EbM 2021
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Vorträge: Evidenz suchen und synthetisieren

Moderatoren: Lühmann, Dagmar, Dr. (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Hamburg)
 
Shortcut: V-4
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 13:00 - 14:30
Raum: Session
Sessiontyp: Vortrag

Abstract

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13:00 V-4-01

Drei Jahre RefHunter: zum aktuellen Stand und zur Weiterentwicklung eines Manuals für systematische Literaturrecherche in Fachdatenbanken (#59)

J. Hirt1, 2, T. Nordhausen1

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland
2 OST (ehemals FHS St.Gallen), Departement Gesundheit, Institut für Angewandte Pflegewissenschaft, St.Gallen, Schweiz

Hintergrund/Fragestellung

Im Februar 2018 haben wir die erste Version eines Manuals zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken (RefHunter) veröffentlicht, welches nicht-kommerziell unterhalten wird und frei verfügbar ist. Seither erschienen in regelmäßigen Abständen vier umfangreiche Aktualisierungsversionen, zu denen neben den Autoren circa 40 weitere Personen konzeptionell oder inhaltlich beigetragen haben. Mit dem Manual verfolgen wir das Ziel, einen Beitrag zu einer einheitlichen und methodisch hochwertigen Vorgehensweise bei der Literaturrecherche in den Gesundheitswissenschaften zu leisten, indem Forschende und andere Zielgruppen (z. B. Studierende, Praktizierende) dabei unterstützt werden, sich in der Vielzahl unterschiedlicher Fachdatenbanken zurechtzufinden und datenbankspezifische Suchstrategien zu entwickeln.

Methoden

Für jede in RefHunter enthaltene Fachdatenbank wurde ein tabellarisches Informationsblatt zu deren grundlegenden Funktionen und Spezifika durch eine Person mit Expertise erstellt und durch eine andere Person begutachtet. Zusätzlich wurde eine zehnschrittige Vorgehensweise zur Literaturrecherche in Fachdatenbanken entwickelt. Ein Recherchekompass, der die Fachdatenbanken des Manuals nach thematisch-methodischen Schwerpunkten einteilt, dient als Unterstützungshilfe bei der Fachdatenbankauswahl. Basierend auf dem Feedback der Nutzenden unterliegt RefHunter einem permanenten Überarbeitungs- und Weiterentwicklungsprozess.

Ergebnisse

RefHunter enthält Informationsblätter von mehr als 70 Fachdatenbanken und wurde mittlerweile circa 20.000 Mal heruntergeladen. Im Zuge der Erweiterung des Manuals durch die Aufnahme von zusätzlichen Informationsblättern und die Integration von weiteren Funktionen entwickelte sich die Aufrechterhaltung eines nutzerfreundlichen Formats, welches eine optimierte Navigation zu den gewünschten Inhalten ermöglicht, als zentrale Herausforderung.

Schlussfolgerung

Wir streben daher den Übergang auf ein webbasiertes Manual an, wozu uns nun Fördermittel zugesprochen wurden. Zukünftig sind zudem kontrollierte Bearbeitungsmöglichkeiten von Seiteninhalten durch die Nutzenden möglich. Der EbM-Kongress hat sich seit Anbeginn des Manuals als hervorragendes Medium erwiesen, um mit den Nutzenden des Manuals in den Austausch zu treten und gleichzeitig die EbM-Community sowie weitere Gäste über den aktuellen Stand des Manuals zu informieren.

Interessenkonflikte

Die Autoren geben an, dass keine Interessenskonflikte bestehen.

13:15 V-4-02

Searching electronic databases aiming to retrieve studies in dementia care: optimal database combination based on a scoping review (#60)

J. Hirt1, 2, J. M. Bergmann3, 4, M. Karrer1

1 Eastern Switzerland University of Applied Sciences (formerly FHS St.Gallen), Department of Health, Institute of Applied Nursing Sciences, Center for Dementia Care, St.Gallen, Schweiz
2 Martin Luther University Halle-Wittenberg, Medical Faculty, Institute for Health and Nursing Science, International Graduate Academy, Halle (Saale), Deutschland
3 German Centre for Neurodegenerative Diseases (DZNE), Witten, Deutschland
4 University Witten/Herdecke, Faculty of Health, Department for Nursing Science, Witten, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

For evidence synthesis, electronic database retrieval is a core component of systematic and comprehensive literature searching as indicated by current methodological guidance. Such databases cover different health topics and references but also show overlaps. With regard to evidence synthesis in dementia care research, it is unclear which combination of databases might ensure optimal research efficiency (i.e. retrieving most of the eligible references by using a minimum number of databases). We aimed therefore to identify the optimal database combination for evidence synthesis using a dementia-specific research question.

