EbM 2021
Um nach einer bestimmten ID zu suchen, geben Sie bitte eine Raute gefolgt von der ID ein (z.B. #123).

Postersession 5: Optimierung von Methoden der EbM I

Moderatoren: Möhler, Ralph, Professor (Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Institut für Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie, Düsseldorf, Deutschland)
 
Shortcut: PS-5
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 16:15 - 17:45
Raum: Session
Sessiontyp: Poster

Abstract

Klicken Sie auf eine Einreichung für eine Vorschau des Abstractinhalts.

PS-5-01

Visuelle Abstracts für Rapid Reviews (#22)

M. Fangmeyer1, A. Toromanova1, A. Glechner1

1 Donau-Universität Krems, Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation, Krems, Nieder­österreich, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

Das »Evidenzbasierte Informationszentrum für Pflegende« bietet studienbasierte Antworten auf praxisrelevante Fragen von Gesundheits- und KrankenpflegerInnen. Zur Beantwortung werden Rapid Reviews (RR) gemäß der von Cochrane empfohlenen Methodik erstellt (Garrity et al., 2020). Diese für PraktikerInnen erstellten Evidenzsynthesen umfassen neben Text auch viele Zahlen. Für ungeübte LeserInnen wissenschaftlicher Texte kann dies zu Herausforderungen führen. Mit dem Ziel, die zentralen Ergebnisse der RR wie z. B. die Effekte und das Vertrauen in die Evidenz möglichst klar, unmissverständlich und anschaulich darzustellen, entwickelten wir eine neue visuelle Präsentationsform.

Methoden

Wir haben nicht systematisch erhobenes mündliches und schriftliches Nutzerfeedback analysiert und anhand der Erfahrungen der ReviewautorInnen grundlegende Elemente durch Gruppendiskussion für den Aufbau der visuellen Zusammenfassung definiert. Ende Oktober 2019 haben wir eine orientierende Literaturrecherche im Internet durchgeführt, mit dem Ziel einen Überblick zu bereits entwickelte Gestaltungsmöglichkeiten zu gewinnen.

Ergebnisse

Auf Basis der Ergebnisse der Feedbackanalysen (v. a. Übersichtlichkeit und Klarheit), den definierten Kriterien der AutorInnen (PICO-Elemente und GRADE-Bewertung) sowie der Rechercheergebnisse (z.B. Rapid Recommendations oder symbolorientierte Übersichten) haben wir einen visuellen Abstrakt konzipiert und pilotiert. Die zentralen Elemente der neu entwickelten Darstellungsform sind: Definition der Untersuchungsgruppe sowie zu vergleichende Interventionen, Darstellung der Ergebnisse je Endpunkt mit eindeutiger Hervorhebung der Richtung des Effekts inklusive GRADE-Bewertung und Interpretation der Ergebnisse. Neben der textlichen Präsentation kommen auch Farben und Symbole zur Verdeutlichung der Ergebnisse zur Anwendung. Durch Bilder werden die Untersuchungsgruppen sowie die zu vergleichenden Interventionen dargestellt und somit die Übersichtlichkeit unterstützt (siehe www.ebninfo.at). Der Zeitaufwand pro Darstellung beträgt rund zwei Stunden. Die positiven Rückmeldungen zur Veranschaulichung der Ergebnisse oder die verbesserte Übersichtlichkeit bestätigen die Intention der Entwicklung.

Schlussfolgerung

Mit visuellen Abstracts können die Ergebnisse von RR anschaulich präsentiert und von den NutzerInnen schneller und einfacher erfasst werden. Die übersichtliche visuelle Darstellung der zentralen Ergebnisse der RR stellt eine zusätzliche Form der Dissemination evidenzbasierter Informationen dar.

