EbM 2021
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Vorträge: Covid-19 Studien

Moderatoren: Salloch, Sabine, Professor (Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin, Hannover, Deutschland)
 
Shortcut: V-2
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 10:15 - 11:45
Raum: Session
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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10:15 V-2-01

Restlebenserwartung als Kriterium bei der Allokation knapper intensivmedizinischer Ressourcen. Eine juristische Bestandsaufnahme (#2)

J. Hübner1, D. M. Schewe2, A. Katalinic1, 3, F. - S. Frielitz1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I, Kiel, Schleswig-Holstein, Deutschland
3 Universität zu Lübeck, Institut für Krebsepidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Covid-19-Pandemie hat die Frage aufgeworfen, nach welchen Grundsätzen knappe Intensivkapazitäten zugeteilt werden sollen. Zweifelhaft ist insbesondere, ob eine Rolle spielen darf, wie viele Lebensjahre bei verschiedenen in Betracht kommenden Allokationsentscheidungen jeweils gerettet werden. Insoweit konkurrieren utilitaristische Überlegungen mit dem Prinzip der Lebenswertindifferenz. Wir haben juristische Aspekte dieser Frage untersucht.

Methoden

Selektive Recherche in juristischer Fachliteratur, Rechtsprechung und Bekanntmachungen relevanter Institutionen

Ergebnisse

Der Ausbruch der Pandemie hat zu einer verstärkten Aufmerksamkeit für Rechtsprobleme des rechtfertigen Notstandes (§ 34 StGB) und der rechtfertigenden Pflichtenkollision geführt. Der Ertrag ist bislang gering. Die wohl herrschende Meinung beruft sich auf das Bundesverfassungsgericht, nach dem Art. 2 Abs. 2 Satz 1 i.V. mit Art. 1 Abs. 1 GG gebietet, jedes menschliche Leben als gleich wertvoll zu erachten. Es darf danach „keiner irgendwie gearteten unterschiedlichen Bewertung […] unterworfen werden“. Nicht hinreichend beachtet wird in diesem Zusammenhang, dass die Grundrechte zunächst nur den Staat verpflichen. Ärztinnen und Ärzte üben jedoch keine staatlichen Funktionen aus. Übergeordneter Maßstab ihrer Berufsausübung sind ihr Gewissen, die Gebote der ärztlichen Ethik und der Menschlichkeit (§ 2 Abs. 1 MBO-Ä 1997). An diesem Maßstab gemessen erscheint es den Autoren in einer Situation „katastrophaler Knappheit“ (Ethikrat) zumindest bei gleichen Erfolgsaussichten der Behandlung zulässig, einen jüngeren Menschen gerade wegen der altersbedingt größeren Restlebenserwartung gegenüber einem älteren zu bevorzugen. Akzeptiert man diese Sichtweise, stellen sich zwei weitere Fragen, die bislang nicht geklärt sind: 1. Darf eine deutlich höhere Restlebenserwartung die Allokationsentscheidung auch dann beeinflussen, wenn die Erfolgsaussichten nicht gleich sind? 2. Engt es den Ermessensspielraum ein, wenn bei einem der konkurrierenden Patienten die intensivmedizinische Behandlung bereits begonnen wurde?

Schlussfolgerung

Die erfolgreiche Kontrolle des Krankheitsgeschehens in der Covid-19-Pandemie hat dafür gesorgt, dass tragische Priorisierungsentscheidungen am Krankenbett in Deutschland nicht notwendig wurden. Dass dies bei einer zweiten Welle oder einer anderen Pandemie auch so sein wird, kann man nur hoffen. Eine Klärung der aufgeworfenen Rechtsfragen ist im Interesse der behandelnden Ärztinnen und Ärzte dringend zu wünschen.

Literaturangaben

Hübner J, Schewe DM, Katalinic A, Frielitz FS. Rechtsfragen der Ressourcenzuteilung in der COVID-19-Pandemie. Zwischen Utilitarismus und Lebenswertindifferenz. Dtsch Med Wochenschr 2020; 145(10): 687-692

Interessenkonflikte

Die Autoren geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Stichwörter: Triage, Priorisierung, Intensivmedizin, Covid-19-Pandemie, Rechtsfragen
10:30 V-2-02

‘Good enough’? – Evaluating evidence generation for treatment recommendations on pharmaceutical therapies during the COVID-19 pandemic (#112)

S. Wüstner1, S. Hogger1, F. Leverkus2

1 AMS Advanced Medical Services GmbH, München, Bayern, Deutschland
2 Pfizer Deutschland GmbH, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Within the early COVID-19 pandemic, the established principles of evidence-based medicine were partly overridden since immediate actions were required to fight serious disease. Many critically ill patients were treated experimentally and the authors of treatment recommendations (guidelines and consensus statements) had to deal with a great level of uncertainty due to a lack of robust data from clinical trials. To evaluate how evidence was generated, we analysed the impact of studies from different evidence levels on treatment recommendations. In particular, we focused on data from non-randomised and observational studies and how they informed hypotheses and designs of RCTs during the early COVID-19 pandemic.