Methoden

Based on a previously conducted scoping review on facilitators and barriers to implementing nurse-led interventions in dementia care using a comprehensive literature search in eight databases (CENTRAL, CINAHL, Embase, Emcare, MEDLINE, Ovid Nursing Database, PsycINFO, and Web of Science Core Collection) and citation tracking, we retrospectively analysed database overlap and unique references using cross tables and descriptive statistics. Additionally, we analysed similarity of databases using a multiple correspondence analysis (MCA). MCA is a descriptive data analysis technique that simplifies the presentation of complex data.

Ergebnisse

Our search in eight databases and citation tracking of included studies retrieved 10.527 references. Of these, 6944 were duplicates and 3583 were unique references. Searching CINAHL, MEDLINE, and Web of Science as well as conducting backward and forward citation tracking was necessary to identify all the included studies of our final sample. MCA resulted in considerable overlaps in some databases using our search strategies such as CINAHL, PsycINFO, and Emcare.

Schlussfolgerung

Searching CINAHL, MEDLINE, and Web of Science and to use citation tracking might be essential to identify studies for evidence synthesis in dementia care research. Additional screening of studies retrieved by other databases might therefore be avoided. Since our study represents one case, the generalisability of the results is limited. Further methodological research on database coverage and overlaps is required to confirm our findings, e.g. as part of dementia-related systematic reviews. Thus, more certainty about optimal database retrieval in dementia care research could be achieved which might be helpful to wisely choose databases for efficient evidence synthesis methods.

Interessenkonflikte

All authors declare that there is no competing interest.

13:30 V-4-03

Automatisierte Einschätzung des Risikos für systematische Verzerrungen in randomisiert kontrollierten Studien: Eine diagnostische Studie zur Anwendung des RobotReviewers (#61)

J. Hirt1, 2, J. Meichlinger1, P. Schumacher3, G. Müller3

1 OST (ehemals FHS St. Gallen), Departement Gesundheit, Institut für Angewandte Pflegewissenschaft, St.Gallen, Schweiz
2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Internationale Graduiertenakademie, Halle (Saale), Deutschland
3 UMIT - Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik, Department für Pflegewissenschaft und Gerontologie, Institut für Pflegewissenschaft, Hall in Tirol, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

Das internetbasierte Tool RobotReviewer stellt in Aussicht, Forschende bei der Einschätzung des Verzerrungsrisikos von RCTs mittels maschineller Textanalyse zu unterstützen. Eine Untersuchung zu seiner Güte im Vergleich zur Einschätzung durch Menschen anhand von Studien aus mehreren Gesundheitsbereichen ergab eine Sensitivität zwischen .20 und .76 und eine Spezifität zwischen .61 und .90 des RobotReviewers für die verschiedenen Domänen des Verzerrungsrisikos. Unklar ist, ob das Verzerrungsrisiko von pflegewissenschaftlich relevanten RCTs mithilfe des RobotReviewers adäquat eingeschätzt werden kann. Das Ziel dieser Studie war daher die Bewertung der diagnostischen Güte bei pflegewissenschaftlich relevanten RCTs aus Cochrane Reviews.

Methoden

In unserer diagnostischen Studie haben wir RCTs aus Cochrane Reviews eingeschlossen, die im Titelfeld den Suchbegriff nurs* enthielten. Der RobotReviewer wurde als Indextest eingesetzt. Untersucht wurden die Domänen Randomisierung, Zuteilung und Verblindung. Als Referenztest wurde die Einschätzung des Verzerrungsrisikos in den eingeschlossenen Cochrane Reviews herangezogen. Sensitivität, Spezifität, prädiktive Werte und Cohen’s Kappa wurden berechnet. Die Datenextraktion erfolgte durch zwei Forschende unabhängig voneinander.