Literaturangaben

Garritty C, Gartlehner G, Kamel C, King VJ, Nussbaumer-Streit B, Stevens A, Hamel C, Affengruber L. Cochrane Rapid Reviews. Interim Guidance from the Cochrane Rapid Reviews Methods Group. March 2020

Interessenkonflikte

Das Evidenzbasierte Informationszentrum für Pflegende ist beauftragt und finanziert durch den Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfond

Stichwörter: Rapid Review, Ergebnispräsentation, Nutzerfreundlichkeit, visueller Abstract
PS-5-02

Evidenzbasierte Kommunikation psychologischer Forschung mittels Plain Language Summaries: Das Projekt PLan Psy (#34)

A. Chasiotis1, M. Stoll1, 2, M. Kerwer1, K. Lieb2, M. Bosnjak1

1 Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation, Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
2 Leibniz-Institut für Resilienzforschung, Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Laienverständliche Kurzzusammenfassungen („Plain Language Summaries“: PLS) von meta-analytisch synthetisierter wissenschaftlicher Evidenz finden derzeit vor allem im Bereich der Medizin Anwendung. Wissenschaftlichen Laien wird hierdurch eine evidenzbasierte Grundlage für informierte Entscheidungen angeboten. Vorgaben und Kriterien für solche PLS variieren jedoch und sind nur teilweise empirisch fundiert [1]. Für die Entwicklung von PLS für psychologische Meta-Analysen existieren zurzeit noch keine evidenzbasierten Standards. Das Projekt „PLan Psy“ am Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) setzt hier an und hat zum Ziel, ein Regelwerk zu entwickeln, das evidenzbasierte Standards für die Abfassung von PLS für Meta-Analysen in der Psychologie bereitstellt. Schwerpunktmäßig wird im Projekt außerdem eine laiengerechte Kommunikation der „lebendigen Evidenz“ gemeinschaftlich erweiterter (“community-augmented”) Meta-Analysen [2] angestrebt sowie die laiengerechte Kommunikation von Verzerrungsrisiken in Meta-Analysen untersucht.
Das Projekt wird geleitet durch das ZPID und in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) durchgeführt.

Methoden

Zunächst sollen experimentelle Studien durchgeführt werden, in denen Charakteristika (z.B. die Länge, Grad der Strukturiertheit, Art des Ergebnisberichts, Lesbarkeit) von PLS psychologischer Meta-Analysen im Hinblick auf relevante Outcomes (z. B. Verständlichkeit, objektives Wissen) systematisch variiert werden. Das alltagsnahe Thema der Resilienz, dessen Relevanz auch medizinisch und psychologisch nicht geschulten Personen unmittelbar ersichtlich ist, dient dabei als inhaltliche Grundlage der untersuchten PLS. Aus den hierbei gewonnenen Erkenntnissen werden Kriterien für ein Regelwerk abgeleitet sowie passendes Schulungsmaterial für Autor*innen von PLS entwickelt und mittels einer Zielgruppenbefragung evaluiert.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die Ergebnisse des Projekts in Form eines evidenzbasierten Regelwerks sowie der entwickelten Schulungsmaterialien werden öffentlich verfügbar gemacht. Das Projekt trägt zur Evidenzbasierung laiengerechter Kommunikation synthetisierter wissenschaftlicher Erkenntnisse bei, wovon alle empirischen Fachdisziplinen profitieren können. Ein weiteres Ziel ist es, die laiengerechte Abfassung von PLS in den Regelbetrieb des ZPID zur frei zugänglichen Dokumentation psychologischer Forschung aufzunehmen.

Literaturangaben

[1] Kadic AJ, Fidahic M, Vujcic M, Saric F, Propadalo I, Mareljah I, et al. Cochrane plain language summaries are highly heterogeneous with low adherence to the standards. BMC Medical Research Methodology. 2016; 16(61). DOI: 10.1186/s12874-016-0162-y

[2] Burgard T, Bosnjak M, Studtrucker R. Community-augmented meta-analyses (CAMAs) in Psychology: Potentials and current systems. Zeitschrift für Psychologie [in press].

Interessenkonflikte

Die Autor*innen sind am Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) sowie am Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) beschäftigt, an denen das Projekt durchgeführt wird. Martin Kerwer und Marlene Stoll halten von Projektgeldern geförderte Stellen inne.

