DEGAM 2019
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Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Moderatoren: Heim , Susanne , Dr. (Deutschland); Chenot , Jean-François , Professor
 
Shortcut: V61
Datum: Samstag, 14. September 2019, 8:30
Raum: HSZ Medizin Kleiner Hörsaal
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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8:30 V61-01

Fehlerprävention in der ambulanten Versorgung: Entwicklung von effektiven Maßnahmen für die Praxis (#69)

B. S. Müller1, D. Lüttel2, T. Blazejewski1, D. Gruber1, H. Müller2, 3, K. Rubin3, M. Pommee4, C. Thomeczek5, R. Heuzeroth6, M. Beyer1

1 Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland
2 Aktionsbündnis Patientensicherheit, Berlin, Deutschland
3 Techniker Krankenkasse, Hamburg, Deutschland
4 Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, Dortmund, Deutschland
5 Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin, Berlin, Deutschland
6 Asklepios Kliniken GmbH, Hamburg, Deutschland

Hintergrund

Das Projekt CIRSforte wird vom Innovationsfonds gefördert (FKZ 01VSF16021) und hat zum Ziel, Fehlerberichts- und Lernsysteme (CIRS) für die ambulante Versorgung fortzuentwickeln. Seit April 2018 werden 184 Praxen über 17 Monate dabei unterstützt, ein Fehlerberichts- und Lernsystem einzuführen und so das praxisinterne Fehlermanagement fortzuentwickeln. Konkret bedeutet dies, dass die Praxis ein neues CIRS in papier- oder elektronischer Form einführt oder das bereits vorhandene Fehlermanagement weiterentwickelt. Das Praxisteam identifiziert, dokumentiert und diskutiert die auftretenden kritischen Ereignisse mit dem Ziel, praxisindividuelle Maßnahmen zu entwickeln, die einem ähnlichen Ereignis zukünftig vorbeugen und die Praxisabläufe effizienter gestalten.

Fragestellung

Welche Art von Maßnahmen entwickeln die teilnehmenden Praxen und verändert sich die Qualität der Maßnahmen durch die Teilnahme an CIRSforte?

Methoden

Alle Praxen werden innerhalb von 17 Monaten dreimal aufgefordert, Ereignisberichte einzusenden. Das Studienteam wertet die Berichte nach Details der Ereignisbeschreibung aus und kategorisiert die beschriebenen Maßnahmen anhand internationaler Klassifikationen in schwache, mittelstarke und starke Maßnahmen. Schwache Maßnahmen fokussieren dabei auf die Einzelperson (z.B. Schulung), starke Maßnahmen auf das System (z.B. technische Veränderungen).

Ergebnisse

Die erste Aufforderung, Ereignisberichte einzusenden, erfolgte Ende 2018. Dabei gingen 77 Ereignisberichte ein. In 51 Berichten wurden Maßnahmen beschrieben. Davon wurden lediglich zwei Maßnahmen als stark bewertet, 11 als mittelstark, die restlichen als schwache Maßnahmen. Für alle drei Kategorien werden Beispielmaßnahmen vorgestellt. Bis zum Kongress liegen Ereignisberichte aus zwei weiteren Erhebungen in den CIRSforte-Praxen vor, sodass ein Verlauf über die Zeit präsentiert werden kann.

Diskussion

Es wird diskutiert, welchen Herausforderungen wie begegnet werden kann, um effektive, nachhaltige Maßnahmen für die Praxis zu entwickeln.

Take Home Message für die Praxis

Die Entwicklung von effektiven Maßnahmen zur Fehlerprävention gelingt, wenn einige zentrale Punkte beachtet werden.

