EbM 2021
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Postersession 8: Evidenzbasierung der Gesundheitsversorgung II

Moderatoren: Bollig, Claudia, (Cochrane Deutschland Stiftung, Freiburg)
 
Shortcut: PS-8
Datum: Donnerstag, 25. Februar 2021, 16:15 - 17:45
Raum: Session
Sessiontyp: Poster

Abstract

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PS-8-01

Physiotherapeutisches Patientenmanagement von intensivpflichtigen Patienten mit Covid-19. Erkenntnisse aus der Pandemie (#3)

J. Chrobak1, J. Bräunig1

1 Universitätsklinikum Münster, Zentrale Einrichtungen Physiotherapie, Ergotherapie & Logopädie, Münster, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Durch die Ende 2019 ausbrechende Pandemie mit dem SARS-CoV-2-Virus wuchs die Zahl an Patienten, die sich einer intensivmedizinischen Behandlung unterziehen mussten, rasant an. Die hohen Fallzahlen, die teils schwerwiegenden Verläufe und die daraus resultierende lange Verweildauer sorgten für bisher unbekannte Herausforderungen auf den Intensivstationen. Der Schwerpunkt der physiotherapeutischen Behandlung dieser Patienten liegt auf der Reduzierung von Sekundärkomplikationen, der Verbesserung der Rehabilitationsmöglichkeiten sowie der funktionellen Langzeitprognose.

Methoden

Eine Anwendungsbeobachtung wurde vom 28.03.2020 bis zum 24.06.2020 durchgeführt. Beobachtet wurde die Versorgung der kritisch kranken Intensivpatienten mit Blick auf die veränderten Prozesse des physiotherapeutischen Patientenmanagements während der Covid-19 Pandemie.

Ergebnisse

Die Art und Weise der Physiotherapie unterscheidet sich in ihrem Behandlungsinhalt nicht signifikant in der zu anderen kritisch kranken Patienten auf der Intensivstation. In Bezug auf das Patientenmanagement gibt es erhebliche Unterschiede: Zum einen bindet der erhöhte Bedarf an Infektionsschutz zusätzliche Ressourcen, zum anderen mussten Personalplanung und Personaleinsatz erheblich an die veränderten Umstände angepasst werden. Darüber hinaus ist der verstärkte Einsatz von Personalschulungen für den sicheren Umgang mit infektiösen Patienten ein weiterer Faktor.

Schlussfolgerung

Aufgrund der hohen Bedeutung, die Physiotherapie bereits für das medizinische Outcome kritisch kranker Patienten auf der Intensivstation hat, gilt dies auch in Zeiten einer Pandemie. Erkenntnisse aus dem physiotherapeutischen Patientenmanagement auf der ICU während der Covid-19 Pandemie sollen in den Klinikalltag der Post-Pandemie-Phase zu übertragen werden. Dabei haben sich strukturelle Prozesse als relevant erwiesen, um die physiotherapeutische Patientenversorgung während der Pandemie in der gleichen Qualität wie zuvor zu gewährleisten, die als Empfehlung vorgestellt werden.

Literaturangaben

Interessenkonflikte

Es bestehen keine Interessenkonflikte

PS-8-02

Vergleichende Wirksamkeit verschiedener bewegungstherapeutischer Methoden bei chronischen unspezifischen Rückenschmerzen: Eine Netzwerk-Metaanalyse (#24)

A. K. Koch1, D. Anheyer1, P. Klose1, H. Haller1, G. Dobos1, H. Cramer1

1 Kliniken Essen-Mitte, University of Duisburg-Essen, Department of Internal and Integrative Medicine, Faculty of Medicine, Essen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Chronische unspezifische Kreuzschmerzen (CNSLBP) sind ein großes Problem der öffentlichen Gesundheit. Bewegungstherapeutische Methoden sind wirksame Interventionen. Aufgrund des Mangels an direkten Vergleichen verschiedener Bewegungskategorien sprechen die medizinischen Leitlinien jedoch keine spezifischen Empfehlungen hinsichtlich der Art von Übungen aus. Diese Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) randomisierter kontrollierter Studien untersucht die vergleichende Wirksamkeit verschiedener Bewegungsinterventionen bei Patienten mit CNSLBP. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (Förderkennzeichen 01KG1905).

