 2018/19 über das Online-Befragungstool SoSci. Der Fragebogen besteht aus der Kurzversion des Instruments „Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM)“ mit 44 Items und aus der deutschsprachigen Version des „Perceived Medical School Stress (PMSS-D)“-Instruments mit 13 Items. Ergänzt wurden Fragen zu soziodemografischen Angaben und zur Einnahme leistungssteigernder Substanzen. Die Auswertung des AVEM und PMSS-D erfolgte entlang der vorgegebenen Auswerteschemata. Die Auswertung aller anderen Angaben erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse

Insgesamt 591 Studierende (Rücklauf: ca. 32,8%; weiblich 75,8%) haben an der Erhebung teilgenommen. Zum Zeitpunkt der Abstract-Einreichung ist die Auswertung der Daten (u.a. Verhaltensmuster) noch nicht vollständig abgeschlossen. Erste Einblicke in das Datenmaterial zeigen ein erhöhtes Stresserleben im 1. und 3. Studienjahr verglichen mit den anderen Jahren sowie einen Zusammenhang zwischen empfundener Stressbelastung und der Einnahme leistungssteigernder Substanzen.

Diskussion

Die Befragungsdaten geben einen Überblick über die aktuelle Stressbelastung im Medizinstudium und das Gesundheitsverhalten der Studierenden an der MHH. Das Projekt dient dazu, die Lehrformate an der MHH mit Hilfe der Ergebnisse kritisch zu reflektieren und in Zukunft bedarfsgerecht anpassen zu können.

Take Home Message für die Praxis

Die Allgemeinmedizin hat per Fachdefinition den Arbeitsauftrag zur Gesundheitsberatung/-förderung für Einzelne und der Gesellschaft. Die Themen Stresserleben und Gesundheitsverhalten von Medizinstudierenden passen daher sehr gut zum Arbeitsfeld der universitären Allgemeinmedizin. Auf Basis der Befragungsdaten werden gezielt curriculare Angebote sowohl im Fach Allgemeinmedizin als auch in anderen Bereichen entwickelt.

Stichwörter: Medizinstudium, Studierendengesundheit, Stressbelastung, Gesundheitsverhalten
16:15 V42-04

Mehr Hausärzte durch ein Blockpraktikum? (#400)

M. C. Wagner1, M. F. von Braunmühl1, A. Mergeay1, M. Freitag1

1 Carl von Ossietzky Universität, Department für Versorgungsforschung, Abteilung Allgemeinmedizin, Oldenburg, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Der Bedarf an Allgemeinmediziner*Innen, speziell in ländlichen Gebieten, wächst. Um das Fach Allgemeinmedizin zu fördern, integriert die Universität Oldenburg im Modellstudiengang Humanmedizin ein vierwöchiges Blockpraktikum in speziell geschulten Hausarztpraxen. Die Studierenden evaluieren das Blockpraktikum mit Hilfe von Fragebögen in ihrem Logbuch.

Fragestellung

Steigt das Interesse der Studierenden an der Allgemeinmedizin durch das Blockpraktikum? Steigt das Interesse an der Landarzttätigkeit? Wie gut wird das Blockpraktikum bewertet?

Methoden

Es liegen Evaluationsbögen von 71 Studierenden aus drei Jahren vor, welche deskriptiv analysiert wurden. Die Studierenden wurden vor und nach dem Blockpraktikum nach dem durchschnittlichen Interesse zukünftig hausärztlich tätig zu sein und dem, sich auf dem Land niederzulassen befragt. Zudem wird untersucht, ob allgemeine Charakteristika der Lehrpraxen (Praxisform, Stadt- oder Landpraxis) mit dem Interesse der Studierenden an Allgemeinmedizin und Landarztmedizin korrelieren.

