EbM 2021
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Postersession 1: Patientenzentrierung

Moderatoren: Rahn, Anne, C., Professor (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg, Deutschland)
 
Shortcut: PS-1
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 16:15 - 18:00
Raum: Session
Sessiontyp: Poster

Abstract

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PS-1-01

Perspektive potentieller Patient*innen auf die „Volume-Outcome“ Beziehung und Mindestmengen für Knie-Totalendoprothesen: Ergebnisse einer qualitativen Studie als Teil einer systematischen Übersichtsarbeit (#64)

C. M. Kugler1, K. K. De Santis1, K. Goossen1, T. Rombey1, J. Breunig1, N. Koensgen1, T. Mathes1, R. Burchard2, 3, D. Pieper1

1 (1) Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 (2) Lahn-Dill-Kliniken, Sport- und Gelenkklinik, Dillenburg, Hessen, Deutschland
3 (3) Universität Witten/Herdecke, Department für Humanmedizin, Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Knie-Totalendoprothesen (Knie-TEP) werden zur Behandlung der Kniearthrose im Endstadium angewandt. In Deutschland trat 2006 eine Mindestmenge von 50 Knie-TEP/Jahr in Kraft. Bisher wurde die Perspektive von Patient*innen bezüglich der Mindestmengenregelung vernachlässigt. Als Teil einer systematischen Übersichtsarbeit (PROSPERO CRD42019131209 [1]) untersucht die Studie die Perspektive potentieller Patient*innen auf eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung (größere Leistungsmenge assoziiert mit besserer Ergebnisqualität) für Knie-TEP und daraus folgende Konsequenzen.

Methoden

Eine Ad-hoc-Stichprobe setzte sich aus Erwachsenen mit Knieproblemen zusammen, die in Bezug auf Geschlecht, Alter, Schulabschluss und eigener Knie-TEP-Erfahrung heterogen waren. Im Vorfeld der systematischen Übersichtsarbeit wurden Daten während einer Fokusgruppe (n = 5 Teilnehmende) erhoben. Nachdem vorläufige Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit vorlagen, wurden individuelle Telefoninterviews (n = 16 Interviewte) durchgeführt. Die Datenauswertung erfolgte jeweils mit qualitativer Inhaltsanalyse.

Ergebnisse

Alle Teilnehmenden (n = 21) nehmen an, dass eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung für Knie-TEP existiert. Dies ist im Einklang mit den Ergebnissen der systematischen Übersichtsarbeit und erklärt sich aus Sicht der Teilnehmenden hauptsächlich durch größere Erfahrung des klinischen Personals. Sie vermuten, dass Fähigkeiten der Operateur*innen und individuelles Verhalten der Patient*innen die Ergebnisqualität ebenfalls beeinflussen können. Die Teilnehmenden würden für eine bessere Behandlungsqualität weitere Strecken fahren. Zudem beeinflussen subjektive Faktoren wie der Ruf, Empfehlungen anderer und die Freundlichkeit des Personals die Krankenhauswahl. Ein Teil der Interviewten würde aufgrund der Ergebnisse der systematischen Übersichtsarbeit Krankenhäuser für eine Knie-TEP ausschließen. Die Hälfte der Interviewten befürwortet trotz theoretisch längerer Anfahrt eine Anhebung der Mindestmenge für Knie‑TEP.

Schlussfolgerung

Aus der Perspektive von potentiellen Patient*innen existiert eine Krankenhaus „Volume-Outcome“ Beziehung für Knie-TEP. Die Ergebnisqualität ist für alle Teilnehmenden wichtiger als der Anfahrtsweg. Politische Entscheidungsträger*innen und Ärzt*innen sollten die Perspektive von Patient*innen berücksichtigen, wenn sie über die Höhe der Mindestmenge entscheiden oder ihnen Krankenhäuser für Knie-TEP empfehlen.
BMBF Förderkennzeichen 01KG1805

Literaturangaben

1.            Rombey, T., et al., Hospital volume-outcome relationship in total knee arthroplasty: protocol for a systematic review and non-linear dose-response meta-analysis. Syst Rev, 2020. 9(1): p. 38.

Interessenkonflikte

Es liegen keine Interessenkonflikte in Bezug auf die Studie vor .

Stichwörter: Mindestmenge, Knie-TEP, Patient*innenperspektive
PS-1-03

Ermittlung der Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Diabetes mellitus für den Bereich der Diabetesforschung: eine Querschnittstudie (#111)

S. O. Borgmann1, 2, M. Verket3, 4, V. Gontscharuk1, 2, B. Bücker5, O. Spörkel3, 4, S. Wilm5, A. Icks1, 2

1 Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Träger: Deutsche Diabetes Forschungsgesellschaft e.V., Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland
2 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland
3 Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ), Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Träger: Deutsche Diabetes Forschungsgesellschaft e.V., Nationales Diabetes-Informationszentrum, Düsseldorf, Deutschland
4 Deutsches Zentrum für Diabetesforschung, München-Neuherberg, Deutschland
5 Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Institut für Allgemeinmedizin, Centre for Health and Society, Medizinische Fakultät, Düsseldorf, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Beteiligung von PatientInnen in der Forschung, z.B. bei der Festlegung der Forschungsagenda, wird zunehmend gefordert. Es ist wenig über die Forschungsprioritäten von Menschen mit Diabetes bekannt, insbesondere innerhalb von Subgruppen. Ziele der Studie sind die Identifizierung von Gruppen mit spezifischen Prioritäten von Menschen mit Typ-1- (T1DM) und Typ-2-Diabetes (T2DM) sowie die Analyse des Zusammenhangs zwischen den Gruppen und soziodemographischen und klinischen Faktoren.