Stichwörter: lay summaries, knowledge translation, science communication
PS-5-03

Was ist eine "gute" Plain Language Summary? Ein systematisches Review über laienverständliche Kommunikation wissenschaftlicher Evidenz (#35)

M. Stoll1, 2, M. Kerwer1, K. Lieb2, M. Bosnjak1, A. Chasiotis1

1 Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID), Trier, Rheinland-Pfalz, Deutschland
2 Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR), Mainz, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Laienverständliche Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Evidenz („Plain Language Summaries“: PLS) können die informierte Teilhabe von Betroffenengruppen an evidenzbasierter Medizin vorantreiben [1]. Immer stärker werden PLS für klinische Studien eingefordert, weswegen Richtlinien zur Abfassung solcher PLS an Relevanz gewinnen [2]. Wir haben ein systematisches Literaturreview durchgeführt, um in Richtlinien genannte Kriterien zur Abfassung von PLS zu identifizieren. Zur Prüfung der empirischen Fundierung dieser Kriterien werden ferner Arbeiten identifiziert, die verschiedene Ausgestaltungen von PLS auf ihren Nutzen zur laiengerechten Kommunikation wissenschaftlicher Evidenz überprüft haben. Ziel des Reviews ist eine narrative Synthese des Forschungsstandes zu PLS sowie zu Richtlinien ihrer Ausgestaltung.

Methoden

Die Recherche fand in fünf Datenbanken (Web of Science, PubMed, Cochrane Library, PsycInfo, PSYNDEX) zwischen Juni und September 2020 statt.  Zusätzlich wurde händisch nach PLS-Richtlinien gesucht. Eingeschlossen wurden empirische oder theoretische Arbeiten zu PLS sowie Richtlinien zum Verfassen von PLS. Ausgewertet wurde der Typ der Arbeit und die Disziplin der betrachteten PLS. Außerdem wurden aus theoretischen Arbeiten die Ziele von PLS, aus empirischen Arbeiten Informationen hinsichtlich der untersuchten Charakteristika und Outcomes extrahiert sowie aus PLS-Richtlinien Informationen zu Kriterien.

Ergebnisse

Es wurden 4279 potentiell relevante Studien identifiziert, von denen 147 im Volltext auf Einschluss geprüft wurden. Final konnten 69 Arbeiten eingeschlossen und ausgewertet werden. Der Typ der Arbeit war: 20/69 (29%) theoretisch, 32/69 (46%) empirisch, 17/69 (25%) Richtlinien. Die überwiegend (80%) aus dem medizinischen Bereich stammenden Artikel zeigten Heterogenität bezüglich der Definition und Zielsetzung von PLS und eine hohe Varianz an untersuchten Charakteristika und Outcomes. Die Zielsetzungen spiegelten sich nur zu Teilen in den empirisch untersuchten Outcomes wider. Kriterien in Richtlinien waren nur zum Teil empirisch fundiert.

Schlussfolgerung

Eine Stärke der gemeinsamen Analyse empirischer Arbeiten zu PLS und zugehöriger Richtlinien ist, dass Forschungslücken im Bereich der laiengerechten Kommunikation wissenschaftlicher Evidenz illustriert werden können. Die vorliegende Arbeit unterstützt damit auch den Ausbau der empirischen Fundierung laiengerechter Kommunikation medizinischer Evidenz.

Literaturangaben

[1] Brehaut JC, Santesso N, O'Connor AM, Lott A, Lindgaard G, Syrowatka A, et al. Presenting Evidence to Patients Online. What Do Web Users Think of Consumer Summaries of Cochrane Musculoskeletal Reviews? Journal of Medical Internet Research. 2011; 13(1), e5. DOI: 10.2196/jmir.1532.

[2] Barnes A, Patrick S. Lay Summaries of Clinical Study Results. An Overview. Pharmaceutical Medicine. 2019; 33(4), 261–68. DOI: 10.1007/s40290-019-00285-0.

Stichwörter: Plain Language Summary, Wissenschaftskommunikation, Knowledge Translation, lay summaries
PS-5-04

Empfehlungen zur Datenextraktion in systematischen Übersichtsarbeiten: ein methodischer Review (#44)

R. B. Büchter1, A. Weise1, D. Pieper1

1 Private Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM), Abteilung für Evidenzbasierte Versorgungsforschung, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Der Prozess der Datenextraktion im Rahmen systematischer Übersichtsarbeiten (SÜ) bildet das Fundament für die Bewertung, Analyse, Synthese und Interpretation der zugrundeliegenden Forschungsergebnisse. Dies macht die Entwicklung und Pilotierung von Extraktionsbögen sowie die Datenextraktion zu einem kritischen Element von Evidenzsynthesen. Ziel dieser Arbeit war, Empfehlungen zu diesen drei Dimensionen zusammenzufassen.