Methoden

MEDLINE, Scopus, Cochrane Central Register of Controlled Trials, Physiotherapy Evidence Database, SPORTDiscus, Clinicaltrials.gov, Opengrey.eu und das Suchportal der WHO International Clinical Trials Registry Platform werden ohne Sprachbeschränkungen durchsucht. Studien an Erwachsenen mit CNSLBP, in denen Bewegung entweder mit keiner spezifischen Intervention, mit funktionell inerten Interventionen, oder mit einer anderen Form von Bewegung verglichen wird, werden eingeschlossen. Schmerzintensität und rückenspezifische Behinderung sind primäre Endpunkte. Sekundäre Endpunkte sind gesundheitsbezogene körperliche und geistige Lebensqualität, Arbeitsunfähigkeit, Häufigkeit des Schmerzmitteleinsatzes und unerwünschte Ereignisse. Risk of bias wird anhand der Empfehlungen der Cochrane Back and Neck Group bewertet basierend auf einer Anpassung des Cochrane Risk of Bias-Tools. Odds Ratios mit 95% Konfidenzintervallen werden für dichotome Variablen berechnet, Mittelwertsdifferenzen mit 95% Konfidenzintervallen für kontinuierliche Variablen. Die NMA wird mittels Bayesian Markov chain Monte Carlo framework und der Software R durchgeführt.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Die NMA wurde auf PROSPERO registriert (CRD42020151472), das Studienprotokoll publiziert [1] und die Literaturrecherche fertig gestellt. Es ergaben sich 21.534 Treffer: 3025 in Medline, 3186 in Cochrane, 9546 in Scopus, 1751 in PEDro, 3159 in Sportdiscus, 298 in Clinicaltrials.gov und 534 in WHO Trials. Zudem identifizierten wir 35 Treffer für graue Literatur durch Opengrey.eu. Aktuell werden die Daten extrahiert.
Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften vorgestellt, in bestehende Richtlinien integriert und den Leistungserbringern und Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen vorgestellt. Ziel ist es, evidenzbasierte Empfehlungen hinsichtlich der Wahl spezifischer Bewegungsform zu generieren.

Literaturangaben

[1] Anheyer D, Klose P, Koch AK, Haller H, Dobos G, Cramer H. Comparative efficacy of different exercise interventions in chronic non-specific low back pain: protocol of a systematic review and network meta-analysis. BMJ Open 2020; 10:e036050. doi:10.1136/ bmjopen-2019-036050

Interessenkonflikte

Keine

Stichwörter: Chronische unspezifische Kreuzschmerzen, Sport, Bewegung, Netzwerk-Meta-Analyse
PS-8-03

Prädiktoren für die Kaueffizienz bei älteren Pflegeheimbewohnern (#114)

G. Göstemeyer1, J. Gassner1, M. Schimmel2, J. Krois3, F. Schwendicke3

1 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Präventivzahnmedizin, Berlin, Deutschland
2 Universität Bern, Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie, Bern, Schweiz
3 Charité – Universitätsmedizin Berlin, Abteilung für Orale Diagnostik, Digitale Zahnheilkunde und Versorgungsforschung, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Altersbedingte Veränderungen können sich auf die Kaueffizienz bei älteren Patienten auswirken. Das Ziel dieser Studie war es Faktoren zu identifizieren, welche die Kaueffizienz von pflegebedürftigen älteren Pflegeheimbewohnern beeinflussen.