Ergebnisse

Der Auswahlprozess ergab 190 RCTs aus den Jahren 1958 bis 2016, die in 23 Cochrane Reviews enthalten waren. Die Sensitivität reichte von .44 bis .88 und die Spezifität von .48 bis .95. Der positive prädiktive Wert war am höchsten für verdeckte Zuteilung (.79) und am niedrigsten für die Verblindung von Datenerhebenden (.25). Cohens Kappa war mäßig für Randomisierung (.52), verdeckte Zuteilung (.60) und für die Verblindung von Studienpersonal sowie Patientinnen und Patienten (.43). Bei der Verblindung der Datenerhebenden gab es nur eine geringe Übereinstimmung (.04).

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse weisen auf eine mäßige Übereinstimmung zwischen der Einschätzung des RobotReviewers und den menschlichen Gutachtenden aus den Cochrane Reviews in Bezug auf Randomisierung und verdeckte Zuteilung sowie eine angemessene Sensitivität zur Erkennung eines geringen Risikos eines Selektionsbias hin. Basierend auf unseren Ergebnissen kann der Einsatz des RobotReviewers für einige Verzerrungsdomänen unterstützend eingesetzt werden. Allerdings sollte die automatisierte Einschätzung aufgrund seiner Fehleranfälligkeit durch menschliche Gutachtende geprüft werden.

Interessenkonflikte

Die Autorinnen und Autoren erklären, dass kein Interessenskonflikt besteht.

13:45 V-4-04

»Living« Rapid Reviews für die Pflegepraxis am Beispiel von COVID-19: Antiseptische Mund- Nasenspülungen zum Schutz der MitarbeiterInnen? (#139)

A. V. Toromanova1, M. Fangmeyer1

1 Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation, Krems, Nieder­österreich, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

Im Krankenhaus tätige Personen haben aufgrund ihrer beruflichen Anforderungen meist wenig Zeit, sich ausgiebig mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen. Für Pflegekräfte in Niederösterreich besteht deshalb die Möglichkeit, über eine Internetplattform, Fragen zu Problemen aus der Praxis an ein ExpertInnenteam zu stellen. Am evidenzbasierten Informationszentrum für Pflegende der Donau-Universität Krems werden auf Basis dieser Anfragen Rapid Reviews erstellt. Im April 2020 wurde das Zentrum mit der Erstellung eines RR zum Thema des Nutzens antiseptischer Mundspülungen in der Prävention von COVID-19-Infektionen beauftragt. Das Team identifizierte lediglich eine randomisierte kontrollierte Studie zu dieser Fragestellung, die jedoch noch nicht abgeschlossen war. Aufgrund der fehlenden Evidenz konnte das Team nicht beurteilen, ob eine antiseptische Mundspülung bei COVID-19-PatientInnen die Übertragung der Virusinfektion auf das Gesundheitspersonal wirksam verhindert.

Methoden

Bisher beantwortete das evidenzbasierte Informationszentrums für Pflegende die gestellten Fragen zeitnah zum Anfragezeitpunkt – weitere Aktualisierungen sind in der Regel nicht vorgesehen. Die gegenwärtige COVID-19-Krise verdeutlicht jedoch die Notwendigkeit sogenannter Living-Rapid-Reviews, also Evidenzsynthesen die aktualisiert werden, sobald neue relevante Evidenz zugänglich wird. Im angeführten Beispiel wissen wir bereits, dass eine Studie zum Thema durchgeführt und voraussichtlich im Dezember 2020 publiziert wird. Ebenso werden zu COVID-19 wissenschaftliche Erkenntnisse generell wesentlich schneller generiert als zu anderen Fragestellungen. Aus diesem Grund planen wir erstmalig die Umsetzung eines Living-Rapid-Reviews. In Anlehnung an die Cochrane-Methoden zu Erstellung von RRs wird im Jänner 2021 eine systematische Recherche in vier Datenbanken und einem Studienregister erfolgen. Die Suche wird auf Studien in englischer und deutscher Sprache eingeschränkt werden. Eine detaillierte Beschreibung des methodischen Vorgehens ist auf ebninfo.at zu finden.

