EbM 2021
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Postersession 6: Optimierung von Methoden der EbM II

Moderatoren: Mathes, Tim, Dr. (Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit, Wuppertal, Deutschland)
 
Shortcut: PS-6
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 16:15 - 17:45
Raum: Session
Sessiontyp: Poster

Abstract

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PS-6-01

Finanzielle Anreizsysteme durch Arbeitgeber zur Förderung körperlicher Aktivität von Angestellten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (#40)

T. Seuring1, J. Frense2, L. Christianson2, T. Heise2

1 Luxembourg Institute of Socio-Economic Research (LISER), Esch-sur-Alzette, Luxemburg
2 Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), Bremen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

In Deutschland ist nahezu die Hälfte der arbeitenden Bevökerung während ihrer Erwerbstätigkeit vorwiegend körperlich inaktiv. Daher bieten viele Unternehmen innerhalb der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) bewegungsfördernde Maßnahmen an. Seit Verabschiedung des Präventionsgesetzes (PrävG) haben gesetzliche Krankenkassen eine Ausweitung ihrer Möglichkeiten erhalten, finanzielle Anreize zu nutzen, um die Teilnahme an BGF-Maßnahmen für Mitglieder zu fördern. Trotz der Zunahme qualitativ hochwertiger Studien zur Effektivität finanzieller Anreize zur Steigerung der körperlichen Aktivität im betrieblichen Setting, wurden diese bisher nicht systematisch zusammengefasst. Ziele dieses Reviews sind daher: die Bewertung der Wirksamkeit arbeitgebergestützter finanzieller Anreizsysteme zur Bewegungsförderung (i) auf Programmteilnahme, körperliche Aktivität und andere relevante Endpunkte, (2) nach Alter, Geschlecht, Implementationsart und Studienqualität; sowie (3) Betrachtung von Interventionskosten und Kosteneffektivität.

Methoden

Unser Systematischer Review synthetisiert Evidenz aus (cluster-)randomisierten kontrollierten Studien. Die bereits abgeschlossene Literatursuche umfasste acht wissenschaftliche Datenbanken, zwei graue Literaturquellen, zwei Studienregister und fünf Websites. In beiden Screeningstufen (Titel/Abstract, Volltext) werden vorab definierte Auswahlkriterien gemäß unseres Review-Protokolls verwendet. Zur Bewertung der Studienqualität wird das Cochrane RoB 2.0-Tool angewendet. Screening, Qualitätsbewertung und Datenextraktion werden dabei von zwei Personen unabhängig voneinander durchgeführt. Bei ausreichender Anzahl von Studien mit homogenen Daten bzgl. primärer Endpunkte, werden Meta-Analysen berechnet. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz wird abschließend mittels GRADE bewertet werden.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Vorläufige Ergebnisse der Evidenzsynthese werden zum Kongress vorgestellt. Sollte dieser Review zeigen, dass finanzielle Belohnungen die körperliche Aktivität von Erwerbstätigen erhöhen, würde dies die Nutzung solcher Anreize als evidenzbasierter Bestandteil der BGF untermauern. Bei fehlendem Wirksamkeitsnachweis, könnte es ökonomisch als auch gesundheitspolitisch angezeigt sein, andere verhaltens- oder verhältnispräventive BGF-Maßnahmen vorzuziehen.

Stichwörter: finanzielle Anreize, betriebliches Gesundheitsmangement, systematic review, körperliche Aktivität
PS-6-02

A new method for testing reproducibility in systematic reviews was developed, but needs more testing (#68)

D. Pieper1, S. Hess1, C. M. Faggion jr.2

1 Universität Witten/Herdecke, Institut für Forschung in der Operativen Medizin, Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
2 Universitätsklinikum Münster, Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung, Münster, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Systematic reviews (SRs) are essential to inform evidence-based decision making in health care across different groups such as clinicians, patients and policy makers. It was found that reproducible research practices are uncommon in SRs, and thus limiting the possibility of testing for reproducibility. However, to the best of our knowledge up to date no testing of the whole SR instead of single steps has been conducted. Therefore, we set out to develop and execute a strategy to test for reproducibility in a SR. Our strategy comprised the reproducibility of the following steps of a SR: search, selection, data extraction and risk of bias (RoB) assessment.