Methoden

Querschnittstudie basierend auf einer bundesweiten Befragung einer stratifizierten Stichprobe von 3.000 Versicherten mit Diabetes einer gesetzlichen Krankenkasse im Jahr 2018. Die Bedürfnisse und Wünsche für die Diabetesforschung wurden mit einem Fragebogen erhoben1. Die Relevanz und Priorität von 18 Zielen, die in vorangegangenen Fokusgruppen identifiziert wurden, konnten im Fragebogen bewertet werden. Die Auswertung erfolgte mit einer latenten Klassenanalyse.

Ergebnisse

Es wurden 869 Personen (T1DM, n=295: 33,2% weiblich, mittleres Alter 47,9 Jahre; T2DM n=523: 29,6% weiblich, 68,4 Jahre) in die Auswertung eingeschlossen (Response 30%). Befragte mit T1DM und T2DM konnten jeweils drei Gruppen mit unterschiedlichen Forschungsprioritäten zugeordnet werden. In der ersten Gruppe der Menschen mit T1DM (n=47) wurde vor allem das Thema Behandlung mit dem Ziel der Heilung priorisiert (z.B. Verpflanzung der Bauchspeicheldrüse). Die zweite Gruppe (n=155) priorisierte vor allem das Thema Behandlung mit dem Ziel der Vereinfachung im Alltag (z.B. Insulinaufnahme ohne Spritzen). Die dritte Gruppe (n=85) priorisierte beide zuvor benannten Behandlungsziele. Die Gruppen unterschieden sich signifikant in Alter und HbA1c-Werten. Die erste Gruppe mit Menschen mit T2DM (n=119) priorisierte die Themen alltägliche Belastungen (z.B. Diabetes bestimmt nicht den Tagesablauf) und das Thema Behandlung mit dem Ziel der Vereinfachung im Alltag. Die zweite Gruppe (n=78) priorisierte vor allem das Thema alltägliche Belastungen. Die dritte Gruppe (n=238) hatte gemischte Prioritäten. Unterschiede im Alter waren zwischen zwei Gruppen signifikant.

Schlussfolgerung

Die Kenntnis über die Forschungsprioritäten ermöglicht es den Forschenden, ihre Forschung mit den Bedürfnissen und Wünschen von verschiedenen Gruppen von Menschen mit Diabetes abzustimmen und Betroffene gezielter einzubeziehen. Weitere Forschung sollte die Unterschiede zwischen den Gruppen einschließlich weiterer Merkmale und möglicher Veränderungen im Krankheitsverlauf untersuchen.

Literaturangaben

Bücker B, Wilm S, Arnolds S, Icks A, Lachmann N, Verket M, Spörkel O. Welche Präferenzen haben Menschen mit Diabetes mellitus in Bezug auf die Diabetesforschung? – Eine qualitative Studie. Diabetologie und Stoffwechsel. 2019;14:56–63. doi:10.1055/a-0631-8258.

Interessenkonflikte

Es liegt kein Interessenkonflikt vor.

Stichwörter: Forschungsprioritäten, Diabetes mellitus, PatientInnen- und BürgerInnenbeteiligung
PS-1-04

Interventionen zur psycho-sozialen Unterstützung von Angehörigen von Patient*innen mit Delir im Krankenhaus – Scoping Review (#179)

M. Grebe1, M. N. Dichter1, S. Köpke1

1 Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Angehörige von Patient*innen mit Delir sind oftmals mit herausfordernden Verhaltensweisen wie Hyperaktivität, Aggression oder Halluzinationen konfrontiert. Gefühle von Angst sowie depressive Episoden werden bei Angehörigen in unterschiedlichen Krankenhaussettings beobachtet. Systematische Reviews zu Schulungsinterventionen zur Unterstützung von Angehörigen liegen vor, jedoch fehlt ein umfassender Überblick, der jegliche Interventionen zur psycho-sozialen Unterstützung angemessen berücksichtigt.Im Rahmen eines Scoping Reviews sollen Publikationen im Kontext von Interventionsstudien zur Unterstützung von Angehörigen von Patient*innen mit Delir im Krankenhaus analysiert und Forschungslücken identifiziert werden. Die Ergebnisse dienen der Planung, Pilotierung und Evaluation einer durch spezialisierte Pflegefachpersonen durchgeführten komplexen Intervention auf der Basis des Frameworks des britischen Medical Research Councils (MRC-Framework) (Craig et al., 2013).