Ergebnisse

Das Update wird die Ergebnisse der aktuell laufenden Studie und aller anderen bis dahin veröffentlichten Studien beinhalten und im Jänner 2021 auf ebninfo.at frei zugänglich sein.

Schlussfolgerung

Pflegepersonen erhalten so einen Überblick über die beste verfügbare Evidenz zum gegenständlichen Thema ohne eine neuerliche Anfrage stellen zu müssen, wodurch der Transfer aktueller Forschungsergebnissen in die Pflegepraxis verbessert wird.

Literaturangaben

Toromanova A., Fangmeyer M., Antiseptische Mundspülung bei PatientInnen mit COVID-19: Rapid Review. EbN Evidenzbasiertes Informationszentrum für Pflegende; Juni 2020. Verfügbar unter: https://ebninfo.at/antiseptische_Mundspuelung_Covid_19

Interessenkonflikte

Das Evidenzbasierte Informationszentrum für Pflegende ist durch den Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds finanziert.

Stichwörter: Living Rapid Review, COVID-19, Mund-Nasenspülung
14:00 V-4-05

Das Cochrane COVID-19 Studienregister – eine studienbasierte, strukturierte Datenbank zur effizienten Identifizierung wissenschaftlicher Evidenz (#187)

M. - I. Metzendorf1, J. Hildebrandt1, T. Jakob1, R. M. Featherstone2

1 Cochrane Metabolic and Endocrine Disorders Group, Institut für Allgemeinmedizin, Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf, Deutschland
2 Cochrane, Editorial and Methods Department, London, Großbritannien

Hintergrund/Fragestellung

Um während einer Pandemie Kliniker:innen und Wissenschaftler:innen ein möglichst effizientes Identifizieren der wissenschaftlichen Evidenz zu ermöglichen, ist ein aktuelles studienbasiertes Register essenziell, das wichtige Primärdatenbanken auswertet und die Auffindbarkeit relevanter Studien durch eine Klassifizierung nach Studiencharakteristika erhöht.

Methoden

Im Rahmen des vom Netzwerk Universitätsmedizin geförderten Projekts „Aufbau eines COVID-19 Evidenz-Ökosystems zur Verbesserung von Wissensmanagement und -translation (CEO-sys)“ erfolgte die Weiterentwicklung des als Prototyp im März 2020 in Betrieb genommenen Cochrane COVID-19 Studienregisters (CC19R). Für das Register werden täglich PubMed und ClinicalTrials.gov sowie wöchentlich WHO ICTRP, Embase, medRxiv und Retraction Watch nach Primärstudien an Menschen durchsucht, die Ergebnisse gesichtet und anhand medizinischer Klassifikationssysteme und Ontologien charakterisiert. Das Register ist studienbasiert, d.h. Studienregistereintrag, Protokoll und sämtliche Publikationen sind einem übergeordneten Studiendatensatz zugeordnet.

Ergebnisse

Während der Projektlaufzeit erfolgte eine Erweiterung der Datenbasis, die Pilotierung der Teilautomatisierung der Kuratierungsprozesse, die Charakterisierung der interventionellen Studien nach dem PICO Schema, sowie eine Evaluierung der Sensitivität, Präzision und Aktualität. Übergeordnetes Ziel war die Vermeidung komplexer Literaturrecherchen und aufwendige Sichtung von Treffern für spezifische CEO-sys Fragestellungen. Das Register trägt zur Effizienzsteigerung bei der Identifizierung relevanter Forschung bei und ist eine der weltweit vollständigsten COVID-19 Ressourcen. Im CC19R sind mit Stand 15.10.2020 ca. 24.500 Studien zu COVID-19/SARS-CoV-2 enthalten, davon sind 3.500 Studien als interventionell klassifiziert.

Schlussfolgerung

Die Erstellung eines umfassenden, studienbasierten Registers zu einem speziellen medizinischen Thema ist für die Effizienzsteigerung der Wissenstranslation möglich. Hierzu sind internationale Netzwerke, informationswissenschaftliche Expertise und die Zusammenarbeit mit spezialisierten Entwicklungspartnern unabkömmlich.

