EbM 2021
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Postersession 3: Digitalisierung und digitale Techniken II

Moderatoren: Köpke, Sascha, Professor (Universität zu Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln)
 
Shortcut: PS-3
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 16:15 - 17:45
Raum: Session
Sessiontyp: Poster

Abstract

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PS-3-01

REsPonSe - Entwicklung von Einsatzszenarien für die Integration eines digitalen robotischen Systems zur Entlastung von Pflegefachpersonen anhand des Mixed-Method Ansatzes (#11)

A. Warmbein1, I. Rathgeber1, C. Ohneberg2, N. Stöbich2, A. Kruppa3, J. Nast-Kolb3, M. Träger4, O. Stahl4, I. Eberl2, 1, U. Fischer1

1 LMU Klinikum, Stabsstelle Qualitätsmanagement der Pflegedirektion, München, Bayern, Deutschland
2 Katholischer Universität Eichstätt-Ingolstadt, Professur für Pflegewissenschaften, Fakultät für Soziale Arbeit, Eichstätt, Bayern, Deutschland
3 Cliniserve GmbH, München, Bayern, Deutschland
4 Robotise GmbH, München, Bayern, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Internationalen Studien zufolge verbringen Pflegekräfte einen stetig kleiner werdenden Anteil ihrer Arbeitszeit mit der direkten Pflege der Patient*innen. Mehr als 50% der Arbeitszeit werden durch die Übernahme von Service- und anderen pflegefremden Tätigkeiten sowie durch Laufwege dominiert [1]. Laufwege werden größtenteils durch monodirektionale und undifferenzierte Patient*innen Anfragen mittels Lichtrufsystem hervorgerufen [2], wodurch oftmals geplante Pflegeprozesse und -handlungen unterbrochen werden müssen. In dem vom BMBF geförderten Projekt REsPonSe, welches im Frühjahr 2020 startete, soll untersucht werden, ob diese Art der Patient*innen Anfragen durch die Smartphone-App Cliniserve zielgerichteter steuerbar ist und ob etwaige Service-Anfragen an den bereits in Hotels eingesetzten Serviceroboter JEEVES© delegierbar sind.

Methoden

Neben der technischen Zusammenführung der Systeme sollen diese in die Strukturen eines Uniersitätsklinikums integriert werden. Um Einsatzszenarien, mögliche Barrieren und Förderfaktoren zu definieren, werden ab Sommer 2020 bis Frühjahr 2021 folgende Studienanteile gemäß dem Mixed-Method-Approach des Medical Research Councils durchgeführt:

  1. Science perspective – Scoping Review „Servicerobotik im akutstationären Setting“

  2. Process and structural perspective – Erhebung des IST-Zustandes von Laufwegen und der Übernahme pflegefremder Aufgaben durch eine standardisierte Beobachtung auf verschiedenen Stationen

  3. Health professional perspective – Expert*inneninterviews zur Erhebung potentieller Einsatzszenarien

  4. Clinical perspective –Sekundärdatenanalyse bereits bestehender Smartphone-App Datensätze

Final ist eine abschließende Delphi-Befragung mithilfe eines halbstandardisierten Fragebogens zur Konsentierung der aus den vorausgehenden Analyseergebnissen erstellten Einsatzszenarien geplant.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Nach Abschluss der Studienanteile und Zusammenführung der Daten im Delphi-Verfahren wird im Sommer 2021 ein konsentierter klinischer Use-Case für den Einsatz der dann verknüpften Systeme definiert. Anschließend wird der Testeinsatz, dessen Evaluation und der klinische Routinebetrieb gemäß den definierten Kriterien geplant wurde, umgesetzt.

Literaturangaben

[1] Biron AD, Loiselle CG, Lavoie-Tremblay M. Work interruptions and their contribution to medication administration errors: an evidence review. Worldviews on Evidence-based Nursing 2009. 6 (2):70-86

[2] Fiedler KM, Weir PL, Van Wyk PM, Andrews DM. Analyzing what nurses do during work in a hospital setting: a feasibility study using video. Work 2012. 43 (4): 515-523

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenskonflikte.