Methoden

Das Scoping Review orientiert sich an den Phasen des Frameworks von Arksey und O´Malley (2005). Forschungsprojekte in Krankenhaussettings, die vorbereitend zur Entwicklung von komplexen Interventionen durchgeführt wurden sowie Interventionsstudien, die Belastungen und Unterstützungsbedarfe von erwachsenen Angehörigen adressieren, werden eingeschlossen. Neben den relevanten wissenschaftlichen Datenbanken werden Referenzlisten von Publikationen durchsucht. Die Auswahl und Bewertung der Studien sowie die Datenextraktion erfolgt durch zwei unabhängige Reviewer. Folgende Studiencharakteristika werden extrahiert: Ziel, Setting und Population, Design, Art der Datenerhebung, Outcomes, Datenanalyse. Die Ergebnisse werden, unter Nutzung der Reporting Guidelines TIDieR und CReDECI 2 anhand der Domänen des MRC-Frameworks tabellarisch präsentiert. Identifizierte Komponenten der Interventionen werden nach Häufigkeit in einem Ranking dargestellt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die sensitive Datenbankrecherche ohne Einschränkung des Zeitraums bis 10/2020 ergab 11.399 Treffer in den Datenbanken Medline (4584), Web of Science (1878), CINAHL (1227), Livivo (389), PsycINFO (1554) sowie Cochrane Library (1767). Aktuell erfolgt die Literaturauswahl und -analyse. Informationsvermittlung scheint eine zentrale Komponente komplexer Interventionen zu sein. Angesichts unzureichender Erkenntnisse aus Deutschland, bedarf es der Exploration von Unterstützungsbedarfen von Angehörigen in deutschen Krankenhaussettings.

Literaturangaben

Arksey, H., & O'Malley, L. (2005). Scoping studies: towards a methodological framework. International journal of social research methodology, 8(1), 19-32.

Craig, P., Dieppe, P., Macintyre, S., Michie, S., Nazareth, I., & Petticrew, M. (2013). Developing and evaluating complex interventions: the new Medical Research Council guidance. Int J Nurs Stud, 50(5), 587-592. doi:10.1016/j.ijnurstu.2012.09.010

Interessenkonflikte

Keine

Stichwörter: Family Caregivers, Delirium, Intervention, Caregiver Support, Caregiver Education
PS-1-05

Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines Evidenzbasierten Aufklärungsbogens zum Thema Knie-TEP (EvAb-Pilot) (#37)

A. Weise1, J. Lühnen2, F. Steffen3, S. Zacher2, S. Bühn1, H. Rosenau3, A. Steckelberg2, T. Mathes1

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM), Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Matrin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland
3 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Medizinrecht, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

In Deutschland müssen alle Patient*innen vor der Einwilligung zu einem medizinischen Eingriff von ihren Ärzt*innen angemessen aufgeklärt werden. Regelhaft werden Aufklärungsbögen genutzt, um das Arzt-Patienten-Gespräch zu unterstützen. Studien haben gezeigt, dass aufgrund hoher Haftungsrisiken für Behandlungsfehler oftmals eine risikozentrierte Aufklärung im Vordergrund steht. Eine informierte Entscheidung wird, wenn überhaupt, zu wenig unterstützt. Zudem kann sich die Art der Risikodarstellung einer Behandlung auf die Angst von Patient*innen und den Nocebo-Effekt auswirken.

Das primäre Ziel dieser Pilot-Studie ist es zu untersuchen, ob evidenzbasierte Aufklärungsbögen (EvAb) für die Operation und Anästhesie am Beispiel des Kniegelenkersatzes diese Defizite ausgleichen, d.h. die Risikoeinschätzung verbessern und die Angst der Patient*innen vor Komplikationen sowie die Anzahl an tatsächlich auftretenden unerwünschten Ereignissen (UEs) bzw. den Nocebo-Effekt, reduzieren.

Methoden

Die EvAb werden nach der Leitlinie zur Erstellung evidenzbasierter Gesundheitsinformation entwickelt. Parallel erfolgt eine umfassende Auswertung von Rechtsprechung und Literatur zu den rechtlichen Anforderungen an die Aufklärung.

Zum Vergleich der EvAb mit den Standard-Aufklärungsbögen wird eine Interrupted-Time-Series Studie durchgeführt. Es ist geplant, 110 Probanden vor und 110 Probanden nach Einführung der Intervention im Krankenhaus einzuschließen. Zielgrößen sind: Angst, Nocebo-Effekt, Nutzen- und Risikoeinschätzung, Zufriedenheit der Patient*innen mit dem Arzt-Patienten-Gespräch und Lebensqualität. Die Daten werden deskriptiv aufbereitet und mittels Regressionsanalysen für Zeitreihen ausgewertet. Begleitend werden eine qualitative Vorstudie zur Exploration der Informationsstrukturen und eine Prozessevaluation durchgeführt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Durch eine evidenzbasierte, verständliche und auf Vermeidung von verzerrter Risikodarstellung ausgerichtete Aufklärung in EvAb könnte die Kompetenz der Patient*innen zur korrekten Einschätzung der Risiken des Eingriffs gestärkt werden. Dadurch könnten negative Erwartungshaltungen, Ängste vor UEs und das Auftreten des Nocebo-Effekts reduziert werden. Zugleich kann die Akzeptanz einer solchen, rechtlich abgesicherten Aufklärung in der Ärzteschaft gestärkt werden. Falls diese Pilotstudie auf positive Effekte hindeutet, soll eine Cluster-RCT für eine große Bandbreite an verschiedenen Eingriffen durchgeführt werden.  Innovationsfonds Förderkennzeichen: 01VSF19025

Interessenkonflikte

Die Autoren haben keinen Interessenkonflikt.