Methoden

Im Rahmen einer klinischen Querschnittsstudie in vier Langzeitpflegeeinrichtungen in Brandenburg wurden zahnmedizinische Untersuchungen bei Bewohnern im Alter von ≥ 65 Jahren durchgeführt. Zudem wurden Alter der Patienten, Geschlecht, Pflegegrad, Mobilität (mobil / Mobilität beeinträchtigt / bettlägerig), die zahnmedizinische funktionelle Kapazität (normal / leicht reduziert / stark reduziert / keine), Demenz (3DY-Tool) und der Zeitpunkt des letzten Zahnarztbesuchs erfasst. Die Kaueffizienz der Bewohner wurde durch einen Mischtest mit einem zweifarbigen Kaugummi untersucht (Kategorien des Mischgrades von 1 (nicht gemischt) bis 5 (perfekt gemischt)). Der Zusammenhang zwischen den erfassten Faktoren und der Kaueffizienz wurde mittels ordinaler logistischer Regression analysiert.

Ergebnisse

80 Patienten (55 Frauen/35 Männer) im Alter von [Mittelwert (min/max)] 83 (65/101) Jahren wurden eingeschlossen. Die Patienten hatten [Mittelwert (± SD)] 6,7 (± 8,6) natürliche und 15,7 (± 11,1) ersetzte Zähne. Die Pflegestufe betrug [Median (min/max)] 3 (1/5). Zehn Patienten waren mobil, 54 in ihrer Mobilität beeinträchtigt und 16 bettlägerig. Die zahnärztliche funktionelle Kapazität war bei 26 Patienten normal oder leicht reduziert, bei 41 Patienten stark reduziert und 13 Patienten waren nicht mehr in der Lage, eine regelmäßige zahnmedizinische Betreuung zu erhalten. 40 Patienten hatten mindestens einen Zahnarztbesuch innerhalb des letzten Jahres. Die Kaueffizienz betrug [Mittelwert (SD)] 2,3 (± 1,1). Höheres Alter (OR: 0,89, 95%CI: 0,81 - 0,98 pro Jahr) und die Anzahl der fehlenden Zähne (1,23, 1,11 - 1,36 pro Zahn) waren signifikant mit einer verminderten Kaueffizienz assoziiert.

Schlussfolgerung

Der Erhalt natürlicher Zähne auch im hohen Alter scheint wichtig zu sein, um die Kaueffizienz bei älteren Pflegeheimbewohnern aufrecht zu erhalten.

Interessenkonflikte

Diese Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert (BMBF Förderungsnummer: 01GY1802).

Stichwörter: Kaueffizienz, Gerontologie, klinische Studie, Zahnmedizin
PS-8-04

InCOV - Evidenzbasierte Gesundheitskommunikation unter Unsicherheit bei Influenza und COVID-19 - Ergebnisse einer Onlinestudie (#123)

C. Wilhelm1, 2, C. Ellermann1

1 Harding-Zentrum Für Risikokompetenz, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Potsdam, Potsdam, Brandenburg, Deutschland
2 Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, Berlin, Deutschland

Hintergrund/Fragestellung

Die Herausforderungen im gesellschaftlichen Umgang mit SARS-CoV-2 und der Erkrankung COVID-19 haben gezeigt, dass transparente und verständliche Informationen notwendig sind, damit Menschen das neuartige Risiko richtig einschätzen. Um die kritische Kombination aus Ansteckungs- und Erkrankungspotenzial verständlich und auch mit Blick auf die Unsicherheit zu kontextualisieren, wurden Informationen zu SARS-CoV-2 im Vergleich zum Influenzavirus entwickelt. In Informationsboxen wird gezeigt, welchem Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko Erwachsene unter 60 und über 60 Jahren im Falle eines Kontakts mit einer mit SARS-CoV-2 oder dem Influenzavirus infizierten Person ausgesetzt sind (individuelles Risiko) bzw. sie Andere im Fall einer eigenen Infektion aussetzen (gesellschaftliches Risiko).