Methoden

Wir haben nach Methodenhandbüchern von auf SÜ spezialisierten Organisationen (SÜ-Handbücher), Lehrbüchern, Methodendokumenten von Health Technology Assessment (HTA) Organisationen und Journalartikeln recherchiert (Suchen zwischen Februar und Dezember 2019). Zu jeder Dimension wurde eine Itemliste, ein Extraktionsbogen und ein Klassifikationsmuster zur Sammlung von Empfehlungen entwickelt. Ein Autor hat die Daten extrahiert und eine zweite Person diese auf Korrektheit geprüft. Die Ergebnisse wurden deskriptiv zusammengefasst.

Ergebnisse

Wir haben 25 Dokumente ausgewertet: 4 SÜ-Handbücher, 11 Lehrbücher, 5 HTA-Dokumente und 5 Journalartikel. Über alle Quellen hinweg waren die häufigsten Empfehlungen zur Entwicklung von Extraktionsbögen: Maßgeschneiderte oder adaptierte Bögen zu verwenden (14/25); genaue Instruktionen bereitzustellen (10/25); eindeutige und konsistente Kodierungen und Antwortmöglichkeiten zu verwenden (9/25); von vornherein zu planen, welche Daten erforderlich sind (9/25) und unveröffentlichte Daten anzufordern (8/25); und mehrere Publikationen zu einer Studie zu verknüpfen (8/25). Die häufigsten Empfehlungen zur Pilotierung waren, dass Extraktionsbögen an einer Auswahl an Studien getestet werden sollen (18/25) und dass die extrahierenden Personen in der Anwendung geschult werden sollen (7/25). Die häufigsten Empfehlungen zur Extraktion waren, dass die Daten durch mindestens zwei Personen extrahiert werden sollen (17/25); dass eine unabhängige Parallelextraktion erfolgen soll (11/25) und dass Regeln zur Klärung von Dissensen aufgestellt werden sollen (14/25).

Schlussfolgerung

In der Gesamtschau zeigen die Ergebnisse, dass Empfehlungen zur Datenextraktion in systematischen Übersichtsarbeiten teils unvollständig und inkonsistent sind. Dies kann insbesondere für weniger erfahrene Reviewer, die nach Anleitungen suchen, problematisch sein. Limitationen unsere Analyse sind der Scoping-Charakter des Reviews und dass wir keine internen, unveröffentlichten Dokumente von HTA-Organisationen ausgewertet haben.

Interessenkonflikte

Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Stichwörter: Systematische Übersichtsarbeiten, Datenextraktion, Methodik
PS-5-05

Einflussfaktoren auf die Präferenz zwischen schriftlichen und persönlichen Zweitmeinungen (#75)

N. Könsgen1, B. Prediger1, A. - M. Bora1, V. Weißflog2, J. - C. Loh2, D. Pieper1

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Köln, Deutschland
2 Medexo GmbH, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Persönliche ärztliche Zweitmeinungen (ZM) sind in §27b SGB V verankert. Daneben bieten telemedizinische ZM-Anbieter schriftliche ZM an. Befragungen zeigten eine starke Präferenz von persönlichen ZM gegenüber anderen ZM, während jedoch die Befragung von KundInnen eines telemedizinischen ZM-Anbieters eine hohe Zufriedenheit ergab. Ziel war die Erhebung von Einflussfaktoren auf die Präferenz zwischen persönlichen und schriftlichen ZM anhand der Befragung von KundInnen eines telemedizinischen ZM-Anbieters (Medexo).

Methoden

KundInnen, die sich zwischen Januar 2016 und Februar 2019 (n=1247) bei Medexo eine ZM eingeholt hatten, wurden von August bis einschließlich November 2019 bis zu dreimal postalisch kontaktiert. Potentielle Einflussfaktoren auf die Präferenz der ZM wurden mit SPSS analysiert.