Stichwörter: evidenzbasierte Gesundheitsinformationen, Aufklärungsbögen, Risikokommunikation, Angst, Nocebo
PS-1-06

Akne inversa – Evaluation eines innovativen Versorgungskonzeptes: patientenzentriert, evidenzbasiert und interprofessionell (#48)

J. Kröber1, I. Baudendistel1, G. Langer1

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle/ Saale, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Akne inversa ist eine chronisch-rezidivierende Erkrankung der inversen Hautregionen mit entzündlichen Knoten, Abszessen und Fistelbildung. Die lebensbestimmende Erkrankung manifestiert sich meist postpubertär und geht einher mit Schmerzen, Geruchsentwicklung, dauerhaften Bewegungseinschränkungen, Arbeitsunfähigkeit und sozialer Isolation. Die Versorgung mit zahlreichen beteiligten Akteuren ist fragmentiert; Fehl- und Unterdiagnostizierung führen zu jahrelangen Diagnosezeiten [1]. Im Projekt EsmAiL (https://www.esmail.eu/) wird untersucht, inwieweit eine patientenzentrierte, multimodale, strukturierte Versorgungsform umsetzbar ist und zur Verbesserung der Versorgung beiträgt.

Methoden

Im Rahmen einer multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie wird eine innovative Versorgungsform für Betroffene etabliert. Zentrale Bausteine sind Akne-inversa-Zentren, geschulte interprofessionelle therapeutische Teams, ein leitlinienbasierter strukturierter Behandlungsalgorithmus, Patientenedukation zur Reduktion von Risikofaktoren, zielorientierte Wundversorgung und Koordination der komplexen Versorgung. 592 Patient*innen werden rekrutiert und per Randomisierung stratifiziert nach Krankheitsschweregrad und Behandlungsstandort der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt.
Die Datenerhebung erfolgt über eine Eingangs- und Abschlussuntersuchung in einer unabhängigen Arztpraxis sowie über eine regelmäßige Selbstauskunft per Patient*innen-App und für die Interventionsgruppe zusätzlich über eine elektronische Fallakte während der Behandlung im Akne-inversa-Zentrum.
Auf Basis des IHS4, eines validierten Instrumentes zur Einschätzung des Akne-inversa-Schweregrades [2], wird der Therapieerfolg nach 12 Monaten Behandlungsdauer der Interventionsgruppe im Vergleich zur Standardversorgung analysiert. Sekundäre Zielgrößen sind unter anderem Lebensqualität, Schmerz, Rauchverhalten und Therapiezufriedenheit.
Eine umfassende Prozessevaluation wird begleitend durchgeführt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die neue Versorgungsform hat das Potenzial bei höherer Therapiezufriedenheit bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen und interprofessionelle Versorgungsstrukturen aufzubauen, um den komplexen Versorgungsbedarf dieser Patient*innengruppe zu adressieren. Bei positiver Evaluation ist durch die am Projekt beteiligten Krankenkassen geplant, die neue Versorgungsform per Selektivvertrag in die Regelversorgung zu überführen.

Literaturangaben

1.    Jemec, G.B. and A.B. Kimball, Hidradenitis suppurativa: Epidemiology and scope of the problem. J Am Acad Dermatol, 2015. 73(5 Suppl 1): p. S4-7.
2.    Zouboulis, C.C., et al., Development and validation of the International Hidradenitis Suppurativa Severity Score System (IHS4), a novel dynamic scoring system to assess HS severity. Br J Dermatol, 2017. 177(5): p. 1401-1409.

Interessenkonflikte

keine

Stichwörter: Akne inversa, RCT, Versorgungskonzept, komplexe Intervention
PS-1-07

End-of-life care preferences of older patients with multimorbidity: a mixed-methods systematic review. (#163)

A. I. Gonzalez-Gonzalez1, 2, C. Schmucker3, J. Nothacker3, E. Nury3, T. S. Dinh1, M. - S. Brueckle1, J. W. Blom4, K. Röttger5, O. Wegwarth6, T. Hoffmann7, F. M. Gerlach1, S. Straus8, M. van den Akker1, J. J. Meerpohl3, C. Muth9, 1