Stichwörter: service automation, service robotics, robotics, nursing/robotics, Response
PS-3-02

Ethische Implikationen der Entwicklung eines Roboters für die Pflege (#17)

S. Radek1, G. Meyer1

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland

Das Gesamtvorhaben wird mit folgenden Projektpartner*innen umgesetzt: DIERS International GmbH, Rehabilitations- und Präventionstechnik (RWTH Aachen), Institut für Regelungstechnik (RWTH Aachen), Pflegedirektion Universitätsklinikum (RWTH Aachen), Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care (RWTH Aachen), St Gereon Seniorendienste GmbH

Hintergrund/Fragestellung

Für die Akzeptanz von Assistenzsystemen in der Pflege sind ethische Bedenken der Nutzer*innen von hoher Relevanz. Ethische Reflexionen finden jedoch oft losgelöst vom technologischen Innovationsprozess statt, ohne das Design direkt zu beeinflussen [1]. Gemäß dem Ansatz der „Responsible Research and Innovation“ (RRI) sollen im BMBF-geförderten Projekt „PfleKoRo“ ethische Implikationen unter Beteiligung von Nutzer*innen von Beginn an das Design eines Roboters für die Pflege mitsteuern.
Daher wird die Frage verfolgt, welche ethischen Probleme und Anforderungen bei der Entwicklung des Roboters berücksichtigt werden müssen.

Methoden

Das Vorgehen ist an den britischen Standard für das Design robotischer Systeme [2] angelehnt, da dieser eine enge Verzahnung von ethischen und technischen Aspekten im Entwicklungsprozess erlaubt. In einem ersten Schritt sieht der Standard die Identifikation ethischer Probleme im Hinblick auf den Einsatz des Roboters vor. Dies erfolgt in unserem Projekt sowohl literaturgestützt als auch durch Fokusgruppen mit potenziellen Nutzer*innen. Anschließend werden Anforderungen formuliert, die den identifizierten Problemen mildernd entgegenwirken sollen. Schließlich sollen Methoden definiert werden, um die Berücksichtigung der ethischen Aspekte im Entwicklungsprozess zu gewährleisten. In unserem Projekt werden hierfür z.B. Anforderungen, die sich im Design des Roboters verankern lassen, in den technischen Anforderungskatalog zur Systemgestaltung implementiert („design intervention“). Während der Entwicklung des Systems findet außerdem eine wiederholte fragebogengestützte Bewertung des Systemzustandes durch potenzielle Nutzer*innen statt („user validation“).

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Erwartet werden unter anderem ethische Bedenken in Bezug auf Privatsphäre und Datenschutz sowie im Hinblick auf die Würde und den Schutz insbesondere der Pflegebedürftigen. Für das Design relevant werden voraussichtlich auch Anforderungen sein, welche die Autonomie des Roboters begrenzen und gleichzeitig die Autonomie der Nutzer*innen gewährleisten. Besonderer Aufmerksamkeit werden zudem vermutlich Gestaltungsfaktoren bedürfen, welche eine Beeinträchtigung der Arbeit zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen auf Beziehungsebene vermeiden.
Mit dem Gelingen dieses Vorhabens hoffen wir, ein akzeptiertes Assistenzsystem für die Pflege zu schaffen und ein Vorgehen zu entwickeln, das sich auch in anderen Projekten der Robotik in der Pflege anwenden lässt.