Ergebnisse

Die 368 TeilnehmerInnen (Response 30%) waren zu 54% männlich und zu 95% gesetzlich versichert. Die Meisten (153/368; 42%) nannten organisatorische Aspekte oder Neutralität (79/368; 21%) als Vorteil einer telemedizinischen ZM. Die am häufigsten genannten Nachteile waren das standardisierte Verfahren ohne persönlichen Kontakt (202/368; 55%) und Vertrauensschwierigkeiten (in ZM oder Zweitmeiner) (19/368; 5%). Rund 33% (123/368) präferierten eine persönliche ZM und 20% (73/368) eine schriftliche ZM, während 41% (150/368) beides gleich bewerteten und 6% (22/368) hierzu keine (gültige) Angabe machten. Personen mit Präferenz einer persönlichen und Personen mit Präferenz einer schriftlichen ZM unterschieden sich nicht bezüglich des Alters bei ZM-Einholung (57,92 Jahre (Standardabweichung (SD) 12,94) vs. 60,99 Jahre (SD 14,37; p=0,133). Gleiches galt für die Gesundheitskompetenz (European Health Literacy Survey (HLS-EU)-16; 0-16 mit höheren Werten als Indikator für eine höhere Gesundheitskompetenz: 10,49 (Standardabweichung (SD) 3,50)  vs. 11,23 (SD 3,12); p=0,167) und die Entscheidungsunsicherheit (Decision Conflict Scale (DCS): 0-100 mit höheren Werten als Indikator für einen niedrigeren Entscheidungskonflikt: 66,96 (SD 19,14) vs. 71,01 (SD 18,00); p=0,176).

Schlussfolgerung

Ein Selektionsbias kann nicht ausgeschlossen werden. Persönliche ZM wurden eher präferiert als schriftliche. Beide Gruppen unterschieden sich leicht aber nicht signifikant in Bezug auf das Alter bei ZM-Einholung, die Gesundheitskompetenz und den Entscheidungskonflikt. Vergleichende Studien sind nötig, um Vor- und Nachteile beider ZM-Arten zu erheben.

Innovationsfonds (Versorgungsforschung) – Förderkennzeichen: 01VSF18014.

Interessenkonflikte

Im Rahmen des Forschungsprojekts ZWEIT besteht eine Zusammenarbeit mit der Medexo GmbH.

Das IFOM der UW/H erhielt im Rahmen einer Projektförderung zum Thema Zweitmeinung Fördergelder von der Medexo GmbH.

Stichwörter: Zweitmeinung, Patientenpräferenz, Einflussfaktoren, Telemedizin
PS-5-06

Priorisierung von relevanten Cochrane Review Themen im Bereich Hämatologie (#87)

C. Hirsch1, T. Jakob1, E. Tomlinson2, L. Estcourt3, S. Theurich4, S. Ocheni5, S. Nicole6, V. Piechotta1

1 Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Abteilung I für Innere Medizin, Cochrane Haematology, Köln, Deutschland
2 Royal United Hospital, Cochrane Cancer Network, Bath, Großbritannien
3 NHS Blood and Transplant, Haematology/Transfusion Medicine, Oxford, Großbritannien
4 Ludwig‐Maximilians‐Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik III, LMU Klinikum, München, Deutschland
5 University of Nigeria, Department of Haematology & Immunology, Ituku-Ozalla Campus, Enugu, Nigeria
6 Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Abteilung I für Innere Medizin, Cochrane Cancer, Köln, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Priorisierung von Forschungsfragen beschränkt sich nicht nur auf die Primärforschung, sondern spielt auch bei der Erstellung systematischer Reviews eine wichtige Rolle. Dadurch wird sichergestellt, dass Ressourcen effektiv genutzt und zur Produktion relevanter systematischer Reviews eingesetzt werden1. Ziel der Arbeit war es, im Rahmen des Priorisierungsprozesses der Cochrane Haematology Gruppe die Top 10 Themen für Review-Updates und die Top 5 Themen für neue Reviews zu ermitteln.

