DEGAM 2019
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Digitalisierung und E-Health

Moderatoren: Vollmar , Horst C. , Professor; Weinhold , Birgitt , Dr. (Deutschland)
 
Shortcut: V52
Datum: Freitag, 13. September 2019, 17:30
Raum: Rudolf Wöhrl - HS
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

17:30 V52-01

„Der Patient, sein Smartphone und ich“- Digitalisierung und eHealth in der Hausarztpraxis (#258)

K. Lukaschek1, S. Schlüssel1, J. Gensichen1

1 LMU, Institut für Allgemeinmedizin, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

„Der Patient, sein Smartphone und ich“ ist ein am Institut für Allgemeinmedizin der LMU entwickeltes Projekt, welches vom Multiplikatoren-Programm der LMU als exzellente und innovative Lehre gefördert wird.  Das Projekt besteht aus einem neuen Seminarformat mit explizit auf die Thematik zugeschnitten Lehrfilmen, um die Studierenden zukünftig auf die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten von „eKommunikation in der Hausarztpraxis“ besser vorzubereiten.

Fragestellung

Wie lassen sich eHealth und eKommunikation praxisnah in die Lehre für Studierende integrieren? Wie sensibilisiert man Studierende für das Thema eHealth?

Methoden

Die Studierenden lernen durch Theorie und praktische Übungen, anhand welcher Kriterien und Qualitätsstandards Gesundheits-Apps beurteilt werden können, wie man mit „Patientenwissen aus dem Internet“ umgeht und wie man auf Bewertungen in online Ärzteportalen reagieren kann. Zusätzlich werden unterschiedliche Kommunikationstechniken zum Umgang mit Emotionen und Konfliktsituationen gelehrt und angewandt. Ein anschauliches Fallbeispiel aus der Praxis wird anhand eines eigens konzipierten und gedrehten Filmes gezeigt. Das Seminar schließt mit einem fallbasierten Kleingruppentraining und anschließender Diskussion ab.

Ergebnisse

DieAuswertung der Evaluation des Projektes ist für Sommer 2019 geplant.

Diskussion

Interdisziplinärer Austausch und fakultätsübergreifende Vernetzung mit anderen Multiplikatoren: Wie integriere ich eTools sinnvoll in die Patientenversorgung? Welche Vorrausetzung können geschaffen werden, um Studierenden den Zugang zu eHealth und ekommunikation weiter zu erleichtern?

Take Home Message für die Praxis

Die zunehmende Digitalisierung macht auch vor der Hausarztpraxis keinen Halt, deshalb müssen die Ärzte von morgen schon frühzeitig auf die Chancen und Risiken von eHealth und eKommunikation vorbereitet werden.

Stichwörter: eHealth; eKommunikation; Konfliktlösen; Arzt-Patienten-Kommunikation
17:45 V52-02

Systematischer Vergleich von Smartphone-Apps für Patienten zum Thema Hypertonie (#363)

A. Karimzadeh1, F. Leupold1, B. Weltermann1

1 Universitätsklinikum Bonn (AöR)/Medizinische Fakultät der Universität Bonn, Institut für Hausarztmedizin, Bonn, Deutschland

Hintergrund

Tausende Gesundheits-Apps werden jährlich veröffentlicht (Free et al. 2013; Jamaladin 2018). Blutdruck-Apps können wirksame Mittel zur Unterstützung von Hypertoniebehandlungen sein (Logan 2013). In dieser Studie werden Apps zur Hypertoniebehandlung systematisch hinsichtlich ihrer Funktionen verglichen (Kumar et al. 2015).

Fragestellung

Erhebung der Funktionen in verfügbaren Blutdruck-Apps zur Behandlung von Hypertonie.

Methoden

Zuerst wurde eine systematische App-Suche in den App-Stores durchgeführt. Am 20.11.2018 wurden 2381 Apps (Google play: 1395; iTunes: 986) zu den Schlagwörtern „Blutdruck“, „Bluthochdruck“, „Hypertonie“, „Bloodpressure“, „Hypertension“ und „BP“ identifiziert. Zunächst wurden alle Apps ausgeschlossen, die nicht die konventionelle Blutdruckmessung mit Hilfe von Oberarm- oder Handgelenksgeräten unterstützen. Apps, die eine Download-Anzahl unter 5000 und eine Bewertung unter 3,5 Sternen (< 70 Rezensionen) haben, wurden ebenfalls nicht betrachtet. Die verbleibenden Apps wurden hinsichtlich folgender Funktionen bewertet: (1) Hypertonieschulung; (2) Trackingfunktion; (3) adhärenzfördernde Funktion; (4) Datenexportmöglichkeit; (5) Adressen von Selbsthilfegruppen; (6) Möglichkeit der Kopplung von Blutdruckmessgerät und Smartphone. Ergänzend wurden (7) die Beteiligung von Fachgesellschaften, (8) die App-Gütesiegel und (9) die Leitlinienintegration betrachtet.