Literaturangaben

[1] Stahl BC, Coeckelbergh M. Ethics of healthcare robotics: Towards responsible research and innovation. Robotics and Autonomous Systems 2016; 86: 152-161

[2] The British Standards Institution. Robots and robotic devices. Guide to the ethical design and application of robots and robotic systems. o.O.: BSI Standards Limited, 2016

Interessenkonflikte

keine

Stichwörter: PfleKoRo, RRI, ELSI, Pflegerobotik
PS-3-03

Der Einsatz eines robotischen Systems auf Intensivstationen im Rahmen des Projektes MobiStaR (#82)

A. C. Klamt1, L. Schmidbauer1, A. Warmbein2, I. Rathgeber2, M. Zoller2, I. Schröder2, E. Kraft2, A. Lorenz2, M. Gutmann2, A. König3, M. Biedenkapp3, U. Fischer2, I. Eberl1

1 Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fakultät für Soziale Arbeit - Professur für Pflegewissenschaften, Eichstätt, Deutschland
2 LMU Klinikum München, München, Deutschland
3 ReActive Robotics GmbH, München, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Auf Intensivstationen in Deutschland werden ca. 2 Mio. PatientInnen jährlich behandelt (Radtke 2020). Diese werden oftmals zu spät mobilisiert (Rai et al. 2019), was ein Risiko für Langzeitschäden birgt. Zudem stellt jede Mobilisation für Beteiligte ein Sicherheitsrisiko dar und ist deshalb von mehreren Personen durchzuführen (Rai et al. 2019). Da Mobilisation aber einen positiven Effekt auf Heilungsverlauf und Rehabilitation von Schwerstkranken hat, muss sie möglichst früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden. Durch das vom BMBF geförderte Projekt MobiStaR, welches im Frühjahr 2020 startete, wird deshalb untersucht, ob sich Mobilisierungsraten von IntensivpatientInnen durch den Einsatz des robotischen Systems VEMO® steigern lassen. Außerdem soll die personalressourcen-schonende Frühmobilisation zu einer Verbesserung patientenbezogener Outcomes führen.

Methoden

Um das robotische System VEMO® in die intensivmedizinisch-pflegerischen Abläufe integrieren zu können, werden mögliche Barrieren und Förderfaktoren für den Einsatz des robotischen Systems und die aktuelle Form der Frühmobilisation auf Intensivstationen erfasst. Hierzu werden von Sommer 2020 bis Frühjahr 2021 folgende Studienteile durchgeführt:

  1. Wissenschaftliche Perspektive – Scoping Review
  2. Perspektive der beteiligten Gesundheitsberufe – Erhebung des IST-Zustandes zur Frühmobilisation auf Intensivstationen (Gruppendiskussionen und problemzentrierte Interviews mit Pflegenden, PhysiotherapeutInnen und ÄrztInnen, die auf Intensivstationen tätig sind)
  3. Perspektiven von nationalen und internationalen ExpertInnen – ExpertInneninterviews zur Erfassung der Sichtweisen zum potentiellen Robotereinsatz im Intensivbereich

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

In der systematischen Literaturrecherche, wurden primär insgesamt 996 Studien gefunden. Letztendlich werden 41 Artikel zu Studien, davon 17 systematische Reviews, im Volltext auf Eignung geprüft und anhand entsprechender Instrumente auf ihre Qualität bewertet.

Im ersten Projektjahr soll ein IST-Zustand zur Frühmobilisation von IntensivpatientInnen im akutklinischen Bereich ermittelt werden, um das robotische Frühmobilisationssystem VEMO® an die Anforderungen anzupassen und für den Einsatz auf den Intensivstationen vorzubereiten. Dafür sollen Einsatzszenarien entwickelt werden, anhand derer ein klinischer Einsatz von VEMO® erprobt und evaluiert wird.

Literaturangaben

Radtke, R. (2020). Behandlungsfälle in der intensivmedizinischen Versorgung in Deutschland in den Jahren 2010 bis 2017. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1105287/umfrage/intensivmedizinische-behandlungsfaelle-in-deutschland/ (17.08.2020).

Rai, S., Anthony, L., Needham, D. M., Georgousopoulou, E. N., Sudheer, B., Brown, R. & van Haren, F. (2019). Barriers to rehabilitation after critical illness: A survey of mulitdisciplinary healthcare professionals caring for ICU survivors in an acute care hospital. Australian Critial Care. 33(3):264-271, doi.org/10.1016/j.aucc.2019.05.006.