Methoden

Der Priorisierungsprozess bestand aus zwei Phasen. In der ersten Phase wurden zu priorisierende Review Themen erarbeitet, indem Trends (z.B. durch Zitationen in Leitlinien, Aufrufe in der Cochrane Library) und Lücken (durch Screenen priorisierter Fragestellungen der American Society of Hematology (ASH), der European Hematology Association (EHA), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) und der James Lind Alliance (JLA) im Bereich Hämatologie) im aktuellen Review Portfolio der Gruppe identifiziert wurden. Die ermittelten Themen wurden dann unter Beteiligung der Editoren der Gruppe verfeinert und in der zweiten Phase von zuvor identifizierten Stakeholdern in einer online Umfrage priorisiert.

Ergebnisse

Die online Umfrage war vom 6. Juli 2020 bis zum 28. August 2020 geöffnet. Während dieser Zeit gingen 160 Antworten ein. Die meisten Befragten identifizierten sich als Arzt (34%), von einer hämatologischen Erkrankung Betroffener (31%) oder Wissenschaftler (24%). Die Mehrheit der Befragten kam aus dem Vereinigten Königreich (n = 72), Deutschland (n = 20) und Kanada (n = 11). Review Update Themen wurden von 73 Befragten priorisiert. Die Top 10 Themen adressierten Interventionen beim multiplen Myelom, Hodgkin-Lymphom und Themen aus den Bereichen Stammzelltransplantation und unterstützende Behandlungen von hämatologischen Erkrankungen. Neue Review Themen wurden von 62 Befragten priorisiert. Die Top 5 Themen befassten sich mit dem myelodysplastischen Syndrom (MDS), Wiederauftreten der Erkrankung nach einer post-hämatopoetischen Stammzelltransplantation und dem Langzeitüberleben bei Krebs. Von 16 Befragten wurden weitere Themen vorgeschlagen.

Schlussfolgerung

Durch die Priorisierung wurden unter Beteiligung diverser Stakeholder die relevantesten Review Themen ermittelt und tragen nun dazu bei, dass die wichtigsten Reviews der Gruppe aktualisiert und Lücken im Review-Portfolio durch die Erstellung neuer Reviews geschlossen werden.

Literaturangaben

1: Nasser M, Welch V, Tugwell P, Ueffing E, Doyle J, Waters E. Ensuring relevance for Cochrane reviews: evaluating processes and methods for prioritizing topics for Cochrane reviews. Journal of Clinical Epidemiology. 2013; 66: 474-482.

Interessenkonflikte

keine

Stichwörter: Priorisierung, Stakeholder
PS-5-07

Handreichung zur Patient*innenbeteiligung an klinischer Forschung (#126)

I. Schilling1, 2, H. Jilani1, 2, K. I. Rathjen1, 2, A. Gerhardus1, 2

1 Institut für Public Health und Pflegeforschung, Universität Bremen, Abteilung für Versorgungsforschung, Bremen, Bremen, Deutschland
2 Health Sciences Bremen, Universität Bremen, Bremen, Bremen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Patient*innen aktiv an der Planung, Durchführung und Dissemination von Forschung zu beteiligen zielt darauf ab, die Relevanz und Qualität von Forschung zu steigern, Forschungsprozesse zu demokratisieren und zum Empowerment von Patient*innen beizutragen. In Deutschland wird die aktive Patient*innenbeteiligung an klinischer Forschung seit einigen Jahren u. a. durch die Forschungsförderung gefordert. Die Methodik und Ziele der Beteiligung sind jedoch nicht geregelt. Dadurch fehlt es Forschenden und Gutachter*innen an Informationen über geeignete Formen der Beteiligung. Vor diesem Hintergrund wurde eine Handreichung zur Patient*innenbeteiligung an klinischer Forschung entwickelt.

Methoden

Die Handreichung wurde im Rahmen eines BMBF-geförderten Projektes am Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Klinische Studien Bremen entwickelt. Sie wurde durch Vertreter*innen von Patient*innen, Forschenden und Forschungsförderern in einem mehrstufigen Feedbackprozess kommentiert bzw. diskutiert und mehrfach durch die Autor*innen überarbeitet.