Methoden

Based on current and archived treatment recommendations we identified considered and established pharmaceutical treatment options for critically ill patients with COVID-19. The body of evidence for these drugs (observational and interventional trials systematically identified) was described in terms of evidence grade, design, consistency, applicability, and limitations. We analysed variables that reflect the quality of the evidence resulting in specific treatment recommendations or changes in those over time.

Of particular interest were RCTs, which were initiated relatively quickly by public authorities and national institutes. We compared results and evidence from RCT to upstream/parallel non-RCT evidence to explain how non-randomised and observational studies influenced RCTs. Reasons for a possible lack of consistency between the studies were explored in in-depth analyses of the characteristics determining the quality of evidence.

Ergebnisse

We found that international guidelines evaluated the evidence of drugs of following categories for the treatment of COVID‑19: anti-viral (e.g. remdesivir, [hydroxy-]chloroquine), anti-inflammatory (e.g. corticosteroids), and anti-thrombotic (e.g. anticoagulants). The well-designed RCTs such as SOLIDARITY (WHO), RECOVERY (UK), DISCOVERY (Inserm), and ACTT (NIAID) delivered robust evidence that had great implications for clinical care. Their design and conduct were largely informed by observations made in cohort studies.

Schlussfolgerung

The simultaneous coexistence of studies of different quality and evidence levels result in complex interactions and mutual influences. It is therefore important to systematically and critically review the various sources of evidence to learn how to deal with limited time and resources in future pandemics.

Interessenkonflikte

Stefanie Wüstner und Sara Hogger:

Angestellt bei AMS Advanced Medical Services GmbH, die Aufträge von diversen pharmazeutischen Unternehmen erhält.

Friedhelm Leverkus:

Angestellt bei Pfizer Deutschland GmbH

Stichwörter: COVID-19, evidence generation, treatment guidelines, evidence level
10:45 V-2-03

Die Situation von älteren Menschen zu Beginn der COVID-19 Pandemie – ein Scoping Review (#134)

R. Möhler1, B. Gärtner2, J. Fuchs2, G. Meyer3, C. Scheidt-Nave2

1 Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland
2 Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, Berlin, Deutschland
3 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Alter ist ein Risikofaktor für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19 Erkrankung. Daher wurden in vielen Ländern für ältere Menschen besondere Maßnahmen ergriffen, wie Kontakteinschränkungen in Langzeitpflegeeinrichtungen und Empfehlungen zur Selbstisolation. Diese Maßnahmen bedeuteten eine massive Einschränkung, besonders für pflegebedürftige Personen. Das Ziel dieses Scoping Reviews war die systematische Beschreibung von Themen in Publikationen mit Bezug zu COVID-19 und älteren Menschen zu Beginn der Pandemie. Der Schwerpunkt lag dabei auf drei Handlungsfeldern mit großer Bedeutung für ältere Menschen (Grube et al. 2017): (1) Lebenswelt, (2) Aktivität und Teilhabe und (3) gesundheitliche und funktionelle Ressourcen.

Methoden

Der Scoping Review wurde nach der Methode von Arksey und O'Malley (2005) erstellt. Die systematische Literaturrecherche erfolgte in einer vom Robert Koch-Institut geführten Datenbank mit Publikationen zur COVID-19 Pandemie (Juni 2020). Für diese Datenbank wurden regelmäßig die Fachdatenbanken Medline, Embase sowie verschiedenen Preprint-Server durchsucht. Zusätzlich wurden Stellungnahmen und Positionspapiere auf den Internetseiten von 14 nationalen Gruppierungen (Fachgesellschaften, Selbsthilfeorganisationen und Forschungsnetzwerke) recherchiert. Die Auswahl der Studien erfolgte für die drei Handlungsfelder durch zwei unabhängige Reviewer. Für alle eingeschlossenen Dokumente und Publikationen erfolgte eine thematische Analyse und Synthese.