Stichwörter: Fehlermanagement, critical incident reporting system, Primärversorgung, Praxis
8:45 V61-02

Beste Landpartie Allgemeinmedizin - ein Rezept gegen Hausärztemangel in Bayern (#86)

A. Schneider1, T. Herzog1, T. Brandhuber1, N. Barth1, M. Roos2, M. Wijnen-Meijer3, P. Berberat3

1 Technische Universität München, Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, München, Bayern, Deutschland
2 Universitätsklinikum Erlangen, Institut für Allgemeinmedizin, Erlangen, Bayern, Deutschland
3 Technische Universität München, Lehrstuhl für Medizindidaktik, medizinische Lehrentwicklung und Bildungsforschung, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund

An der TU München wurde ein Ausbildungs- und Stipendienprogramm entwickelt, um Studierende für eine ärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum zu motivieren. Die Studierenen erhalten neben einem Stipendium (€ 600 monatlich) ein breitgefächertes Seminarangebot, um auf den hausärztlichen Beruf vorzubereiten. Stipendiaten verpflichten sich zur Facharztweiterbildung Allgemeinmedizin im ländlichen Raum. Wer nur das PJ absolviert, geht keine Verpflichtung ein.

 


 

Fragestellung

Das Programm „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) setzt früh im Studium ein und verbindet das Studium mit der Facharztweiterbildung. Die konzeptuellen Überlegungen beinhalten Strategien, die eine langfristige Bindung an die Region über das Studium hinaus gewährleisten sollen. Ergebnisse der Evaluation aus dem Vorgängerprojekt und didaktische Elemente des neuen BeLA-Programms werden vorgestellt.

Methoden

Hervorgegangen ist das BeLA-Programm aus dem Modellprojekt `AKAdemie Dillingen`. Für den Zeitraum vom 01.01.2015 bis 31.12.2106 wurde eine Vergleichsstudie "Dillingen-PJ" versus "Routine-PJ Allgemeinmedizin im Großraum München" durchgeführt. Im April 2019 erfolgte eine Follow-up-Erhebung bei allen PJ-Studierenden aus dem Dillingen-Projekt.

Ergebnisse

Von den 14 Teilnehmern des AKADemie-Modells haben sich 9 Studierende für die Facharztweiterbildung „Allgemeinmedizin“ entschieden, sechs sind dabei in der Region Dillingen verblieben. Dagegen hat sich keiner aus dem „Routine-PJ“ für eine spätere Tätigkeit im ländlichen Raum entschieden. Von den 24 PJ-Studierenden seit 2013 absolvieren derzeit 11 (46%) eine Weiterbildung für Allgemeinmedizin im ländlichen Raum und 5 (21%) im städtischen Raum. 2 (8%) weitere ehemalige „Dillinger“ sind in der Weiterbildung „Innere Medizin“ und 2 (8%) in „Chirurgie“ im ländlichen Raum verblieben. 3 (13%) machen eine andere Facharztausbildung im städtischen Raum, einer (4%) blieb unentschieden.

Diskussion

Das BeLA-Programm wird in Kooperation mit dem Institut für Allgemeinmedizin Erlangen auf 7 Regionen in Bayern ausgedehnt. Langfristige Begleitevaluationen sollen fördernde und hemmende Faktoren für das BeLA-Programm identifizieren und die Effektivität untersuchen.

Take Home Message für die Praxis

Für die Etablierung eines umfassenden Lehrangebots im ländlichen Raum braucht es einen langen Atem und sehr viele Kooperationen auf Ebene der Politik, Krankenhäuser, Praxen und Universität.

Stichwörter: Ärztemangel; ländlicher Raum, Motivation; Studierende
9:00 V61-03

Warum wollen Studierende noch Landarzt werden? – Eine Analyse der Bewerber im Programm „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) (#359)

S. Kalms1, R. Kunisch1, F. Werner1, S. Ott1, M. Roos1

1 Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Die hausärztliche Versorgung auf dem Land ist gefährdet. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege finanziell geförderte Programm „Beste Landpartie Allgemeinmedizin“ (BeLA) möchte Medizinstudierende für eine spätere Tätigkeit auf dem Land motivieren. Das Programm basiert auf drei Säulen: ein longitudinales Curriculum zum erweiterten Kompetenzerwerb, ein Mentoringangebot und das Sammeln von Erfahrungen im ländlichen Raum (beispielsweise bei Famulaturen). Zusätzlich können Studierende ein Stipendium in Höhe von 600€ monatlich erhalten, wenn sie sich zur Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in einer ländlichen Region verpflichten.

Fragestellung

Erfragt werden individuelle Beweggründe zur Teilnahme am BeLA-Programm und zur Inanspruchnahme des Stipendiums.