Interessenkonflikte

keine

Stichwörter: MobiStaR, Frühmobilisation, Robotics/ Nursing
PS-3-04

Assistive Technologien für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz – Mixed Methods Studie zum Informations- und Beratungsverständnis (#127)

D. Paulicke1, C. Buhtz1, S. Hofstetter1, G. Meyer2, P. Jahn3

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberberg, Medizinische Fakultät / Dorothea Erxleben Lernzentrum Halle, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
2 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberberg, Medizinische Fakultät / Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
3 Universitätsmedizin Halle / Department für Innere Medizin, AG Versorgungsforschung, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur im Zuge des demografischen Wandels geht mit der Zunahme von Menschen mit Demenz einher. Die Angehörigen übernehmen den größten Teil der häuslichen Pflege. Mit dieser Entwicklung werden zunehmend assistive Technologien als Unterstützung diskutiert. Ansätze zu Informations- und Beratungsmöglichkeiten sowie zur didaktisch-methodischen Umsetzung von transformativen Konzepten stehen dazu bisher aus. Die Arbeit geht der Frage nach, wie ein Informations- und Beratungskonzept für pflegende Angehörigen von Menschen mit Demenz zur Integration assistiver Technologien in den Pflegealltag beschrieben werden kann.

Methoden

Es wurde ein explorativ-sequenzielles Studiendesign einer Mixed Methods-Erhebung gewählt. Dazu wurden im qualitativen Erhebungsteil Fokusgruppen mit pflegenden Angehörigen (n=46) sowie Expert*inneninterviews mit Berater*innen (n=5) durchgeführt und um eine quantitative Erhebung mittels standardisierten Fragebogen bei Berater*innen (n=47) ergänzt.

Ergebnisse

Assistive Technologien scheinen in pflegerelevanten Informations- und Beratungsstrukturen bisher keine Rolle zu spielen. Der frühzeitige Kompetenzaufbau wird von pflegenden Angehörigen und von Berater*innen im Rahmen eines angeleiteten Unterstützungsprozesses explizit erbeten. Sie favorisieren das persönliche Erleben assistiver Technologien, z.B. durch moderierte Testmöglichkeiten. Auch wünschen sie sich gezielte Schulungsmöglichkeiten, um digital-unterstützte assistive Technologien ausprobieren und Rückmeldungen zur Praxisintegration geben zu können. Trotz des geringen Wissens- und Verbreitungsgrades von assistiven Technologien sehen sie die Notwendigkeit, technische Lösungen in die Praxis zu überführen und die Potenziale für die Unterstützung pflegender Angehöriger von Menschen mit Demenz zu nutzen.

Schlussfolgerung

Die Integration von assistiven Technologien in Beratungs- und Informationsquellen sowie die Möglichkeit zur individuellen Handhabung im Pflegealltag bilden die Grundlage des transformativen Kompetenzaufbaus von pflegenden Angehörigen. Zum Gelingen muss diese deutlicher in die Gestaltung des Pflegeprozesses integriert sein. Im Besonderen stehen hierbei das konkrete Erleben, Reflektieren und Anwenden digitaler Lösungen im Zentrum sowie die partizipative Entwicklung für den Pflegealltag. Die in der vorliegenden Analyse entstandenen theoretischen Ausführungen können dazu beitragen.

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenskonflikte der Autor*innen.

Stichwörter: pflegende Angehörige, Demenz, assistive Technologien, Beratung
PS-3-05

Forschungsbasierte Entwicklung einer beschleunigten praktischen Implementierung assistiver und digitaler Technik in der Pflege (SEQI-Prozess) (#128)