Die entwickelten Informationsangebote werden derzeit hinsichtlich der Risikowahrnehmung (individuelle Einschätzung, subjektive Bedrohungslage), Verhaltensintention (in Bezug auf die AHA-Maßnahmen, Informationsweitergabe) und Informationsextraktion untersucht.

Im Beitrag werden wesentliche Eckpunkte der Entwicklung der Informationsmaterialien dargestellt und die Studienergebnisse diskutiert.

Methoden

In einer Onlinestudie im Prä-Post-Design werden Teilnehmende in vier Untersuchungsgruppen randomisiert (between-subjects design) und erhalten altersspezifische Informationen: Informationsbox mit Perspektive des persönlichen Infektionsrisikos, des gesellschaftlichen Infektionsrisikos oder eine von zwei Echtweltinformationen zum Vergleich von Influenza und Covid-19. Das Studienprotokoll kann bei den Autor*innen angefragt werden.

Ergebnisse

Die Informationsboxen eignen sich gegenüber den Echtweltinformationen besser, um das Risiko von SARS-CoV-2 im Vergleich zum Influenzavirus zu kommunizieren. Sie tragen zur Verbesserung der individuellen und gesellschaftlichen Risikowahrnehmung bei und haben Einfluss auf die Verhaltensintention (z.B. Weitergabe von Informationen).

Schlussfolgerung

Die Studie erweitert gezielt die Toolbox von Kommunikationswerkzeugen, indem ein neuartiges Infektionsrisiko heruntergebrochen wird. Sie leistet so einen Beitrag zur sachlichen, transparenten Laienkommunikation im pandemischen Geschehen.

Interessenkonflikte

Die Autor*innen erklären, dass keine Interessenkonflikte vorliegen.

Stichwörter: Influenza, Corona, Covid-19, Risikokommunikation, Unsicherheiten
PS-8-05

Systematic review of the effectiveness and safety of home-treatment models in child and adolescent psychiatric care (#135)

S. Wolf1, N. Grössmann1

1 Austrian Institute for Health Technology Assessment, AIHTA, Wien, Wien, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

The Austrian child and adolescent psychiatric care landscape is characterised by substantial deficits on the intramural and extramural level. To overcome these supply shortfalls alternative outreach approaches, such as home-treatment (HT) can be introduced which shall facilitate the reduction of hospitalisations. Thus, we aimed to systematically characterise international HT models considering their efficacy and safety in the area of child and adolescent psychiatry.

Methoden

A systematic literature search in six databases, as well as an extended hand search, was conducted. Taking into account the predefined inclusion and exclusion criteria, eleven publications on six HT studies were eligible for the qualitative synthesis; comprising two randomised controlled trials (RCTs), two non-randomised controlled trials (NRCTs) and two observational studies.

Ergebnisse

The following four effectiveness measures were investigated: change in symptoms, hospitalisation, treatment satisfaction and need for further treatment. A benefit of HT models compared to stationary care could be identified considering patient symptoms; however, sloley in the longer-term treatment. Studies have also shown that HT is associated with fewer days of hospitalisation and with a higher needed further treatments. Inconclusive evidence was identified considering treatment satisfaction. Safety endpoints were not evaluated by any included study.

Schlussfolgerung

The results are limited by a moderate to high risk of bias due to several factors (e.g. small sample sizes). However, the evidence indicates that in long-term, HT can lead to an improvement in psychopathological symptoms and supports the transition from inpatient to outpatient care. Therefore, HT may be considered as an alternative or supplement to the stationary child and adolescent psychiatric care. However, further evidence is needed considering safety outcomes.