Methoden

We have developed an approach to test reproducibility retrospectively. Our strategy was tested on a random chosen SR. We replicated the literature searches and drew a 25% random sample followed by study selection, data extraction, and risk of bias (RoB) assessments performed by two reviewers independently. These results were compared narratively with the original review.

Ergebnisse

We were not able to fully reproduce the original search resulting in minor differences in the number of citations retrieved. To a larger extent, we found differences in study selection, including studies that should have been included according to the eligibility criteria, while other should not be included. We found only one disagreement in the extracted data that was unlikely to have an impact on the review´s conclusion. The most difficult section to be reproduced was the RoB assessment due to the lack of reporting clear criteria to support the judgement of RoB ratings.

Schlussfolgerung

Our approach resembles a post-publication review that is performed in a structured way. Thus, reproducibility tests can become a part of such post-publication reviews and allow the original review authors to improve on their review in terms of reporting and methodological quality. An essential step in reproducing SRs is that SR authors make all of their data accessible. This will allow reproducibility and increase the credibility of SRs. Our approach as well as other approaches needs to undergo testing and comparison in the future as the area of testing for reproducibility of SRs is still in its infancy.

Interessenkonflikte

The authors declare to have no conflicts of interest.

Stichwörter: systematic reviews, reproducibility of results, methodological quality, data extraction, risk of bias
PS-6-03

Durchführung und Berichterstattung von Fokusgruppen: Ein Scoping Review (#85)

L. Hoffmann1, F. Seegers1, A. Stephan1

1 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Medizinische Fakultät, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Halle (Saale), Sachsen-Anhalt, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Fokusgruppen (focus groups) werden als Datenerhebungsmethode in der qualitativen Forschung und zunehmend auch in der Gesundheits- und Pflegewissenschaft eingesetzt. Dabei ist der Begriff focus group für Gruppendiskussionsverfahren insgesamt gebräuchlich, bildet die methodische Varianz der Durchführung jedoch nicht ab. Auch im Deutschen ist eine eindeutige Abgrenzung von Fokusgruppen, Gruppendiskussionen und anderen Formen der Gruppeninterviews schwierig. Daher wurde ein Scoping Review durchgeführt, um die Durchführung und Berichterstattung von Fokusgruppen in Publikationen zu untersuchen.

Methoden

In den Datenbanken MEDLINE via PubMed, CINAHL und Social Science Citation Index wurde nach pflege- und gesundheitswissenschaftlichen Publikationen recherchiert, die Fokusgruppen als Methode angaben (Suchzeitraum 2009-2019). Da die Anzahl der Studien sehr hoch war, wurde zur Beantwortung der Forschungsfrage eine 1%ige Zufallsstichprobe gezogen. Zwei Personen prüften die Ein- und Ausschlusskriterien. Die Datenextraktion erfolgte anhand einer literaturbasiert entwickelten und mit Experten diskutierten Datenextraktionsmatrix. Die Übereinstimmung bei der Datenextraktion wurde anhand einer Stichprobe von 10 Studien überprüft (Übereinstimmung 93%). Die Ergebnisse wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse

Die 1%ige Zufallsstichprobe aus 40.639 Studien lag bei n=408 Studien, wovon 319 Artikel eingeschlossen wurden. Die meisten Studien wurden in den USA durchgeführt (31,7%). Der Median von Teilnehmenden pro Fokusgruppe beträgt 7 und im Mittel wurden 5,5 Fokusgruppen pro Studie durchgeführt. In 179 (56,1%) Studien wurden semi-strukturierte Leitfäden eingesetzt. Die Verwendung der Terminologie focus group erfolgt in internationalen Publikationen nahezu einheitlich. Eine Reihe methodisch relevanter Aspekte wurde durchweg nicht berichtet, so fehlen in 92% der Publikationen Angaben zur Interaktion unter den Teilnehmenden und in 72% zur Rolle der Moderierenden.