Ergebnisse

Von den 50.108 Publikationen in der RKI Datenbank erfüllten 150 die Einschlusskriterien; von den 57 identifizierten Beiträgen nationaler Gruppierungen wurden 47 eingeschlossen. Die Mehrzahl der Dokumente waren Diskussionspapiere. Inhaltlich zeigten sich Überschneidungen. Soziale Isolation und Einsamkeit als Folge der Kontaktbeschränkungen und Diskriminierung aufgrund des Alters wurden in allen Handlungsfeldern thematisiert. Ein weiteres Thema war das Risiko von schweren Verläufen nach einer COVID-19 Infektion bei älteren Menschen.

Schlussfolgerung

Die Mehrzahl der eingeschlossenen Publikationen schätzte die Folgen der Kontaktbeschränkung für ältere Menschen als sehr negativ ein. Alter pauschal als Risikofaktor anzusehen, wurde ebenfalls als unangemessen beurteilt. Die geringe Zahl der empirischen Studien lässt sich zum Teil mit dem kurzen Zeitraum seit Ausbruch der Pandemie erklären.

Literaturangaben

Grube et al. Entwicklung eines Rahmenkonzepts für ein Public-Health-Monitoring der Bevölkerung ab 65 Jahren: Ergebnisse des IMOA-Workshops zu Konzepten und Indikatoren. Bundesgesundheitsblatt 2017;60:879-82

Interessenkonflikte

Keine

Stichwörter: Covid-19, ältere Menschen, Scoping Review
11:00 V-2-04

Pflegeheime in der COVID-19-Krise (HEICO) – Belastungen, Herausforderungen und Chancen der Pandemie – eine thematische Analyse (#166)

M. Sander1, A. Bieber2, A. Dammermann3, S. Fleischer2, M. N. Dichter1

1 Universitätsklinikum Köln (AöR), Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
3 Universität zu Lübeck, Sektion Forschung und Lehre in der Pflege, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Während der COVID-19-Pandemie wurden in Deutschland Infektionsschutzmaßnahmen angeordnet, die in Pflegeheimen als Kontaktbeschränkungen, Besuchsverbote, Kohortierung und spezielle Hygienemaßnahmen umgesetzt wurden. Ziel von HEICO ist die Analyse und Beschreibung von Herausforderungen und Konsequenzen der Pandemie in der stationären Altenpflege. Diese multizentrische Studie wurde als qualitative Interviewstudie durchgeführt, um die diesbezüglichen Auswirkungen aus Sicht der Beteiligten in den Einrichtungen abbilden zu können.

Methoden

Mittels einer qualitativen Querschnittsstudie wurden anhand eines strukturierten Leitfadens in bundesweiter Verteilung Interviews mit Wohnbereichs- und Einrichtungsleitungen stationärer Altenpflegeeinrichtungen nach SBG XI durchgeführt.

Die Datenanalyse erfolgte anhand der Thematic framework analysis nach Ritchie und Spencer (1994). Hierbei wird das vorhandene Datenmaterial anhand einer ersten induktiven Analyse geclustert und im zweiten Schritt mit dem Interviewleitfaden zusammengeführt, sodass ein Analyserahmen mit thematischen Codes entsteht. Anhand diesem erfolgt die Indexierung und Auswertung der jeweiligen Interviewinhalte, sodass im letzten Schritt der Analyse das extrahierte Datenmaterial abgebildet und interpretiert werden kann.

Ergebnisse

Von April bis Juni 2020 wurden 40 Interviews mit Einrichtungsleitungen sowie 39 Interviews mit Wohnbereichsleitungen aus 42 Einrichtungen durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass die Pandemie mit heterogenen Herausforderungen für die Organisation und Durchführung der Pflege in den Einrichtungen einhergeht. Hierzu zählen unter anderem ein Mehraufwand durch die Umsetzung der Vorgaben und mangelnde Unterstützung durch lokale und kommunale Akteure. Die Pandemie führt zu einer emotionalen und psychischen Belastung auf Seiten der Pflegenden. Zudem stellen die Maßnahmen im Zusammenhang mit der schrittweisen Lockerung der Besuchsverbote und den einhergehenden organisationalen Veränderungen im Ablauf einen erheblichen Mehraufwand dar, der mit Ängsten der Pflegenden vor einem erneuten Infektionsanstieg einhergeht.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse ermöglichen es, anhand von Beschreibungen aus den Einrichtungen während der frühen Phase der Pandemie und der späteren relativen Stabilität, Hinweise auf gelungene Anpassungsprozesse zu geben und Grundlagen für mögliche Konzepte zu entwickeln, um künftige ähnliche Herausforderungen bewältigen zu können.