Interessenkonflikte

None

Stichwörter: home-treatemtn, outreach treatment, child and adolescent, psychiatric care
PS-8-06

Gender-spezifische Unterschiede in der persönlichen Betroffenheit von Hausärztinnen und Hausärzten während der COVID-19 Pandemie (#138)

K. Mergenthal1, A. Avian2, M. Flamm3, S. Huter3, U. Spary-Kainz4, D. Schaffler-Schaden3, H. Bachler5, A. Siebenhofer1, 4

1 Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Frankfurt am Main, Hessen, Deutschland
2 Medizinische Universität Graz, Institut für medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation, Graz, Steiermark, Österreich
3 Paracelsus Medizinische Universität Salzburg, Institut für Allgemein-, Familien und Präventivmedizin, Salzburg, Salzburg, Österreich
4 Medizinische Universität Graz, Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung, Graz, Steiermark, Österreich
5 Medizinische Universität Innsbruck, Institut für Allgemeinmedizin, Innsbruck, Tirol, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

Hausärztinnen übernehmen einen immer größeren Anteil an der Primärversorgung. Internationale Untersuchungen zeigen dabei Unterschiede unter anderem auch im Umgang mit den täglichen Belastungen in der Praxis. Ziel dieser Auswertung war es, die geschlechter-spezifischen Unterschiede in der Belastung während der frühen Phase der COVID-19 Pandemie zu untersuchen.

Methoden

In der Querschnittserhebung „COVI-Prim“ wurden österreichische und deutsche AllgemeinmedizinerInnen befragt. Der Fragebogen entstand auf Basis einer Literaturrecherche und Experteninterviews und erhob u.a. die Selbstsicherheit im Umgang mit der Pandemie, die Einschätzung des Risikos durch die Pandemie und Maßnahmen um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Die Rekrutierung fand über verschiedenste Verteiler im April 2020 statt. Die Auswertung erfolgte deskriptiv, Unterschiede zwischen Männern und Frauen wurde mittels t-Test (Skalen) und Chi-Quadrat Test (Items) analysiert.

Ergebnisse

Insgesamt 91% der Rückmeldungen (n=2.401) wurden analysiert (45% Frauen: n=1.073). Im Vergleich zu Männern bewerteten Frauen das Risiko einer Infektion höher (p <.001), gaben mehr Maßnahmen an, um die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern (p = 0.041) und bewerteten sich selbst als weniger selbstsicher (p <.001). Die größten Unterschiede zeigten sich in folgenden Items: Frauen äußerten eher Befürchtungen einer Infektion bei ihren PatientInnen (36% vs. 31%), dass sie ihre Familien und Personen im engsten Umfeld infizieren (61% vs. 53%) und dass sie unwissentlich ihre PatientInnen infizieren (61% vs. 52%). Vermehrt berichteten sie über die Belastung, einerseits der Verantwortung für die PatientInnen nachzukommen und andererseits die eigene Familie nicht zu gefährden (56% vs. 49%). Beim Umgang mit infizierten PatientInnen berichteten Frauen häufiger eine Unsicherheit, alles richtig zu machen (40% vs. 26%) oder über ein Gefühl der Hilflosigkeit (25% vs. 18%). Sorgen in Bezug auf die wirtschaftliche Zukunft äußerten Frauen mit 64% vs. 55% ebenso häufiger.

Schlussfolgerung

Hausärztinnen zeigen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen eine höhere Betroffenheit und Sorge1, sowohl sich als auch ihre PatientInnen und ihr persönliches Umfeld zu infizieren und zeigen sich im Vergleich zu Männern weniger selbstsicher. Diese Ergebnisse sollten Berufsverbände veranlassen, zielgerichtete Unterstützungsmöglichkeiten zu schaffen beziehungsweise zu bewerben2.

Literaturangaben

1Spiers J, Buszewicz M, Chew-Graham C, Gerada C, Kessler D, Leggett N, et al. Who cares for the clinicians? The mental health crisis in the GP workforce. Br J Gen Pract. 2016 Jul;66(648):344-5. doi: 10.3399/bjgp16X685765.

2Hawton K, Clements A, Sakarovitch C, Simkin S, Deeks JJ. Suicide in doctors: a study of risk according to gender, seniority and specialty in medical practitioners in England and Wales, 1979-1995. J Epidemiol Community Health. 2001 May;55(5):296-300. doi: 10.1136/jech.55.5.296.