S. Hofstetter1, C. Buhtz1, D. Paulicke1, K. Schwarz1, D. Stoevesandt1, P. Jahn2

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät / Dorothea Erxleben Lernzentrum, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
2 Universitätsmedizin Halle, Department für Innere Medizin / AG Versorgungsforschung, Halle, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Demografische Entwicklung und Fachkräftemangel stellen das Gesundheitssystem vor großen Herausforderungen. Die Integration assistierender Technologien (AT) eröffnet neue und ergänzende Möglichkeiten der Pflegeprozessplanung. Trotz langjähriger Entwicklungsförderung zeigt sich, dass der Prozess der Praxisimplementierung von AT nur schleppend verläuft. Daher stellt sich die Frage, ob mit einem Prozess der „Sensibilisierung“, „evaluative Einführung“, „Qualifizierung“ und „Implementierung“ (SEQI) ein praktikables Schulungs-Modell entwickelt wurde, um Assistenztechnologien patientenorientiert in den Pflegeprozess einzuplanen.

Methoden

Die Studie kombiniert quantitative und qualitative Methoden. Die Evaluation des SEQI Prozesses erfolgt quantitativ mittels Assessment an 3 Messzeitpunkten. Die qualitative Bewertung des SEQI Prozesses erfolgt durch die Pflegefachpersonen und wird über leitfadengestützte Interviews erfasst. Insgesamt werden 25 Einrichtungen der Altenpflege besucht, die über das Land Sachsen-Anhalt verteilt sind.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es wird erwartet, dass SEQIdie Selbstmanagementkompetenz von Gesundheitsfachleuten erweitert, um Assistenztechnologien passgenau auf spezifische Pflegeprobleme einzuschätzen und einzuplanen. Durch den mit der Intervention einhergehenden Erwerb transformativer Kompetenzen und partizipativer Aneignung von gesundheitsbezogenem Technikwissen profitieren Gesundheitsfachpersonen.

Die SEQI-Visite leistet einen wichtigen Beitrag zur digitalen Transformation für die Gesundheitsberufe. Durch den Erwerb der Kompetenz zur pflegeprozessbezogenen Technikfolgenabschätzung führt dazu, dass ein funktionaler Einsatz von AT die Lebensqualität älterer Menschen verbessert, wenn ihr Einsatz passgenau und pflegeproblembezogen erfolgt.

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenskonflikte der Autoren

Stichwörter: Assistive Technologien, Pflege, Transformatives Lernen
PS-3-06

Erfahrungen aus der Studienumsetzung zur Anwendungsfreundlichkeit und Nutzbarkeit des Dfree-Ultraschallsensors in der Unterstützung von Partizipation und Autonomie von Menschen mit Detrusorhypotonie - eine Mixed-Method-Studie. (#133)

S. Hofstetter1, C. Buhtz1, D. Paulicke1, D. Stoevesandt1, K. Schwarz1, P. Jahn2, S. Schönburg3

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät / Dorothea Erxleben Lernzentrum, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
2 Universitätsmedizin Halle, Department für Innere Medzin, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland
3 Universitätsmedizin Halle, Medizinische Fakultät / Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie, Halle, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das Ultraschallgerät Dfree ist ein technisches Artefakt zur Vorhersage des Miktionsbedürfnisses. Ziel ist die Unterstützung von Menschen, die Schwierigkeiten in der Kontrolle der Miktion haben. Deshalb wird der Dfree-Sensor als mögliche technologische Strategie für eine unterstützende Therapie der Harninkontinenz gesehen. Gegenwärtig ist jedoch noch unklar, ob die technische Innovation gegenüber den bisher etablierten Therapieansätzen Vorteile bietet. Momentan gibt es jedoch keine Beurteilung der Anwendbarkeit des Dfree-Ultraschallgerätes, einer Verbesserung der Lebensqualität oder verbesserter Partizipationsfähigkeit im Alltag als Voraussetzung für eine breite Anwendung.