1 Goethe University, Institute of General Practice, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Red de Investigación en Servicios de Salud en Enfermedades Crónicas (REDISSEC), Madrid, Spanien
3 University of Freiburg, Institute for Evidence in Medicine (for Cochrane Germany Foundation), Medical Center-University of Freiburg, Freiburg, Deutschland
4 Leiden University Medical Center, Department of Public Health and Primary Care, Leiden, Niederlande
5 Federal Joint Committee, Patient representative, Berlin, Deutschland
6 Max Planck-Institute for Human Deleopment, Center for Adaptative Rationality, Berlin, Deutschland
7 Bond University, Institute for Evidence-Based Healthcare, Faculty of Health Sciences and Medicine, Gold Coast, Australien
8 University of Toronto, Department of Medicine, Toronto, Kanada
9 University of Bielefeld, Department of General Practice and Family Medicine, Medical Faculty OWL, Bielefeld, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

The unpredictable disease trajectories of older patients with multimorbidity require earlier patient-clinician communication regarding preferences for end-of-life (EoL) care. To offer support to clinicians and assist this patient population, we aimed to conduct a mixed-methods systematic review of primary research assessing EoL care preferences of older patients with multimorbidity.

Methoden

We included primary studies (quantitative/qualitative/mixed methods) assessing EoL care preferences of older patients with ≥2 chronic conditions. We systematically searched seven electronic databases. Two independent reviewers screened title/abstracts/full texts, extracted data, and assessed risk of bias using the Mixed Methods Appraisal Tool. We synthesized findings narratively and, if possible, quantitatively.

Ergebnisse

Twenty studies were included comprising 2,479 patients. All used observational designs except for one quasi-experimental study: three (15%) qualitative, 14 (70%) quantitative, two (10%) mixed methods. The setting was outpatient care in 90%. Eighteen studies (90%) assessed interest in receiving life-sustaining treatments (LSTs), five (25%) the preferred site of death, and eight (40%) preferences for EoL care shared decision-making participation. In four studies, any LST option was preferred by 21% (95% CI 15-29%) of patients when the LST type was not specified. In another three studies, the proportion of patients choosing LST i) decreased as death, the functional or cognitive decline became more likely and ii) increased with potential life extension following treatment. Overall, 67% (95% CI 46-83%) and 48% (95% CI 21-76%) of patients from 13 studies were interested in receiving LSTs such as cardiopulmonary resuscitation/mechanical ventilation under current health circumstances respectively, but the willingness decreased when presented with deteriorating health scenarios. Half (95% CI 45-56%) of the patients from three studies preferred to die at home, however, in one study 61% of patients changed their preference at a one-year follow-up. Seven studies showed most patients prefer not to delegate decisions regarding their own EoL care unless incapacitated. Most studies (15;75%) scored low in quality assessment mostly due to high non-response bias.

Schlussfolgerung

By understanding the EoL care preferences of older patients with multimorbidity clinicians may ensure that the care this population receives is concordant with the care they desire.

Interessenkonflikte

The authors declare no conflict of interest. The funder had no role in the design of the study, in the collection, analyses, or interpretation of data.

Stichwörter: end of life care, patient preferences, multimorbidity, elderly, patient centred care
PS-1-08

Die Implementierung der elektronischen Erfassung von patientenberichteter Lebensqualität auf einer radioonkologischen Station – Ergebnisse der Prozessevaluation (#119)

T. Nordhausen1, D. Vordermark2, K. Lampe2, B. Holzner3, 4, H. K. Al-Ali5, 6, G. Meyer1, H. Schmidt1, 2

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland
2 Universitätsklinikum Halle (Saale), Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland
3 Universitätsklinikum Innsbruck, Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Innsbruck, Österreich
4 Evaluation Software Development, Innsbruck, Österreich
5 Universitätsklinikum Halle (Saale), Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin IV, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland
6 Universitätsklinikum Halle (Saale), Krukenberg-Krebszentrum, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Zahlreiche Studien liefern eine solide Evidenz für den klinischen Nutzen der Erfassung von Patient Reported Outcomes (PROs) einschl. gesundheitsbezogener Lebensqualität (HRQOL) in der Onkologie.  Trotzdem findet bislang kaum eine routinemäßige Erfassung in der Krebsversorgung statt. Im Rahmen dieses Projekts wurde die elektronischen Erfassung von PROs auf einer radioonkologischen Pilotstation mit  umfangreichem Screening zu Therapiebeginn und -ende (EORTC QLQ-C30) sowie verkürztem täglichen Symptom-Monitoring (EORTC Einzelfragen) implementiert. Ziele der Prozessevaluation sind die Einschätzung von Implementierungserfolg, klinischem Nutzen und Zeitaufwand.

Methoden

Die mittels der Software (CHES) via Touch-Screens erfassten PROs wurden zur Analyse in ein Statistikprogramm (SPSS 25) exportiert. Im Rahmen einer Dokumentationsanalyse erfolgte ein Vergleich der Anzahl der erfassten Symptome zwischen Anfangsscreening und klinischer Dokumentation. Mittels Tagesprotokollen wurden alle für die PRO-Erfassung notwendigen Patientenkontakte hinsichtlich Ihrer Dauer sowie des Ausfüllverhaltens der Pat. dokumentiert. Die Ergebnisauswertung erfolgte mit deskriptiver Statistik.