Interessenkonflikte

Keine

Stichwörter: Gender, Primärversorgung, Belastung, Umgang mit Pandemie
PS-8-07

Effectiveness of Music Therapy for Autism Spectrum Disorder, Dementia, Depression, Insomnia and Schizophrenia. Update of Systematic Reviews. (#167)

L. Gassner1, 2, J. Mayer-Ferbas1

1 Austrian Institute for Health Technology Assessment, Vienna, Österreich
2 Royal Melbourne Institute of Technology, Melbourne, Australien

Hintergrund/Fragestellung

Music therapy (MT) is a complementary creative arts treatment and aims at maintaining, restoring, and furthering physical, emotional, and mental health. This systematic review aims at assessing the effectiveness of MT for the treatment of autism spectrum disorder, dementia, depression, insomnia, and schizophrenia. In addition, MT methods used for these indications are analysed.

Methoden

For this update of five Cochrane reviews, studies published from 2013 to 2020 were systematically searched in four databases (Medline via Ovid, Embase, The Cochrane Library, and PsycINFO). Two review authors independently performed the study selection and data extraction; for assessing the methodological quality of the included trials the ROBINS-I and The Cochrane Collaboration’s tool were used.

Ergebnisse

Ten randomized controlled trials, involving 1.248 patients, investigating the effectiveness of MT in autism spectrum disorder, dementia, depression and insomnia, compared to standard treatment or no treatment (e.g., waiting list), met the inclusion criteria. For the indication schizophrenia, only studies with a high risk of bias were found, and no study could be included. Therefore, an update was not possible.

In autistic children, MT improved behaviour, social communication skills and the quality of the parent-child relationship. Depressed patients enhanced mood, and sleep quality improved in patients diagnosed with insomnia due to music therapy.

MT positively affects on mood in demented patients. Behavioural symptoms enhanced only in the severe Alzheimer’s stage. No long-term effects on mood and behavioural symptoms could be found. Cognition did not ease due to MT, but cognitive function ameliorated. Short and long-term memory improved in the mild Alzheimer’s disease stage, but not in the moderate or severe stage.

Mixed forms of MT methods were used in demented patients, while the authors of the studies on autism spectrum disorder and depression applied active methods. In patients diagnosed with insomnia, only receptive methods were used.

Schlussfolgerung

The findings of this update of reviews provide evidence that MT may help patients diagnosed with an autism spectrum disorder, dementia, depression, insomnia, and schizophrenia. MT improves physical, psychological and social aspects. It is crucial to focus on patient-related evidence-based health care. More research investigating the long-term effects is needed. It is crucial to specify how long the effects of MT last.

Literaturangaben

Aalbers S, Fusar-Poli L, Freeman RE, Spreen M, Ket JCF, Vink AC, Maratos A, Crawford M, Chen XJ, Gold C. Music therapy for depression. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 11. Art. No.: CD004517. DOI: 10.1002/14651858.CD004517.pub3.
van der Steen JT, Smaling HJA, van der Wouden JC, Bruinsma MS, Scholten RJPM, Vink AC. Music-based therapeutic interventions for people with dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, Issue 7. Art. No.: CD003477. DOI: 10.1002/14651858.CD003477.pub4.

Interessenkonflikte

The authors declare no conflict of interest.

Stichwörter: music therapy, physical effects, psychosocial effects, systematic review
PS-8-08

Regenbögen für Kinder: Ein grenzübergreifendes, interdisziplinäres und ganzheitliches Versorgungs- und Nachsorgeprojekt für Kinder mit onkologischen Erkrankungen (#193)

S. Neyer1, A. Kuckert-Wöstheinrich1

1 University of applied Sciences, Fachhochschule Vorarlberg, 1Bachelorstudiengang Gesundheits- und Krankenpflege, Fachbereich Soziales und Gesundheit, Dornbirn, Österreich