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenkonflikte.

Stichwörter: stationäre Langzeitpflege, COVID-19-Pandemie, Herausforderungen, Chancen, qualitative Querschnittstudie
11:15 V-2-05

Barrieren und Förderfaktoren in der Primärversorgung während der COVID-19-Pandemie in Baden-Württemberg aus Sicht grundversorgender Ärzt*innen (PrimaryCovCare/ „MWK Lessons learned COVID-19“) (#169)

S. Stengel1, C. Roth1, A. Breckner1, L. Cordes1, F. Peters-Klimm1, S. Schwill1, J. Szecsenyi1, M. Wensing1

1 Universitätsklinikum Heidelberg, Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung, Heidelberg, Baden-Württemberg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

An der Bewältigung der COVID-19-Pandemie sind verschiedene Akteure des Gesundheitswesens beteiligt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung wurden in Deutschland 86% der COVID-19-Patient*innen bislang ambulant versorgt. Weltweit ist das komplexe Einwirken der COVID-19-Pandemie auf den primärärztlichen Bereich beschrieben (1). Der Zeitpunkt der Umsetzung eines nationalen Pandemieplans sowie das Gelingen der Mobilisierung des grundversorgenden Sektors könnten einen Einfluss auf die Mortalitätsrate haben (2). In Baden-Württemberg sind im ambulanten Setting neben der hausärztlichen Versorgung und den Strukturen des öffentlichen Gesundheitsdienstes neue Versorgungsformen in Form von Corona-Anlaufstellen unter Trägerschaft der Kassenärztlichen Vereinigung entstanden: Am 15.06.2020 gab es 51 zentrale Fieberambulanzen, 204 Corona-Schwerpunktpraxen und 16 Abstrichstellen. Am 08.09.2020 waren acht zentrale Fieberambulanzen, 897 Corona-Schwerpunktpraxen und 36 Abstrichstellen geöffnet.

Das Ziel der vorliegenden Studie ist die Erfassung von Konzepten, Anpassungen sowie kurz- und langfristigen Barrieren und Förderfaktoren für eine gelingende ambulante Versorgung aus Sicht grundversorgender Ärzt*innen in unterschiedlichen Phasen einer Pandemie am Beispiel von COVID-19 in Baden-Württemberg.

Methoden

Die Studie ist in ein Verbundprojekt der allgemeinmedizinischen universitären Einrichtungen in Baden-Württemberg integriert, welches durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) gefördert wird (Federführung Universitätsklinikum Tübingen mit den Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg und Ulm).

In der nicht-interventionellen Beobachtungsstudie werden die Daten mittels semistrukturierter, leitfadengestützter Telefoninterviews mit Hausärzt*innen und Leiter*innen von Corona-Anlaufstellen erhoben. Die pseudonymisierten Transkripte werden qualitativ ausgewertet.

Ergebnisse

Es wurden seit 22. Juli 2020 36 semistrukturierte, leitfadengestützte Telefoninterviews mit leitenden Ärzt*innen aus o.g. Gruppen durchgeführt. Geplant sind weitere Interviews bis zum Erreichen einer Datensättigung. Wir erwarten zum Kongresszeitpunkt das Vorliegen erster Ergebnisse.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse sollen Erkenntnisse aus den primärärztlichen Erfahrungen gewinnen, die eine kurz-, mittel- und langfristige Weiterentwicklung für Pandemiekonzepte und -steuerung im ambulanten Setting ermöglichen sollen.

Literaturangaben

 

  1. Rawaf S, Allen LN, Stigler FL, Kringos D, Quezada Yamamoto H, van Weel C; Global Forum on Universal Health Coverage and Primary Health Care. Lessons on the COVID-19 pandemic, for and by primary care professionals worldwide. Eur J Gen Pract. 2020 Dec;26(1):129-133. doi: 10.1080/13814788.2020.1820479. PMID: 32985278.
  2. Goodyear-Smith F, Kinder K, Mannie C, Strydom S, Bazemore A, Phillips RL Jr. Relationship between the perceived strength of countries' primary care system and COVID-19 mortality: an international survey study. BJGP Open. 2020 Sep 8: bjgpopen20X101129. doi: 10.3399/bjgpopen20X101129. Epub ahead of print. PMID: 32900707.