Methoden

Für die Exploration individueller Beweggründe der Studierenden wurde ein qualitativer Ansatz gewählt. Eine Fokusgruppendiskussion mit den Bewerbern wurde audio-digital aufgezeichnet und wörtlich transkribiert. Zusätzlich wurden Steckbriefe und die Motivationsschreiben der Bewerber als Datenmaterial herangezogen. Es erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse in der zunächst durch induktives Codieren ein Kategoriensystem erstellt wurde, welches durch deduktives Codieren des verbleibenden Materials gefüllt wurde.

Ergebnisse

Erste Ergebnisse zeigen, dass sich Studierende hauptsächlich einen Ansprechpartner für inhaltliche, organisatorische und persönliche Fragen im Studium wünschen. Das Mentoringangebot ist für die Studierenden daher von besonderem Interesse. Im Rahmen des Programms erwarten sich die Studierenden zudem eine strukturierte Betreuung. Einer Inanspruchnahme der finanziellen Unterstützung und der damit verbundenen Verpflichtung für eine Region und das Fach steht die Mehrheit der Studierenden zurückhaltend gegenüber.

Diskussion

Neben hoch individuellen Faktoren, scheinen relevante Faktoren, um Studierende für den Beruf des Landarztes zu begeistern, in der Kompetenzentwicklung und Motivation durch direktes Erleben zu liegen. Eine finanzielle Unterstützung über das Studium hinweg stellt hingegen aufgrund der damit verbundenen frühen Verpflichtung keinen Anreiz dar.

Take Home Message für die Praxis

Eine verstärkte Begleitung (Mentoring) scheint die Motivation zu einer ärztlichen Tätigkeit auf dem Land zu erhöhen.

Stichwörter: Beste Landpartie Allgemeinmedizin, Motivation, Studierende
9:15 V61-04

Entwicklung eines interprofessionellen Lehrmoduls „Komplementäre und Integrative Medizin“ – Implikationen für die Hausarztpraxis (#221)

K. Flägel1, P. Prill1, K. Götz1, C. L. Weber1, J. Steinhäuser1

1 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Institut für Allgemeinmedizin, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund

Die Anwendung komplementärmedizinischer Verfahren (KM) ist in Deutschland weit verbreitet [1]. Umso wichtiger erscheint eine evidenzbasierte Ausbildung aller Gesundheitsberufe in KM, um fundiert beraten zu können.

Fragestellung

Ziel des Projekts war es, ein interprofessionelles Lehrmodul „Komplementäre und Integrative Medizin“ für Medizin-, Pflege- und Physiotherapiestudierende zu entwickeln basierend auf den Bedürfnissen Studierender, den der Patienten sowie den professionellen Anforderungen innerhalb von KM.

Methoden

Die Curriculumsentwicklung folgte dem Sechs-Stufen-Plan von Kern et al. [2]. Die Bedarfserhebungen erfolgten von 2017 bis 2018 mittels Fokusgruppen und Einzelinterviews von KM-Anwendern, quantitativer Patientenbefragung, Studierendenbefragung sowie einer Online-Befragung von Mitarbeitern eines Universitätsklinikums.

Die qualitativen Daten wurden transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet. Die Auswertung der quantitativen Daten war rein deskriptiv.

Ergebnisse

Vorgestellt werden die quantitativen Daten.

Insgesamt nahmen 220 von 750 (29%) Patienten an der Befragung teil. Auf einer Skala von 0 („gar kein Interesse“) bis 10 („sehr großes Interesse“) waren die Patienten mit einem Mittelwert von 8 sehr interessiert an KM als Teil ihrer Behandlung. Angewendet wurden vor allem Manuelle Medizin bzw. Therapie (62 %), Homöopathie (50 %) und Phytotherapie (45 %). Behandler waren unter anderem Ärzte (52 %), Physiotherapeuten (42 %) und Heilpraktiker (19 %).

An der Studierendenbefragung nahmen insgesamt 680 von 738 (92 %) der zur Studienteilnahme eingeladenen Studierenden teil. Auf einer Skala von 0 („gar nicht wichtig“) bis 10 („absolut wichtig“) hielten die Studierenden KM für ihren späteren Beruf mit einem Mittelwert von 6 für eher wichtig. Beschreiben können sie am ehesten Akupunktur (78 %), Entspannungstechniken (75 %) und Ernährungstherapie (71 %).