Methoden

Es wurde das explorativ-sequenzielle Studiendesign einer Mixed Methods-Erhebung gewählt. Dazu wird mit Betroffenen (n=30) im qualitativen Erhebungsteil Expert*inneninterviews durchgeführt und um eine quantitative Erhebung mittels standardisierten Fragebogen zur Lebensqualität bei Inkontinenz und Therapiezufriedenheit ergänzt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es wird erwartet, dass das Gerät dazu beiträgt, auf einfache und unkomplizierte Art Problematiken der Harninkontinenz zu minimieren. Dazu trägt besonders auch die Anwenderfreundlichkeit und Nutzbarkeit bei, woraus für die von Harninkontinenz Betroffenen eine verbesserte Lebensqualität und erhöhte Partizipationsmöglichkeit resultiert.
Erste Erfahrungen aus der Studienumsetzung zur Anwendungsfreundlichkeit und Nutzbarkeit des Dfree-Ultraschallsensors in der Unterstützung von Partizipation und Autonomie bei Menschen liegen vor und können zur Diskussion gestellt werden. Dazu wird ein Einblick in die Erstellung des Studienprotokolls, die Übersetzungsleistung der notwendigen App-Inhalte aus dem Japanischen und der Probandenrekrutierung in Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Halle (Saale) gegeben.

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenskonflikte der Autor*innen

PS-3-07

Artificial intelligence for dental image analysis: A Guide for Authors and Reviewers (#89)

F. Schwendicke1, 6, A. Chaurasia4, 6, T. Singh5, 6, J. - H. Lee3, 6, R. Gaudin2, 6, J. Krois1, 6

1 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Oral Diagnostics & Digital Health & Health Services Research, Berlin, Berlin, Deutschland
2 Charité - Universitätsmedizin Berlin, Department of Maxillofacial Surgery, Berlin, Berlin, Deutschland
3 Wonkwang University College of Dentistry, Department of Periodontology, Daejeon, Korea, Republik
4 King George’s Medical University, Department of Oral Medicine and Radiology, Lucknow, Indien
5 deepkapha, Amsterdam, Niederlande
6 ITU/WHO Focus Group on artificial intelligence for health (FG-AI4H), Dental diagnostics and digital dentistry (TG-Dental), Genf, Schweiz

Hintergrund/Fragestellung

The number of studies employing artificial intelligence (AI), specifically machine and deep learning, for dental image analysis is growing fast. The majority of studies suffer from limitations in planning, conduct and reporting, resulting in low robustness and applicability. We here present a non-authorative guide for authors and reviewers to be applied, discussed and further developed.

Methoden

Lending from existing reviews in other fields and founded on the principles of evidence-based research practice, a set of guidance items are presented, assisting future scientists, reviewers and editors in planning, conducting, reporting and evaluating studies on AI in dental image analysis. The items have been derived on a discussion basis within the ITU/WHO focus group “Artificial Intelligence for Health (AI4H)”, and the topic group “Dental diagnostics and digital dentistry”, and should be rigorously appraised and adapted.

Ergebnisse

Thirty-one items on planning, conducting and reporting studies were devised. These involve items on the study’s wider goal, focus, design and specific aims, data sampling and reporting, sample estimation, reference test construction, model parameters, training and evaluation, uncertainty and explainability, performance metrics and data partitions.

Schlussfolgerung

Scientists, reviewers and editors should consider this guide when planning, conducting, reporting and evaluating studies on AI for dental image analysis.

Interessenkonflikte

Prof Schwendicke, Dr Gaudin and Dr Krois are founder of a startup for dental image analysis.

Stichwörter: deep learning, AI4H, ITU/WHO, artificial intelligence
PS-3-08

Modellierung und Pilotierung einer Virtuell Invertierten Neurotherapie zur Heimanwendung bei PatientInnen mit chronischen Schmerzen - VIN (#189)