Ergebnisse

Das Anfangsscreening (n=416 Pat.) zeigt einen hohen Anteil an mittlerer/schwerer Symptombelastung: Fatigue (70.4%), Übelkeit/Erbrechen (20.1%), Schmerzen (54.2%), Dyspnoe (52.2%), Schlafstörungen (62.8%), Appetitmangel (52.0%), Verstopfung (31.1%), Diarrhoe (21.7%), finanzielle Probleme (42.9%). In der Dokumentationsanalyse fanden sich bei 100 zufällig ausgewählten Pat. häufiger Hinweise auf Symptome im Anfangsscreening (A) als in der klinischen Dokumentation (D): Fatigue (A: n=61, D: n=3), Übelkeit/Erbrechen (A: n=13, D:n =5), Schmerzen (A: n=52, D: n=30), Dyspnoe (A: n=52, D: n=31), Schlafstörungen (A: n=60, D: n=40), Appetitmangel (A: n=47, D: n=3), Verstopfung (A: n=25, D: n=15), Diarrhoe (A: n=3, D: n=19), finanzielle Probleme (A: n=27, D: n=0). Die protokollbasierte Evaluation von 669 Patientenkontakten an 86 Tagen ergab für das Anfangsscreening (n=237 Kontakte) eine Ausfüllrate von 86% und Dauer von 11,7 min (SD: 7,8 min) pro Pat. zur Erklärung/Hilfe, für das Monitoring (n= 432 Kontakte) eine Ausfüllrate von 87% und Dauer von 3,4 min (SD: 2,1 min).

Schlussfolgerung

Die Daten bestätigen, die klinische Relevanz von PROs als Ergänzung der Routinedokumentation und erlauben einen Eindruck der notwendigen Ressourcen. Im Weiteren soll geprüft werden, ob entsprechende Supportivmaßnahmen veranlasst werden.

Interessenkonflikte

Bernhard Holzner besitzt geistige Eigentumsrechte an der PRO-Erfassungssoftware CHES.

PS-1-09

Sleep Acute: Schlaf von Patient*innen während der stationären Versorgung im Krankenhaus – Eine multizentrische Beobachtungsstudie (#140)

M. Roos1, S. Köpke1, M. N. Dichter1

1 Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Schlaf ist ein komplexer und dynamischer Zustand, der für die Gesundheit, das körperliche und geistige Wohlbefinden sowie das tägliche Funktionieren von entscheidender Bedeutung ist. Obgleich Krankheit und Verletzungen mit einem gesteigerten Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf einhergehen, lassen bisherige wissenschaftliche Untersuchungen vermuten, dass Schlafprobleme während eines Krankenhausaufenthalts regelhaft auftreten und von Patient*innen als Stressor erlebt werden. Beeinträchtigungen des Schlafes gehen dabei mit einer Vielzahl von Risiken einher. Zeitgleich fehlen derzeit groß angelegte, multizentrische Studien zur validen Beschreibung der Schlafsituation von Patient*innen in deutschen Krankenhäusern.

Im Rahmen der Studie „Sleep Acute“ sollen die nachfolgenden Forschungsfragen beantwortet werden:​​​​​

  1. Wie ist die subjektive Schlafqualität von Krankenhauspatient*innen?
  2. Wie häufig leiden Krankenhauspatient*innen unter Schlafproblemen?
  3. Welche krankenhaus- und personenbezogenen Faktoren sind mit Schlafproblemen bei Krankenhauspatient*innen assoziiert?
  4. Welche Maßnahmen werden aktuell zur Schlafförderung bei Krankenhauspatient*innen angewendet?

Methoden

Im Rahmen einer multizentrischen Beobachtungsstudie wird eine nach Einrichtungsgröße stratifizierte Zufallsstichprobe aus 30 Krankenhäusern in Köln und Umgebung gebildet. Zwischen November und Dezember 2020 werden alle zu einem vorab festgelegten Datenerhebungszeitpunkt volljährigen und seit mindestens zwei Nächten stationär aufgenommenen Patient*innen (n = rund 1.000) sowie die Stationsleitungen von 100 Ad-hoc ausgewählten peripheren Stationen querschnittlich mittels papier-basierten Fragebögen zu den Themen Schlafqualität, Schlafprobleme und Schlafförderung befragt. Neben deskriptiven Analysen, werden Daten zu Schlafqualität und -problemen vor und während des Krankenhausaufenthalts mittels t-Test für abhängige Stichproben bzw. McNemar-Test verglichen. Zur Untersuchung potentieller Zusammenhänge mit krankenhaus- und personenbezogenen Faktoren, werden Regressionsmodelle berechnet. Die Auswertung qualitativer Fragebogenanteile erfolgt inhaltsanalytisch.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es wird eine valide Erfassung der derzeitigen Schlafsituation von Patient*innen während eines stationären Aufenthalts in deutschen Krankenhäusern erwartet. Die generierten Erkenntnisse dienen als eine erste Grundlage für die Entwicklung komplexer Interventionen zur Schlafförderung bei Krankenhauspatient*innen.