Die 208 teilnehmenden UKSH-Mitarbeiter gaben als am häufigsten durchgeführte KM Ernährungstherapie (16 %), Entspannungstechniken (16 %) und Phytotherapie (15%) an.

Diskussion

Studierende, Patienten und teilnehmende Klinikumsmitarbeiter schätzen die Relevanz von KM hoch ein. Studierende sollten daher curricular auf dem Niveau „Beratungskompetenz“ vorbereitet werden.

Take Home Message für die Praxis

Zu den häufigsten Verfahren sollte im Rahmen des Studiums zumindest eine Beratungskompetenz erreicht werden.

Stichwörter: Komplementärmedizin, Integrative Medizin, Curriculumsentwicklung, Beratungskompetenz, Interprofessionalität
9:30 V61-05

„Notfälle in der hausärztlichen Praxis“ und „Der Ärztliche Bereitschaftsdienst“ – Zwei innovative Lehrveranstaltungen im Rahmen der allgemeinmedizinischen Lehre (#348)

T. Ruppert1, S. Ott1, T. Kühlein1, M. Roos1

1 Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Allgemeinärztliches Handeln ist einerseits durch das Wissen um die psycho-sozialen Hintergründe der betreuten Patienten und durch ein begleitend beratendes Verhalten geprägt. Andererseits ist der Hausarzt in der Praxis mit akuten einen bedrohlichen Verlauf nehmenden Erkrankungen konfrontiert. Bei unbekannten Patienten und im Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) ist eine rasche Entscheidungsfindung und Notfallkompetenz nötig um abwendbar gefährliche Verläufe zu detektieren, richtige Maßnahmen einzuleiten und lebensbedrohliche Situationen bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts zu beherrschen.

Fragestellung

Die sichere Beherrschung von Maßnahmen und das Arbeiten nach Algorithmen im Team stellen in lebenbedrohlichen Situationen eine große Herausforderung dar. Wie können erlernte notfallmediznische Skills aus dem klinischen Umfeld auf die Realität der hausärztlichen Praxis übertragen und mit Studierenden trainiert werden?

Alle niedergelassenen Fachärzte sind verpflichtet, am Ärztlichen Bereitschaftsdienst teilzunehmen. Wie kann ein Einblick in die nötigen Anforderungen, die benötigten Fertigkeiten und die notwendige ärztliche Haltung den Studierenden nahegebracht werden?

Methoden

Im Tagesseminar für PJ-Studierende „Notfälle in der hausärztlichen Praxis“ werden notfallmedizinische skills, wie die i.v.-line, die Sicherung des Atemwegs, der Einsatz des Defibrillators, der Basic Life Support wiederholt und auf Fallbeispiele zu typischen Notfällen der hausärztlichen Praxis angewendet.

Im Wahlfach „Ärztlicher Bereitschaftsdienst“ wird in einem theoretischen Teil in die Organisation und die Schnittstellen des ÄBD und das Arbeiten nach Leitsymptomen eingeführt. Ein Praktikum beinhaltet das Begleiten des Lehrarztes bei seiner Tätigkeit in der Notfallpraxis und im Fahrdienst. Erfahrenes wird am Ende gemeinsam in einem Seminar reflektiert und vertieft.

Ergebnisse

Zum Zeitpunkt des DEGAM Kongresses werden die Erfahrungen und Evaluationsergebnisse beider Lehrveranstaltungen präsentiert.

Diskussion

Der Beitrag stellt die Konzeption und erste Erfahrung mit den angeführten Lehrveranstaltungen vor. Auf dieser Basis möchten wir geeignete Methoden zur Vermittlung der Schnittstelle Allgemeinmedizin/Notfallmedizin diskutieren.

Take Home Message für die Praxis

Ein Heranführen der Studierenden an die sichere Beherrschung von Notfällen und die typische Arbeitsweise im Ärztlichen Bereitschaftsdienst minimiert spätere Ängste und Unbehagen und kann dazu beitragen sich für das Fach Allgemeinmedizin zu entscheiden.