Ergebnisse

Die Handreichung soll eine praktische Unterstützung für die Planung und Umsetzung von Patient*innenbeteiligung darstellen. Entsprechend ist sie aufgebaut: In Kapitel 1 wird in das Thema der Patient*innenbeteiligung eingeführt. Kapitel 2 gibt einen Einblick in die Erfahrungen zweier Patientinnen mit Patient*innenbeteiligung. Kapitel 3 widmet sich der Planung, Kapitel 4 der Durchführung von Patient*innenbeteiligung. Kapitel 5 gibt einen Ausblick auf Handlungsbedarfe und Entwicklungspotentiale. Die Handreichung wurde als Version 1.0 im August 2020 publiziert. Sie ist ein lebendes Dokument, das regelmäßig überarbeitet und weiterentwickelt wird. Ein Feedbackbogen steht zur Verfügung.

Schlussfolgerung

Die Handreichung richtet sich an klinisch Forschende, die an einer aktiven Patient*innenbeteiligung interessiert sind und bietet diesen eine praktische Unterstützung. Forschungsfördernde und Gutachter*innen können die Handreichung als Orientierung bei der Bewertung der Patient*innenbeteiligung in Forschungsanträgen nutzen. Darüber hinaus kann die Handreichung auch Patient*innen unterstützen, die sich aktiv an klinischer Forschung beteiligen wollen.

Literaturangaben

Jilani, H.; Rathjen, K.I.; Schilling, I.; Herbon, C.; Scharpenberg, M.; Brannath, W.; Gerhardus, A., 2020: Handreichung zur Patient*innenbeteiligung an klinischer For­schung, Version 1.0, Universität Bremen. Verfügbar unter: http://dx.doi.org/10.26092/elib/229

Interessenkonflikte

Die Autor*innen erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Stichwörter: Patient*innenbeteiligung, Patient and public involvement, klinische Studien, Handreichung
PS-5-08

Untersuchung der Akzeptanz und Wirksamkeit verschiedener Studieninformationsschreiben zur Rekrutierung von Patient*innen im Krankenhaus: Eine eingebettete Cluster-randomisierte Studie (SWAT) (#141)

M. Roos1, M. N. Dichter1, S. Köpke1

1 Universität zu Köln, Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Institut für Pflegewissenschaft, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Eine wesentliche Komponente und zugleich große Herausforderung in der klinischen Forschung ist die Rekrutierung von Studienteilnehmer*innen. In einer Mehrzahl von Studien wird die ursprünglich angestrebte Stichprobengröße nicht bzw. nicht im geplanten Zeitfenster erreicht. Folgen sind eine verminderte statistische Power und wenig belastbare Studienergebnisse oder verlängerte Rekrutierungsphasen mit zusätzlichem Ressourcenverbrauch.

Ein Element in der Rekrutierung ist die Aushändigung von Studieninformationen. Informationsschreiben können hierbei eine potentielle Barriere darstellen. Belastbare Forschungserkenntnisse zur Akzeptanz schriftlicher Studieninformationen und deren Wirksamkeit in Bezug auf die Rekrutierung fehlen jedoch. Daher wird folgende Forschungsfrage abgeleitet:

Wie akzeptiert und wirksam ist ein ansprechend gestalteter Studieninformationsflyer zur Rekrutierung von Patient*innen in einer Fragebogenstudie zum Schlaf im Krankenhaus im Vergleich zu einem formalen Studieninformationsschreiben?