Interessenkonflikte

Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Stichwörter: Schlaf, Krankenhaus, hospitalisierte Patient*innen, multizentrische Beobachtungsstudie
PS-1-10

Informations- und Unterstützungsbedarf von Frauen mit Multiple Sklerose zum Thema Mutterschaft – eine Bedarfsanalyse (#159)

J. Peper1, L. Steinberg1, S. Gold2, S. Köpke3, C. Heesen1, 4, A. C. Rahn5

1 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS), Hamburg, Deutschland
2 Charité Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (CBF), Berlin, Deutschland
3 Universität zu Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Deutschland
4 Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Abteilung für Neurologie, Hamburg, Deutschland
5 Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Department für Versorgungsforschung, Oldenburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung, die insbesondere bei Frauen um das 30. Lebensjahr diagnostiziert wird. Somit ist das Thema Mutterschaft für Frauen mit MS (FmMS) häufig von hoher Bedeutung. Jedoch sind Missverständnisse, Fehlinformationen und Unsicherheiten zu MS und Schwangerschaft bei FmMS und beim Fachpersonal verbreitet.

Das Ziel unserer Mixed-Methods Studie ist die Entwicklung und Pilotierung einer entscheidungsunterstützenden Intervention für FmMS und einem Kinderwunsch. Dafür haben wir den Informations- und Unterstützungsbedarf von FmMS zum Thema Mutterschaft bei MS exploriert.

Methoden

Die Studie erfolgt nach dem MRC Framework zur Entwicklung und Evaluation komplexer Interventionen. Es wurde ein Scoping Review auf Basis einer systematischen Recherche in Medline via Ovid und in Epistemonikos zu Mutterschaft bei MS durchgeführt, um u.a. das Wissen, die Einstellung der Frauen zur Mutterschaft sowie ihre Bedürfnisse bei der Familienplanung zu explorieren. Titel und Abstracts, sowie die Volltexte wurden durch zwei Personen unabhängig voneinander gescreent. Zudem fanden leitfadengestützte Interviews mit FmMS und Experten statt, die die Erfahrungen, Informationsbedürfnisse und Sorgen der FmMS sowie die Wahrnehmung der Experten zu Mutterschaft bei MS adressierten. Die Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und mittels qualitativer thematischer Analyse ausgewertet.

Ergebnisse

Im Rahmen des Scoping Reviews wurden 424 Publikationen eingeschlossen. Die Ergebnisse von 41 Studien wurden genutzt, um die Interviewleitfäden zu entwickeln. Wir führten drei Fokusgruppen (n=13) und Einzelinterviews mit FmMS (n=3), sowie Experteninnen (n=4) durch. Die Analyse der Interviews mit den FmMS ergab, dass sich die Frauen häufig vom medizinischen Fachpersonal in Bezug auf MS und Schwangerschaft unzureichend beraten fühlten und einige von ihnen falsche Informationen erhalten hatten. Alle Experteninnen betonten den Bedarf an evidenzbasierten Informationen und der professionellen Beratung zu Mutterschaft bei MS. Die Ergebnisse der Interviewstudie und des Scoping Reviews zeigen einen Informationsbedarf bezüglich Immuntherapien, Gesundheit des Kindes, Schüben und Vererbung.

Schlussfolgerung

Unsere Ergebnisse unterstreichen den Bedarf an evidenzbasierten Informationen und Unterstützungsangeboten für FmMS zum Thema Mutterschaft bei MS in Deutschland. Auf Basis der Ergebnisse wird derzeit die entscheidungsunterstützende Intervention entwickelt.

Interessenkonflikte


J. Peper, L. Steinberg, S. Gold, S. Köpke, A. C. Rahn: Keine
C. Heesen: Hat Forschungsgelder von Genzyme, Roche, Merck, Bristol-Myers Squibb erhalten

Stichwörter: Multiple Sklerose, Schwangerschaft, Evidenzbasierte Patienteninformation, komplexe Interventionen, Bedarfsanalyse
PS-1-11

Entwicklung evidenzbasierter Gesundheitsinformation - Informationsbedürfnisse in Bezug auf Kleinkinderimpfungen in Vorarlberg (#155)

I. Sommer1, V. Titscher1

1 Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation, Krems, Nieder­österreich, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

In Zeiten des Internets kann Gesundheitsinformation schnell und einfach gefunden werden. Es ist allerdings schwierig, vertrauenswürdige und qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen zu finden. Diskussionen rund um das Thema Impfen werden besonders emotional und kontroversiell geführt. Ergebnisse der europäischen Gesundheitskompetenz-Studie zeigen, dass es zu diesem Thema Verunsicherung gibt (1). Vor diesem Hintergrund wird gemeinsam mit der aks (Arbeitskreis für Vorsorge- und Sozialmedizin) gesundheit GmbH in Vorarlberg unabhängige, leicht verständliche Impfentscheidungshilfen zu Kleinkinderimpfungen entwickelt. Im ersten Schritt war das Ziel des Projekts die Informationsbedürfnisse Vorarlberger Eltern zu Kleinkinderimpfungen zu identifizieren.