S. Kirchner1, 3, M. Skroch2, S. Saal1, 3

1 Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Deutschland
2 UniGlow Entertainment GmbH, Wernigerode, Deutschland
3 Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Fachbereich Gesundheit und Pflege, Jena, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Etwa 23 Millionen Personen in Deutschland sind von chronischen Schmerzen betroffen. Eine Langzeittherapie erfolgt überwiegend medikamentös. Moderne nicht-pharmakologische Behandlungen adressieren die neuronale Kommunikation schmerzverarbeitender Hirnzentren. Spiegeltherapie initiiert Funktionsvertrauen in schmerzbetroffene Körperabschnitte und reorganisiert potenziell zentrale schmerzreaktive Verschaltungsmuster [1]. Eine therapeutische Verwendung von Exergames bspw. unter Einsatz Virtueller Realität (VR) wirkt über den Mechanismus der Ablenkung schmerzreduzierend [2]. Das Behandlungskonzept der Virtuell Invertierten Neurotherapie (VIN) führt beide Wirkprinzipien zusammen. Ziel des Vorhabens ist es, eine anwenderorientierte Lösung zur Umsetzung der VIN zu entwickeln und diese als Bestandteil eines supervidierten Heimanwendungsprogramms für PatientInnen mit chronischen Schmerzen auf Akzeptanz, Anwendbarkeit sowie Wirksamkeit zu überprüfen.

Methoden

Auf Basis verfügbarer Evidenz wird ein logisches Modell zur Wirkweise sowie ein Implementierungs- und Evaluationskonzept entwickelt. Einbezogen in die konzeptionelle und anschließende technische Entwicklung (Kooperation mit UniGlow) der VIN-Anwendung ist ein Projektbeirat (3 VertreterInnen der Betroffenengruppe und 3 TherapeutInnen). Seine Mitglieder sind an einzelnen Entwicklungsschritten gemäß agilem Projektmanagement (SCRUM) beteiligt, erproben den VIN-Prototyp und tragen an Expertenworkshops dazu bei, eine nutzerorientierte VIN-Lösung zu realisieren.
Der VIN-Prototyp wird nachfolgend in einer RCT pilotiert. PatientInnen mit chronischen Schmerzen im Alter von mind. 18 Jahren, die bei abgeschlossener Diagnostik und konstantem Behandlungsregime in den letzten 3 Monaten keine multimodale Therapie oder operative Eingriffe vorweisen, werden eingeschlossen, wenn ein hinreichendes Sehvermögen und die selbstständige Bewältigung des Alltags gegeben sind. 20 PatientInnen werden der Interventions- und Kontrollgruppe (konventionelles VR-Exergaming) zugeteilt. Die supervidierte Intervention dauert 8 Wochen. Aspekte der Prozessevaluation werden durch Untersuchung von Umsetzungsgrad und Reichweite der Intervention, die Mechanismen der Implementierung und die beeinflussenden Kontextfaktoren berücksichtigt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die Pilotstudie liefert Erkenntnisse zur Umsetzbarkeit der Intervention, der Implementierungsstrategien, der Datenerhebungsprozesse und dient der Abschätzung realistischer Rekrutierungsaufwände für eine spätere Wirksamkeitsstudie.

Literaturangaben

[1] Wittkopf, Priscilla G.; Johnson, Mark I. (2017): Mirror therapy. A potential intervention for pain management. In: Revista da Associacao Medica Brasileira (1992) 63 (11), S. 1000–1005. DOI: 10.1590/1806-9282.63.11.1000.

[2] Mallari, Brian; Spaeth, Emily K.; Goh, Henry; Boyd, Benjamin S. (2019): Virtual reality as an analgesic for acute and chronic pain in adults. A systematic review and meta-analysis. In: Journal of pain research 12, S. 2053–2085. DOI: 10.2147/JPR.S200498.

Interessenkonflikte

Susanne Saal und Stephan Kirchner geben an, dass keine Interessenkonflikte bestehen. Mirko Skroch ist Geschäftsführer der UniGlow Entertainment GmbH.

