DEGAM 2019
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Zukunftsfähige Versorgungskonzepte

Moderatoren: Woestmann , Barbara , Dr.; Roos , Marco , (Universitätsklinikum Erlangen, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Deutschland)
 
Shortcut: V81
Datum: Samstag, 14. September 2019, 14:45
Raum: HSZ Medizin Kleiner Hörsaal
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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14:45 V81-01

Hausärztliche Versorgung von Menschen am Lebensende – eine Bestandsaufnahme in einer kleinstädtisch-ländlich geprägten Region in Niedersachsen (#63)

K. van Baal1, S. Schrader1, N. Schneider1, G. Mülller-Mundt1, K. Afshar1

1 Medizinische Hochschule Hannnover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Die meisten Menschen werden in der letzten Lebensphase im Rahmen der allgemeinen Palliativversorgung insbesondere durch Hausärzt*innen betreut und begleitet. Über die palliative Versorgungspraxis speziell im ländlichen Raum ist wenig bekannt.

Fragestellung

Wie schätzen Hausärzt*innen einer kleinstädtisch-ländlich geprägten Region in Niedersachsen die Versorgungspraxis von Menschen am Lebensende ein?

Methoden

Das Vorhaben ist Teil der Ist-Analyse im Interventionsprojekt „Optimale Versorgung am Lebensende – OPAL“ (Förderer: Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses, Förderkennzeichen: 01VSF17028). Von Herbst 2018 bis Frühjahr 2019 wurden alle hausärztlichen Praxen mit Kassensitz in zwei niedersächsischen Landkreisen (n=123) zur Teilnahme am OPAL-Projekt eingeladen. Nach Projektzusage folgte eine schriftliche Befragung anhand des Fragebogens „Hausärztliche Begleitung in der letzten Lebensphase“ (HA-BeL). Dabei handelt es sich um die deutschsprachige Version des General Practice End-of-Life Care Index zur Selbsteinschätzung der hausärztlichen Palliativversorgung. Der Fragebogen erfasst mit den Skalen „Klinische Praxis“ (13 Items) und „Praxisorganisation“ (12 Items) strukturelle und organisatorische Aspekte. Durch Aufsummierung der Werte aller 25 Items wird ein Gesamtindex gebildet, der als Maß für die Qualität der hausärztlichen Palliativversorgung herangezogen werden kann. Die Befragung wurde durch einen Strukturfragebogen ergänzt. Die Datenauswertung erfolgte deskriptiv.

Ergebnisse

Zum Zeitpunkt der Abstract-Einreichung hatten sich an der noch laufenden Befragung 30 Hausärzt*innen (männlich n=21; Altersmedian: 52,5 Jahre; Spannweite: 29-77 Jahre) aus 23 Praxen (darunter 17 Einzelpraxen) beteiligt. Fünf Hausärzt*innen hatten eine Zusatzbezeichnung für Palliativmedizin. Die mediane hausärztliche Tätigkeitsdauer lag bei 17 Jahren (Spannweite: 1-46 Jahre). Die vollständigen Befragungsergebnisse werden zum Kongresstermin vorliegen.

Diskussion

Die Erhebung wird einen Überblick über die Organisation und Praxis der hausärztlichen Palliativversorgung von Menschen am Lebensende in einer kleinstädtisch-ländlich geprägten Region in Niedersachsen geben. Die erhobenen Daten bilden die Grundlage für die im OPAL-Projekt geplante Intervention.

Take Home Message für die Praxis

Der HA-BeL-Fragebogen erlaubt eine praxisnahe Einschätzung der hausärztlichen Palliativversorgung. Anhand der Projektdaten kann eine gezielte Weiterentwicklung der hausärztlichen Palliativversorgung in den Untersuchungsregionen erfolgen.

Stichwörter: Palliativversorgung, hausärztliche Versorgungspraxis, Befragung
15:00 V81-02

Ideen zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen für allgemeine ambulante Palliativversorgung aus den Perspektiven von Ärzt_innen, Pflegefachpersonen und Medizinischen Fachangestellten (#109)

H. Ewertowski1, N. Schneider1, S. Stiel1

1 Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin, Hannover, Niedersachsen, Deutschland

Hintergrund

Die allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV) ist zunehmend in das Bewusstsein von Politik und Fachvertreter_innen gerückt, dennoch ist die AAPV nach wie vor vergleichsweise wenig strukturiert und standardisiert. Ziel dieser Arbeit ist es, Ideen zur Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen der AAPV zu generieren.

Fragestellung

Durch Veränderung welcher Rahmenbedingungen könnte die AAPV aus Sicht von Akteur_innen in der AAPV und an ihren Schnittstellen verbessert werden?