Schlussfolgerung

Einige bei der Durchführung von Fokusgruppen methodisch wichtige Aspekte werden in der Regel nicht berichterstattet, insbesondere hinsichtlich der interaktiven Prozesse. Die entwickelte Datenextraktionsmatrix kann genutzt werden, um Merkmale von Fokusgruppen differenziert zu beschreiben.

Interessenkonflikte

Die Autor*innen geben an, dass keine Interessenskonflikt besteht.

Stichwörter: Fokusgruppe, Gruppendiskussion, Qualitative Forschung, Scoping Review
PS-6-04

Systematische Evidenzaufarbeitung für Leitlinien – eine Bestands- und Bedarfsermittlung bei wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (#97)

S. Schmidt1, J. J. Meerpohl2, 3, B. Wullich4, 1, M. Nothacker5

1 Deutsche Gesellschaft für Urologie e. V., UroEvidence, Berlin, Berlin, Deutschland
2 Universitätsklinikum & Medizinische Fakultät, Universität Freiburg, Institut für Evidenz in der Medizin, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
3 Cochrane Deutschland, Cochrane Deutschland Stiftung, Freiburg, Baden-Württemberg, Deutschland
4 Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen, Urologische und Kinderurologische Klinik, Erlangen, Bayern, Deutschland
5 Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

In den letzten Jahren hat die systematische Evidenzaufarbeitung in den wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (FG) einen wachsenden Stellenwert erhalten. Diese wird vorwiegend für medizinische Leitlinien, aber auch für systematische Übersichtsarbeiten und politische Stellungnahmen genutzt.

Ziel dieser Arbeit war es, die aktuelle Situation in den FG bezüglich der Anforderungen an die systematische Evidenzaufarbeitung zu ermitteln.

Methoden

Geschlossene, freiwillige online Umfrage an die Geschäftsstellen und Leitlinienbeauftragten der FG (im Zeitraum: 12.06. - 19.07.2020 via SurveyMonkey®). Es erfolgte eine E-Mail Einladung (2 Reminder) über den Adressenverteiler der AWMF (N=179). Es wurde ein Fragebogen mit 10 offenen und geschlossenen Fragen entwickelt mit Einzel-, und Mehrfachantwortmöglichkeiten. Die Datenkontrolle und Auswertung erfolgten mit Excel (Microsoft Office 2019).

Ergebnisse

Die Antworten von 92 FG standen zur Verfügung (51% Rücklaufquote).

84% geben an, dass die Anforderungen über die letzten Jahre aufwändiger geworden sind. Die größten Probleme liegen bei den zeitlichen und personellen Ressourcen (96%), gefolgt von der Finanzierung (62%). 66% der FG wünschen sich sowohl bei der Evidenzaufarbeitung als auch bei den organisatorischen Aspekten der Leitlinienarbeit Unterstützung.

Methodische Unterstützungsbedarfe werden bei der Studienbewertung (78%), der Datenaufbereitung in Evidenztabellen (75%) und der Formulierung von Suchstrategien (66%) gesehen.  Ein Leitliniensekretariat (66%), eine geschützte Plattform zum Datenaustausch (58%) und Unterstützung beim Datenmanagement (55%) sind organisatorische Bedarfe.

Weitere Kernthemen sind die fehlende Anerkennung für die zumeist ehrenamtliche und in der Freizeit stattfindende Leitlinienarbeit, der zunehmende Mangel an freiwilligen Leitlinienautoren, sowie fehlende Kapazitäten kleiner FG, eigene S3-Leitlinien zu initiieren.

Schlussfolgerung

Um die Zukunft und Aktualität hochwertiger systematischer Evidenzaufarbeitungen zu sichern, brauchen die FG nicht nur finanzielle, sondern vor allem methodische und organisatorische Unterstützung.