Ergebnisse

Elf Apps wurden in dieser Studie eingeschlossen. Die Auswertung der Funktionen ist wie folgt: (1) Hypertonieschulung: Information (9%), Folgeerkrankungen (9%), Ernährung (9%), Aktivität (18%) und Therapie (9%); (2) Trackingfunktion: Eingabe von Blutdruckwerten und Puls (100%), Blutdruckverlauf (90%), BMI (81%), Laborwerte (36%) und Salzaufnahme (9%); (3) adhärenzfördernde Funktion: Reminder zur Medikamenteneinnahme (45%) und Blutdruckmessung (45%), Medikamentenplan und -eingabe (9%); (4) Datenexportmöglichkeit (100%); (5) Adressen von Selbsthilfegruppen (0%); (6) Möglichkeit der Kopplung von Blutdruck-Messgerät und Smartphone (54%); (7) Beteiligung einer Fachgesellschaft (45%); (8) Überprüfung der App-Gütesiegel (18%); (9) die Leitlinienintegration (36%).

Diskussion

Während alle Apps eine Blutdruckverlaufsdokumentation und -export ermöglichen, sind die Aspekte Patientenschulung, Medikamentenplan oder -eingabe, Adressen von Selbsthilfegruppen, Überprüfung der App-Gütesiegel und Leitlinienintegration selten beachtet. Die Ergebnisse werden zur Entwicklung unserer Innovationsfond-geförderten PIA-Blutdruck-App verwendet.

Take Home Message für die Praxis

Blutdruck-Apps haben das Potential, die Versorgung zu verbessern. Jedoch müssen die Apps hinsichtlich ihrer Funktionen überprüft werden.

18:00 V52-03

Akzeptanz und Implementierung des IT-gestützten PReDicT-Tests zur Therapiesteuerung von Antidepressiva - eine qualitative Erhebung bei Patienten und Ärzten (#375)

C. Ploeger1, S. Brown2, R. Morriss2, T. Schwertel1, J. Petersen1

1 Johann Wolfgang Goethe-Universität , Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland
2 The University of Nottingham, Nottingham, Großbritannien

Hintergrund

Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die zu einer eingeschränkten Lebensqualität führt und mit hohen sozioökonomischen Kosten verbunden ist. Antidepressiva leisten einen wichtigen Beitrag in der Therapie. Allerdings kann der klinische Wirkungseintritt bis zu 4-6 Wochen dauern und häufig ist bei Nichtansprechen ein Medikamentenwechsel nötig. Um die Zeitdauer bis zu einer effektiven Behandlung zu verkürzen, wurde der PReDicT-Test für den Bereich der Primärversorgung entwickelt. Eingebettet in die internationale multizentrische PReDicT-Studie wurde eine qualitative Erhebung hinsichtlich der Akzeptanz des PReDicT-Tests und dessen Implementierbarkeit durchgeführt.

Fragestellung

Welche Erfahrungen machten Patienten und Ärzte bei der Anwendung des PReDicT-Tests und welche Konsequenzen hat dies für die Implementierung des Tests?

Methoden

Teilnehmende Ärzte und Patienten der PReDicT-Studie wurden mittels leitfadengestützter (Telefon-) Interviews befragt. Die Auswertung der transkribierten Interviews erfolgte gemäß der Framework-Methode angelehnt an die inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz mithilfe des Auswertungsprogrammes MAXQDA 2018.

Ergebnisse

Insgesamt wurden Interviews mit 20 Patienten und 9 Ärzten geführt. Erste Ergebnisse sprechen für eine gute Akzeptanz des PReDicT-Tests bei Patienten und Ärzten. Ein Großteil beider Gruppen beschreibt den Test als hilfreiches Instrument bei der Einstellung von Antidepressiva. Abschließende Ergebnisse werden bis zum Kongress vorliegen.

Diskussion

Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass der PReDicT-Test sowohl von Patienten als auch Ärzten als ein grundsätzlich hilfreiches Tool beurteilt wird. Aus Patientenperspektive erhöht der PReDicT-Test das Gefühl der Selbstkontrolle und führt zu einer gesteigerten Selbstreflexion, was als positiv beschrieben wird. Zudem wird die örtliche und zeitliche Flexibilität der Anwendung positiv hervorgehoben. Zentrale Punkte für die Anwendung in der Praxis aus ärztlicher Sicht sind die Frage nach der Finanzierung und den zeitlichen Ressourcen, die für die Implementierung aufgewendet werden müssen.

Take Home Message für die Praxis

Der PReDicT-Test wird von der Mehrzahl der teilnehmenden Patienten als auch Ärzte als hilfreiches Tool beurteilt.

Stichwörter: Depression, Antidepressiva, Therapiemonitoring, qualitative Methoden, Digitalisierung