Literaturangaben

Featherstone R, Last A, Becker L, Mavergames C: Rapid development of the Cochrane COVID-19 Study Register to support review production. Cochrane Database of Systematic Reviews, Supplement [Veröffentlichung im November 2020 geplant].

Interessenkonflikte

Die Autorinnen sind an der Erstellung des Cochrane COVID-19 Studienregisters beteiligt und werden im Rahmen des CEO-sys Projekts des Netzwerk Universitätsmedizin vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Stichwörter: Studienregister, Informationsmanagement, Wissenstranslation, COVID-19, SARS-CoV-2
14:15 V-4-06

Prädiktoren von falsch ausgeschlossenen Studien bei der Literaturdurchsicht von systematischen Reviews: ein systematischer Review und eine Methodenstudie (#157)

L. Affengruber1, A. Dobrescu1, E. Persad1, I. Klerings1, G. Gartlehner1, 2

1 Donau-Universität Krems, Cochrane Österreich, Krems, Österreich
2 RTI International, North Carolina, Vereinigte Staaten von Amerika

Hintergrund/Fragestellung

Aufgrund der wachsenden Notwendigkeit, Evidenzsynthesen schneller bereitzustellen, werden Rapid Review Methoden vermehrt erforscht. Um den Prozess zu beschleunigen sieht bei Rapid Reviews meist nur eine Person die Literatur durch. Beim sogenannten Single-Reviewer-Screening werden jedoch durchschnittlich 13% der relevanten Studien übersehen, im Vergleich zu nur 3% bei der dualen Durchsicht. Die Prädiktoren von Studien, bei denen ein hohes Risiko besteht, falsch ausgeschlossen zu werden, sind derzeit unerforscht. Das Ziel dieser Studie ist es, Prädiktoren von falsch ausgeschlossenen Studien während der Literaturdurchsicht zu identifizieren.

Methoden

Ein systematischer Review wurde durchgeführt, um die bereits vorliegenden Forschungsergebnisse zusammen zu fassen. Dessen Ergebnisse wird eine darauffolgende Methodenstudie informieren.

Medline, Embase, Epistemonikos, Web of Science und Ebsco wurden durchsucht, außerdem wurde nach grauer Literatur gesucht, eine Handsuche durchgeführt und Referenzlisten durchgesehen. Die Referenzen wurden auf Abstract und Volltextebene dual und unabhängig von zwei Personen durchgesehen und die Relevanz bewertet. Mögliche Prädiktoren von falsch ausgeschlossenen Studien werden derzeit extrahiert.

Für die Methodenstudie wird eine Datenbank mit 24.942 Ein- und Ausschlussentscheidungen von 280 Reviewern auf Abstractebene verwendet, die von Gartlehner et al. (2020) zur Verfügung gestellt wurde. Im Durchschnitt wurde jedes Abstract von den Reviewern 12 Mal gescreent. Die Datenbank enthält 80 Referenzen, die auf Volltextebene eingeschlossen wurden. Potenzielle Prädiktorvariablen (z.B. Studiendesign, Stichprobengröße, Impact-Faktor der Zeitschrift) werden für jede der 80 relevanten Referenzen extrahiert. Dann werden Regressionsanalysen durchgeführt, um zu prüfen, ob mögliche Prädiktorvariablen mit dem Risiko verbunden sind, dass die Studie beim Abstract-Screening übersehen wird.

Ergebnisse

Die Endergebnisse werden zum Zeitpunkt des EBM-Kongresses vorliegen.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse dieser Methodenstudie könnten Methoden der Literaturdurchsicht beeinflussen und aufzeigen, welche Studien mit welchen Merkmalen die Reviewer besonders sorgfältig durchsehen sollten. Darüber hinaus sollen die Ergebnisse dieser Studie letztendlich in eine Anleitung einfließen, die Methoden aufzeigt falsch ausgeschlossenen Studien auf anderem Wege wieder zu finden.

Literaturangaben

Gartlehner, G., Affengruber, L., Titscher, V., Noel-Storr, A., Dooley, G., Ballarini, N., & König, F. (2020). Single-reviewer abstract screening missed 13 percent of relevant studies: a crowd-based, randomized controlled trial. Journal of Clinical Epidemiology121, 20-28.