Ergebnisse

Zum Zeitpunkt der Einreichung ist die Auswertung noch nicht abgeschlossen. Die erste Sichtung der Daten zeigt, dass sich Studierende nach dem Blockpraktikum eine zukünftige Arbeit als Allgemeinmediziner*In vorstellen können und dass eine Tätigkeit auf dem Land eher in Betracht kommt. Insgesamt wird das Blockpraktikum von den Studierenden sehr positiv bewertet, ca. 59% vergaben die Note “sehr gut”, 22,5% “gut”.

Diskussion

Es bestätigt sich, dass unser vierwöchiges Blockpraktikum das Interesse unserer Studierenden an der Allgemeinmedizin steigern konnte. Spannend wäre es zu untersuchen, welche Praxisfaktoren die Arbeit in ländlichen Regionen attraktiver macht. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Studierenden im Modellstudiengang Oldenburg bereits von vornherein ein größeres Interesse an der Allgemeinmedizin haben.

Take Home Message für die Praxis

Ein längeres, vierwöchiges Blockpraktikum kann das Interesse an der Allgemeinmedizin steigern. Dieser Aspekt sollte bei der Curriculumsentwicklung mit einbezogen werden.

Stichwörter: Modellstudiengang, Blockpraktikum, Landarzt
16:30 V42-05

Stereotype Bilder vom Leben und Arbeiten in ländlichen Regionen unter ÄiW Allgemeinmedizin in Hessen (#262)

E. Baum1, J. Groth1, K. Hierasimowicz1

1 Philipps-Universität Marburg, Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin, Marburg, Hessen, Deutschland

Hintergrund

Viele ländliche Regionen Deutschlands sind vom Hausärztemangel betroffen oder bedroht. Neben objektiver Faktoren (mangelhafte Infrastruktur, überwiegend Einzelpraxen, mehr Hausbesuche) scheinen dabei auch subjektive Vorstellungen vom ländlichen Raum eine zentrale Rolle zu spielen. Das Bild, das junge Ärzte vom Leben und Arbeiten auf dem Land haben, wurde bislang kaum untersucht.

Fragestellung

Welche stereotypen Repräsentationen konstituieren die Vorstellung vom “Landleben” im Kontext beruflicher und privater Ansprüche angehender Hausärzte? Wie wirken sich diese Stereotype auf die Niederlassungsbereitschaft im ländlichen Raum aus?

Methoden

Datengrundlage sind Fokusgruppendiskussionen über die Beweggründe hessischer ÄiW im Fach Allgemeinmedizin, sich künftig (nicht) auf dem Land niederzulassen. Die entsprechenden ausgewählten Sequenzen des Materials wurden einer systematischen Metaphernanalyse unterzogen. Damit können die Aussagen der ÄiW nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich und emotional untersucht werden.

Ergebnisse

Metaphern der Passivität (Tod, Stillstand, Krankheit, Altern) stehen denen der Aktivität (Leben, Vitalität, Gesundheit) entgegen. Exklusion (Distanz, Entfremdung, Vereinsamung) wird genauso befürchtet wie Inklusion (Familiarität, Unmittelbarkeit, Wertschätzung, Vertrauen) gewürdigt. Eine wichtige Bedeutung haben Vorstellungen der Unsicherheit (Unruhe, komplexe Probleme, Überforderung) und der Sicherheit (Ruhe, Geräumigkeit).

Diskussion

Die Metaphernanalyse zeigt, dass bei jungen Ärzten keineswegs nur negative Bilder vom ländlichen Raum existieren, sondern sich positive und negative Stereotype abwechseln. Folgestudien müssten klären, inwiefern diese Stereotype auf persönlicher Erfahrung beruhen und in welchem Maße sich die Bilder vom ländlichen Raum nach einer konkreten Tätigkeit auf dem Land verändern.

Take Home Message für die Praxis

Um die Bereitschaft junger Ärzte zur Niederlassung auf dem Land zu erhöhen, muss vor allem an den negativen Stereotypen über den ländlichen Raum und eine ländliche Tätigkeit angesetzt werden. ÄiW müssen ein realistisches Bild vom Leben und Arbeiten auf dem Land bekommen.

Stichwörter: Landärztemangel, ÄiW, Mentalitäten, Stereotype