Stichwörter: chronischer Schmerz, Spiegeltherapie, virtual reality, Heimanwendung
PS-3-09

FIT-Board: Förderung der EBP-Kompetenzen durch digitale Vernetzung Eine Online-Plattform zur Wissenszirkulation zwischen Pflegepraxis und Wissenschaft (#116)

J. Vetsch1, S. Haug1, M. Baldauf2, H. Gattinger1

1 OST Ostschweizer Fachhochschule, Institut für Angewandte Pflegewissenschaft, St. Gallen, Schweiz
2 OST Ostschweizer Fachhochschule, Institut für Informations- und Prozessmanagement, St. Gallen, Schweiz

Hintergrund/Fragestellung

Trotz der Etablierung der evidenzbasierten Praxis (EBP) zeigt sich, dass Pflegefachpersonen bei klinischen Entscheidungen oftmals nur die interne Evidenz (z.B. Erfahrungswissen) beachten und die Entscheidung weniger auf (pflege-)wissenschaftliche Erkenntnisse stützen. Die Integration dieser stellt für viele Pflegeabteilungen der Gesundheitseinrichtungen eine grosse Herausforderung dar. Zur Förderung der EBP schlägt das Projekt die Erweiterung einer digitalen EBP-Plattform um soziale Elemente vor. Durch diese soll die Wissenszirkulation zwischen Pflegefachpersonen untereinander sowie mit Expert(innen) angeregt werden, um die EBP-Kompetenz der Pflegefachpersonen zu steigern.

Methoden

Das Zentrum des Forschungsprojekt bildet die FIT-Nursing Care Plattform, über die Pflegefachpersonen untereinander, aber auch mit Expert(innen) der OST – Ostschweizer Fachhochschule (Wissenschaft) und in späteren Schritten mit Expert(innen) von weiteren Institutionen, Dozent(innen) von Bildungseinrichtung oder auch Personen aus anderen Gesundheitsberufen (z.B. Medizin, Psychologie, usw.) digital vernetzt werden. Im Projekt wird ein nutzer-zentriertes Vorgehen verfolgt, das Repräsentanten sämtlicher Zielgruppen laufend involviert, um bspw. Rückmeldungen zu einfachen Prototypen zu erhalten und so mögliche Lösungen iterativ zu verfeinern. Die EBP Plattform wird in mehreren Praxisinstitutionen evaluiert. Die angestrebte Vernetzung kann bspw. zur Bearbeitung von klinischen Fragen, die von Expert(innen) anhand einer systematischen Literaturrecherche zur Identifizierung der momentan besten verfügbaren Evidenz bearbeitet werden, oder auch zu gemeinsamen (Forschungs-) Projekten führen.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Erwartete Ergebnisse
Das wichtigste Ergebnis des Projekts sind Erkenntnisse zur Anregung und Förderung der Wissenszirkulation zwischen und innerhalb der Pflegepraxis und -wissenschaft mittels digitaler Funktionen einer EBP-Plattform und somit zur Förderung der EBP Kompetenzen der einzelnen Pflegefachpersonen.

Weitere wichtige Ergebnisse des Forschungsprojekts sind ein funktionaler Software-Prototyp zur digitalen Vernetzung sowie Wissen zu persönlichen Einstellungen und Haltungen der Pflegefachpersonen gegenüber EBP Themen.
Ausblick

Das Projekt ist in drei Phasen gegliedert: 1) die Erhebung der Anforderungen (zur Vernetzung und der technischen Aspekte der Plattform) für die Evaluation, 2) deren technische Umsetzung in Form eines Prototyps sowie 3) deren Evaluation in Praxisinstitutionen.

Literaturangaben

Behrens, J. & Langer, G. (2016). Evidence-based nursing and caring: Methoden und Ethik der Pflegepraxis und Versorgungsforschung - Vertrauensbildende Entzauberung der "Wissenschaft" (4. Aufl.). Bern: Hogrefe. Abgerufen von http://elibrary.hogrefe.de/9783456954639


Rycroft-Malone, J., Seers, K., Titchen, A., Harvey, G., Kitson, A. & McCormack, B. (2004). What counts as evidence in evidence-based practice? Journal of advanced nursing, 47(1), 81–90. doi:10.1111/j.1365-2648.2004.03068.

Interessenkonflikte

No conflicts of interest.

Stichwörter: Evidence-based nursing, networking