Eine Vereinfachung der sich wiederholenden Prozesse in der Evidenzaufarbeitung durch gemeinsame, interessenunabhängige und digitale Strukturen würde eine erleichterte Berücksichtigung methodischer Aspekte und verstärkte Fokussierung auf inhaltliche Diskussionen seitens der klinischen Experten zulassen, was diese in ihrer Motivation stärken könnte.

Interessenkonflikte

S. Schmidt und J. J. Meerpohl geben an, dass sie Evidenzsynthesen und Beratungen für Leitlinienaktivitäten anbieten. M. Nothacker gibt an, dass sie Beratungen für Leitlinienaktivitäten anbietet. B. Wullich gibt an, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

Stichwörter: Leitlinien, Evidenzsynthese, Umfrage, Fachgesellschaften, Bedarfsevaluation
PS-6-05

Aktualisierung des AWMF-Regelwerks Leitlinien (#99)

M. Nothacker1, S. Bloedt1, C. Muche-Borowski2, S. Erstling1, I. Kopp3

1 AWMF, AWMF-IMWi, Berlin, Deutschland
2 UKE, Institut für Allgemeinmedizin, DEGAM Leitlinienentwicklungsstelle, Hamburg, Deutschland
3 AWMF, AWMF-IMWi, Marburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Das AWMF-Regelwerk ist die Leitlinie zur Erstellung und Publikation aktueller und hochwertiger Leitlinien der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften im AWMF-Leitlinienregister. Es dient zum einen der Sicherstellung und Darlegung der Qualität der einzelnen Leitlinien und zum zweiten der Qualität des AWMF-Leitlinienregisters. Das 2012 erstpublizierte Regelwerk wurde 2019-2020 unter Berücksichtigung internationaler Entwicklungen aktualisiert.

Methoden

Die Regeln für das AWMF-Leitlinienregister wurden in Abgleich mit dem AGREE-II Instrument weiterentwickelt. Für eine einheitliche, nachvollziehbare Bewertung im Rahmen der Qualitätssicherung wurden die Anforderungen so formuliert, dass ein cut-off für deren Erfüllung besteht. In die Aktualisierung der Empfehlungen und Hilfen für Leitlinienerstellende gingen internationale methodische Konzepte (u.a. GRADE, G-I-N), die Prüfung digitaler Werkzeuge für die Leitlinienarbeit und Ergebnisse eines Nutzersurveys ein. Geprüft wurden auch rechtliche Aspekte. Die AWMF-Leitlinienkommission und Leitlinienberater*innen bzw. - methodiker*innen dienten als Peer-Reviewer.

Ergebnisse

Die Abbildung der Betroffenenperspektive als Voraussetzung für die Repräsentativität der Leitliniengruppe wurde um indirekte Verfahren (Literaturrecherche, Surveys/Fokusgruppen) erweitert. Für die Evidenzbasis von Leitlinien wurde die Suche nach systematischen Übersichtsarbeiten als primärer Schritt festgeschrieben, während die Suche nach internationalen Leitlinien nun fakultativ ist. Neu sind die Definition „Living Guideline“ mit Maßgabe der jährlichen Überprüfung der Empfehlungen und die kriteriengestützte Bewertung von Patientenleitlinien. In die Empfehlungen wurden die Endpunktpriorisierung, die zweistufige Empfehlungsgraduierung und das "Evidence to Decision Framework" nach GRADE sowie Beispiele zu verschiedenen laienverständlichen und digitalen Formaten aufgenommen. Zur Sicherstellung der Kohärenz von Leitlinieninhalten und Vorbereitung auf die Digitalisierung wurden Templates erarbeitet. Die Einführung klarer Nutzungsrechtsvereinbarungen dient der unverfälschten (insbesondere auch digitalen) Disseminierung.