Methoden

Die vorliegende Arbeit ist Teil der Nachwuchsforschergruppe „Allgemeine ambulante Palliativversorgung in der hausärztlichen Praxis“ (BMBF FK01GY1610). In der ersten Projektphase wurden Faktoren identifiziert, die AAPV fördern und hemmen. Aufbauend darauf wurden in 9 Gruppendiskussionen mit insgesamt 28 Teilnehmenden (10 Hausärzt_innen, 3 Klinikärzt_innen, 12 Pflegefachpersonen, 3 Medizinische Fachangestellte) Verbesserungsvorschläge für Rahmenbedingungen der AAPV entwickelt. Die Gruppendiskussionen wurden inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse

1) Strukturelle Rahmenbedingungen: Versorgende sehen Veränderungspotential in Krankenkassen, indem z.B. eine spezifische Abteilung für Palliativpatienten aufgebaut wird, um eine schnellere Antragsbearbeitung zu ermöglichen. Weiterhin befürworten Leistungserbringer_innen die Einbindung von ‚Koordinationskräften‘ oder Palliative Care-Kräften in Hausarztpraxen für die AAPV.

2) Rechtliche Rahmenbedingungen: Die AAPV könnte aus Sicht der Versorgenden z.B. von einer rechtlichen Erlaubnis für Pflegefachpersonen zur Hilfsmittelverordnung profitieren, da Patient_innen so schneller Hilfsmittel bereitgestellt und Hausärzt_innen entlastet werden könnten.

3) Finanzielle Rahmenbedingungen: Hausärzt_innen betonen, dass die AAPV aus ihrer Sicht in der konkreten Versorgung genauso aufwendig wie die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ist. Gerade die umfassende Versorgungsplanung mit Patienten und ihren Angehörigen benötigt Zeit, weshalb Versorgende eine höhere Vergütung sprechender Medizin befürworten.

Diskussion

Die von den Leistungserbringer_innen entwickelten Ideen könnten dazu beitragen, die AAPV und ihre Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln. Die Implementierung und Machbarkeit wird Gegenstand weiterer Forschung sein.

Take Home Message für die Praxis

Ein Kernergebnis ist der hohe Aufwand in der AAPV, der der SAPV aus Sicht der Versorgenden kaum nachsteht, sich aber in den (Vergütungs-)Strukturen nicht abbildet. Hier stellen sich Fragen der konzeptionellen Abgrenzung bzw. Integration.

15:15 V81-03

Lebenswelt Demenz: Bedarfsanalyse medizinischer und nicht-medizinischer Versorgungspfade zur Entlastung von Demenzpatienten und deren Hauptpflegepersonen in häuslicher Betreuung in Südtirol  (#148)

B. Plagg1, S. Elsen2, A. Mahlknecht1, G. Piccoliori1, W. Lorenz2, A. Engl1

1 Institut für Allgemeinmedizin, Bozen, Italien
2 Universität Bozen, Fakultät für Bildungswissenschaften, Brixen, Italien

Hintergrund

In Südtirol werden Personen mit Demenz häufig bis zum schweren Krankheitsstadium von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt. Zahlreiche Studien bestätigen, dass die Entlastung von pflegenden Angehörigen einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Pflegenden und seinem Patienten hat, und durch die Aufrechterhaltung einer positiven und ressourcenschonenden Pflegesituation ein längerfristiger Weiterverbleib im häuslichen Ambiente gewährleistet wird. Dennoch ist die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten nicht selbstverständlich, da die Stigmatisierung und Tabuisierung der Erkrankung, sowie die klassischen Rollenerwartungen an Angehörige als Barrieren insbesondere innerhalb ruraler und strukturschwacher Gebiete wie Südtirol als hemmende Faktoren wirken. Vor diesem Hintergrund ist die Analyse des Unterstützungsbedarfs und die Erhebung potentieller soziokultureller und struktureller Barrieren in der Inanspruchnahme der erste Schritt, um eine gezielte Intervention und einen effizienten Ausbau des Unterstützungssystems zu gewährleisten.

 

Fragestellung

Welchen medizinischen und nicht-medizinischen Unterstützungsbedarf haben Demenzpatienten und ihre Hauptpflegepersonen in Südtirol? Welche Barrieren in der Inanspruchnahme von Entlastungsangeboten lassen sich identifizieren? 

 

Methoden

Die Bedarfsanalyse erfolgt mittels quantitativen Fragebogen (nach Vorbild des MoDEM-Fragebogens der Hochschule Fulda), ergänzt von einer qualitativen Erhebung. Der quantitative Fragebogen inklusive Fallvignette richtet sich sowohl an Betroffene, als auch an Nicht-Betroffene, um die gesamtgesellschaftliche Perzeption der Erkrankung im Sinne einer Stigmatisierung und Tabuisierung zu erfassen. Die qualitative Erhebung erfolgt mittels Leitfadeninterviews und erhebt den Unterstützungsbedarf betroffener Familien.