Methoden

Als Teil einer querschnittlichen Beobachtungsstudie zum Schlaf hospitalisierter Patient*innen wird eine eingebettete Cluster-randomisierte Studie zum Vergleich zweier schriftlicher Studieninformationen durchgeführt. In einer repräsentativen Auswahl von 30 Krankenhäusern in Köln und Umgebung werden alle volljährigen und seit mindestens zwei Nächten stationär aufgenommenen Patient*innen (n = ca. 1.000) von 100 Ad-hoc ausgewählten peripheren Stationen Cluster-randomisiert zwei Studiengruppen zugeteilt. Die Randomisierung erfolgt verdeckt durch eine externe Person anhand computergenerierter Randomisierungslisten und stratifiziert nach Krankenhaus. Während Patient*innen in der ersten Gruppe schriftliche Studieninformationen als mehrseitiges Schreiben erhalten, wird Patient*innen in der zweiten Gruppe ein Flyer ausgehändigt. Eine Verblindung der Teilnehmer*innen erfolgt nicht. Zur Wirksamkeitsprüfung werden die Rücklaufquoten (primäres Outcome) analysiert. Vergleiche zwischen den Gruppen erfolgen mittels Chi-Quadrat-Test bzw. Varianzanalyse. Zur Bewertung der Akzeptanz (sekundäres Outcome) wird ein eigens entwickelter Fragebogen eingesetzt. Quantitative Fragebogenanteile werden deskriptiv, qualitative Anteile inhaltsanalytisch ausgewertet. An der Auswertung beteiligte Personen werden in Bezug auf die Gruppenzugehörigkeit verblindet.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Durch die Studie sollen Erkenntnisse zur erfolgreichen Rekrutierung von Teilnehmer*innen in klinischen Studien generiert werden.

Interessenkonflikte

Es liegen keine Interessenkonflikte vor.

Stichwörter: Rekrutierung, Studieninformationsschreiben, klinische Forschung, eingebettete Cluster-randomisierte Studie, SWAT
PS-5-09

DESAM-ForNet – Aufbau einer Forschungsinfrastruktur in der hausärztlichen Versorgung (#150)

N. Bethge1, A. Schmid1, S. C. Semler2, F. Gerlach3, A. Niemeyer2, L. Heinz1

1 Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Berlin, Deutschland
2 TMF – Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V., Berlin, Deutschland
3 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Versorgung von Patientinnen und Patienten in Deutschland findet zu wesentlichen Teilen in der Hausarztpraxis statt. Durch hohe Fallzahlen, der Abbildung verschiedenster Krankheitsbilder sowie durch die medizinische Befassung vom Frühstadium über die Behandlung bis zur Nachsorge kann die Allgemeinmedizin erhebliche Beiträge zu neuen, effizienten und wirkungsvollen Therapien leisten, die das Gesundheitssystem für die zukünftigen Herausforderungen der demografischen Entwicklung und den veränderten Lebensstil stärken. Jedoch fehlen für viele relevante Fragestellungen in der Hausarztpraxis wissenschaftlich fundierte Antworten. Forschungsergebnisse aus der Universitätsklinik sind nur teilweise auf Patientinnen und Patienten in der Praxis übertragbar.

Der Blick zu anderen Ländern zeigt, dass die Vernetzung von Forschungspraxen diese evidenzbasierten Antworten zu den Problemen im allgemeinmedizinischen Bereich liefern kann. Der Unterschied zu Deutschland, liegt unteranderem in der Infrastruktur, die wissenschaftlich hochwertige überregionale Studien zu den Themen der Allgemeinmedizin ermöglicht.

Methoden

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert jetzt den Aufbau einer nachhaltigen Netzwerkstruktur für allgemeinmedizinische Forschungspraxen in Deutschland gefördert. Hierzu sollen neue lokale, regionale bzw. überregionale Netzwerke aus allgemeinmedizinischen Forschungspraxen mit Anbindung an die allgemeinmedizinischen Institute der medizinischen Fakultäten aufgebaut bzw. bestehende Netzwerke weiterentwickelt werden.

Die Deutsche Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin hat in Kooperation mit der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) eine Koordinierungsstelle geschaffen, um so eine überregionale Netzwerkstruktur zu gestalten, die für die bundesweite Harmonisierung in den Themen Schulungen, Qualitätssicherung, IT-Infrastruktur, Datenschutz, Patientenbeteiligung und Nachhaltigkeit zuständig ist.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Durch das so entstehende bundesweite Netzwerk für die Forschung im allgemeinmedizinischen Bereich werden methodische Kompetenzen und standardisierte Verfahren entwickelt, die im Ergebnis eine bundesweit verfügbare, international wettbewerbsfähige und nachhaltige Forschungsinfrastruktur schafft.

Interessenkonflikte

Es sind keine Interessenkonflikte bekannt.

Stichwörter: Gesundheitsversorgung, Allgemeinmedizin, Forschungspraxen, Primärversorgung