Schlussfolgerung

Die erste Aktualisierung des Regelwerks stellt die Kompatibilität mit internationalen methodischen Anforderungen, digitalen Entwicklungen und den Bedürfnissen von Nutzenden nach kompakten Informationen sicher. Die Nutzbarkeit und Praktikabilität werden systematisch überprüft werden.

Interessenkonflikte

Die Autor*innen sind bei der AWMF angestellt (MN, SBL; SE; IK) oder AWMF-Leitlinienberaterin (CMB).

Stichwörter: AWMF-Regelwerk, Leitlinien, Aktualisierung, GRADE, Digitalisierung
PS-6-06

Interessenkonfliktmanagement geht digital - das AWMF-Portal Interessenerklärung Online (#100)

M. Nothacker1, T. Karge2, S. Erstling1, S. Blödt1, I. Kopp3

1 AWMF-IMWi, Berlin, Deutschland
2 Clinical Guideline Services, GmbH, Berlin, Deutschland
3 AWMF-IMWi, Marburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Erhebung von Interessen sowie die kriteriengestützte Bewertung von Interessenkonflikten und Festlegung eines geeigneten Umgangs damit sind obligate Bestandteile von Leitlinien im AWMF-Leitlinienregister. Medizinische Expert*innen müssen auch bei Tätigkeiten für Institutionen im Gesundheitswesen und international z.B. als Autor*innen Interessenerklärungen abgeben. Es stellte sich die Frage nach der Vermeidung von Doppelarbeit bzw. der Möglichkeit der Wiederverwendung einmal getätigter Angaben sowie deren einfache Aktualisierung.

Methoden

2019 erfolgte eine digitale Umsetzung der aktuellen AWMF-Regel zur Erklärung von Interessen und des Umgangs mit Interessenkonflikten bei Leitlinienvorhaben. Darüber hinaus wurden die in den weiteren Institutionen des deutschen Gesundheitswesens gebräuchlichen Formulare als Exportmöglichkeit angelegt und in einem Pilotprojekt die Kompatibilität mit der digitalen Leitlinienplattform MAGICApp geprüft. Unter Beachtung der DSGVO wurde ein Konzept für Teilnehmerrollen und Zugriffsberechtigungen erarbeitet und umgesetzt.

Ergebnisse

Das AWMF-Portal Interessenerklärung Online ist eine passwortgeschützte Web-Anwendung mit Serverstandort in Deutschland (1). Jede AWMF-Mitgliedsfachgesellschaft erhält einen Zugang, die Teilnehmerrollen sehen Leitlinienbeauftragte als Verwaltende ohne Einsicht in Projekte, Leitlinienkoordinierende als Projektmanagende und Leitlinienautor*innen vor, die Angaben eintragen und nach Zustimmung dauerhaft speichern können. Die Verwendung der Daten für mehrere Projekte und für den Export in Formulare des IQWiG, IQTIG und G-BA werden so ermöglicht. Die Interessenerklärungen können nach den Maßgaben der AWMF-Regel im Hinblick auf Interessenkonflikte bewertet werden, die Ergebnisse werden mittels eines Ampelsystems gekennzeichnet. Ein digitaler Austausch mit Inhalten in der MAGICApp gelingt über den Import von PICO-Elementen, eine Schnittstelle zum Export einer zusammenfassenden Tabelle mit der Erfassung von Interessen und der Bewertung der Interessenkonflikte ist in Arbeit. Die Integration des ICMJE Formulars ist in Vorbereitung.Das Portal wird Stand 09/2020 von 59 Fachgesellschaften genutzt.

Schlussfolgerung

Die Digitalisierung des Interessenkonfliktmanagements konnte erfolgreich umgesetzt werden. Das Portal kann auch für das Interessenkonfliktmanagement außerhalb von Leitlinien, z.B. in Fachgesellschaften genutzt werden. Anregungen zur Weiterentwicklung sind willkommen.