Hintergrund/Fragestellung

Wenn ein Erwachsener an Krebs erkrankt, ist die Belastung für die Familie groß – um wie viel größer ist sie erst, wenn bei einem Kind oder Jugendlichen eine Krebsdiagnose gestellt wird. Zusätzlich kann die familiäre Situation durch eine unzureichende medizinische und pflegerische onkologische Versorgung erschwert werden. Zum heutigen Zeitpunkt müssen im Vorarlberg onkologisch zu behandelnden Kindern und Jugendliche zur Diagnostik und Therapie in Spezialzentren wie St. Gallen (CH), Innsbruck (A) oder unter Umständen in eine Fachklinik nach Süddeutschland. Die österreichische Krebshilfe hilft bei den ersten Anliegen im Akutspital in Innsbruck. In Vorarlberg gibt es ein Casemanagement für betroffene Familien, welches bei Fragen rund um die Erkrankung und zu Hilfsangeboten berät. Es gibt aber für diese Zielgruppe keine ganzheitliche Versorgung der Kinder mit ihren Familien.

Im Umkehrschluss bedeutet das für die Kinder und deren Familien ein Herausgerissenwerden aus ihrer vertrauten Umgebung, lange Fahrtzeiten zu den verschiedenen Spezialzentren und damit verbunden ein Abweichen vom vertrauten Familienalltag mit vermindertem Kontakt zu Geschwisterkindern. Fragen, die diese Familien zusätzlich belasten sind: Wie kommen wir zu den Therapien, Nachkontrollen und Untersuchungen? Wer übernimmt die Nachsorge? Wer kümmert sich um die Schule? Und vor allem wie läuft die grenzüberschreitende Versorgung auch zu Covid-19 Zeiten? Derzeit werden insgesamt 17 Kinder mit ihren Familien seit 12/2018 mit Diagnosen aus der pädiatrischen Onkologie in Vorarlberg betreut (Stand: 20.12.2019, Landesgesundheitsrätin) [1].

Wie gestaltet sich eine grenzübergreifende, interdisziplinäre und ganzheitliche Versorgung und Nachsorge von Kindern mit onkologischen Erkrankungen und ihren Familien in Vorarlberg?

Methoden

Das Projekt ist mehrstufig angelegt: Erstellung Metasynthese zu den Bedürfnissen und Bedarfen von betroffenen Familien, Analyse von betroffenen Familien in Vorarlberg, Analyse von im Versorgungsprozess involvierten Berufsgruppen (Pflege, Medizin, Therapie, Psychologie, soziale Berufe), Auswertung der Daten und Kenntnisse, Konzeption von Unterstützungsmaßnahmen.

Vorläufige/erwartete Ergebnisse, Ausblick

Es besteht bisher ein Betreuungs- und Versorgungsangebot durch die Spezialkliniken zur Diagnostik, Therapie und medizinischen Nachsorge außerhalb von Vorarlberg. Es fehlt ein „one-stop center“ für Kinder und Familien mit einem ganzheitlichen Ansatz im Sinne von unterschiedlichen Unterstützungsangeboten in allen Phasen der Erkrankung („supportive care“). Einen Ort der Erholung und Wissensbasis, gezielte individuelle Nachbetreuung für die Kinder und ihre Familien und vor allem ein Ort der grenzenlosen Kooperation und Zusammenarbeit für das Wohl der schwer erkrankten Kinder mit ihren Familien. Unterstützungsmaßnahmen könnten zum Beispiel Videos der Spezialkliniken sein, so dass Kinder sich auf die bevorstehenden Spitalsaufenthalt vorbereiten können. Hier gilt es sich eng an den Bedürfnissen der Familien zu richten.

Literaturangaben

[1] Rüscher, M. (2019): Anfrage gemäß § 54 GO d LT – Wie steht es wirklich um die Behandlungsmöglichkeiten krebskranker Kinder im Land?  (Online im Internet, Zugriff am: 18.10.2020).

Interessenkonflikte

Die Autorinnen erklären, dass kein Interessenskonflikt vorliegt.