Methoden

Die Methode richtete sich nach der aktuellen Leitlinie zur Entwicklung evidenzbasierter Gesundheitsinformation des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (2). Zur Identifizierung der Informationsbedürfnisse von Eltern von Kleinkindern wurde im ersten Schritt für den thematischen Überblick ein Umbrella Review durchgeführt. Aus den Ergebnissen der Übersichtsarbeiten wurden Themenfelder für qualitative Interviews abgeleitet. Im zweiten Schritt wurden die Informationsbedürfnisse von 13 Vorarlberger Eltern von Kleinkindern erhoben. Die Interviews wurden nach der thematischen Analyse ausgewertet und in einem Workshop mit den TeilnehmerInnen reflektiert.

Ergebnisse

Inhaltlich wünschten sich Eltern Informationen zur Funktion des Immunsystems, Charakteristika der Krankheiten, Zusammensetzung der Impfstoffe, Nutzen und Schaden durch Impfungen, dem Impfplan und gesetzliche Regelungen zum Thema Impfen. Die Information sollte leicht verständlich, gut strukturiert und neutral präsentiert sein. Als Medien werden App, Broschüre und Website bevorzugt. Die Verbreitung sollte über möglichste viele Stellen, in erster Linie aber bereits während der Schwangerschaft, durch Kinder – und HausärztInnen und über das Internet erfolgen.

Schlussfolgerung

Eltern von Kleinkindern haben einen sehr breiten Informationsbedarf bezüglich Kleinkindern, der über eine reine Nutzen – Schaden Bewertung hinausgeht. Auch die bevorzugten Medien und Verbreitungskanäle sind vielfältig. Für die Aufbereitung evidenz-basierter Gesundheitsinformationen muss auf unterschiedliche Arten von Evidenz zurückgegriffen werden.

Literaturangaben

  1. PELIKAN, J. M., RÖTHLIN, F. & GANAHL, K. 2013. Die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung – nach Bundesländern und im internationalen Vergleich. Abschlussbericht der Österreichischen Gesundheitskompetenz (Health Literacy) Bundesländer-Studie. Wien: Ludwig Boltzmann Institut für Health Promotion Research.
  2. LÜHNEN, J., ALBRECHT, M., MÜHLHAUSER, I. & STECKELBERG, A. 2017. Leitlinie evidenzbasierte Gesundheitsinformation [Online]. Hamburg. Verfügabr unter: https://www.leitlinie-gesundheitsinformation.de/ [Zugriff am 21.07.2019].

Interessenkonflikte

Keine

PS-1-12

The Online Health Information Needs of Family Physicians (FPs): A Systematic Review of Qualitative and Quantitative Studies. (#94)

P. van der Keylen1, J. Tomandl1, K. Wollmann2, 3, R. Möhler4, M. Sofroniou5, A. Maun5, S. Voigt-Radloff2, L. Frank1

1 Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg, University Hospital Erlangen, Institute of General Practice, Erlangen, Bayern, Deutschland
2 Medical Centre - University of Freiburg, Faculty of Medicine, Institute for Evidence in Medicine, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
3 Cochrane Germany, Cochrane Germany Foundation, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
4 Bielefeld University, School for Public Health, Bielefeld, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
5 Medical Center – University of Freiburg, Division of General Practice, Freiburg, Bayern, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Digitalization and the increasing availability of online information have changed the way in which information is searched for and retrieved by the public, and by health professionals. The technical developments of the last two decades have transformed the methods of information retrieval. Whilst systematic evidence exists on the general information needs of Specialists, and in particular Family Physicians (FPs), there have been no recent systematic reviews to specifically address the needs of FPs and any barriers that may exist to accessing online health information. As such, this review aims to give an up to date perspective on the needs of FPs in searching, retrieving and utilizing online information.

Methoden

This systematic review of qualitative and quantitative studies searched a multitude of databases spanning the years 2000 to 2020 (search date January 2020). Studies which analyzed the online information needs of FPs, any barriers to the accessibility of information, and their information-seeking behaviors were included. Two researchers independently scrutinized titles and abstracts, analyzing full-text papers for their eligibility, the studies therein, and the data obtained from them.

Ergebnisse

The initial search yielded 4541 studies for initial title and abstract screening. Of the 144 studies that were found to be eligible for full-text screening, a total of 41 were finally included. Twenty themes were developed and summarized into five main categories. Individual Needs of FPs prior to the search; Access Needs including factors that would facilitate or hinder information retrieval; Quality Needs of the information to hand; Utilization Needs of the information available and Implication Needs for everyday practice.

Schlussfolgerung

This review suggests that searching, accessing, and using online information, as well as any pre-existing needs barriers or demands, should not be perceived as separate entities, but rather be regarded as a sequential process. Apart from accessing information and evaluating its quality, FPs expressed concerns regarding the applicability of this information to their everyday practice, and its subsequent relevance to patient care. Future online information resources should cater to the needs of the Primary Care setting, and seek to address the way in which such resources may be adapted to these specific requirements.

Literaturangaben

keine

Interessenkonflikte

keine

Stichwörter: Systematic Review, Information Needs, General Medicine, Family Physicians, Primary Care