Interessenkonflikte

MN ,  SE, SBL und IK sind bei der AWMF angestellt. Die Clinical Guideline Services GmbH (TK) erhielt von der AWMF ein Honorar für Programmierung des Portals und für den fortlaufenden technischen Support. MN, IK und TK erhielten eine Förderung durch das BMG für ein Pilotprojekt zu Digitalisierung von Leitlinien.

PS-6-07

Warum die Erstellung von systematischen Reviews ressourcenintensiv ist - Gründe, Einflussfaktoren und potentieller Effizienzgewinn: eine qualitative Studie (#113)

L. Affengruber1, M. Ellen2, L. E. Ziganshina3, B. Nussbaumer-Streit1, R. Sfetcu4

1 Donau-Universität Krems, Cochrane Österreich, Krems, Österreich
2 Ben-Gurion University of the Negevstems Management, Guilford Glazer Faculty of Business and Management and Faculty of Health Sciences, Department of Health Systems Management, Beer Sheva, Israel
3 Cochrane Russia at the Research & Education Centre for Evidence-Based Medicine Cochrane Russia of the Kazan Federal University, Kazan, Russische Föderation
4 Spiru Haret University, Department of Psychology, Bucharest, Rumänien

Hintergrund/Fragestellung

Systematische Reviews sind arbeits- und zeitintensiv. In den letzten Jahren wurden Methoden untersucht, um die Erstellung systematischer Reviews effizienter zu machen. Welche Schritte eines systematischen Reviews jedoch als besonders ressourcenintensiv wahrgenommen werden und somit Ziel von effizienteren Methoden sein sollten, wurde bisher kaum erforscht. Das Ziel dieser Studie ist es anhand von ExpertInneninterviews zu verstehen, warum einige Schritte bei der Erstellung und Aktualisierung systematischer Reviews als ressourcenintensiv empfunden werden und welche möglichen Methoden und Technologien zur Effizienzsteigerung dieser Schritte als hilfreich wahrgenommen werden.

Methoden

Bisher wurden 20 ExpertInnen interviewt, die aktiv an der Erstellung und Aktualisierung von systematischen Reviews zu gesundheitsbezogenen Themen beteiligt sind. Die Stichprobenziehung endet, sobald Datensättigung erreicht wird. Bisherige ExpertInnen vertreten die Bereiche: Cochrane, GIN, HTA, JBI. Wir führten mit den ExpertInnen teilstrukturierte, leitfadengestützte Interviews virtuell durch. Der Interviewleitfaden besteht aus sieben Hauptfragestellungen und Unterfragen, die Interviews dauerten bisher 34 bis 107 Minuten. Die Interviews wurden aufgezeichnet und werden derzeit transkribiert, kodiert und mit Hilfe eines deduktiven Ansatzes thematisch analysiert. Dieses Projekt wird im Rahmen der EU geförderten COST-Action EVBRES (Evidence-based research) (https://evbres.eu/) durchgeführt. Die Studie wurde von der Ethikkomission xy bewilligt, das Protokoll wurde a priori im Open Science Framework veröffentlicht.

Ergebnisse

Diese Studie liefert Erkenntnisse darüber, welche Schritte des systematischen Reviewprozesses als ressourcenintensiv wahrgenommen werden und die Gründe dafür. Außerdem werden die Ergebnisse unserer Studie einen Überblick über die Faktoren liefern, die die Ressourcenintensität der verschiedenen Schritte der Erstellung und Aktualisierung von systematischen Reviews beeinflussen sowie eine Priorisierung von möglichen Methoden und Technologien zur Effizienzsteigerung dieser Schritte. Bis zum EBM-Kongress werden die Ergebnisse vorliegen.

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Erstellung systematischer Übersichtsarbeiten ohne Qualitätseinbußen zu beschleunigen und zielgerichtet die Schritte des Reviewprozesses zu adressieren, die am meisten Ressourcen benötigen. Außerdem werden wir Erkenntnisse über kritische Engpässe bei der Durchführung zeiteffizienter systematischer Reviews gewinnen.