Interessenkonflikte

S. Stengel hat in der Anfangsphase der Pandemie den Aufbau einer Fieberambulanz im Landkreis Karlsruhe organisiert (24.03.-07.04.2020) und dafür eine Aufwandsentschädigung von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg erhalten. Die anderen Autor*innen geben an, keine Interessenskonflikte zu haben.

Stichwörter: primary care physicians, COVID-19, pandemic, primary care
11:30 V-2-06

ExpertInnenräte in der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland: Eine Dokumentenanalyse aus Public Health Perspektive (#178)

L. Saringer-Hamiti1, 2, K. Sell1, 2, K. Geffert1, 2, B. Strahwald1, 2, J. Stratil1, 2, L. Pfadenhauer1, 2

1 Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie – IBE, Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung, Ludwig- Maximilians-Universität München, München, Bayern, Deutschland
2 Pettenkofer School of Public Health, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

In der SARS-CoV-2-Pandemie muss die Politik weitreichende Entscheidungen treffen. Diese sollten von wissenschaftlichen Erkenntnissen gestützt werden. Angesichts der meist limitierten Evidenz in Krisensituationen stellt dies eine große Herausforderung dar. Wissenschaftliche ExpertInnen können hier eine Brückenfunktion einnehmen und dazu beitragen, die Evidenzlage zu vermitteln und kontextualisieren. Die Zusammensetzung sogenannter ExpertInnenräte hat jedoch Fragen aufgeworfen, wie transparent die Prozesse sind und wie repräsentativ die Auswahl der Beteiligten ist.

Unser Forschungsvorhaben untersucht, ob und wie ExpertInnenräte in Deutschland auf Bundes- und Landesebene einberufen wurden, um die Regierungen in der SARS-CoV-2-Pandemie zu beraten. Von Interesse sind die disziplinäre Zusammensetzung, die Genderverteilung und die Transparenz der Einberufung, Arbeitsabläufe und -ergebnisse dieser Gremien.

Methoden

Wir führen eine mehrstufige Dokumentenanalyse durch. Zwischen Mai und August 2020 wurden Anfragen an die jeweiligen Regierungseinrichtungen der Länder und die Bundesministerien gestellt. Ergänzend wird eine Sichtung und Analyse der i) Pandemiepläne, ii) der offiziellen Pressemitteilungen, iii) der kleinen Anfragen auf Bundes- und auf Landesebene und iv) deutscher Leitmedien zu ExpertInnenräten im SARS-CoV-2-Kontext für den Zeitraum von Januar bis Ende Oktober 2020 durchgeführt. Die Auswertung erfolgt mittels Inhaltsanalyse.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die Einsetzung von ExpertInnenräten ist nur vereinzelt in den Pandemieplänen der Länder sowie im Pandemieplan des Bundes vorgesehen, dennoch etablierten sieben Bundesländer entsprechende Gremien. Der Frauenanteil dabei beträgt insgesamt 26%. Am häufigsten sind medizinische Fachbereiche vertreten, wie Virologie, Infektiologie oder Intensivmedizin. Weitere Disziplinen (Wirtschaft, Rechtswissenschaften und Soziologie) und nichtwissenschaftliche ExpertInnen sind in zwei Bundesländern vertreten.
Die SARS-CoV-2-Pandemie hat zu einer verstärkten Konsultation von ExpertInnen durch die Politik geführt. Die Zusammensetzung entsprechender Gremien in Deutschland ist vorwiegend medizinisch geprägt und weist ein unausgeglichenes Genderverhältnis auf. Ihre Einberufung und Arbeitsweise sind bislang unzureichend transparent. Unsere Ergebnisse können die Grundlage zukünftiger Untersuchungen zur Rolle von ExpertInnen in der politischen Entscheidungsfindung in der SARS-CoV-2-Pandemie bilden.

Literaturangaben

Rajan D, Koch K, Rohrer K, Bajnoczki C, Socha A, Voss M, et al. Governance of the Covid-19 response: a call for more inclusive and transparent decision-making. BMJ Glob Health 2020;5:e002655.

Interessenkonflikte

Die AutorInnen erklären, dass keine Interessenskonflikte bestehen.

Stichwörter: SARS-CoV-2, Politikberatung, Experte, Gender, Dokumentenanalyse