Ergebnisse

Die quantitative Erhebung begann Ende März 2019, die qualitative Erhebung wird im Juli 2019 beginnen. Auf dem Kongress werden neben Hintergrund und Studiendesign die ersten Ergebnisse vorgestellt.

Diskussion

Neben der Erhebung des Unterstützungsbedarfs ist eine Identifizierung der soziokulturellen Perzeption der Erkrankung und das damit verbundene lokal vorherrschende Verständnis von Pflege eine notwendige Voraussetzung, um eine ressourcenschonende und gezielte Gestaltung der Entlastungsangebote zu ermöglichen.

Take Home Message für die Praxis

Nach Auswertung der Ergebnisse können Bedarf und Barrieren in der Unterstützung demenzieller Patienten formuliert werden.

Stichwörter: Demenz, häusliche Pflege, Entlastungsangebote, Barrieren
15:30 V81-04

Der geriatrische Patient in der Hausarztpraxis – interprofessionelle Fallbesprechungen als Versorgungskonzept der Zukunft (#368)

A. Höfle1, S. Heinmüller1, T. Kühlein1, M. Roos1

1 Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Allgemeinmedizinisches Institut, Erlangen, Bayern, Deutschland

Hintergrund

Im ambulanten Bereich hat der Hausarzt die tragende Rolle bei der Versorgung geriatrischer Patienten inne. In Zukunft werden immer mehr betagte Menschen von immer weniger Hausärzten versorgt werden müssen. Tabletten und andere medizinische Maßnahmen sind nicht immer die richtigen Lösungen für die Probleme dieser Patienten. Ein Lösungsansatz scheint in der interprofessionellen Versorgung zu liegen. Im Rahmen des Projekts „Modellpraxis MVZ Eckental“ wurde das Konzept interprofessioneller Fallbesprechungen geriatrischer Patienten pilotiert. Anhand eines im Vorfeld durchgeführten Assessments wurden nach Vorstellung und interprofessioneller Diskussion Versorgungsempfehlungen für Patienten gegeben, die auf eine Verbesserung der Versorgung abzielen.

Fragestellung

  • Wie muss das interprofessionelle Team zusammengesetzt sein und welche Informationen werden benötigt?
  • Welche Arten von Empfehlungen wurden erarbeitet und wie wurden diese in der Versorgung umgesetzt?
  • Wie bewerten die Mitglieder des interprofessionellen Teams den Aufwand und Nutzen der Fallbesprechungen?
  • Welche Rahmenbedingungen werden vorgeschlagen, um eine interprofessionelle Zusammenarbeit zu ermöglichen?

Methoden

Zur Evaluation wurde der qualitative Ansatz einer Fokusgruppendiskussion mit den Mitgliedern des interprofessionellen Teams am Ende der Pilotphase gewählt.  Die Diskussion dauerte knapp drei Stunden, wurde auf Tonband aufgenommen und wortgetreu transkribiert. Es erfolgte eine inhaltsanalytische Auswertung durch induktives Codieren und Kategorienbildung.

Ergebnisse

Das bisher ausgewertete Datenmaterial zeigt eine hohe Zustimmung aller Beteiligten zum Konzept der interprofessionellen Fallbesprechungen. Es konnten Ansätze zur Verbesserung  sowohl auf struktureller Ebene (z.B. Umfang und Frequenz der Fallbesprechungen) wie auch auf inhaltlicher Ebene (z.B. Informationsumfang des Assessments oder Auswahl von Patienten) generiert werden. Darüber hinaus wurden Barrieren und Chancen für die Umsetzung in der Regelversorgung identifiziert.

Diskussion

Die Beteiligten sehen im Konzept von interprofessionellen Fallbesprechungen eine sinnvolle Möglichkeit zur Verbesserung der Versorgung geriatrischer Patienten in der Hausarztpraxis. Die Pilotierung zeigte Möglichkeiten zur strukturellen und inhaltlichen Weiterentwicklung auf.

Take Home Message für die Praxis

Mit diesem Beitrag soll ein Vorschlag zur zukünftigen Versorgung geriatrischer Patienten durch ein interprofessionelles Team unter hausärztlicher Führung gemacht werden, der Hausärzte vor dem Hintergrund eines steigenden Versorgungsauftrags entlastet.

Stichwörter: Hausärzte, interprofessionelle Zusammenarbeit, geriatrischer Patient, innovative Versorgungskonzepte