Stichwörter: systematische Reviews, qualitative Forschung, Ressourcen, Faktoren
PS-6-08

Systematisches Review zur Messung von Indikationsqualität in Routinedaten (#173)

H. Ermann1, L. Dammertz2, C. Pioch1, M. Nothacker3, U. Schneider4, R. Busse1, V. Vogt1

1 Technische Universität Berlin, Fachgebiet Management im Gesundheitswesen (MiG), Berlin, Berlin, Deutschland
2 Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Fachbereich Epidemiologie und Versorgungsatlas, Berlin, Berlin, Deutschland
3 Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF), Institut für Medizinisches Wissensmanagement (IMWi), Marburg, Hessen, Deutschland
4 Techniker Krankenkasse (TK), Versorgungsmanagement, Hamburg, Hamburg, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Indikationsqualität steht vermehrt im Fokus der Diskussion, wenn es darum geht, die bestmögliche Versorgungsqualität zu gewährleisten, Fehlversorgung zu vermeiden und gleichzeitig das Wirtschaftlichkeitsgebot einzuhalten. Mit dem Ziel, die Indikationsqualität sicherzustellen bzw. zu verbessern, entwickeln Initiativen wie die „Choosing Wisely“ oder die „(Gemeinsam) Klug Entscheiden“-Initiative Empfehlungen zur Unterstützung bei der Indikationsstellung.
Das systematische Review soll einen Überblick über (internationale) Empfehlungen und Indikatoren zu (un-)angemessener Versorgung geben. Damit soll eine Grundlage für die Entwicklung von Indikatoren zur Messung der Indikationsqualität geschaffen werden.

Methoden

Das systematische Review wurde in den Literaturdatenbanken Medline, Embase, Pubmed und Livivo durchgeführt. Dabei wurden bereits verwendete Indikatoren zur Messung von bzw. Empfehlungen zu (un-)angemessenen Versorgungsleistungen indikationsübergreifend identifiziert. Zusätzlich wurden die Internetseiten der Choosing Wisely Initiativen (oder Äquivalente) in deutsch- oder englischsprachigen Ländern nach entsprechenden Empfehlungen durchsucht. In einem zweiten Schritt werden die gesammelten Indikatoren und Empfehlungen auf ihre Operationalisierbarkeit und Messbarkeit in deutschen GKV-Routinedaten hin überprüft und die Evidenzgrundlage der messbaren Indikatoren bewertet.

Ergebnisse

Die durchgeführte Suche ergab 10.086 Treffer in den Literaturdatenbanken. In einem mehrstufigen Screeningverfahren werden Indikatoren zur Messung von Indikationsqualität oder Empfehlungen zu unangemessenen Versorgungsleistungen extrahiert. Die Recherche in den durchsuchten Datenbanken der Choosing Wisely Initiativen (oder Äquivalente) in acht Ländern ergab zusätzliche 1.547 Positiv- und Negativempfehlungen von mehr als 283 Fachgesellschaften zu über 70 Versorgungsbereichen (z.B. Allgemeinmedizin, diagnostische Medizin, Intensivmedizin, Kardiologie und Pflege).

Schlussfolgerung

Die so entstandene Liste von potenziell messbaren und auf Basis der Evidenz validierter Indikatoren bildet die Grundlage für die, weiterführend geplante, Experten-gestützte Entwicklung eines Monitoring-Tools für Indikationsqualität, auf dessen Grundlage das Ausmaß potenziell nicht bedarfsgerechter Versorgung in Deutschland abgeschätzt und Versorgungsaspekte mit besonderem Handlungsbedarf identifiziert werden können.

Interessenkonflikte

keine.

Stichwörter: Indikationsqualität, unangemessene Versorgung, Monitoring-Tool, ambulante Versorgung, stationäre Versorgung
PS-6-09

EbM Lehre in Pandemiezeiten: Ein Prä-Postvergleich der Selbstwirksamkeitserwartung Medizinstudierender zur Evidenzbewertung (#174)

L. Labohm1, L. Schumann1, A. Katalinic1, 2, M. R. Noftz1

1 Universität zu Lübeck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland
2 Universität zu Lübeck, Institut für Krebsepidemiologie e.V., Lübeck, Schleswig-Holstein, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Im Medizinstudium bildet die Ausbildung zum wissenschaftlichen Arbeiten die Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen im späteren klinischen Alltag. Ein Teil der Entscheidungsfindung ist dabei auch der kompetente Umgang mit medizinischer Fachliteratur. An der Universität zu Lübeck durchlaufen Medizinstudierende des 3. Studienjahres im Rahmen des Curriculums ein zweiwöchiges Blockpraktikum (BP) des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie. Das BP vermittelt neben Inhalten der Sozialmedizin auch die Inhalte und Anwendung der evidenzbasierten Medizin (EbM) nach dem Curriculum EbM des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin [1]. Im Sommersemester 2020 haben wir als Dozierende des BP das aktuelle Pandemie-Geschehen zu Covid-19 als neues didaktisches Mittel in die EbM-Lehre eingebunden. Dabei entstand der Eindruck, dass die Studierenden ein ausgeprägtes Interesse daran haben, die EbM Inhalte für einen kompetenteren Umgang mit der Fachliteratur zur allgegenwärtigen Corona-Pandemie zu nutzen. In Zeiten von Verschwörungstheorien und Fake-Science schien insbesondere die eigene Befähigung zur Beurteilung der Validität der aktuellen Evidenz ein wichtiges Thema zu sein. Aus diesen subjektiven Beobachtungen entwickelte sich die Frage, ob und inwieweit die Vermittlung der Konzepte der EbM die Selbstwirksamkeitserwartung der Studierenden bezüglich der Bewertung bestehender Evidenz zum Thema Covid-19 verändern kann.

Methoden

Medizinstudierende des 3. Studienjahres (ca. 200 Studierende), die im akademischen Jahr 2020/2021 an unserem BP teilnehmen, werden gebeten an einem  online Survey (pseudonymisiert) mittels eines Prä- Postdesigns im Abstand von acht Wochen teilzunehmen. Erhoben wird die Selbstwirksamkeitserwartung nach Bandura [2] im Umgang mit Fachliteratur zu Covid-19. In einem Pretest erreichten die Items als Skala eine gute interne Konsistenz (Cronbachs-α=0,8). Neben soziodemografischen Aspekten werden auch ein allgemeines Interesse an wissenschaftlicher Literatur sowie vorherige Erfahrungen im Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens (z.B. Promotion) abgefragt, um Einflussfaktoren auf die Selbstwirksamkeitserwartung abbilden zu können.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Wir erwarten, dass sich nach acht Wochen eine erhöhte Selbstwirksamkeitserwartung bei den Studierenden in Bezug auf die Beurteilung der Evidenz zu Covid-19 abbilden lässt. Daraus ließe sich ableiten, aktuelle Public Health Themen als didaktisches Mittel in der EbM-Lehre verstärkt einzusetzen.

Literaturangaben

[1] Steckelberg A, Siebolds M, Lühmann D, Weberschock T, Strametz R, Weingart O, Albrecht M, Braun C, Balzer K. Fachbereich EbM in Aus- Weiter- und Fortbildung, Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (2017). Kerncurriculum Basismodul Evidenzbasierte Entscheidungsfindung. http://www.ebm-netzwerk.de/was-wir-tun/publikationen/kerncurriculum.pdf (Zugriff am 12.10.20)

[2] Bandura, A. (1994). Self-efficacy. In V. S. Ramachaudran (Hrsg.), Encyclopedia of human behavior (4. Aufl., Bd.4, S.71–81). New York: Academic Press.

Interessenkonflikte

Keine

Stichwörter: EbM-Lehre, Selbstwirksamkeitserwartung, Medizinstudium, Evidenzbeurteilung, Covid-19